Lipstick and Laptop

by Helen

Perfekt zum Wochende. Ein Video Ein Video: Was wir in Vorstellungsgesprächen sagen – und was wirklich beim Gegenüber ankommt ;-)

by Cloe

Ich hatte euch ja erzählt, das ich gekündigt habe, meine Promotion abschließe und sonst mein Leben einmal aufräume und loslasse, wo es nötig ist. Vor Allem mit mir und meinen anstrengenden Ticks und Muster. Mein nächster Job steht an und damit auch die grundsätzliche Frage: Will ich noch Führen? Meine Antwort: definitiv ja.  Und mir wird klar: am besten in meinem eigenen Unternehmen. Mich reizt die jetzige Führungspause – darüber nachzudenken, was ich eher krampfhaft beim Thema „Führen“ angepackt habe und was mir sehr leicht fiel. Die Freistellung tut mir hier gut. Wenn ich morgens aufwache, bin ich erstmal nur für mich selbst verantwortlich.

Ich denke viel über das Thema Selbständigkeit nach, zurück in die Industrie bereitet mir innerlich nicht so einen Freudentanz. Lieferanten, freie und mal eigene Mitarbeiter führen? Das wärs…

By Cloe

Ich bin Freigestellt und kann meine Freizeit genießen. Oder? Eine Anekdote, die mein Gefühls-Auf-und-Ab beschreibt: Ich gehe um 10 Uhr zu Edeka, habe nichts mehr zu essen im Haus. In meinem „nicht-gehetzt-relaxten-Einkaufs-Schlender-Modus“ fallen mir zum ersten Mal die Leute um mich herum auf und die Atmosphäre im Supermarkt. War ich doch bisher als Berufstätige immer die Letzte kurz vor Ladenschluss, gehetzt, irgendwas in den Korb schmeißend und in einer langen Schlange von Gleichgesinnten an der Kasse stehend.

Mein Bild jetzt: keine langen Schlangen an der Kasse, relaxte Verkäuferin, die gemütlich die Regale vollräumen, eine kleine Gruppe schlendernder Rentner, eine ganz kleine Gruppe schwänzender Schüler, eine etwas größere Gruppe von Müttern mit ihren Kindern bis 4 Jahre alt, die gar nicht mal so gestresst aussehen, wie ich immer dachte. Und vielleicht 2 Studenten, schätz ich wegen des Alters. Und ich. Ich merke, dass ich meine Peer-Group verloren habe. Wie die Gesellschaft doch leicht zu segmentieren ist. Ich muss schmunzeln und beschließe die Zeit positiv zu nutzen, die Dinge um mich herum bewusster wahrzunehmen und vor allem alles nicht so ernst zu nehmen. Lächelnd habe ich meine Einkäufe gemacht… Ich gehöre jetzt einer kleineren Randgruppe an. Na dann :)

by Helen

Am vergangenen Wochenende war ich toll im Schwarzwald wandern. Und während wir so stundenlang durch bepuderzuckerte Landschaft marschierten, hatten wir viel Zeit mal über alles Mögliche zu quatschen. Dabei war auch ein Bekannter, der ein kleines Unternehmen führt – zwei Chefs, vier Angestellte. Start-up, alles selbst aufgebaut, Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, das volle Programm. Eigentlich jemand, der wirtschaftlich betrachtet von unserer Regierung jedes Jahr zumindest mal eine Weihnachts-Dankes-Grußkarte erhalten sollte. Über Umwege kamen wir schließlich auf das Thema Frauenquote und Frauen in Unternehmen und dass es eigentlich sinnlos ist, in Vorständen eine Quote zu fordern, solange es für Betriebe eigentlich immer noch ein Nachteil ist eine Frau einzustellen, wenn diese noch in der Familienplanungsphase ist. Und dann erzählte er mir etwas, dass sogar für mich noch neu war. Wenn Frauen Kinder bekommen wird es für den Betrieb erstmal richtig teuer. Eine seiner Mitarbeiterinnen war dieses Jahr Mutter geworden und es hatte ihn in Summe 15.000 Euro gekostet. 15.000 Euro – für ein Unternehmen mit 300.000 Euro Umsatz sind das 5%!!! Das ist ja der Wahnsinn dachte ich – und hakte nach: Das Elterngeld zahlt doch aber der Staat? Ja, ja sagte er klar, aber: Den Mutterschutz zahlt der Arbeitgeber zum Teil selbst (teilweise die Krankenversicherung), außerdem ist die Kollegin während der Schwangerschaft mit Ultraschallterminen, Krankheitstagen usw. öfter weg – eine Vertretung muss her. Dann muss ein Nachfolger gefunden werden. Die Stelle muss ausgeschrieben werden oder gar ein Headhunter beauftragt werden. Auch die Einarbeitungsphase mit etwaiger Überlappungszeit muss einkalkuliert werden. Das soll jetzt nicht falsch verstanden werden. Mein Bekannter beschwerte sich überhaupt nicht darüber. Er hatte große Wertschätzung für die Mitarbeiterin und ihre Familiensituation. Aber klar ist natürlich auch, dass dies gerade für ein Start-up oder eine kleine Firma eine große Belastung darstellt. Und hier greift keine Quote – bei der nächsten Einstellung muss ein unternehmerisch denkender Mensch dieses Risiko einkalkulieren. Und damit ist eine Frau nicht gleich attraktiv auf dem Arbeitsmarkt wie ein Mann – Zwangsverordnung durch eine Vorstandsquote hilft das wenig.

