Lipstick and Laptop

by Liz

Ich habe eher zufällig ein Gespräch zwischen zwei männlichen Kollegen mitbekommen. Sie haben von einer neuen Kollegin geschwärmt. Sie ist sehr attraktiv, intelligent, charismatisch – und Abteilungsleiterin. Die Jungs haben sich gefragt, ob sie wohl single ist und wenn ja, ob es wohl angemessen wäre, sie um ein Date zu bitten. Offensichtlich waren sie sich super unsicher, ob man eine Frau in dieser Position anflirten darf oder nicht.

Da sage ich ganz laut und deutlich: JA BITTE!! Auch wir Frauen in Führungspositionen flirten gerne und freuen uns über Komplimente – so lange sie nicht plump sind. Also Männer, ziert euch nicht!

by Cloe

Manchmal muss man einfach seine Position akzeptieren und sein Verhalten der zugewiesenen Rolle anpassen. Solange es sein muss. Die, die nach oben wollen, sind ungeduldig. Man möchte mehr, kann auch mehr und bekommt weitgehend positives Feedback in den ersten jungen Berufsjahren. Soweit so gut. Hierarchien und Rollen sind für Menschen in Organisationen jedoch wichtig sich zu orientieren, damit nicht alle aus der Reihe tanzen und Chaos entsteht. Wie meine Oma immer sagte: „Kann ja nicht jeder machen was er will“. :)

Wenn man unten in der Managementhierarchie anfängt,  dann gibt es auch hier einen Bewegungsspielraum, der einen zugewiesen wird. Wenn man die ganz große Welt bewegen will, immer alles sagen will was man denkt, “muss man vielleicht sein eigenes Unternehmen aufmachen und es versuchen”, sagt ein Kollege oft. Ein bisschen hat er Recht. Ein mir wichtiger Kollege hat mich heute zum Lachen gebracht und mir eine Sichtweise präsentiert, die mir das Geduldig sein erleichtert, als es mal wieder nur darum ging vor dem ganz großen oberen Top-Management aufzutreten, Projektfortschritte zu berichten, Entscheidungen abzuholen und alle Ampeln auf grün zu präsentieren. Natürlich ganz kurz, gut gelaunt und in einer unterhaltsamen Weise. Kein großes Aufsehen, „only positiv impressions“.  Was man wirklich denkt, gerne länger Stolperfallen mit dem Management besprechen möchte oder doch mehr Budget bräuchte, ist hier kein Thema, wenn es politisch von Nachteil ist. Vor unserem „Einlass“ zu unserem Slot meinte er trocken: „So, ab in die Dogs-and-Pony-Show und danach wieder Weitermachen am Projekt.” Ich so: „Was?“ Er so: „Das ist die Show, die im Zirkuszelt dann gefahren wird, wenn alle Zuschauer reinkommen, Plätze suchen, Cola und Popcorn erst richtig versorgen müssen und Unruhe im Zelt herrscht. Diese Show ist nur für die gute Laune da und hat noch keine wichtige Relevanz. Lockere Unterhaltung also und alle freuen sich. Hunde und Ponys und poppige Musik mag jeder“. Seit dem liebe ich diese Auftritte. Eine Dogs-and-Pony-Show ist doch was Nettes und tolle Kollegen, die einem das Business versüßen, sind einfach wertvoll :) .

by Liz

Helen hat gestern die Sinnhaftigkeit ihres Jobs hinterfragt…. Lustig, denn auch ich habe mich in den vergangenen Wochen intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt. Ich möchte mich beruflich verändern – die Arbeit in der Verwaltung ist zwar super spannend, abwechslungsreich und herausfordernd; die Verwaltung ist aber einfach nicht „meine Welt“.

Nachdem ich auf die perfekte Stelle gestoßen war, mich aber eine Woche lang nicht dazu bewegen konnte, meine Bewerbung abzuschicken, verordnete ich mir einen langen Spaziergang, um den Gründen dafür auf die Spur zu kommen. Ich habe mich gefragt, was mir im Job wichtig ist, wo meine Ängste liegen, was mich an meinem aktuellen Job stört und was ich richtig gut finde. Ich habe mich an meine Träume und Ziele erinnert, die ich irgendwie im Alltags-Flow vergessen habe….

