Lipstick and Laptop

by Liz

Ich frage mich schon manchmal, wie ich als Führungskraft auf mein Team oder andere Kollegen im Haus wirke. Nur finde ich es schwierig, diese Frage offen zu stellen – vor allem wann, zu welchem Anlass macht man das? In der Regel versuche ich das im Personalgespräch ein wenig heraus zu finden. Da geht es um Stärken, Schwächen, Dinge die gut laufen und weniger gut. In diesem Zusammenhang gebe ich Feedback und fordere zum Feedback auf – das klappt an sich ganz gut.

Viel interessanter finde ich aber die spontanen, unüberlegten Reaktionen. Das ist viel authentischer und kommt direkt aus dem Bauch herausgeschossen. So auch letztens bei einem Abendevent. Nachdem das Geschäftliche besprochen war, wurden die Themen weicher und privater. Ich war dann so frei und habe in die Runde gefragt, ob jemand Erfahrungen mit weiblichen Führungskräften oder Vorgesetzten gemacht hat und wenn ja, wie sie es empfunden haben. Ein Herr meinte sofort „Oh ja ich. Sowas von Stutenbissig, zickig und launisch – das war ganz schlimm. Bei der Frau wusste man nie woran man ist. Zudem war sie total „bossy“.“ Ganz ähnlich war die Reaktion bei den zwei anderen Männern in der Runde. Vor allem launisch seien die Damen gewesen und so gar nicht weiblich. Natürlich fragte ich da etwas näher nach, was denn mit „nicht weiblich“ gemeint war. Sie seien so verkrampft gewesen und hätten sich oft wie Männer verhalten – das habe einfach nicht authentisch gewirkt.

Wird Frau so, weil sie sich ständig gegen Männer behaupten muss? Ist das vielleicht das Ergebnis eines nicht sichtbaren Machtkampfs? Ich denke, gerade Frauen in „Machtpositionen“ haben eine riesige Chance, etwas zu bewegen und zu verändern. Eben weil wir Frauen sind! Wir haben die emotionale Intelligenz praktisch gepachtet. Wir können mit unserem Charme und Feingefühl jedes Thema und jede Krise meistern. Allerdings sollte sich keiner dabei verstellen müssen. Sobald man in eine Rolle schlüpft, läuft irgendwas falsch. Authentisch sein, Stil und Klasse zeigen, wertschätzend miteinander umgehen, aber durchaus hart in der Sache sein – ich glaube das ist der richtige Mix und führt zum Erfolg. Was meint ihr?