by Cloe

Ich habe gekündigt und bin monatelang freigestellt. Was nun? Wäre ich 25 und hätte nicht schon Verantwortung für Ehemann und lokale Verpflichtungen, ich würde meine Wohnung kündigen und einfach ein paar Monate nach Spanien ziehen. Nein, besser Australien. Oder eine neue Sprache in China lernen. Aber irgendwas hält mich zurück. Mein Change Prozess.  Ich war keine Praktikantin, die nach einem halben Jahr ging und das nächste Abenteuer während des Studiums aussucht. Ich war 10 Jahre in einem Karriere Rhythmus in dieser Gegend, in einer Branche. Einfach Zelte abreißen, hat sich nicht gut angefühlt.

Also den Alltag in der selben Umgebung eben anders meistern. Das ist meine große Challenge. Die Vorbereitung auf eine neue berufliche Herausforderung und der mentale Ausstieg aus dem bisherigen. Andere Ziele und Projekte in den Alltag reinbringen – lieber nicht, besser die Laufenden zuende bringen. Habe ich als mega Aktion-Dame mit vielen Interessen in der Vergangenheit ein paar mal zuviel “ja” gesagt, habe nun so einiges am Laufen. Promotion, Fachartikel und ein ganzes Buch liegen noch auf dem Schreibtisch. Trotzdem. Mein Vorsatz: aus Vollgas nicht wieder noch mehr Vollgas machen, aber auch kein Standgas. Denn Stillstand ist für mich Rückschritt. Ich spüre, dass sehr bewegende Wochen auf mich zukommen werden…

by Cloe

Das Management hat beschlossen mich freizustellen, nach meiner Kündigung habe ich einen Termin mit der Personalabteilung, die meinen Bereich intern schnell nachbesetzen möchte. Freistellung ist üblich, bei uns aber aber eben Nasenfaktor. Hat die unterschiedlichsten Gründe. Ich schätze mein Shareholder war emotional immer noch nicht amused, dass ich gehe. Auch das Thema Wettbewerber spielt immer eine Rolle.

Ein Glücksfall? – bis zu meinem Ausstieg aus der Firma in ein paar Monaten bin ich freigestellt bei vollen Bezügen. Ich kann es kaum glauben. Handy abgeben, Dienstwagen behalten. Nach Hause fahren. Zwei Stunden zum Packen der persönlichen Sachen, Verabschiedung bei meinen Mitarbeitern und das Haus verlassen. Es gab viele Überraschungstränen, es hat mich gerührt, wie betroffen meine Mitarbeiter waren. Ich hätte es Ihnen gerne viel früher gesagt, aber mit einer Freistellung hatte ich nun nicht gerechnet. Über den Flur noch ein paar erstaunten Kollegen Bescheid geben und raus aus dem Gebäude. Das wars.

Ich bin wie in Trance nach Hause gefahren und kann es nicht glauben. Es fühlt sich an wie ungeplant aus der Kurve gerissen zu werden und an den Rasenrand gesetzt. Mit einer Cola in der Hand. Zusehen und Fähnchen schwingen. Es fällt alles von mir ab: der stressige Führungsalltag, die privaten „Projekte nebenher“ und die neue berufliche Zukunft nehmen Platz im vollen Tag ein. Meine Promotion erhält die Chance zügig fertig zu werden. Aber auch die Angst steigt, in ein Loch zu fallen oder so vor sich hinzutrödeln und nicht mehr wissen wer ich bin oder was ich kann… Es wird sich zeigen.