Eines ist mir bei all diesen Überlegungen glasklar geworden: Ich möchte etwas Sinnhaftes machen. Ich möchte mit meiner Arbeit etwas bewegen. Natürlich kann ich nicht die Welt retten, aber ich kann dazu beitragen, dass sich im Kleinen etwas bewegt und verändert. Das ist es auch, was mir an meinem derzeitigen Job so gut gefällt. Ich bin nah am Bürger dran, durch mich erfahren die Menschen, was in ihrer Stadt passiert. Ich sorge für Transparenz und vermittle zwischen Bürgerschaft, Öffentlichkeit und Verwaltung – das ist großartig und ich liebe es.

Vor nicht allzu langer Zeit war es mir wichtig, möglichst viel zu verdienen, ein schickes Auto zu fahren und schnellstmöglich Eigentum zu erwerben – also getreu dem Motto „Mein Haus, mein Auto, meine Jacht“. Ganz ehrlich, auf mein gutes Gehalt möchte ich nicht verzichten, finanzielle Sicherheit ist mir wichtig, aber das ist eben nicht alles. Ich glaube es ist gut und wichtig, sich ab und an diese Frage zu stellen, die Frage nach dem Sinn des Lebens. Nur so können wir Kurs halten und unsere Ziele erreichen, Träume leben. Denn irgendwie verlieren wir uns alle hin und wieder im Alltags-Dschungel und streben immer höher, weiter und wollen mehr und mehr erreichen. Der Weg ist das Ziel – heißt es so schön. Ich habe meinen Kurs korrigiert und bin gespannt, wohin mich die Wellen als nächstes tragen werden.

by Helen

Vor ein paar Tagen habe ich ja darüber berichtet, dass ich nicht so recht weiß, ob ich eine Stelle annehmen soll, die mir angeboten wird. Einfach weil mich die Tätigkeit und die Rahmenbedingungen überhaupt nicht locken. (Das entscheidende Gespräch wurde übrigens nochmal um eine Woche verschoben – Gott sei Dank ;-) !)

Ich versuche mich im Moment ein bisschen genauer zu hinterfragen, was eigentlich hinter meinen Entscheidungen steckt. Warum stört es mich so eine Stelle anzunehmen, die mich zwar nicht sehr interessiert, die aber für meine Karriere sicherlich förderlich wäre. Auch habe ich mir über den Jahreswechsel viele Gedanken gemacht, welche Dinge in meinem Leben welche Priorität bekommen. Auch ich bin nicht immun gegen den “Jahreswechsel-gute-Vorsätze-usw.-Virus”. Und ich habe überlegt, welche Dinge mich glücklich machen. (Passend hierzu habe ich auch ein empfehlenswertes Buch gelesen: „Handbuch zum Glück“) Zum Glück habe ich festgestellt, dass gemessen an meinen eigenen Glücksmaßstäben viele Dinge in meinem Leben bereits im Lot sind. Ich habe seit ein paar Jahren eine gute Balance gefunden, schaffe es mich selbst nicht zu vernachlässigen und ziehe positive Energie aus meinen persönlichen Beziehungen. Ich kenne die kleinen Glücksmomente, die ich in jedem Tag finden kann und ich suche diese bewusst (zum Beispiel mein morgendlicher perfekter Cappuccino –da kommt mir keiner in die Quere). Trotzdem gibt es natürlich auch bei mir Phasen der Unzufriedenheit, in denen ich mich nicht gut fühle, frustriert bin oder in denen ich mich leer fühle. Teilweise war mir schon selbst klar, woran das liegt, teilweise bin ich auch durch Abschalten und Buchlektüre in meinem Urlaub darauf gestoßen. Ich glaube mir fehlt stellenweise der „Sinn“, in dem, was ich tue. Denn klar ist auch: 50% meiner Tätigkeit im Konzern sind Dinge, die mit Unternehmenspolitik, Prozesskram, etc. zu tun haben. Die weder mir selbst noch dem Unternehmen einen direkten Nutzen bringen – geschweige denn, dass es der Menschheit irgendetwas bringt.

