Lipstick and Laptop

by Cloe

Frauen und der Büro-Umzug. Ein Highlight als Führungskraft ist und bleibt die Koordination eines Umzuges. Ja, es ist die schwierigste und menschlich verworrenste Aufgabe, welche alle Management-Skills einfordert, die existieren. Ein Umzug klingt harmlos. Ist es aber ganz und gar nicht. Dem Mitarbeiter ist das Heiligste sein Arbeitsplatz. Nie vergessen. Als Führungskraft ist man oft unterwegs, sitzt in Meetings, hat einen zerrissenen Alltag und hat meist eh ein eigenes Büro oder per Hierarchie ein zugewiesenen Arbeitsplatz, der kenntlich macht, wer hier der Boss ist. Und mir ist mein Arbeitsplatz eigentlich gar nicht so wichtig. Ich saß schon in großen Einzelbüros, zu zweit mit einer anderen Führungskraft oder bei meinen Mitarbeitern im Großraumbüro. Alles ok, jedes hat seine Vor- und Nachteile. Meine Herausforderung der letzten Wochen: 25 Mitarbeitern aus unterschiedlichen Gebäude in eins zusammenzuziehen und in ein gemeinsames Großraumbüro zu setzen. Sie gehören nun einer zentralen Einheit an. Klingt einfach: Mal eben die neue Fläche mit Hilfe von Facility Management Experten oder eben die, die einen in der Bürogestaltung helfen, besichtigen, auf Papier die Plätze beplanen, Namen dahinter. Warten bis alle Tische und Möbel drin sind und alle beziehen bei einem Stichtag die Plätze.

Ne, so simpel wie das klangt, ist das nicht. Ich habe zeitlich gesehen pro Woche 12 Stunden in dieses Thema gesteckt über bestimmt 5 Wochen hinweg. Das ist ein eigenes Projekt mit viel Emotionen. Ganz vielen. Die Sitzordnung wird per se 100 Mal in Frage gestellt; Pflanzen, Kühlschränke, individuelle Möbel müssen hertransportiert werden. Dem einen ziehst, dem anderen ist zu wenig Licht, dem nächsten kann man über die Schulter schauen und einem anderen sind die neuen Kollegen so fremd, das macht sie nervös, sie bräuchte erst mal ein Einzelbüro. Eine weiterere kann nur arbeiten, wenn mehr Trennwände da sind, die nächste findet es schade, wenn sie ihre Kollegin nicht mehr sieht. Ein weiterer will nicht, dass bei so vielen Leuten im Büro gegessen wird, es würde stinken und der nächste meint, eine bestimmter Kollege sei zu laut, er müsse weggesetzt werden. Dem anderen ist es zu warm und vielleicht gibt es noch Budget für Bilder, neue Farbe an den Wänden, schönere Jackenständer. Wo stehen die Kaffeemaschinen, wie kann man sie in Richtung Küche am Besten reinigen und warum haben wir hier so hässliche Mülleimer. Alles Dinge und noch viel mehr, die zu Klären und Entscheiden sind. Wirklich nicht ohne… Und jetzt das Klischee schlecht hin: 99% aller Beschwerden und Sonderwünsche kamen von den Frauen. Den Herren war es egal, sie waren schlicht zufrieden mit dem, was vorgefunden wurde und hatten bei den meisten Themen schlichtweg nicht mal sie leiseste Idee worum es geht. Naja, die Mädels sind genetisch bedingt vielleicht doch die Nestbauer und auf Wohlbefinden sowie Ästhetik in ihrer Arbeitsumgebung bedacht. Übles Klischee… aber hier einfach genauso live erlebt.

by Helen

Ich hatte hier ja schon mal berichtet, dass ich im Moment ein „leicht“ turbulentes Privatleben habe. Ich versuche natürlich so gut wie möglich zu funktionieren. Aber leider klappt das nur so leidlich. Ich bin ständig abgelenkt, würde am liebsten nur Kaffee trinken und in der Gegend herumstarren. Mich auf meine Aufgabe konzentrieren? Fehlanzeige. Ich merke auch, dass ich ungeduldiger bin und manchmal gereizter reagiere, als ich das normalerweise tun würde. Bin nämlich sonst immer recht ausgeglichen und machen Witzchen – auch wenn es mir eigentlich nicht so gut geht.

