Lipstick and Laptop

by Helen

Meine Lieblings Ex-Ministerin Kristina Schröder meldet sich auch mal wieder aus der Versenkung des „einfachen Bundestagsabgeordeten“. Und das nur, um gleich mal wieder mit Doofheit aufzufallen. Sie habe „Deutschland vier Jahre lang vor der Frauenquote bewahrt.“ Schöner kann man sein eigenes Scheitern (Stichworte: Flexi-Quote und Sang- und Klangloser Abschied aus dem Ministerium) wohl nicht verpacken. Und ja ich rege mich hier über eine andere Frau in meinem Alter auf, weil mir meine Worte für alle ewig-gestrigen CSU Politiker und deren polemischer Quatsch zum Thema einfach zu schade sind. ;-)

by Cloe

Ich habe euch die Emotionen in meinen letzten Blogs rund um meine Kündigung erläutert. Und meine Gedanken kreisen trotzdem: Affären, Kündigungen, Fehlverhalten, politische uncorrectness – der Flurfunk saugt alles in sich auf und trägt es weiter. Im Untergrund werden also die Emotionen behandelt. Nicht offiziell, die Meetings müssen mit viel perfekter Haltung abgehalten werden. Platzt mal diese Blase, kommen eher cholerische Wutausbrüche ans Tageslicht.

Ich fühle mich einfach komisch, habe ich mit meiner Kündigung vielleicht etwas nicht Alltägliches, aber doch Normales in meinem Leben vor. Neid, Ablehnung, Enttäuschung sind aber ständige Begleiter. Das ist im Leben wohl so. Gute Kollegen, die in Schritte involviert sind, sprechen mich die Tage schon „unauffällig auffällig“ an und wollen etwas von mir herausbekommen. Irgendwie komme ich mir so albern vor, ist es doch eigentlich keine große Sache. Aber in einem kleinen Kosmos ist so was eben doch eine. Ich versuche bei mir und meinen Gedanken, den nächsten Schritten zu bleiben. Was mein Schritt für andere bedeutet, kann ich nicht beeinflussen und muss ihn so respektieren wie er ist. Und wenn ich nun einfach nur auf der Tratschliste Top 1 im Flurfunk lande. Ist halt so.

by Cloe

Es ist merkwürdig. Das Thema Wettbewerber ist eine ganz heiße Sache hier in meinem Unternehmen. Natürlich lande auch ich beim Wettbewerber wie fast jeder, der geht. Das ist der Grund für die hohe Fluktuation in dieser Branche – gut ausgebildeten Mitarbeitern, die sich weiterentwickeln wollen, bekommen hier und da eben Angebote, die das Bedürfnis der Weiterentwicklung befriedigen und als Unternehmen selber wachsen wollen. Irgendwie ist es doch eine emotionale Sache geworden bei allen Beteiligten, zumindest spüre ich das. Doch wie oder warum man kündigt, es geht das Unternehmen doch eigentlich nichts an? Doch darum geht es wahrscheinlich nicht wirklich, es sind oberflächlich vorgeschobene Argumente.

Denn: ich höre wie in der die IT und Personalabteilung gearbeitet wird. Gerüchte werden an mich herangetragen mich freizustellen. Das macht mich nervös, da ich damit nicht rechne, für meine Position eher unüblich. Meinen Mitarbeitern gegenüber wollte ich noch nichts sagen, muss den Schritt selber erst mal verkraften. Zu viele Fragen würden aufkommen und es sind noch einige Fragen ungeklärt, wann z.B. mein letzter Arbeitstag sein würde. Hört sich alles ziemlich wild an. Ist es gefühlt auch. Unternehmen sind manchmal schrecklich. Und ich wahrscheinlich im Umgang auch, mache mir einen zu großen Kopf. Wir sind eben ein ganz großer Krabbenkorb. Und im Krabbenkorb geht jetzt einer, das ist für alle Beteiligten betreffend und bewegend.