by Helen

Jetzt ist sie also da die Frauenquote. Und mit ihr viel Geschrei. Meist kann ich darüber nur lachen. Zum Beispiel wenn nun argumentiert wird, dass die deutsche Wirtschaft durch die Frauenquote gefährdet würde. Ernsthaft? Glauben wir wirklich, dass 177 Frauen die gesamte deutsche Wirtschaft in den Abgrund stürzen können? Wenn dies so wäre, dann bräuchten wir die Frauenquote wahrscheinlich gar nicht…
Ich finde die Frauenquote natürlich selbst nicht „lupenrein“. Sie suggeriert, Frauen wären nicht kompetent genug, um aus eigener Kraft Führungspositionen zu erreichen. Und das wäre natürlich schlecht. Schlecht für die Unternehmen, weil dann nicht Kompetenz sondern Geschlecht über die Besetzung entscheiden würden. Schlecht für die Frauen, weil unterstellt wird, sie seien irgendwie förderungsbedürftig und daher nicht in der Lage, eine gewünschte Position aus eigenem Antrieb zu erreichen. Diese Argumentation springt allerdings viel zu kurz, denn diese Argumentation geht davon aus, dass heute Stellen in Unternehmen nach Kompetenz besetzt werden. Ich arbeite in einem Großkonzern. Und es gibt in meinem Umfeld nur genau eine Stelle, bei der ich das Gefühl habe, dass es tatsächlich darum geht, bei der Besetzung den besten Kandidaten auszuwählen. Und das ist die Einstiegsposition. Wenn man in meinem Großkonzern eingestellt werden will, wird man auf Herz und Nieren durchgeprüft, braucht bestimmte Notenabschlüsse und wird in einem Assessment von unabhängigen Beobachtern bewertet. Aber danach werden freie Stellen doch meist nicht nach objektiven Kriterien besetzt! Welche sollten das auch sein? In den wenigsten (akademischen) Berufen ist Leistung doch an klaren (quantitativen) Messgrößen bewertbar. Und selbst dort wo es quantitative Messgrößen gibt, unterliegt der Erfolg doch so großen Interdependenzen, dass man ihn sehr selten der Leistung von genau einer Person zuordnen könnte. Und damit verlässt man die Skala der Objektivität. Und Betritt eine gewisse Grauzone. Diese Grauzone ist bei manchen Besetzungen hellgrau und bei manchen dunkelgrau – aber ich erlebe es nie und bezweifele auch dass dies möglich ist – dass eine Stelle nach Kompetenz besetzt wird. Die Kompetenz ist ein Faktor, der sicherlich herangezogen wird. Niemand wird seinen Fußballkumpel besetzen, wenn dieser die Stelle nicht auch ausfüllen kann. Aber es ist ein absoluter Trugschluss zu glauben, dass gerade in Großkonzernen heute immer der beste Kandidat die Stelle bekommt. Und das führt mich zu meinem Lieblingsthema Statistik. Denn wenn dies so wäre – dann müsste sich die Geschlechterverteilung, die in einem Unternehmen vorhanden ist, ja irgendwann auf allen Führungsebenen einstellen. Denn statistisch betrachtet ist Kompetenz geschlechter-unabhängig verteilt. Was bedeutet, dass in einer Firma mit 30% Frauenanteil, auch 30% Frauen in Führungspositionen vertreten sein müssten, oder 28% oder 32% oder 27%… Aber so ist es nicht. In einem deutschen Großkonzern mit 30% Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft, gibt es gerade mal 14% Frauen in Führungspositionen. Eine statistische Unregelmäßigkeit? Wohl kaum, da die Situation in allen Firmen in diesem Punkt in etwa ähnlich ist. Die Frauenquote ist sicherlich kein Instrument dafür die Ursache zu bekämpfen, nämlich dass generell Stellen nicht nach Kompetenz besetzt werden. Das wäre eigentlich der wichtigere Stellhebel. Würde nach Kompetenz besetzt, würde sich das Geschlechtergleichgewicht automatisch einstellen. Und natürlich löst die Quote auch nicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die in Deutschland gravierend hinterher hinkt.

by Helen

Es war einmal ein Großkonzern, der hatte ganz ganz wenige weibliche Führungskräfte. Dieser Großkonzern operierte in einem Land namens Deutschland. Und weil die Regierung es sehr ungerecht fand, dass viele Frauen trotz gleicher Qualifikation immer noch zu wenig verdienen und weniger Karriereoptionen haben, drohte dieses Land den Großkonzernen damit, dass es ein Gesetz geben würde, dass sie zwingt Frauen zu fördern.