Das ist natürlich nicht immer so – durch meine (kleine aber feine) Machtposition kann ich Dinge bewegen. Zum Beispiel konnte ich in den letzten Wochen für drei Herzensmenschen Empfehlungen aussprechen – vielleicht führt das für diese Menschen zu großen, tollen beruflichen Chancen. So etwas beflügelt mich. Dennoch brauche ich auch in meinem täglichen Arbeiten einen gewissen Sinn. Und diesen Sinn will ich finden und vergrößern. Vielleicht auch außerhalb des Jobs – wenn da nur der Zeitfaktor nicht wäre, denn klar ist auch die meiste Zeit meines Tages opfere ich für die Arbeit und das drumherum. Daher muss ich an den Job auch heran, wenn ich mein Leben mit mehr Sinn anreichern will – und ein Job, der mich nicht lockt oder irgendwie reizt wird meine Balance eher ins umgekehrte ausschlagen lassen. Daher bin ich egoistisch und bleibe dabei ich will etwas Sinnvolles tun – und zwar in meinen eigenen Augen und nach meinen eigenen Maßstäben.

Ja, ja ein bisschen philosophisch bin ich schon geworden. Ich hoffe ihr Lieben konntet mir folgen… ;-)

By Cloe

Ich habe oft viel zu schnell viel zu viele Projekte an der Backe, bin für so vieles zu begeistern und kann manchmal nicht Nein sagen, da die Vision schon vor meinen Augen schwebt. Beruflich wie privat. Danach habe ich dann aber die Arbeit und den einen oder anderen Monat verteufle ich mich für all meine Begeisterung. Falle dann ab und wann in ein tiefes Loch, weil ich das alles nicht mehr schaffe. Und nein, ich bin keine Mama, die nebenher noch so einen kleinen Fratz zu einem wundervollen Menschen groß zieht. Bekannte, eigentlich immer nur Männer, die ebenfalls soviel Themen an den Hacken haben, schauen mich irgendwie immer ganz relaxed an und verstehen gar nicht, dass ich typisch Frau mal kurz durchdrehen kann, gefühlt nix mehr auf die Reihe bekomme, auch mal alles hinschmeißen will und meinen nervösen Emotionen schlicht den Lauf lasse.

Ihre Bemerkung dann: „Wieso, soviel hast du doch gar nicht, musst halt nacheinander alles in der Woche unter bekommen. Und was nicht klappt dann halt nächste Woche. Aber insgesamt bekommt man alles locker hin, bist ja noch jung.“ Na super, diese Sätze hasse ich. Wikipedia sagt die Effizienz steht für u.a. für „Wirtschaftlichkeit, eine optimale Verwendung von Produktionsfaktoren – siehe Pareto-Optimum, ein Maß für den Energieaufwand, das Verhältnis zwischen Nutzenergie und energetischem Aufwand, Wirkungsgrad.“ Ich glaube wir Frauen haben nicht immer den idealen Wirkungsgrad bei optimalem Energieaufwand (nicht alle, aber so allgemein). Wir haben hier einen viel zu sorgfältigen und strengen Ansatz an uns selbst. Ich habe festgestellt, dass Männer oft intuitiv besser delegieren können, eher davon ausgehen, dass Hilfe kommt und die großen Projekte natürlich nicht im Detail selbst ausarbeiten. Beruflich wie privat. Sie sehen alles lockerer und gehen dabei immer noch ein Bierchen trinken. Ja, manchmal wird es dann auch nicht so super, eine Feier organisiert von einem Mann hat dann eben nur den Kasten Bier, das Grillfleisch und Ketchup. Aber wer sagt denn, dass dies im Ergebnis keine tolle Party wird. Müssen nicht immer acht verschiedene Salate gemacht werden. Das wäre dann die berühmte 20/80 Regel. Mit 20% Aufwand 80% Output erreichen. Ein 100% Output erreichen würde ein 100% Aufwand bedeuten und damit im Verhältnis einen geringere Effizienz darstellen. Mein Empfinden: so sind aber eher Frauen unterwegs.

