Lipstick and Laptop

by Helen

Vor ein paar Wochen habe ich euch ja über „den Neuen“ berichtet. Mittlerweile ist etwas Bewegung in die Sache gekommen und er hat endlich seine neuen Untertanen – sprich mich und meine Kollegen – zu einem Kennenlern-Termin und einem halb-tägigen Workshop eingeladen. Ich war auch nicht untätig und habe mich selbst zu einem spontanen Mittagessen mit ihm und ein paar weiteren Kollegen eingeladen – dreist aber kam gut an ;-) .

Dennoch ist so eine Umstrukturierung immer zäh. Der alte Chef interessiert sich nicht mehr so richtig für einen. Bzw. er ist schon beschäftigt damit an einem „Leben nach uns“ zu basteln und seine neue Struktur und AKVs aufzubauen. Der Neue ist einfach noch mit Übergabe und Altthemen beschäftigt und alles dauert. Mittlerweile ist der finale Termin für die Umstrukturierung nochmals – wegen formaler Problemchen – nach hinten geschoben worden. Und für mich heisst das: wieder ein paar Wochen mehr, in denen ich in der Luft hänge. Ohne richtigen Chef. Früher hätte ich das total doof gefunden und wäre in kopflose Aktionismus gefallen. Heute denke ich: Toll, endlich mal Zeit, in Ruhe ein paar Themen zu sortieren, ausgedehnt (Netzwerk) Mittagessen zu gehen und früh Feierabend zu machen. Und gutes Wetter ist auch noch, was ein Glücksfall! Oder wie Cloe sagt TTV: Täuschen, Tarnen, Verpissen! Auf geht’s!

by Helen

Habe im Moment ein bisschen Zeit, im Internet zu stöbern. Und nachdem ich ja in den letzten Wochen unsere schöne Lipstick and Laptop Seite mehr so als persönliches Theraphie-Tagebuch missbraucht habe ;-) poste ich heute mal was Lustiges!

Also ich finde es lustig!

Denn eigentlich nehmen wir uns alle viiiiiel zu ernst! Hier könnt Ihr nachlesen warum wir immer so unglücklich sind und warum das volle Kante unnötig ist!

by Helen

Cloe hat letzte Woche einen interessanten Artikel zum Thema “Entschludigen” geschrieben. Und ich hab das heute gleich mal ausgetestet. Ich hatte eine Verhandlung mit einem anderen Unternehmen. Beteiligt von deren Seite nur Männer, alle älter als ich, teilweise auch höhere Hierarchien. Und was mach ich? Ich komme zu spät. Nur zehn Minuten aber immerhin. Die Präsentation der Gegenseite war schon im vollen Gange. Ich komme hinein und mein erster Impuls war eine wortreiche (und damit hektisch wirkende) Entschuldigung. In bremste mich selbst, ging ohne Eile zu meinem Platz, nahm diesen in Seelenruhe ein und blickte dann zu dem präsentierenden hin und bat ihn mit ruhiger Stimme: “Bitte fahren Sie fort.” Ich merkte sofort an der Körperhaltung und den Blicken, dass ich mir Achtung verdient hatte. Nicht nur, dass ich mich nicht entschuldigte oder hetzen lies sondern auch, dass ich sofort den Ton angegeben hatte, wie es weitergeht. Natürlich kann man dies nicht verallgemeinern und es gibt einen schmalen Grad zwischen Unhöflichkeit und Selbstsicherheit, den es abzuwägen gilt. Aber gerade als Frau darf man sich  – mit einem charmanten Lächeln gepaart - sicher auch mal für Zweiteres entscheiden.

by Cloe

…ob das so richtig ist, aber… Ich habe festgestellt, dass meine weiblichen Mitarbeiter sich immer mehr entschuldigen als meine männlichen. Macht natürlich nicht jede, ich pauschalisiere einfach mal: bei Ergebnissen gibt es da meistens begleitend ein Schwall von Entschuldigungen und Erklärungen. Das Ergebnis wird manchmal noch als nicht gut genug oder fehlerhaft bezeichnet und der Gesichtsausdruck dazu ist meist mehr als unzufrieden. Nicht so bei den meisten männlichen Mitarbeitern. Das Ergebnis ist im schlimmsten Falls halt so wie es ist und wird trotzdem nicht negativ kommentiert. Die warten ab, ob überhaupt negative Kritik kommt und sind konstruktiv dabei die nächsten Anweisungen zu erhalten das Ergebnis dann weiter zu ergänzen, verändern. Und wenn sie sicher sind, dass es gut ist, wird eine Schippe mehr Selbstmarketing in die Waagschale geworfen. Richtig so. Wer sich ständig erklärt und entschuldigt, sieht nicht sehr zuverlässig aus. Ob man es am Ende ist, ist eine Bilanz nach längerer Zeit der Zusammenarbeit. Hier kann weder bei Mann noch Frau beschönigt oder schlechter dargestellt werden. Mann kennt dann seine Pappenheimer und deren Arbeitsweisen mit Ergebnissen. Trotzdem sollte man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, solange niemand gesagt hat, es ist wahnsinnig schlecht. Seid begeistert von eurem Ergebnisstand. Er ist gut und es hat ja niemand gesagt, dass etwas perfekt Fertiges abgegeben werden sollte.