Ich weiß nicht, ob das auffällt  – oder ob ich nur denke, dass es auffallen müsste, einfach weil ich mich nicht „wie ich selbst“ fühle sondern eher wir ein Roboter, der halt mehr schlecht als recht versucht das Außenbild einer engagierten und produktiven Führungskraft aufrecht zu erhalten. Ich versuche natürlich Strategien zu entwickeln, z.B. mal tatsächlich an den schlimmsten Tagen ein paar Stunden frei zu machen, um mich zu Erholen, eine Runde in der Sonne zu joggen und mich abzulenken. Aber natürlich ist das keine Dauerlösung. Was mich besonders nervt. Ich habe keine Energie für die Themen, die mir auch sonst schwer fallen: sprich Politik machen. Z.B. wird meine Stelle gerade in einen anderen Bereich verlagert. Ich bekomme neue Chefs! Meine Kollegen, denen es genauso geht, nutzen jetzt natürlich schon jede noch so minimale Gelegenheit, um diese „kennenzulernen“ (man könnte auch „sich anbiedern“ sagen ;-) . Aber mir ist im Moment vielen egal, was mir eigentlich wichtig sein sollte…. Trotzdem ärgere ich mich, dass ich mich so aus der Bahn werfen lasse.  Meinen Stellvertreter habe ich jetzt mal eingeweiht. Wir arbeiten jeden Tag zusammen und er soll wissen, warum ich manchmal einfach mental abwesend bin. Hilfe! Ich will aus diesem Loch raus….

by Cloe

Einer der stressigsten Moment in meinem Managementleben war tatsächlich eine Kündigung von einer Mitarbeiterin, die nach nur 10 Tagen, nachdem ich das Team übernommen hatte, kündigte. Es war einfach so früh und ich verstand den Grund nicht. Sie war völlig aufgelöst, selber noch sehr jung, ihr erster Job, ihre erste Kündigung. Sie war so voller Misstrauen und hatte sehr viel Angst, ich würde ihr jetzt den Kopf abreißen und das Leben zur Hölle machen die letzten Monate vor dem Ausstand. Ich musste mir in den folgenden vielen Tagen hart ihr Vertrauen erarbeiten und ihr zeigen, dass ich sie wie jeden Mitarbeiter sehr schätzte, es bedauere, dass sie gekündigt hat und ihr nur das Allerbeste wünsche. Ich behandelte Sie mit vollem Respekt, wie es meinen Werten eben auch entspricht und zog sie in den letzten Wochen noch für spannende Aufgaben heran und brachte ihr viel bei, was Sie noch nicht wusste.

Fast bedauerte Sie dann ihre Kündigung als sie sich mir öffnete, warum es so sei. Leider ist dies immer noch ein hartes Tabu-Thema in Firmen und ich möchte hiermit in dem Blog darauf aufmerksam machen. Mein Vorgänger hatte ihr Selbstbewusstsein systematisch abgebaut, sie grundsätzlich kritisiert und dabei zu allem Überfluss auch noch massiv sexuell belästigt. Ich war schockiert. Das nannte ich mal systematische Erniedrigung einer jungen Seele, die damit nicht umgehen kann. Sie hatte in all der Zeit keine Kraft sich jemanden anzuvertrauen, noch einfach zu gehen. Als er weg war und ich kam, nutzte sie die „Erholungspause“, um mit Familie und Freunden zu sprechen, die ihr dann sofort nahelegten, zu kündigen und diese schlimme Firma endlich zu verlassen. Auch ohne neuen Job. Ich konnte Sie nicht überzeugen zu bleiben, so schlimm waren ihre Erfahrungen an ihrem ersten Job, sie wollte einfach nur weg. Ein Betriebsratsbesuch kam für sie nicht in Frage, wollte sie doch ihre berufliche Laufbahn nicht schon in Konflikt gegen das Unternehmen beginnen. So traurig es auch ist, das passiert oft. Kaum eine Frau sucht Hilfe, fürchtet sie doch dann mit dieser Verwicklung ihre eigene Karriere in den Sand gesetzt zu haben. Meine Aufgabe war es ihr bis zum Schluss das Selbstbewusstsein wieder zu geben, ein wunderbarer junger Mensch zu sein, der leider schon im ersten Job eine so schlechte Erfahrung gemacht hat, dies aber kein Abbruch für ihren weiteren Weg sein sollte. Der Beruf sollte sie stärken, nicht brechen. Ich bemühte mich ihr ein guter Coach zu sein, sie für gute Leistung zu loben und sie vor dem zu schützen, was ihr in ihrer Entwicklung nicht gut tut. Dies ist meine Aufgabe. Nicht umsonst gibt es den Begriff als Führungskraft seinen Mitarbeitern gegenüber einen „Schutzbefohlenen-Auftrag“ zu haben. Dies hatte mein Vorgänger wohl noch nicht verstanden. Mit ihrem Beispiel kamen auch meine Erinnerungen hoch, auch mir ist sexuelle Belästigung in Firmen als Frau passiert. Ein anderes Mal mehr hierzu.