Das selbe bei Bewerbungen. Meine männlichen Freunde schauen sich eine Stellenbeschreibung an, bei der sie 20% schon mal gemacht haben, und 80% können sie sich super vorstellen. Dann wird sich beworben und mit vollem Selbstbewusstsein am ersten Tag den Job gemacht als ob schon immer drauf gehabt. Das weibliche Pendant liest eine Stellenbeschreibung, bei der sie schon zu 90% alles kann und zweifelt an ihrer Qualifikation weil ja noch 10% fehlen – und stellt beim Vorstellungsgespräch wahrscheinlich auch noch ihr Licht unter den Scheffel und plaudert ihre Zweifel aus.

Ich und viele weibliche Bekannte machen uns oft verrückt und wollen alles zu 150% machen. Hier einfach auch nochmal von Siegern lernen ;) egal, ob von Mann oder Frau – ruhig die großen Dinge stemmen, auch mal delegieren oder Hilfe holen und ein völlig ausreichendes Ergebnis wird kommen. Loslassen heißt hier die Devise und sich nicht im Detail verzetteln. Lebenszeit uneffizient einsetzen, muss man nicht.

by Liz

Ich gebe es zu, zum Jahresende war ich ganz schön ausgelaugt. Das letzte Jahr war hart und anstrengend, wir haben einige Großprojekte erfolgreich gestemmt und vieles bewegt. Leider haben wir wenig Wertschätzung erfahren, das Jahr über. Nur sehr selten hörten wir ein Lob oder erhielten Anerkennung für unsere Leistung. Privates kam oft zu kurz, der Preis für die beruflichen Erfolge war ganz schön hoch muss ich feststellen, jetzt, wo ich zurück blicke und das Jahr nochmal Revue passieren lasse. Das frustet und fördert nicht wirklich die Motivation. Ich habe das daher bei meinem letzten Gespräch mit meinem Chef ganz offen und direkt angesprochen.

Mein Chef gehört zu der Sorte „Mein Job ist mein Leben“. Er ist ein purer Workaholic. Freizeit gibt es nicht, nur im Urlaub – und selbst aus dem Urlaub erhalten wir hin und wieder Diktate und Emails. Es hat mich daher nicht wirklich überrascht, dass er mich nicht verstanden hat, als ich ihm sagte, dass ein permanentes „immer höher, weiter und schneller“ auf die Dauer nicht durchzuhalten ist und dass wir ab und zu auch mal ein Wort der Anerkennung und des Lobes brauchen. Ich habe betont, dass wir alle einen Ausgleich benötigen und nicht 24/7 funktionieren können. Seine Antwort: „Sie müssen mehr delegieren und abgeben. Überlassen sie das operative Geschäft ihren Mitarbeitern. Sie müssen mich viel häufiger begleiten und Projekte abgeben.“

Ich habe ihn mit einem großen Fragezeichen angeguckt. Abgeben? An wen denn? Häufiger auf Termine begleiten? Und wer bereitet dann diese Termine inhaltlich vor? Projekte abgeben? Auch hier frage ich mich, an wen denn? Arbeite ich tatsächlich zu operativ? Muss ich als Abteilungsleiterin mehr abgeben, weniger selber arbeiten?
Ich habe mich intensiv mit diesen Fragen beschäftigt. Klar höre ich ganz genau hin, wenn mein Chef mir sagt, was er konkret von mir erwartet. Es ist auch klar, dass ich seinen Ansprüchen gerecht werden möchte. Ich versuche dabei allerdings immer auch mir selbst treu zu bleiben. Das mit dem Abgeben kann ich sicherlich noch besser als bisher. Ich gebe zu, vieles selbst zu machen, da dominiert halt auch die Perfektionistin in mir. Ich denke, daran kann ich im neuen Jahr sicher arbeiten. Auch werde ich versuchen, die Projekte stärker zu priorisieren und auch mal eine Anfrage abzulehnen oder an andere Abteilungen hausintern abzugeben. Auch werde ich schauen, dass ich meinen Chef mehr begleitet, denn so bin ich näher an ihm dran und kann „meine Themen“ auch mal nebenbei auf dem Weg oder am Rande einer Veranstaltung mit ihm besprechen. Es ist sicherlich auch förderlich, wenn es darum geht, in zu beraten und ihm meine Kommunikationsstrategien zu vermitteln. In der Vergangenheit war es nicht immer einfach, an ihn ran zu kommen und oftmals beschränkte sich unsere Kommunikation auf ein kurzes Gespräch zwischen Tür und Angel, einem Telefonat oder Austausch per Email. Ja und auch mein Privatleben soll wieder mehr Raum einnehmen. Die Work-Life-Balance ist immerhin wichtig, damit ich überhaupt zur Hochleistung auffahren kann.