by Helen

Ich habe einen neuen Chef. Und das schon seit vier Wochen. Also offiziell und so weiter bin ich ab ersten April bei ihm, aber inoffiziell wissen alle Beteiligten schon seit Wochen über die neue Organisation bescheid. Und mal wieder klafft Wunsch und Wirklichkeit maßgeblich auseinander. Denn ich gehe mal wieder von mir aus. Wenn ich mehr oder weniger wie die Jungfrau zum Kind zu sieben neuen Mitarbeitern (von deren Unterbau ganz zu schweigen – in Summe fast 60 Mitarbeiter) gekommen wäre, würde ich mich anders verhalten. Ich würde mich mal vorstellen und wenigstens Hallo sagen. Oder ein informelles Mittagessen abhalten – einfach schon mal die Zehen ins Wasser halten, wer da so auf mich zu kommt. Und was für Erwartungen da vielleicht rumschwirren oder auch Widerstand. Aber der Neue ist bisher ein Phantom. Bin sehr gespannt, denn in zwei Wochen steht der offizielle Wechsel bevor. Ob sich bis dahin noch was tut? Bin ich das jetzt pingelig, dass ich das unhöflich finde? Oder brauche ich als Frau zu viel Aufmerksamkeit? Fragen über Fragen!

by Helen

Wie drücke ich das jetzt am besten aus? Ok – ich versuch es. Durch eine Lücke im Prozess war es heute mal wieder so weit. Eine wichtige Vorstandsunterlage ist im Standort A liegen geblieben, musste aber zum Standort B. Und ich habe mich breitschlagen lassen, das Problemchen zu lösen. Bin ich jetzt doof, weil ich solche Deppenjobs mache? Oder clever, weil ich die Mappe in die treuen Hände meines Chef-Chefs und meines Nachbar Chef-Chefs gebe und damit mal wieder eine gute Gelegenheit habe auch noch ein paar Themen loszuwerden?

Ich weiss es nicht….

by Cloe

Die Bildzeitung vom 18. Februar lässt Fakten sprechen und erstellt einen interessanten Artikel mit Expertenunterstützung von Frau Claudia Kimich – Verhandlungsexpertin und Autorin, zusammen. Frauen verdienen weitaus weniger als Männer – siehe den Blogeintrag zum Gehalt -  und positionieren sich in Vorstellungsgesprächen schlechter als Männer. Sie haben zusätzlich mit Fragen zu kämpfen, wie z.B. der Nachwuchsthematik und haben oft Personaler vor sich, die wie selbstverständlich das geringere Gehalt einer Frau einfordern oder Defizite anprangern, wo keine sind. Zu allem Überfluss sind die meisten Personaler auch noch Frauen und sogar diese leben die Vorurteile gegenüber Frauen noch am schlimmsten aus. Traurig. Die BILD hat kritische Fragen und kesse Antworten dazu abgedruckt. Lesen, schmunzeln und unbedingt merken:

  1. Planen Sie demnächst Nachwuchs? „Oh, ich wusste gar nicht, dass das  die Voraussetzung für den Job ist. Dann denke ich noch mal darüber nach!“
  2. Können Sie mit Computern gut umgehen? „Meinen Sie die Frage ernst?“
  3. Was machen Sie, wenn die die Kinder krank sind? „Das Gleiche wie der männliche Bewerber, den Sie das eben gefragt haben: hoffen, dass sie bald wieder gesund werden.“
  4. Können wir an Ihrem Gehalt noch was machen? „Nach unten leider nicht, aber Sie können mir sehr gern mehr zahlen!“
  5. Wir haben für den Job leider nur 28.000 Euro. Passt das für Sie? „Ist es denn ein Halbtagsjob? Dann ist es für mich leider nicht interessant.“
  6. Haben Sie wirklich studiert? „Was würden Sie mir jetzt auf diese Frage antworten?“