by Helen

…mal ein ganz anderes Thema. Klamotten! Normalerweise bin ich immer in Hosenanzug + Bluse unterwegs. Im Winter gepaart mit Schal und Mantel – alles im Business Stil versteht sich. Cloe schüttelt immer den Kopf über mich, weil ich so gut wie nie ein Kleid oder Rock anziehe (in der Freizeit aber ständig). Darüber erzähl ich aber vielleicht ein anderes Mal ;-) .

Jedenfalls war ich am Wochenende Skifahren. Wir sind morgens in aller Frühe aus dem Hotel aufgebrochen und natürlich stiefele ich in Skijacke los und vergesse besagten Business Mantel. Das musste ich dann heute Morgen mit Erschrecken feststellen. (Und obwohl ja heute schon wirklich Frühling ist – so ganz ohne Jacke brrr dafür ist es noch zu kalt). Lange Rede kurzer Sinn ich zog also meine Sportjacke über den Anzug. Sie ist schwarz und dezent – aber ganz klar eine Sportjacke. Und wisst ihr was kombiniert mit einem eleganten Schal find ich mich trotzdem richtig dynamisch. Insofern sollte ich mal öfter meine Garderobe etwas auflockern und vielleicht doch ein bisschen mehr von meinem privaten Stil in meine „Arbeitsmontur“ einfließen lassen.

by Cloe

Man muss nicht immer den schweren beruflichen Weg gehen. Das kann man jedoch nicht immer planen. Man startet als junger Mensch seinen Berufsweg – geplant oder eben reingestolpert. Den ersten Job nach Ausbildung oder Studium haben wir durch eine Abschlussarbeit und dann in der Firma geblieben, erhalten, durch reguläres Bewerben am Markt, Netzwerken, vielleicht durch Papa vermittelt oder sonst wie anderweitig bekommen. Ob wir genau da hin wollten oder nicht. Bei Bewerbung kam es nochmal auf die Wirtschaftslage, die Anforderungen des Unternehmens an und das, was man selber bietet. Ob dann die Position, das Unternehmen, die Branche und die Stadt in der man gelandet ist, nun gefällt, merkt man oft erst später.

Wer als Frau vielleicht in einem Extrem der „Frauen-Seltenheit-Branche“  (konservative und z.B. technisch orientierte) landet, hat es unter Umständen schwerer, muss mehr kämpfen und mit Widerständen rechnen, die es in anderen Unternehmen durch eine gesunde Weiterentwicklung schon länger nicht mehr gibt. Das bedeutet den schweren Weg zu gehen, wo es doch woanders leichter wäre. Es gibt ebenso länderspezifische Unterschiede – z.B. ist die USA eher wettbewerbsorientiert, ob nun eine Frau oder ein Mann die top Zahlen liefert, ist hier eher sekundär. Auch die skandinavischen Länder leben vielen anderen Europäern – oft mit einer Generation Vorsprung – eine viel ausgeglichener Chancengleichheit mit angepassten infrastrukturellen Aspekten wie z.B. der Kinderbetreuung vor. Gesellschaftlich bereits selbstverständlich. An dieser Stelle also der Hinweis sich alle Aspekte eines neuen Jobs anzusehen – schwerer oder einfacher Weg als Frau? Entwicklungshilfe oder freier Weg Erfolge zu generieren?