Dass sind nun also meine Vorsätze für das neue Jahr – beruflich gesehen! Ich halte Euch auf dem Laufenden, ob ich es tatsächlich so durchziehen kann und wie es mir dabei ergeht.

by Helen

In zwei Tagen habe ich ein Gespräch. Mit meinem Chef-Chef-Chef (oh ja wir haben hier viele Hierarchien im Konzern – man könnte fast meinen da drüber kann keiner mehr kommen – aber weit gefehlt…).

Jedenfalls ist das ein schwieriges Gespräch für mich. Denn ich weiss nicht, was ich ihm rüberbringen will. Normalerweise ist das ja ganz einfach. Man überlegt sich was sein eigenes Ziel für so ein Gespräch ist, überlegt sich was das Ziel des anderen ist. Dann überlegt man sich wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen und wie man das verkaspern könnte. So, dass es für beide passt oder zumindest so, dass ein vernünftiger Kompromiss herauskommt. Aber ich drehe das Thema jetzt seit sechs Wochen im Kopf herum und mir fällt nicht ein, was ich tun könnte. Zumal ich auch seine  Position nicht 100% einschätzen kann.

Tatsache ist, dass er mir gerne einen neuen Job verpassen würde (meinen jetzigen mache ich seit zwei einhalb Jahren). Es wäre eine Rotation auf gleichem Level, ein Vorstellungsgespräch hatte ich bereits. Tatsache ist allerdings auch, dass ich diesen Job nicht will. Ich habe versucht es mir schön zu reden, habe über mein Netzwerk versucht mehr Infos über die Stelle zu bekommen, um ihr vielleicht doch noch was Positives abzugewinnen… Aber es nutzt nix – I mog net! Leider ist aus Perspektive meines Chef-Chef-Chefs diese Stelle allerdings die wichtigste und tollste Stelle überhaupt (Vor ca. 100 Jahren hat er die Stelle selbst mal gemacht). Wie bringe ich ihm also rüber, dass ich das nicht so sehe? Ohne undankbar zu wirken? Oder bin ich vielleicht undankbar? Sollte ich nicht vielleicht doch die Arschbacken zusammenkneifen und den Job, den er mir angedeihen lassen will machen? Runiniere ich nicht meine Karriere, wenn ich jetzt nein sage? Bzw. wie und mit welchen Argumenten kann ich “nein” sagen, so dass es wenigstens halbwegs positiv bei ihm ankommt.

Ich nehme an “Ich habe einfach keine Lust” ist nicht das richtige Argument ;-) – Aber irgendwie bin ich mittlerweile an einem Punkt, wo ich auch mal an mich denken will. Ob das richtig ist, weiss ich nicht, aber jeden Mist einfach hinnehmen, das kanns ja auch nicht sein. Zumal ich dann auch noch mindestens zwei Jahre durchhalten müsste. Zwei Jahre meines Lebens – sie ist mir so kostbar geworden meine Zeit, dass ich sie sinnvoll nutzen will. Und ich bin so selbstbewusst geworden, zu sagen, dass nur ich den Sinn bestimmen kann und darf.

Und jetzt muss ich das irgendwie gut verpackt bekommen ;-) ! Hilfe!

by Liz

Vor kurzem hatte ich wieder einmal einen dieser Aha-Momente. Ihr wisst schon, dieser Moment bei dem einem plötzlich ein Licht aufgeht, bei dem es „klick“ macht und die Dinge auf einmal einen Sinn ergeben.

