Lipstick and Laptop

by Liz

Zwei meiner Mitarbeiterinnen haben diversen Kolleginnen und Kollegen Spitznamen vergeben – am Rande bekomme ich das manchmal mit. Sie sind lustig und wirklich charakteristisch muss ich sagen. Neulich musste ich ganz schön schlucken, als einer der beiden mein Spitzname versehentlich rausrutschte: Mutti.

Mutti?????? Ich???? Oh nein!!! Möchte ich als Führungskraft das Image und den Ruf einer Mutti haben??? Wohl eher nicht!!

Oh mann, warum gerade dieser Spitzname habe ich mir gedacht. Nach einigem Nachdenken irgendwie naheliegend: ich kümmere mich immer um mein Team, frage wie es ihnen geht, gebe Ratschläge, setze mich für sie ein, verteidige sie. Wenn ich mitbekomme, dass sich Kollegen untereinander nicht verstehen und es Ärger gibt, spreche ich mit beiden und versuche zu vermitteln. Vielleicht mache ich das ein bisschen zu häufig!? Sollte ich mehr Distanz aufbauen, zwischen mir und meinen Mitarbeitern? Ist es von Vorteil oder eher nachteilig, wenn man sich auch persönlich gut versteht, wenn man Privates voneinander weiß und eine gewisse Nähe zulässt?

Eines steht fest, wenn ich den Job wechsle und Führungsgraft eines neuen Teams bin, werde ich darauf achten, ein klein wenig mehr Chef-Mitarbeiter-Distanz zu wahren. Ich glaube das ist durchaus gesund und schadet auch nicht einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Ich werde immer einfühlsam sein und ein Gespür dafür haben, ob es jemandem gut geht oder nicht – so bin ich nun mal. Meine Sensibilität und Emotionalität sind letztendlich auch meine Stärken. Aber ich denke ich muss lernen, diese Stärken in einer kleineren Dosis im Arbeitsleben einzusetzen, oder gezielter. Mal sehen, wie schnell ich das umsetzen werde. :-)

By Helen

Meine Antwort an Max Goldt

Lieber Max Goldt,

was hast du doch für “schäne Täxste” geschrieben in der Vergangenheit. Die waren intelligent beobachtet, gut recherchiert und meisterlich umgesetzt. “Die Chefin verzichtet auf demonstratives frieren” gehört leider nicht dazu. Wenn ich in dieser Art unterhalten werden will – ich halte Commedy an dieser Stelle für einen zu weit gefassten Begriff für das Breittreten von platten Allgemeinplätzen auf übelstem Boulevard Niveau – dann gehe ich zu Mario Barth. Aber doch nicht zu Max Goldt. Ich möchte von Ihnen Skurriles, Beobachtungen, die ich unbewusst auch beobachtet habe und die nur durch Ihre Beschreibung in mein Beobachtungsbewusstsein gerückt werden, wo sie dann  gleich einem Samenkorn zu einem “Aha”-Effekt Pflänzchen oder gar zu einem “genau so isses” – Baum wachsen. Jetzt mal Hand aufs Herz: glauben Sie wirklich – und mit glauben meine ich in diesem Zusammenhang die Bestätigung der mathematischen Richtigkeit – an Ihre Aussage bez. des Leseverhaltens der Frauen? Also glauben Sie wirklich, dass die 80% Bücher, die Frauen kaufen nur oder überwiegend Schrott sind, während die 20% der Bücher, die Männer kaufen ausschließlich aus dem Pulitzer Dunstkreis entstammen? Das glaube ich rein mathematisch betrachtet nicht. Genausowenig, wie ich glaube, dass der Genuss von Fruchtjoghurts und Toffifee statistisch hauptsächlich auf das weibliche Geschlecht zurückführbar ist.
Kommen wir aber zu einem Thema, dass mir – mit Verlaub – besonders übel aufgestoßen ist. Jugendliche weibliche Hotelangestellt werden hier diffamiert und über den Kamm geschoren, den sie zu allem Überfluss, laut Ihnen, auch noch zu selten an ihrem Haupthaar benutzen. Es tut mir ja sehr Leid, dass Sie scheinbar auf Grund einer solchen jungen Dame in München nie zum Englischen Garten gefunden haben, aber ich kann ihre Beobachtung nicht bestätigen. Im Gegenteil, ich bin meist erstaunt, wie freundlich und hübsch hergerichtet, diese Rezeptionistinnen sind. Die sind für ihre 600 Euro Ausbildungsgehalt und morgens um 6 Uhr auf jeden Fall oft motivierter als Sie auf Ihrer Lesung – zumindest, bei der, auf der ich vergangene Woche war. Und ungepflegte Erscheinung als Massenphänomen bei jungen Frauen? Naja! Was denn nun Herr Goldt? Sind jetzt alle jungen Frauen Body-fixierte Top Model Oberflächen bereit für die Heidi Klum Projektion oder ist der Lack doch schon im jugendlichen Alter ab?
Bleibt noch die Kleiderfrage und die Raucherinnenfrage. Zur Kleiderfrage ist anzumerken, dass ich hier schon auch meine eigenen Beobachtungen bestätigt sehe, nämlich dass die ein oder andere Dame davon profitieren würde, die Schublade mit den Urlaubs T-Shirts für Ibiza sowie die obersten Knöpfe der Bluse im beruflichen Alltag geschlossen zu halten. Dennoch halte ich es für verfrüht aus dieser Privatmeinung heraus eine Petition bei der Kanzlerin sowie der Arbeitsministerin einzureichen, in der ich erklärte, dass statt Krippenplätzen zu schaffen und Frauenquoten zu fixieren, besser Gutscheine für Hugo Boss sowie Escada zu verteilen seien, um den Anteil weiblicher Führungskräfte zu erhöhen. Und zum Thema Raucherinnen vor Arztpraxen und Anwaltskanzleien habe ich eine Fragen an Sie Herr Goldt: Wo soll es denn karriere-technisch für diese Damen Ihrer Meinung nach hingehen? So weit ich informiert bin, gibt es das kostenloste Abendstudium “Medizin/Jura” noch nicht. Insofern lassen Sie sie doch einfach vor Kälte Herumtippeln und nach Kamelhaardecken heischen so viel sie wollen. Und suchen Sie sich wieder lohnenswertere Ziele für Ihre Beobachtungen. Wir brauchen hier wieder und weiterhin einen scharfsinnigen Max Goldt!

Beste Grüße,
Helen