Lipstick and Laptop

by Helen

Irgendwie bin ich ja immer allein auf weiter Flur. Also so Mann-Frau technisch. In meiner derzeitigen Führungskräfte-Runde bin ich von 12 Personen die einzige Frau. War eigentlich aber auch noch nie anders. Nur durch die zwei Tage, die wir alle miteinander auf der Klausur verbracht haben, wurde mir dieses Wirkprinzip Mann-Frau mal wieder so richtig klar. Was ich festgestellt habe in keiner bestimmten Reihenfolge:

- Männer denken es ist ultra-wichtig (oder ihnen wurde das total eingebläut) immer die richtige Anrede zu benutzen, dementsprechend nie zu sagen: Liebe Kollegen sondern immer liebe Kollegin, liebe Kollegen. Es kam sogar die Frage auf, ob eine kaufmännische Ausbildung nicht kauffrauige Ausbildung heißen müsste. So ein Quatsch, als ob daran jetzt die Gleichberechtigung hängen würde….

- Es gibt Dinge, die auszusprechen zwar politisch unkorrekt ist, aber die trotzdem total gesellschaftsfähig sind. Zum Beispiel, dass alle Frauen zickig sind und nicht zusammenarbeiten können. Das Frauen nicht Autofahren können. Das Frauen nur wegen der Frauenquote in Führungspositionen sind. Etc. Wenn ich dabei bin, werden solche Äußerungen natürlich so gut es geht unterdrückt, aber ich will nicht wissen, was gesprochen wird, wenn ich aus dem Raum bin.

- Unterhält man sich mit einzelnen Männern unter vier Augen stellt man fest, dass die meisten Männer eine hohe Meinung von der Zusammenarbeit mit Frauen haben. Leider gibt es in jeder Gruppe ein oder zwei chauvinistische Hardliner, die das anders sehen. Und da dieses “anders sehen” gesellschaftsfähig ist (siehe oben) während das “öffentliche auf die Seite der Frauen schlagen” mit Häme bedacht wird (im besten Fall), entsteht schnell der Eindruck das alle Männer chauvinistische Hardliner sind. Was aber eigentlich nicht stimmt. Nur in versammelter Runde siegen leider meistens die chauvinistischen Hardliner und die andern Schweigen verklemmt. Großes Leider.

- Als Frau musst man echt und ehrlich doppelt so kompetent sein, wie ein Mann, damit man ernst genommen wird. Jede Frau, die nicht so kompetent ist wird sofort als Beispiel herangezogen für die komplette Unfähigkeit der weiblichen Rasse. Je höher diese Frau in der Hierarchie steht, desto schlimmer. Unfähige männliche Vorstandstvorsitzende gibt es natürlich auch, aber die sind dann nur als Einzelperson unfähig. Jeder Mann haftet für sich selbst, Frauen sind in Sippenhaft. Und von vorneherein bist du als Frau erstmal so lange unfähig bist du deine Fähigkeit bewiesen hast. Bei Männern ist das umgekehrt.

Klingt jetzt wie Gejammer soll es aber nicht. Es ist nicht unaushaltbar, es ist einfach so eine anstrengende Grundstimmung. Ich hoffe, das wird für die kommenden Generationen besser. Wenn einfach mal mehr als nur eine Frau in diesen Runden hockt und man dann einfach irgendwann mehr Gewicht darstellt.

by Cloe

Als Führungskraft fahre ich einen Dienstwagen. Wahnsinnig bequeme Sache, die Verwaltungs- und Versicherungsangelegenheiten werden einem abgenommen, eine Tankkarte befreit den Geldbeutel und die Einstellung zu Ausflügen lockert sich maßgeblich. Mit der Versteuerung keine ganz billige Sache für einen selbst, aber die Vorteile überwiegen einfach. Früher habe ich mir nie Gedanken um die Bedeutung eines Autos gemacht, habe lange kein Auto gehabt und danach auch meinen ersten Peugeot geliebt bis er ganz alt und kaputt war. Kosten vermeiden war mein Ziel, von A nach B kommen und ich habe die Bedeutung eines Autos insgesamt als eher gering eingeschätzt. Vielleicht auch ein bisschen die Einstellung von vielen Frauen … und so wichtig ist es im Grunde wirklich nicht.

Als Manager muss man sich jedoch so einigen Gesetzen der Macht beugen, um mitspielen zu können. Und dazu gehören so einige Statussymbole, die für jeden Außenstehenden zur Orientierung tatsächlich wichtige Determinanten zur Einklassifizierung sind. Eine Top-Leistung gepaart jedoch mit schlechter Kleidung, schlechten Manieren, das letzte Abstellraum-Zimmer als Büro, mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen – ja es kann Mitarbeiter verwirren und zur Akzeptanz als Boss nicht gerade viel beitragen. Je nach Branche und Unternehmenskultur versteht sich. Eines der klassischen Statussymbole ist jedoch nun mal das Auto, ob man will oder nicht. Mädels, ja – das Auto fällt auf und dient der Orientierung. Beweist auch hier Klasse und Stil innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen. Hier nicht unter Wert verkaufen. Alà Kollege fährt die C-Klasse und mir reicht auch eine A-Klasse (um in der Mercedes-Welt zu bleiben), bedeutet einfach: er wichtiger weil C-Klasse größer als A-Klasse.