Forbes hat hier aktuell die „10 besten Unternehmen für Frauen in 2014 gekürt. Diese Liste lohnt es sich anzuschauen und sich ein Bild zu machen, von Unternehmen und dessen Rahmenbedingungen.

by Cloe

Die Bildzeitung vom 18. Februar lässt Fakten sprechen und erstellt einen interessanten Artikel mit Frau Claudia Kimich – Verhandlungsexpertin und Autorin. Schon im Berufsstart sind es ca. 22% Gehalt mehr, die Männer im Durchschnitt verdienen als Frauen und das zieht sich dann immer weiter bis zur Rente hin, noch größere Unterschiede nicht ausgeschlossen. Zwei Bespiele des Mann/ Frau Vergleichs rausgepickt aus dem BILD-Artikel – ein Überblick über die Jahreseinkommen in den verschiedenen Altersklassen: Mit 25 Jahren verdient eine männliche Führungskraft 61.142 Euro und eine weibliche 50.206 Euro. Die Fachkraft männlich in dem Alter 37.205 Euro und weiblich 30.427 Euro. Mit 40 Jahren verdient eine männliche Führungskraft 104.442 Euro, die weibliche 86.268 Euro. Die Fachkraft in dem Alter verdient als Mann 54.561 Euro, als Frau 40.014 Euro. Der Supergau: mit 60 Jahren verdient eine männliche Führungskraft 124.728 Euro und ich bin fast vom Stuhl gefallen, in diesem Alter verdient die weibliche Führungskraft mit 83.649 Euro weniger als mit 40 Jahren, während es für Männer stetig nach oben ging mit dem Alter.

Lange Rede, kurzer, aber intensiver Sinn: das ist frustrierend. Woher sollen Frauen die Motivation aufbringen genauso viel oder oft mehr zu leisten als die Männer und dann dementsprechend signifikant weniger zu verdienen? Wir sprechen hier nicht von einer Handtasche im Monat, sondern von mehreren! Das Problem sei unter anderem, dass Frauen in der Karriere oft einen Schritt zurück treten als sich aufreiben zu wollen und auch den Job- und Ortswechsel weniger als die Männer durchziehen. All das kostet Gehalt. Die Selbsteinschätzung des Könnens wird von Frauen viel kritischer gesehen als bei Männern und in der Selbstdarstellung stapeln Frauen tiefer als die Männer. Und dass der Wohlfühlfaktor und „geliebt zu werden“ für Frauen wichtiger ist, unterstützt auch nicht gerade die hohen Gehälter.

Die Lösung liegt in einer besseren Vorbereitung bei Gehaltsverhandlungen, um nicht all den Stolperfallen auf den Leim zu gehen. Vorbereitung ist alles. Genauso das Nennen von konkreten Gehaltsvorstellungen und den eigenen Nutzen dazu. Mütter sollten ihre Kinder als Vorteil sehen und ihr Organisationstalent, den Überblick behalten zu können und mehrere Bedürfnisse gleichzeitig befriedigen zu können, positionieren. Und nicht vergessen und im Gespräch betonen: Frauen sind erwiesen gut für Unternehmen. Hier das volle Zitat aus dem Artikel, dem nichts mehr hinzuzufügen ist: „Sie (die Frauen) arbeiten nachhaltiger, sind wechselwillig und verbessern das Betriebsklima. Ein gelöster Konflikt, ein gewonnener Geschäftspartner und ein von der Kündigung abgehaltener Kollege sind für einen Chef unbezahlbar!“