So rational und sachlich sich im Unternehmen verhalten wird, hier findet eine Trennung statt und das bewegt nun mal. In manchen Momenten fühlt es sich wie ein Staatsverbrechen an und in manch anderen Momenten muss ich an die gleichgültigen Worte eines alten Chefs von mir denken, der trocken dazu nur zu sagen hatte:  „Reisende sollte man nicht aufhalten“.

by Helen

Ok – jetzt kommt ein kontroverses Thema. Ich mag kein Job-Sharing bei Führungskräften. Damit meine ich, dass sich zwei Leute mit jeweils einer halben Stelle eine ganze Stelle teilen. Denn 1+1 ergibt meiner Meinung nach einfach nicht 2 – zumindest nicht in diesem Fall. Es mag vielleicht sein, dass sich bestimmte Tandems wunderbar ergänzen, immer einer Meinung sind und super gut darin sind sich abzustimmen. In der Realität erlebe ich aber viel zu oft, dass die eine Hand nicht weiss, was die andere tut und sowohl Mitarbeiter, Chefs als auch Schnittstellenabteilungen hinterher total konfus sind.

Leider sind diese Tandems bzw. Job-Sharing Partner ja meistens Frauen. Und noch schlimmer finde ich, wenn das Job-Sharing dann auch noch als Entschuldigung benutzt wird, uninformiert zu sein.

Beispiel von letzter Woche: Großes Abstimmungsmeeting. Alle haben Präsentationen dabei. Eine Kollegin kommt zu spät und ohne Präsentation. O-Ton: “Hallo zusammen, ich bin die Job-Sharing Partnerin von der Frau xy und sie hat alles bisher gemacht. Und daher weiss ich jetzt leider nicht genau worum es hier geht und kann auch sonst nicht viel dazu sagen”. Wenn man sich so vorstellt, dann stellt man doch auch gleich das ganze Modell des Job-Sharing in Frage. Hätte sie sich “ganz normal” vorgestellt als die Führungskraft, die sie schließlich ist und hätte die Verantwortung dafür übernommen, dass sie nicht vorbereitet ist, hätte ich das wesentlich souveräner gefunden.

by Cloe

Der Blog thematisiert die unterschiedlichsten Problemstellungen im Thema Frauen im Management, das leidige Thema der Frauenquote und Frauen im Business im Allgemeinen – sowie alle wichtigen Beteiligte drum rum. Ein Zwischenfazit von mir: Die wirklichen Hindernisse liegen doch da, wo viele nicht hinsehen wollen, weil es so kompliziert und vielschichtig erscheint – im „Kleinen“: Das Miteinander von Mann und Frau an sich im ganz normalen Alltag und nicht der Live-Spot auf die einzige Vorstands-Dame, die es da irgendwie mit Ausnahmeprozesse hin geschafft hat. Wo sind die Regeln des Aufstieges von Frau in der normalen Breite? Wenn man hier nicht anfängt Transparenz und Klarheit reinzubringen, dann wird es noch einen sehr langen Weg in dieser Diskussion geben.

Wie soll also die Damen-Quote bis ins Top Management erhöht werden, wenn es im „alltäglichen Kleinen“ permanent hakt und oft Stillstand und Frustration provoziert? Wenn bspw. beim Vorstellungsgespräch Frau schon Schwierigkeiten bekommt oder unbewusst selber welche kreiert; sich selbst im Wege steht? Wenn Frauen untereinander die falsche Einstellung lebendig halten, wie z.B. das gemeinsam auf einer Ebene arbeiten ist toll, das Erheben einer Frau gegen das Krabbenkorb-Prinzip gar Stress bei vielen auslöst? Wie wollen Sie die Quote erhöhen, wenn es noch so viele unterschiedliche Verständnisse im Verhältnis Mann zu Frau gibt? – ein 60 jähriger Mitarbeiter kommt aus einer anderen Generation mit einem anderen Frauenbild als der neue Absolvent mit 25. Wer unterstützt ihn dieses weiterzuentwickeln, zu adaptieren oder einen neuen Umgang damit zu finden? Wer begleitet Frauen mit Ihrem Gegenüber und seiner/ ihrer Einstellung nachsichtig umzugehen, Wege und Strategien zu entwickeln ein verständnisvolles Miteinander zu entwickeln, herrschen im Business doch eher Wettbewerbsregeln und oft nicht zuletzt immer noch: „der Stärkere setzt sich durch?” Dies einfach mal als Gedankenanregung.