by Cloe

Wie ich gestern in meinem Artikel geschrieben hatte, gab es einen herben Rückschlag für mich in meinem weiblichen Standing. Ich musste mit einer frauenfeindlichen Äußerungen, einem persönlichen Angriff umgehen, den ich so noch nie vorher erlebt hatte. Der Satz meines Kollegen: „Falls es mit deiner weiteren Karriere in der Firma mal nichts wird, kannst du ja auch in diesem Etablissement arbeiten gehen“, hatte mich persönlich tief getroffen. Noch frustrierender war, dass die drei anderen Kollegen, mitten im Streit verwickeltet, diesen Satz gar nicht richtig mitbekommen hatten, er hatte ihn leise in meine Richtung gezischt. Er drehte sich um und diskutierte einfach weiter. Da kam kein Blatt dazwischen. Ich drehte mich um, damit niemand meine Tränen sehen konnte, die mir in die Augen schossen und verlass den Stand. Soll doch das Firmenimage den Bach runter gehen, ich hatte jetzt größere Probleme. Manchmal denkt man, man hätte das gerade geträumt, doch ich hielt eine Werbekarte mit nackten Frauen in High-Heels eines Bordells in der Hand. Ich habe lange auf Toilette gebraucht, um mich wieder kundentauglich zu bekommen. Mein zweites Problem: Ich wusste nicht, wie ich jetzt damit professionell umgehen sollte. Meine weiblichen Instinkte sagten mir spontan: Bestrafe ihn lange mit Missachtung, damit er merkt, dass er richtig Mist gebaut hatte. Man, ist das albern. Ich kam mir vor wie im Kindergarten und wusste nicht, was hier professionelle Deeskalation ist, da ich das Opfer bin und jetzt dringend selber einen Mediator brauchte. Sonst hatte ich immer diese Rolle, um unter Mitarbeitern Streit zu schlichten. Ich lief zurück und beschloss mich einfach einem Kollegen anzuvertrauen, dem ich zutraute, dass es die Thematik in meinem Sinne, aber nicht mit irgendwelchen übertriebenen Aktionen, die alles nur noch schlimmer machten, löste.

Frustrierendes Bild am Stand: Alle Männer lachten, schlugen sich auf die Schulter und beschlossen gerade in Phase 4 des männlichen Verarbeitungsprozesses die Angelegenheit mit einem Bier zu bereinigen. Das machte mich noch mehr fertig. Sie strahlten mich an und sagten: „Hey Cloe, wo hast du so lange gesteckt, hier fragen schon alle nach dir?“ Keine Reaktion darauf und keine Erinnerung daran, was mir in deren Tumult passiert ist. Von keinem. Auch nicht von dem Kollegen, der mich beleidigt hatte. Ich dachte ich sei im falschen Film. Um mich auf dem Stand erstmal wieder in Normalstimmung zu bringen, sprach ich mit ein paar Kunden und wand mich in einer Pause an den besagten Kollegen, dem ich vertraute. Was nun passierte, hatte mich positiv beeindruckt. Mein Kollege löste es tatsächlich in meinem Sinne. Es war der letzte Messetag und er versprach mir mit dem Beweis der Karte unseren Kollegen drauf anzusprechen und ihm nahezulegen auf mich zuzugehen und sich bei mir zu entschuldigen. So konnten alle im Abstand darüber nachdenken und bedacht die nächsten Schritte gehen. Das hat er auch getan einen Tag später, als sich alle Gemüter beruhigt hatten. Weitere drei Tage später, als sich besagter Kollege dann selber aus seiner peinlichen Schockstarre gelöst hatte, nahm er den Mut zusammen, mich anzusprechen. Er war völlig geknickt, sprach von seiner Frau und seinen zwei kleinen Mädchen zu Hause und konnte sich nicht vorstellen, was in ihn gefahren ist. Die Entschuldigung kam aufrichtig. Ich habe es bis heute aber nicht vergessen.

by Cloe

Vorweg: wie in einem meiner Artikel bereits beschrieben, kommen jeden morgen viele unterschiedliche Menschen in die Firma, die ihre Prägungen, Muster, Denkhaltungen und ja ihre Verletzungen mitbringen, die sie verarbeiten müssen, damit leben müssen. Da treffen einen Haufen Emotionen aufeinander sowie eine was ist „Richtig-Falsch“ – Denke im Umgang miteinander, dazu unbewusste Legitimationen des eigenen Handelns, weil man es eben so kennt und immer schon so gemacht hat. Die Folgende Anekdote fällt NICHT in ein anerzogenes Denkmuster, welches auch nur in irgendeiner Art und Weise legitimiert werden kann. Es hat mich verletzt und das nicht zu knapp. Und es fällt mir auch nicht leicht, darüber zu schreiben. Wie ich in dem Artikel Sexuelle Belästigung – ein Tabu geschrieben habe, vertuschen Frauen ihre Erlebnisse, um mit diesen beruflich nicht primär in Verbindung gebracht zu werden. Man holt sich von offizieller Stelle keine Hilfe, um nicht mit solchen Konflikten in Erinnerung zu bleiben, sondern lieber mit der eigenen Kompetenz und erreichten Business Zielen.