Ich habe Euch doch kürzlich von meiner damaligen Chefin berichtet. Die, die es mir übel nahm, als ich kündigte um Pressesprecherin zu werden. An sie musste ich letztens denken, als ich ein interessantes Gespräch mit einem meiner Mitarbeiter hatte.
Mein Mitarbeiter ist Berufseinsteiger, er ist seit einem guten Jahr in meinem Team. Ich habe ihn direkt von der Uni eingestellt. Er ist in seinem Aufgabengebiet super, hat sich sehr schnell eingearbeitet und macht wirklich einen guten Job. Ich habe ihn von Beginn an aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig zu arbeiten. Klar musste ich ihm hier und da Hilfestellung geben, das war zu erwarten. Aber ich merkte schnell, dass ich mich auf ihn verlassen konnte und er seine Arbeit mit viel Sorgfalt und immer verantwortungsvoll erledigte. Nachdem er knapp ein Jahr dabei war, ernannte ich ihn zu meinem Stellvertreter. Ich schickte ihn ab und an als meine Vertretung zu Terminen und übergab ihm wichtige Themen während meines Urlaubs.

Die Arbeit in der Pressestelle ist sehr arbeitsintensiv und vor allem muss es immer schnell gehen. Wir haben viele kurzfristige Aufgaben zu bewältigen und müssen sehr präzise arbeiten. Wer dem Druck nicht standhalten kann, wer sich nicht gut organisieren kann und nicht gelernt hat täglich aufs Neue zu priorisieren, der hat es sehr schwer bzw. kann im Grunde nicht lange bestehen. Es gehört schon eine große Portion Selbstbewusstsein und Sicherheit dazu, dem Druck Stand zu halten und nicht aufzugeben. Mir ist bewusst, dass Mitarbeiter mit wenig bis keiner Berufserfahrung daran zu knabbern haben. Genau deswegen unterstütze ich mein Team und stehe immer an ihrer Seite. Ich mache klare Ansagen und gebe oftmals die Prioritäten vor, anstatt meine Mitarbeiter schwimmen zu lassen. Auch besagtem Mitarbeiter muss ich hin und wieder unter die Arme greifen. In meinen Augen hat er noch einiges zu Lernen, aber auch großes Potential. Ich sehe es als meine Aufgabe an, ihn an diese Aufgaben heranzuführen, ihm zu zeigen, wie er es besser anpacken kann und ihn weiter zu entwickeln.

Es hat mich etwas stutzig gemacht, als er mir neulich eröffnete, dass er ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle als Pressesprecher hat. Ich wusste für einen Moment gar nicht, wie ich reagieren sollte. Er, Pressesprecher? Er, auf meinem Level? Nach so kurzer Zeit und mit so wenig Berufserfahrung? Ich schluckte kurz, lächelte und wünschte ihm viel Erfolg bei dem Gespräch. Ich ergänzte, dass dies eine große Herausforderung und sicherlich auch eine reizvolle Chance für ihn sei. Er trat mir gegenüber sehr selbst sicher auf und ich erinnerte mich daran, wie ich damals vor meiner Chefin saß und ihr meine Kündigung überreichte. Hatte sie sich vielleicht so gefühlt wie ich mich heute? Gut, der Unterschied war, dass ich den Job in der Tasche hatte und meine Chefin sich eingestehen musste, dass ich wohl das Zeug zur Pressesprecherin habe. Mein Mitarbeiter denkt, er habe das Zeug dazu – den Job hat er noch nicht.

