Lipstick and Laptop

by Cloe

… ist viel zu kurz und zu schön für so eine Scheiße“.

Dieser Satz geht mir seit gestern nicht mehr aus dem Kopf. Eine Teamleiter-Kollegin kam aus einer nicht so gut gelungenen Besprechung, nahm emotional befreit ihre Sachen und machte schlicht früh Feierabend, um das Erlebte zu verarbeiten, vergessen und mit einem schönen Erlebnis in schnellster Zeit zu ersticken. „Shoppen ist jetzt angsagt, kein Frustessen. Wenigstens ein schöner neuer Nagellack.  Denn das Leben ist viel zu kurz und zu schön für so eine Scheiße“. Ich bin immernoch beeindruckt – irgendwie ist das doch fast eine Lebensphilosophie :) .

by Helen

Ich arbeite in einer technik- und männerdominierten Branche. Eine Frage, die ich sehr oft zu hören bekomme ist, ob Männer Frauen in Technikfragen Ernst nehmen und ob das nicht schwer sei, so als Frau. Könnte man meinen – ist aber nicht so. Ich muss wirklich eine Lanze brechen für die Männer, die mir bisher über den Weg gelaufen sind. Klar, die ersten fünf bis zehn Minuten werde ich etwas skeptischer beäugt, als ein männlicher Kollege potentiell beäugt würde. Doch in der Regel legt sich das und das Klima ist konstruktiv (bzw. haben Differenzen meist andere Gründe als die unterschiedliche Geschlechtszugehörigkeit ;-) ) Trotzdem will ich heute eine kleine Anekdote teilen, die mich bis heute zum Schmunzeln bringt. Ich war ein junger Hüpfer von 21 Jahren und stolz wie Bolle, auf dem ersten Messestand meines Lebens mithelfen zu dürfen. Es war der Stand meines damaligen Praktikumgebers, einem Großhandel/Nachrüstwerkstatt für Autozubehör (das ist schon so lange her, dass man sich damals Navis ins Auto von einer Profi-Werkstatt nachrüsten lies, statt diese einfach vom Grabbeltisch bei Aldi zu kaufen). Ich war nervös, sehr nervös sogar. Die Ausstellungswand war gepflastert mit unterschiedlichen Modellen von unterschiedlichen Herstellern. Was, wenn ein Kunde mir eine Detailfrage zu einem bestimmten Modell stellen würde, die ich nicht beantworten konnte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Monate in der Firma “auf dem Buckel” und hatte selbst bereits Geräte in Fahrzeuge eingebaut (mit Löten!!!), aber trotzdem gab es ja noch viele Fragen, die ich vielleicht nicht beantworten konnte.

Am Vorabend las ich mir also nochmal alle Broschüren durch, um wirklich zumindest die wichtigsten technischen Eckdaten auswendig zu können. Mein Kollege (ein gewiefter Vertriebsprofi mit ettlichen Jahren Erfahrung auf dem Buckel) führte ein Kundengespräch nach dem nächsten. Ich hörte aufmerksam zu, um meinem Fachwissen noch den nötigen Feinschliff zu verpassen. Unser Stand füllte sich merklich. Ich servierte Mineralwasser und Kaffee sowie diese klebrigen Mürbteigkekse, die scheinbar nur für Fachmessen hergestellt werden und von denen einem nachher immer so schlecht ist. Die Kunden warteten und warteten. Ich fasste all meinen Mut zusammen und ging auf einen freundlich aussehenden älteren Mann zu und fragte, ob ich ihm vielleicht helfen könnte. Er beäugte mich von oben bis unten und sagte dann (nachsichtig lächelnd) während er auf meinen Kollegen deutete: “Nein, ich warte lieber bis der Mann fertig ist.” Ich war Baff. Ich war überrumpelt. Und zehn Minuten später, war ich komplett amüsiert, denn welche (hoch-komplex-technisch-schwierige-Nobelpreis-relevante) Frage stellte der Mann? “Kann man dieses Modell auch in einen VW Golf einbauen?” – Ich versuchte mühsam, meine professionelle Fasade aufrecht zu erhalten und nicht sarkastisch zu antworten: “Nein – der Hersteller hat sich bewusst entschieden, das meistverkaufte deutsche Fahrzeug nicht zu beliefern, damit er nicht aus versehen zu viele Produkte verkauft, zu viel Umsatz macht und damit zu viel Geld verdient”.

Und was ist die ernüchternde Lektion von dieser Geschichte: Wenn jemand dich auf Basis von Vorurteilen für doof hält, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er selber irgendwie doof ist.

by Helen

Wie schon gesagt ist mein Konzern sehr “Technik-lastig”. Als Frau ist man oft alleine auf weiter Flur, in Meetings. Ganz zu schweigen vom Führungskreis. Witzig ist wie “tief” das in den Köpfen drin ist. Regelmäßig werde ich “zum Mann gemacht”: “Herr Helen” steht dann auf Meeting Agendas. Oder eine E-Mail beginnt mit “sehr geehrter Herr Helen…”
Ich mache den Leuten da keinen Vorwurf, insbesodere dann nicht, wenn mein Vorname (der auch außerhalb dieses Blogs ein nicht zu verwechselnd-weiblicher Vorname ist!) nicht auftaucht. Da erwarte ich nicht, dass jemand nachschaut, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Aber es passiert mir auch, dass es verwechselt wird, wenn mein Vorname und meine Andrede (Frau) ganz klar auftauchen.

Diese Woche häufte es sich mal wieder:
Ich veranstaltete eine Führungskräfte Klausur und meldete mich als “Frau Helen…” an. Gestern stand am Meetingraum: Reserviert für Herr Helen.
Heute bekam ich eine E-Mail: Mein Mitarbeiter hatte geschrieben. “Bitte holen Sie die Unterschrift bei meiner Teamleiterin Frau Helen … ein.” Als Antwort bekam ich: “Sehr geehrter Herr Helen….” Ich erwähnte es im Kollegenkreis und mein Mitarbeiter meinte Achselzuckend: Hier arbeiten halt keine Frauen! (was natürlich nicht stimmt, da 20 % der Belegschaft Frauen sind). Aber es ist so selten, dass eine Frau eine Führungskraft ist, dass das Gehirn des E-Mail Schreibers, trotz ganz klarer Referenz auf Name und Geschlecht, daraus einen Mann machte. Klar kann man jetzt sagen, das war halt ein “Schnuddelfehler”, etc. Aber so einfach  ist das nicht. Es steckt auch kein böser Wille dahinter. Oft sind diejenigen, denen es passiert sogar selbst Frauen!  Das Unterbewusstsein sagt uns einfach: Ein Chef muss ein Mann sein. Ich bin mir sicher, würde ich hier als Sekretärin arbeiten, würde es mir garantiert kein einziges Mal passieren, dass man mich aus Versehen zum Mann macht.