Und weil der Großkonzern sehr viel Angst vor diesem Gesetz hatte, fing er also an Frauen zu fördern. Zum Beispiel in dem er jeden, der eine Stellen zu besetzen hatte zwang, nachzuweisen, dass er auch geprüft hatte, ob nicht eine Frau für die Position in Frage kommen würde. In diesem Konzern gab es nun einen Chef, der eine neue Stelle besetzen wollte. Sein bestern Kumpel aus dem Studium/ein Kollege aus dem Fußballverein/ein langjähriger Mitarbeiter, der mit dem Chef bereits bestens vertraut war, hatte Interesse an der Stelle bekundet. Natürlich war es für diesen Chef gesetzt, dass die Stelle mit diesem Kumpel/Kollegen/Mitarbeiter besetzt werden müsste. Dennoch musste er nun prüfen, dass es keine Frau in der ganzen Firma gibt, die diesen Job erfüllen könnte. Er hatte Glück keine Frau hatte sich auf die Stelle beworben (sie war ja auch nicht ausgeschrieben gewesen). Da tauchte plötzlich eine böse Fee auf und legte ihm eine Liste mit qualifizierten weiblichen Kandidatinnen vor, die er bitte prüfen sollte. Außerdem zwang die Fee ihn die Stelle auszuschreiben, damit sich jeder und jede, die sich bewerben wollte auch bewerben konnte. Der Chef stimmte widerwillig zu, er war sehr zerknirscht, denn nun musste er bei jedem Kandidaten der formal geeinget war begründen, warum der Kollege/Kumpel/Mitarbeiter viel, viel besser für die Stelle geeignet wäre. Aber der Chef war nicht dumm. Wenn er geeignete Kandidaten und Kandidatinnen davon abhalten könnte, sich überhaupt erst auf die Stelle zu bewerben, müsste er nicht begründen, dass er die Person nicht nimmt. Und so telefonierte er die Liste mit potenziellen Kandidaten ab und erklärte den Menschen auf dieser Liste nach fünf minütigen Gesprächen, dass er bereits in der Kürze der Zeit vollumfänglich verstanden hätte, was die Person als Qualifikationen mitbringt und dass diese Qualifikationen niemals ausreichen würden, um diese Stelle zu besetzen. Eine schriftliche Bewerbung wäre ganz und gar aussichtslos und geradezu abwegig. Und es funktionierte, keiner bewarb sich auf die besagte Stelle und der Chef konnte weiterhin den Kollegen/Kumpel/Mitarbeiter befördern, den er von Anfang an ausgewählt hatte.

Und die Moral von der Geschicht:

Gegen Geklüngel und Vetternwirtschaft hilft auch beste Absicht nicht.

by Cloe

Ich habe meine Kündigung eingereicht. Erst per Papier in der Personalabteilung. Dann persönlich bei meinem Chef. Ich bin erleichtert: mein Boss reagierte souverän, wünschte mir alles erdenklich Gute und freut sich für mich, wenn es in meinem Leben nach meinen Vorstellungen weitergeht. Das hat mich gefreut.

Die ausländischen neuen Shareholder waren nicht so amused, so liegt es doch in der deutschen Kultur damit etwas souveräner umzugehen, in anderen Kulturen hinterlässt man leicht Enttäuschung und das Gefühl zu verraten, illoyal zu sein. Das ist jetzt meine Lernkurve, die auch ich mitnehmen muss und sie eigentlich bedauere. Aber ist es mein Problem? Jetzt der Veränderung seinen Lauf lassen…

by Cloe

Kündigen ist nicht unbedingt schön. Irgendwie hängen doch Emotionen dran. 7 Jahre in einem Unternehmen mit viel Engagement und tollen Kollegen, mit denen man Leid und Freud geteilt hat, gehen nicht einfach spurlos an einem vorbei. Mein Papier ist geschrieben und meine Haltung und Message zu meinem Boss, Kollegen und Mitarbeiter klar: positive Trennung, keine Vorwürfe, ich gehe nicht im Schlechtem. Ja, es ist das typische weinende und lachende Auge. Trotzdem bin ich aufgeregt. Das Unternehmen dreht sich sehr schnell zur Zeit, mein Boss ist selber neu und gefühlt ist mehr Chaos als Stabilität im Unternehmen. Viele Menschen sind nervös, schwanken zwischen Loyalität und der Frage „whats in for me“ in der neuen veränderten Welt oder eben dem Absprung. Es kündigen viele, jeden Monat werden die Namen im Flurfunkt diskutiert, die andere Wege gehen wollen. Die High professional Service Industrie – Consulting, IT und Engineering Beraterbranche hat eine höhere Fluktuation, es ist normal.

Ich mache mir aber meine Gedanken. Wird meine Kündigung genauso respektvoll aufgenommen? Gewährt man mir einen früheren Ausstieg und bis dahin eine positive Zusammenarbeit? Egal wie alt man ist, bei einer Kündigung hat man Wunsch und Hoffnung das Ganze positiv „über die Bühne zu bringen“. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Bereuen sollte man auch nichts und alle positiven Entwicklungsschritte in guter Erinnerung behalten. So geht es mir auch und das ist gut so. Ein neuer Schritt kann kommen…