Lipstick and Laptop

by Liz

Ist es Euch auch schon einmal so ergangen, dass ein männlicher, äußerst ambitionierter Kollege neu ins Team kommt und direkt in den ersten Tagen meint, die Dinge in die Hand nehmen zu müssen. Plötzlich korrigiert und kontrolliert er in Deinem Aufgabenfeld herum und meint Dir sagen zu müssen, wie Du Deinen Job zu machen hast! Ständig kommt er Dir in die Quere, seine Fragen und Anregungen provozieren Dich und der Blutdruck steigt von Tag zu Tag. Die Alarmglocken klingeln: Profilierung auf meine Kosten? Ganz sicher nicht! Aber was tun? Den Hahnenkampf erst einmal weiter beobachten und abwarten? Auf volle Konfrontation gehen und ihm sagen wo es lang geht? Oder sich doch lieber fügen?

Meine Strategie: Konfrontation! Aber nicht mit der Türe ins Haus fallen, sondern mit vollem Einsatz meines weiblichen Einfühlvermögens, denn immerhin haben wir Frauen die emotionale Intelligenz gepachtet!
Also habe ich den Kollegen zu einem Termin eingeladen, um unsere Zusammenarbeit zu besprechen und ihm die Schnittstellen unserer Aufgabenbereiche näher zu erläutern. Er hat sofort angenommen und mir zunächst Honig um den Mund geschmiert, ich sei doch schon länger dabei und könne ihm sicherlich einige hilfreiche Tipps bezüglich der internen Prozesse geben. Ich total impulsiv, die Röte ins Gesicht steigend, hab mir nur gedacht: Tipps geben? Ich?? Neee nee…. so war das nicht gedacht. Ich werde dir erst einmal zeigen wo es lang geht! Immerhin habe ich mal gelesen, dass derjenige, der zuerst reagiert, die Oberhand hat. Also los!

Ganz ehrlich – hier habe ich eine Gefahr gesehen wo es überhaupt keine gab. Nicht jeder männliche Kollege will sich auf Deine Kosten profilieren, nicht jeder stellt sofort und gleich Deine Kompetenz in Frage, nur weil er versucht sich zu positionieren, seine Rolle im Team zu finden.
Das Gespräch verlief unerwarteterweise wirklich kollegial und wertschätzend. Wie sich heraus gestellt hat, schwamm der neue Kollege in der Tat völlig im Dunkeln, weil er weder eine Einarbeitung noch Übergabe erfahren hatte. Er war um jeden Rat dankbar. Am Ende des Gesprächs stand der Schulterschluss im Mittelpunkt.

Oh mann, fast hätte ich mir selbst einen mega „Zicken-Stempel“ auf die Stirn gesetzt. Von wegen emotionale Intelligenz und so. Manchmal ist weniger mehr! Aber ist ja nochmal gut gegangen…. :)