by Helen

16% der deutschen DAX 30 Aufsichtsräte sind Frauen. Das ist im europäischen Vergleich solala. (Kommt es nur mir so vor oder sind wir Deutschen im europäischen Vergleich fast immer solala – ob es um das Lesen-Können der Grundschüler oder die Größe von Schinkenstücken in der Wurst geht? Ok, anderes Thema). Jedenfalls kann man diesen Fakt im neuen „European Corporate Governance Report 2014“ (Heidrick&Struggles) nachlesen. Und jede Menge anderer Fakten auch. Oder man kann es lassen. Denn ist das nicht völlig Wurst (ja – da war sie wieder die Wurst)? Was bringt es mir eigentlich, ob 10% oder 18% der Aufsichtsräte Frauen sind? Meine Meinung dazu: Nix! Zwischen mir hier unten und denen da oben liegt nämlich so oder so eine fette Lehmschicht aus mittlerem und Top Management und Kollegen und Mitarbeiter und alle drum herum. Und jeden Tag mit diesen Menschen und Ihren Erwartungen, Vorurteilen, etc. umzugehen, das ist die eigentliche Herausforderung. Denn ich habe kein Viertel von BMW geerbt oder eine 500.000 Dollar Elite-Uni-Ausbildung. Ich kümmere mich lieber um mein Eckchen hier unten auf dem Boden der Tatsachen ;-) .

by Cloe

Also, ich ziehe mal ein Fazit, in dem, was mich grundsätzlich im Job weitergebracht hat, um die Diskrepanz im Verständnis für und miteinander zwischen Männern und Frauen zu optimieren. So habe ich mal allgemein gesprochen hohe Ziele erreicht und größere Erfolge sichern können. Auch beim Einfordern von Mitteln erhielt ich, was ich wollte – mit Hilfe von drei Regeln, die bestimmt nicht neu sind, zu wiederholen sich aber regelmäßig lohnen. :) Mit der Erfüllung dieser drei Regeln, behaupte ich für alle Beteiligte eine Orientierung gegeben zu haben, die klar und zielsicher ist sowie Verwirrung und Unsicherheit vermeidet. Und das ist es doch, was wir wollen. Immer dann, wenn ich alle drei Regeln womöglich zusammen – oder einzelne davon nicht beachtet habe, wenn es drauf ankam, ging es in die Hose. Nicht nur ich war dann immer irritiert, verunsichert und down – mein Gegenüber war es auch. Der Mensch ist stückweit Spiegel seines Gegenübers. Nun zu den Regeln:

  1. Das Beste ist gerade gut genug! Auch für uns Frauen. Greift nach den Sternen und seid versichert, dass ihr es verdient habt. Fordert klar, was ihr wollt und davon das Maximum in bester Qualität. Nur so geht Erfolg. Falsche Kompromisse zu Lasten der Qualität ist immer ein großer Reinfall.
  2. Selbstbewusstes auftreten! Auch wenn man sich manchmal nicht danach fühlt. Ausstrahlung hilft und baut Unsicherheiten ab. Auf beiden Seiten. Und wenn ihr nicht von euch überzeugt seid, dann ist es auch kein Anderer.
  3. Offen auf Männer zugehen! Männer haben auch Ängste, nehmt Ihnen diese. Mit einem Lächeln, einem offenen Ohr und konstruktiven Gesprächen ohne Vorurteile kommt man am schnellsten miteinander voran. Am besten persönlich immer mal auf einen Kaffee vorbeischauen. Hilft.

by Helen

Und mal wieder so ein Aha-Erlebnis. War mit einem Kollegen essen, mit dem ich bisher nichts bis wenig zu tun hatte. Er ist seit 30 Jahren (!) im Konzern und schon lange auf „meiner“ Führungsebene. Mit anderen Worten, der hat da wirklich schon viel erlebt. Zuletzt eine Besonderheit: Gleich zwei Chefinnen, die sich den Posten teilen. Sehr ungewöhnlich. Daher war ich natürlich entsprechend neugierig, wie er denn das ganze so findet. Und so lenkte ich das Gespräch in Richtung seiner ehemaligen Chefs (beide männlich und mir bekannt) und dem Chefinnen Duo.