by Cloe

Frauen und der Büro-Umzug. Ein Highlight als Führungskraft ist und bleibt die Koordination eines Umzuges. Ja, es ist die schwierigste und menschlich verworrenste Aufgabe, welche alle Management-Skills einfordert, die existieren. Ein Umzug klingt harmlos. Ist es aber ganz und gar nicht. Dem Mitarbeiter ist das Heiligste sein Arbeitsplatz. Nie vergessen. Als Führungskraft ist man oft unterwegs, sitzt in Meetings, hat einen zerrissenen Alltag und hat meist eh ein eigenes Büro oder per Hierarchie ein zugewiesenen Arbeitsplatz, der kenntlich macht, wer hier der Boss ist. Und mir ist mein Arbeitsplatz eigentlich gar nicht so wichtig. Ich saß schon in großen Einzelbüros, zu zweit mit einer anderen Führungskraft oder bei meinen Mitarbeitern im Großraumbüro. Alles ok, jedes hat seine Vor- und Nachteile. Meine Herausforderung der letzten Wochen: 25 Mitarbeitern aus unterschiedlichen Gebäude in eins zusammenzuziehen und in ein gemeinsames Großraumbüro zu setzen. Sie gehören nun einer zentralen Einheit an. Klingt einfach: Mal eben die neue Fläche mit Hilfe von Facility Management Experten oder eben die, die einen in der Bürogestaltung helfen, besichtigen, auf Papier die Plätze beplanen, Namen dahinter. Warten bis alle Tische und Möbel drin sind und alle beziehen bei einem Stichtag die Plätze.

Ne, so simpel wie das klangt, ist das nicht. Ich habe zeitlich gesehen pro Woche 12 Stunden in dieses Thema gesteckt über bestimmt 5 Wochen hinweg. Das ist ein eigenes Projekt mit viel Emotionen. Ganz vielen. Die Sitzordnung wird per se 100 Mal in Frage gestellt; Pflanzen, Kühlschränke, individuelle Möbel müssen hertransportiert werden. Dem einen ziehst, dem anderen ist zu wenig Licht, dem nächsten kann man über die Schulter schauen und einem anderen sind die neuen Kollegen so fremd, das macht sie nervös, sie bräuchte erst mal ein Einzelbüro. Eine weiterere kann nur arbeiten, wenn mehr Trennwände da sind, die nächste findet es schade, wenn sie ihre Kollegin nicht mehr sieht. Ein weiterer will nicht, dass bei so vielen Leuten im Büro gegessen wird, es würde stinken und der nächste meint, eine bestimmter Kollege sei zu laut, er müsse weggesetzt werden. Dem anderen ist es zu warm und vielleicht gibt es noch Budget für Bilder, neue Farbe an den Wänden, schönere Jackenständer. Wo stehen die Kaffeemaschinen, wie kann man sie in Richtung Küche am Besten reinigen und warum haben wir hier so hässliche Mülleimer. Alles Dinge und noch viel mehr, die zu Klären und Entscheiden sind. Wirklich nicht ohne… Und jetzt das Klischee schlecht hin: 99% aller Beschwerden und Sonderwünsche kamen von den Frauen. Den Herren war es egal, sie waren schlicht zufrieden mit dem, was vorgefunden wurde und hatten bei den meisten Themen schlichtweg nicht mal sie leiseste Idee worum es geht. Naja, die Mädels sind genetisch bedingt vielleicht doch die Nestbauer und auf Wohlbefinden sowie Ästhetik in ihrer Arbeitsumgebung bedacht. Übles Klischee… aber hier einfach genauso live erlebt.

by Cloe

Frauen, die ihren Krabbenkorb-Instinkten im negativen Sinne erlegen und doch wieder weniger erfolgreiche, aber sichere Wege gehen, sind manchmal einfach schrecklich. Und wir sind es alle ab und zu. Hier noch die kleine Erinnerung was der Krabbenkorb war: Krabben in einem Korb benötigen keinen Deckel. Versucht eine den Korb zu verlassen, ziehen die andere sie wieder runter. Der Vergleich steht für die Frauen am Lagerfeuer, damals in der Steinzeit aufeinander angewiesen. Damit keine wegläuft und vom Mammut gefressen wird, heißt es eine enorm starke Gruppendynamik entstehen zu lassen: Alle Frauen gleich, keine besser oder schlechter, alle tauschen sich am Lagerfeuer aus, halten die Kinder fest, reden viel, kochen, geben sich einen Haufen echter oder unechter Komplimente über die Frisur, Kleidung und umwerfende Fähigkeiten, um die wir uns ja alle so beneiden. Es werden Ideen und Vorgehensweisen ausgetauscht, wie Krankheiten besser zu heilen sind, Gewürze in einer neuen Kombi das Essen leckerer machen oder Kleidung moderner vernäht werden kann. Oder so ähnlich. Solange bis die Zeit rum ist – und keine hat die schützende Umgebung verlassen. Alle safe, alles easy, alle glücklich und immer auf den neuesten Stand der News.