Es war eben einer dieser Aha-Momente. Ich konnte plötzlich verstehen, warum meine Chefin damals so komisch reagierte. Man selber hat lange und hart dafür gearbeitet, um eine solche Position zu erreichen. Dann investiert man Zeit, Geduld und Arbeit in junge Menschen, die nichts können und noch viel lernen müssen. Man freut sich über jeden Fortschritt, den sie machen und gönnt ihnen ihre kleinen und größeren Erfolge. Man ist stolz, wenn sie eines Tages loslaufen und Verantwortung übernehmen, den Job ohne Hilfe erledigen und sogar dazu beitragen, die Arbeit weiter zu entwickeln, zu optimieren etc. Ja, die Arbeit und die Mühe haben sich gelohnt – jetzt kann auch ich mich ein wenig zurücklehnen und ruhigen Gewissens meinen Mitarbeitern die Aufgaben übertragen, ohne immer ein Auge darauf haben zu müssen. Und dann werden sie übermütig und überschätzen sich und meinen, sie könnten meine Aufgaben übernehmen, als wäre es ja kein großes Ding, Pressesprecher zu sein. Was bilden die sich eigentlich ein? So einfach ist das alles nicht, sie können doch gar nicht einschätzen und sehen, was es bedeutet, zwischen den Fronten zu stehen, eine Abteilung zu leiten, die strategischen Weichen zu legen, die vielen Gespräche zu führen, Unterstützer und Befürworter zu finden, seine eigenen Mitarbeiter zu schützen und das Team zusammen zu halten usw.

Wow, so vieles ging mir in diesem Moment durch den Kopf. Und meiner damaligen Chefin wahrscheinlich auch. Ich kann verstehen, dass sie es damals nicht über die Lippen gebracht hat, mir viel Erfolg und Glück zu wünschen. Zwar war ich viele Jahre im Unternehmen und sehr erfolgreich in dem, was ich da tat. Auch war sie immer sehr zufrieden mit mir und ich genoss ihr vollstes Vertrauen. Doch muss es eben auch ein Schock gewesen sein zu hören, dass der eigene Zögling plötzlich flügge wird und jetzt selber Chefin einer Abteilung werden soll.

Mein Mitarbeiter hat nie wieder von dem Vorstellungsgespräch oder dem Job gesprochen. Er ist nach wie vor in meinem Team und macht einen guten Job. Ich bin durch die Geschichte sensibler geworden und habe registriert, dass es sein Ziel ist, einmal selbst Pressesprecher zu werden. Ich binde ihn seither noch mehr ein und lasse ihn Teil meiner Überlegungen und strategischen Visionen für die Abteilung werden. Ich schicke ihn demnächst auf eine Schulung und versuche ihm so viel ich kann mitzugeben, um ihn bestmöglich vorzubereiten, beim nächsten Mal den Job zu bekommen, auf den er sich bewirbt.

by Cloe

Frauen, die ihren Krabbenkorb-Instinkten im negativen Sinne erlegen und doch wieder weniger erfolgreiche, aber sichere Wege gehen, sind manchmal einfach schrecklich. Und wir sind es alle ab und zu. Hier noch die kleine Erinnerung was der Krabbenkorb war: Krabben in einem Korb benötigen keinen Deckel. Versucht eine den Korb zu verlassen, ziehen die andere sie wieder runter. Der Vergleich steht für die Frauen am Lagerfeuer, damals in der Steinzeit aufeinander angewiesen. Damit keine wegläuft und vom Mammut gefressen wird, heißt es eine enorm starke Gruppendynamik entstehen zu lassen: Alle Frauen gleich, keine besser oder schlechter, alle tauschen sich am Lagerfeuer aus, halten die Kinder fest, reden viel, kochen, geben sich einen Haufen echter oder unechter Komplimente über die Frisur, Kleidung und umwerfende Fähigkeiten, um die wir uns ja alle so beneiden. Es werden Ideen und Vorgehensweisen ausgetauscht, wie Krankheiten besser zu heilen sind, Gewürze in einer neuen Kombi das Essen leckerer machen oder Kleidung moderner vernäht werden kann. Oder so ähnlich. Solange bis die Zeit rum ist – und keine hat die schützende Umgebung verlassen. Alle safe, alles easy, alle glücklich und immer auf den neuesten Stand der News.