Und nun mein eigenes praktisches Erlebnis, wie man ratz-fatz auch beim Thema Auto in einer interessanten Schublade landen kann: Mir ist leider mein Dienstwagen Mercedes GLK 350er in einer Großstadt wegen falsch parken abgeschleppt worden – ich weiss, keine Heldentat, konnte ich aber nicht mehr ändern. Mit Bahn und Bus außerhalb der Stadt zu Polizeitstelle KFZ Aufbewahrung gedackelt – über Feld und Flur mit Shopping-Tüten, Kleidchen, High-Heels und Sonnenbrille gestockelt – ich weiss, auch hier ein witziges Bild abgegeben – dann im Office der Polizei gelandet. Ich ergebe mich schließlich schnell meiner bösen Tat und will wissen, was es mich kosten. Der Herr Polizist mit einem süffisanten Lächeln: „Naja, der dicke GLK da draußen ist ja nicht gerade billig, wenn ihr Vater dementsprechend einen wichtigen Managerposten hat, dann wird es wohl kein Problem sein, die Kosten von ihm bezahlt zu bekommen.“ Ich war so perplex und hab ihn darauf hingewiesen, dass mein Vater bereits seit vielen vielen Jahren keinen Cent mehr für mich bezahlt und mich für diese Aktion eher auslachen würde. Seine Antwort drauf: „Dann zahlt eben ihr Ehemann, oder wem gehört denn jetzt das Auto?“ Jetzt hatte ich es dann auch begriffen, dass die Schublade, in der ich gelandet war, hieß: Frau-die-mit-dem-dicken-Auto-von-Papa-oder-Ehemann-unterwegs-ist-weit-weg-von-der-Vorstellung-die-Frau- kann-ebenfalls einen-guten-Job-haben-und-mit-dem-eigenen-Mercedes-GLK-fahren. Als ich ihn darauf hingewiesen habe, dass ich selber einen guten Job habe und mein eigenes gutes Geld verdiene und dementsprechend mein EIGENES AUTO auch aus meiner EIGENEN KASSE auslösen kann, war wirklich hilflose Funkstille angesagt. Mein Gegenüber versuchte verzweifelt mich aus der warmen und bereits fest geschlossenen Schublade wieder rauszuziehen…. Es war eines seiner größten Kraftakte. Ob er es geschafft, hat – ich weiss es nicht ;) . Auch hier tief durchatmen, lächeln und als Lebensanekdote verbuchen…

by Helen

Vorstellungsgespräche mit Bewerbern zu führen, ist auch eines dieser Managment-Mythos-Themen. Das sind für mich solche Dinge, die sich super toll anhören und man sich unendlich wichtig vorkommt, wenn man es zum ersten Mal machen darf. Dann stellt sich ganz schnell heraus, dass es oft eigentilch nicht wirklich super toll ist. Andere Management-Mythos-Themen sind für mich “als Standbetreuer auf Messen fahren”, “für ein einziges lächerliches Meeting mit dem Flugzeug für einen Tag wohin fliegen”, “an Strategieworkshops des Management teilnehmen”, etc. (Das ist zu einem Drittel mein Blog, daher darf ich auf hohem Niveau jammern so lange ich will ;-)

Zurück zum Thema Vorstellungsgespräch: Manche sind interessant, da auf der anderen Seite jemand sitzt, der interessante Dinge zu erzählen hat, aber oft sind die Bewerber (verständlicherweise) hypernervös und erzählen von ihrem BWL/Maschinenbaustudium und sorry das ist unter uns gesprochen nicht so prickelnd.
Am Tag des Sushi Vorfall hatte ich mal wieder ein oder zwei Bewerbungsgespräch zu führen. Unter anderem mit DEM Bewerber. Er war nett, kam gut rüber, hatte relevante Erfahrungen zu der Stelle vorzuweisen. Ergo ein gutes Erstgespräch mit Potential auf ein zweites. Als das Gespräch vorbei war, stand ich auf, um den Bewerber noch zur Tür zu begleiten, da fing er an, in seiner Tasche, die neben ihm auf dem Stuhl lag, herumzukramen. Ich war leicht irritiert, wartete aber ab, ob er sich bequemen würde aufzustehen, wenn er was immer er suchte gefunden hätte. Schließlich zog er ein Päckchen heraus, das in eine Plastiktüte eingewickelt war. Es entpuppte sich als gefüllte Sushi-Box. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich in jenem Jahr wahrscheinlich schon an die einhundert Bewerbungsgespräch geführt. Ich dachte ich hätte alles erlebt, aber in diesem Moment war ich einfach nur perplex.

Er erklärte mir, dass seine Frau Japanerin wäre und als er gelesen hätte (auf einem Online Portal Profil), dass ich Sushi mag, hätte Sie sich erboten eine Box für mich zu machen. Ich war so verdattert, dass ich mich einfach nur bedankte und versuchte den Bewerber halbwegs anständig zu verabschieden, bevor ich völlig irritiert meine Bürokollegen zusammentrommelte, um Beweisstück A (die Sushi-Box) zur Schau zu stellen. Bis heute bin ich mir nicht schlüssig ob ich das ganze total aufmerksam oder total psycho-stalking-mäßig finden soll…