Daher fällt es Frauen auch so schwer sich bei Hierarchien richtig einzuordnen, denn im Grunde sind doch alle Menschen für sie gleich richtig und wichtig. Schwierige Sache, Männer sehen das gar nicht so. Daher haben Frauen es oft schwer sich abzuheben, die eigene „gläserne Decke“ zu durchstoßen und mal außerhalb der Reihe ihren Weg zu gehen. Es fühlt sich oft allein und ungeschützt an – man fängt an sich durch die Krabbenkorbinstinkte ja doch wieder einer schützenden Frauengruppe anzuschließen, gerade die Gruppe, die sagte: „geh nicht, werde keine Führungskraft, bleibe bei uns“. Es gibt in diesen Umgebungen nicht viele, aber eben neue Krabbenkörbe. Und wenn nicht, entwickelt welche. Ich liebe meine Krabbenkorbgruppe mit Liz und Helen, wir stehen als Führungskräfte auf einem Level. Tauschen uns aus und unterstützen uns. Niemand will mich hier runter ziehen. Danke Mädels, ihr seid spitze. Und wir haben uns versprochen den Krabbenkorb umzudrehen: uns gegenseitig hoch zuziehen. Nicht runter. Die Entwicklung geht immer weiter, nicht zurück.

by Helen

Gestern berichtete ich ja, dass ich bei einem Jugend-Roboter-Wettbewerb in der Jury sass. Übrigens als Jurorin für Technik – einfach damit die Kids mal eine Frau sehen, die sich für sowas begeistern kann (man ist ja auch Vorbild!).

Viele würden mich für verrückt erklären einen freien Tag für so eine freiwillige und unbezahlten Tätigkeit zu opfern und natürlich habe ich nicht gerade Hura geschrieen, als Sonntags morgens der Wecker geklingelt hat. Dennoch hatte ich selten so einen unterhaltsamen und lehrreichen Tag. Unterhaltsam, weil es einfach mal schön war sich mit etwas ganz anderem zu beschäftigen und Kinder auch einfach witzig sind. Lehrreich, weil der ganze Tag zu einer regelrechten Sozialstudie wurde. Es gab Jungs-Gruppen, es gab Jungs-Gruppen mit einem Mädel und es gab gleichmäßig gemischte Gruppen. Und es war absolut faszinierend, dass die Regeln die im Business gelten auch bei den Kids schon so krass ausgeprägt sind.

Ich saß also an meinem kleinen Jury Tischlein und lies mir einen Roboter nach dem nächsten präsentieren und hatte reichlich Zeit, die Gruppendynmik zu beobachten:

Bei den Jungs Gruppen war Radau und Tumult und Durcheinander. Dann nach ca. 2-3 Minuten bildeten sich zwei Sprecher heraus, diese stellten den Roboter und seine Eigenschaften vor und beantworteten die Fragen. Die anderen standen hippelig und nervös drum herum und nickten die beiden “Chefs” an. Die Präsentationen liefen gut – danach war wieder Radau, Tumult und Durcheinander. Am schlimmsten zu beobachten waren mit Abstand die Gruppen mit einem Mädel. Alles lief nach obigem Schema, nur dass das Mädel offensichtlich nie verstand wann sie schweigen mussten. Sie versuchte dann aufgeregt und quietschig ihre Statements zwischenrein zu werfen und die Chefs zu unterbrechen. Oft waren die Sachen, die sie sagte richtig und wichtig – und man merkte immer, dass es ihr nur um das Gelingen der Aktion und den Roboter ging. Dennoch empfand ich es als Aussenstehende als extrem stressig und merkte dass die Gruppe nicht harmonierte – dass sie zum Störfaktor wurde – trotz der Tatsache, dass sie bester Absichten war. Die gemischten Gruppen, mit gleich vielen Jungs und Mädels, hingegen waren meist gut organisiert und hatten eine relativ gleich verteilte Redezeit und eine respektvollen Umgang untereinander.