Daher fällt es Frauen auch so schwer sich bei Hierarchien richtig einzuordnen, denn im Grunde sind doch alle Menschen für sie gleich richtig und wichtig. Schwierige Sache, Männer sehen das gar nicht so. Daher haben Frauen es oft schwer sich abzuheben, die eigene „gläserne Decke“ zu durchstoßen und mal außerhalb der Reihe ihren Weg zu gehen. Es fühlt sich oft allein und ungeschützt an – man fängt an sich durch die Krabbenkorbinstinkte ja doch wieder einer schützenden Frauengruppe anzuschließen, gerade die Gruppe, die sagte: „geh nicht, werde keine Führungskraft, bleibe bei uns“. Es gibt in diesen Umgebungen nicht viele, aber eben neue Krabbenkörbe. Und wenn nicht, entwickelt welche. Ich liebe meine Krabbenkorbgruppe mit Liz und Helen, wir stehen als Führungskräfte auf einem Level. Tauschen uns aus und unterstützen uns. Niemand will mich hier runter ziehen. Danke Mädels, ihr seid spitze. Und wir haben uns versprochen den Krabbenkorb umzudrehen: uns gegenseitig hoch zuziehen. Nicht runter. Die Entwicklung geht immer weiter, nicht zurück.

by Helen

Gestern berichtete ich ja, dass ich bei einem Jugend-Roboter-Wettbewerb in der Jury sass. Übrigens als Jurorin für Technik – einfach damit die Kids mal eine Frau sehen, die sich für sowas begeistern kann (man ist ja auch Vorbild!).

Viele würden mich für verrückt erklären einen freien Tag für so eine freiwillige und unbezahlten Tätigkeit zu opfern und natürlich habe ich nicht gerade Hura geschrieen, als Sonntags morgens der Wecker geklingelt hat. Dennoch hatte ich selten so einen unterhaltsamen und lehrreichen Tag. Unterhaltsam, weil es einfach mal schön war sich mit etwas ganz anderem zu beschäftigen und Kinder auch einfach witzig sind. Lehrreich, weil der ganze Tag zu einer regelrechten Sozialstudie wurde. Es gab Jungs-Gruppen, es gab Jungs-Gruppen mit einem Mädel und es gab gleichmäßig gemischte Gruppen. Und es war absolut faszinierend, dass die Regeln die im Business gelten auch bei den Kids schon so krass ausgeprägt sind.

Ich saß also an meinem kleinen Jury Tischlein und lies mir einen Roboter nach dem nächsten präsentieren und hatte reichlich Zeit, die Gruppendynmik zu beobachten:

Bei den Jungs Gruppen war Radau und Tumult und Durcheinander. Dann nach ca. 2-3 Minuten bildeten sich zwei Sprecher heraus, diese stellten den Roboter und seine Eigenschaften vor und beantworteten die Fragen. Die anderen standen hippelig und nervös drum herum und nickten die beiden “Chefs” an. Die Präsentationen liefen gut – danach war wieder Radau, Tumult und Durcheinander. Am schlimmsten zu beobachten waren mit Abstand die Gruppen mit einem Mädel. Alles lief nach obigem Schema, nur dass das Mädel offensichtlich nie verstand wann sie schweigen mussten. Sie versuchte dann aufgeregt und quietschig ihre Statements zwischenrein zu werfen und die Chefs zu unterbrechen. Oft waren die Sachen, die sie sagte richtig und wichtig – und man merkte immer, dass es ihr nur um das Gelingen der Aktion und den Roboter ging. Dennoch empfand ich es als Aussenstehende als extrem stressig und merkte dass die Gruppe nicht harmonierte – dass sie zum Störfaktor wurde – trotz der Tatsache, dass sie bester Absichten war. Die gemischten Gruppen, mit gleich vielen Jungs und Mädels, hingegen waren meist gut organisiert und hatten eine relativ gleich verteilte Redezeit und eine respektvollen Umgang untereinander.

Ich fand es extrem spannend, dass bereits in diesem Alter die Mechanismen greifen, die auch im im Business Leben beobachte. Und schaudernd wurde mir bewusst, wie oft ich im letzten Jahr, dieses atemlose Mädchen gegeben habe, dass irgendwie versucht hat sich Gehör zu verschaffen und wie die Fremdwahrnehmung auf mich in diesen Fällen vielleicht ausgesehen hat…

Als einzelne Frau in Männergruppen – ich glaube da führt kein Weg an der Anpassung vorbei. Langfristig muss der Weg aber ein anderer sein: die beiden gemischten Gruppen haben nämlich die beiden ersten Plätze abgesahnt ;-) .