Er war in Redelaune und meinte frei heraus: Ehrlich gesagt fand ich an meinen Chefs immer gut, dass sie mich hinterfragt haben und Details wissen wollten. Die sind aktiv mit mir in die Diskussion getreten über die Inhalte meiner Arbeit. Das machen die Chefinnen nicht. Die verlassen sich auf mich, hinterfragen wenig und kommen dann wieder zurück, wenn es Fragen von außerhalb des Bereichs zu meinen Themen gibt. Er fand diese Situation jetzt nicht dramatisch, gab mir aber deutlich zu verstehen, dass es für ihn toll war zu wissen: Meine Chefs haben alles mit mir „abgeklopft“ wir „challengen“ uns gegenseitig und verteidigen uns so indirekt gegen dumme Fragen von außen.

Als Frau war mir die Sache sofort klar: die Chefinnen machen das natürlich nicht. Denn ich persönlich finde es auch viel angenehmer, wenn mir in der Zusammenarbeit voll vertraut wird. Dazu gehört es natürlich auch, dass man mal eine Frage stellen kann – so als Chef. Aber im Großen und Ganzen wünsche ich mir eigentlich, dass meine Arbeit so angenommen wird wie sie ist – ich liefere schließlich Qualität, die nicht aufs kleinste Detail hinterfragt werden muss. Er hatte hier eine ganz andere Wahrnehmung: Im Disput mit meinen Chefs kann ich mich messen und sehe „im spielerischen Wettbewerb“ wie gut (oder schlecht) ich wirklich bin und wie gut vorbereitet ich dementsprechend in die „Welt da draußen“ gehe. Vielleicht sind die Chefinnen so gepolt wie ich: Sie denken, wenn sie ihre Mitarbeiter kritisieren oder hinterfragen, unterläuft dieses Verhalten das Vertrauen im Team.  Dabei geht es gar nicht um Vertrauen, sondern um das gute Gefühl an alles gedacht zu haben. Ich werde mal versuchen das bei mir zu beobachten. Doch lieber einmal mehr nachfragen und sehen wie es bei meinen Mitarbeitern so ankommt. Ein kleines Führungsexperiment sozusagen…

by Cloe

In Helens Neujahrsgrüße sprach sie davon, dass es auch wieder unter den Lipstick&Laptop-Girls dieses Jahr Veränderungen geben wird. Eine oder mehrere von uns werden sich beruflich verändern. Dieses Jahr bin ich auf jeden Fall mit dabei. Der Einstieg und auch Ausstieg in ein neues Unternehmen oder eine neue Aufgabe ist immer ein Entwicklungsprozess. Wenn alles gut ist, muss man nichts verändern. Veränderungen jedoch werden mit dem Leben, den damit verbundenen gestiegenen Verantwortungen und auch Bequemlichkeiten meist immer schwerer. An dieser Stelle möchte ich mal ganz sentimental auf Julia Engelmann verweisen:

Ein Video geht durch die digitale Welt von Youtube und Facebook und hat beeindruckt: aus meiner Heimatstadt hat sich eine junge Psychologie-Studentin bei *Trommelwirbel* Campus TV – Hörsaalalarm beeindruckend Gehör verschafft. Die Presse betitelt es wie folgt: “Julia Engelmann – Mut ist nur ein Anagramm von Glück“. Mit der Übersetzung des Songs „One day we will be old“ von Asaf Avidan –  Eines Tages werden wir alt sein und an die Geschichten denken, die wir erzählt haben könnten. Ein Konjunktiv, was man beinahe einmal gemacht hätte. Es gibt Zeiten, beruflich wie privat, in denen man sich im Kreis dreht, faul und feige ist, Ziele und Träume nicht rechtzeitig erfüllt. Egal wie groß oder klein diese sind. Es geht um das Leben als solches und wie es sein wird, wenn wir alt sind – „ein Apell an die Unvernuft“, wie die Presse schreibt. In den Liedpassagen heißt es: „Unsere Zeit, die geht vorbei das wird sowieso passieren, und bis dahin sind wir frei…“. Frei zu sein in der Entscheidung und frei jeden morgen aufzustehen und das zu tun, was was man möchte. Ein Job, der einem so gar nicht mehr gefällt, Aufgaben, die schon lange nicht mehr reizen, Herausforderungen, die mehr schwer und schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt sind – ist es das noch? Eigentlich muss das nicht sein. Heute ist so ein Tag, an dem ich mir die Zeit nehme über mich und die Geschichten nachdenke, die ich im Alter erzählen möchte…