Ich fand es extrem spannend, dass bereits in diesem Alter die Mechanismen greifen, die auch im im Business Leben beobachte. Und schaudernd wurde mir bewusst, wie oft ich im letzten Jahr, dieses atemlose Mädchen gegeben habe, dass irgendwie versucht hat sich Gehör zu verschaffen und wie die Fremdwahrnehmung auf mich in diesen Fällen vielleicht ausgesehen hat…

Als einzelne Frau in Männergruppen – ich glaube da führt kein Weg an der Anpassung vorbei. Langfristig muss der Weg aber ein anderer sein: die beiden gemischten Gruppen haben nämlich die beiden ersten Plätze abgesahnt ;-) .

by Helen

Ich habe Ende letzten Jahres in einer hochoffiziellen Jury gearbeitet. So richtig als Juror. Bitte nicht fragen, wie es dazu kam, aber bevor ich mich versah sass ich an einem Sonntag in einer deutschen Hochschule und durfte offiziell Teams von Jugendlichen zum Thema “Roboter Bauen” bewerten (Deutschland Ausscheidung – als Vorstufe zum Europa Wettbewerb). Das war jetzt nicht super-wichtig aber dennoch wollte ich einen guten Job machen. Die Jury bestand aus 16 frewilligen, darunter zumeist Dozenten und Führungskräfte aus der Industrie. Neben mir hatte sich doch tatsächlich noch eine weitere Frau eingefunden ;-) ! (Also in der Jury – die Kinden und Jugendlichen wurden fast ausschließlich von Frauen begleitet…)

Die Jury wurde in drei Gruppen aufgeteiligt: Teamwork, Forschungspräsentation und Technik. Es ging um 10-16 Jährige Kids, die Lego Roboter bauen und über ein Forschungsthema eine Präsentation halten. Ja, ich habe das schon ernst genommen, aber es ging nicht darum die finale Qualitätsabnahme für die nächste Mondrakete zu machen. Und was macht meine Jury Kollegin, noch bevor irgendein anderer die Chance hat etwas zu sagen: Schreit laut in den Raum: “Bitte teilen Sie mich in die Teamwork Jury ein – ich kann nichts anderes!”

Schon klar…

by Helen

Gestern habe ich mich ja bereits an dieser Stelle über den Frauenzeitschriften Artikel aufgeregt, den ich im Flieger auf dem Weg zu meinem Wochenendtrip gelesen habe. Darin ging es um Frauen, die aus einer Krise (wie zum Beispiel der Geburt eines Kindes ;-) ) erfolgreich in die Selbstständigkeit gestartet sind. Aber nur weil ich mich gestern schon darüber aufgeregt habe, hält mich das nicht davon ab, mich heute noch einmal darüber aufzuregen.
Es gibt in dem Artikel nämlich nur zwei verschiedene mögliche Plots: Die erste Variante ist folgende: Frau steckt tief in der Krise und hat plötzlich eine geistesblitzartige Idee. Im nächsten Satz hat Frau dann 300 Mitarbeiter und führt ein florierendes Unternehmen. In der zweiten Variante hat Frau ein tolles Hobby und durch Zufall kann sie plötzlich damit Geld verdienen und hat dann ebenfalls eine gut laufende Firma.
Es mag ja sein, dass es solche Storries gibt, aber für mich hört sich das ungefähr so an, als wenn man einen Hollywood Film anschaut, um sich Tipps für eine Ehekrise zu holen. Unrealistisch. Hier werden uns Frauen Einzelfälle als Vorbild verkauft und der Teil des Schuftens, Business Plan schreibens und Steuererklärungsmachen wird einfach mal so übergangen. Klar, ist ja auch eine Frauenzeitschrift und kein Wirtschaftsmagazin und wir wollen unterhalten werden und nicht lernen, wie man einen Business Plan schreibt. Für mich hat das aber etwas Chronisches: die Medien zeigen unrealistische Bilder aus einer Zuckerguss-überzogenen nicht existenten Traumwelt und die reale Frau fragt sich dann, warum sie diesem Ideal nicht gewachsen ist. Und steckt im schlimmsten Fall den Kopf in den Sand, weil aus ihrer eigenen Idee nicht durch Fingerschnippen ein mittelständiger Betrieb wird. Ich würde es bevorzugen, dass wir uns gegenseitig weniger Hochglanz und dafür mehr reale Vorbilder und Unterstützung liefern. Dann hätten wir wahrscheinlich alle etwas gewonnen.