Ich war mit meinen Kollegen auf dem eigenen Messstand der Firma auf einer großen Messe. Die Anspannung war groß, es gab viele Zusammenarbeitsmodell-Konflikte vor Ort, wie so oft ignorieren Manager und Vertriebler nicht die miteinander abgestimmten Vorgehensweisen. Jeder schnappt sich seine Kunden, auch wenn dieser doppelt angesprochen wird. Grob gesagt, ein Alpha-Tierchen Konflikt, wer bringt die meiste und beste Beute heim. So gab es mal wieder einen großen Streit. Die Leitung des ganzen Projektes und auch die Standleitung hatte ich inne und den lauten und offensichtlichen Streit unter Kollegen konnte und sollte sich die Firma im Außenbild auf dem Messestand nicht leisten. Ich ging dazwischen und wollte die männlichen Streithähne nach draußen verweisen, so würden sie nicht unter dem großen Firmenlogo die Kunden vergraulen. Ich war selber angespannt, solch eine Unprofessionalität hatte ich am letzten Messetag nicht auch noch erwartet und der Tag war schon mies genug. Die Situation eskalierte: Die Herren waren in ihrem „Kampf“ so vertieft und noch weit weg den Sieger zu küren, eine weibliche Deeskalation war noch nicht emotional verkraftbar für die Herren. Ich ging zu Ihnen, unterbrach alle und erwartete diplomatisch, aber bestimmt, dass sie den Stand verlassen sollten und draußen weiter streiten, die Kunden würden uns bereits meiden. Was auch immer einen meiner Kollegen hier geritten hatte, er drehte sich um und sagte voller Emotionen und Aufgebrachtheit zu mir: „Cloe, hier hast du nichts zu suchen – das machen wir unter uns aus“. Er Griff in seine Tasche und zog eine kleine Karte heraus, die ihm ein paar junge Mädels vorher unauffällig mit einem Augenzwinkern in die Jackentasche gesteckt hatten. Es war die Karte eines Bordells um die Ecke. Eine beliebte Werbeaktion auf Messen für Männer. Er drückte mir diese Karte in die Hand und sagte trocken: „Falls es mit deiner weiteren Karriere in der Firma mal nichts wird, kannst du ja auch in diesem Etablissement arbeiten gehen.“ Ich war total geschockt. Wie meine Reaktion auf diese Aktion weitergeht, lest ihr morgen…

by Cloe

In einem meiner letzten Einträge habe ich über die Prägungen unserer Kindheit gesprochen, es ging um Leitsätze, die männliche und weibliche Rollenbilder erziehen. Diese werden auch tagtäglich von Mitarbeitern in den Job mit reingebracht und vor Ort unbewusst ausgelebt. Zwischen Mann und Frau herrschen daher hier so einige Missverständnisse, wie ich in meinem Business Alltag beobachten kann. Das Business ist noch sehr stark durch „Männer-Regeln“ geprägt. Diese werden durch weibliche Instinkte und Rollenverhaltensmuster für viele Männer ins Wanken gebracht, die Spielregeln sind oft nicht mehr eindeutig. Erst wenn ein Unternehmen – und die gibt es natürlich bereits in einigen Ländern und Branchen – sich intensiv mit den Vorteilen von Diversity (nicht nur Mann-Frau, auch alt-jung, deutsch-international, etc.) auseinander setzt und Diversity lebt, entsteht etwas ganz Bereicherndes: mehr Transparenz über die Vorteile für alle Beteiligte, ein neues Vertrauen miteinander, ein neues Verständnis untereinander und neue, angepasste Kooperationsmodelle, die sich als extrem erfolgreich erweisen. Folgenden Brief möchte ich dazu kommentarlos anhängen: Die Geschlechterprägung aus der Kindheit bringt ein junges Mädchen in einem Brief an Lego auf den Punkt - voll cool :)

„Liebes Lego-Unternehmen, mein Name ist Charlotte und ich bin 7 Jahre alt und ich liebe Lego, aber ich mag es nicht, dass es mehr Lego-Jungs und kaum Lego-Mädchen gibt. Ich war heute im Laden und habe Lego in zwei Abteilungen gesehen. Die pinke für Mädchen und die blaue für Jungen. Alles, was die Mädchen machen, ist zu Hause sitzen, an den Strand gehen und einkaufen, sie haben keine Arbeit. Die Jungs aber erleben Abenteuer, arbeiten, retten Menschen und schwimmen sogar mit Haien. Ich will, dass ihr mehr Lego-Mädchen baut. Lasst sie auch Abenteuer erleben und Spass haben, ok?! Dankeschön, Charlotte.“