Lipstick and Laptop

by Helen

Ich habe mir ja selbst hier vor genau einem Monat eine kleine Challenge auferlegt.

Der Monat ist vorbei und natürlich will ich euch nicht verheimlichen, wie es gelaufen ist. Natürlich wurde ich positiv überrascht – aber das hatte ich auch ein Stück weit erwartet. Allerdings ist und bleibt es (für mich zumindest) eine Herausforderung nicht nur im “Robotermodus” irgendwelche Themen zu bearbeiten, sondern auch auf die kleinen und großen Zwischenmenschlichen Aktionen zu achten. Für bleibt das anstrengend und es ist eine Aufgabe, auf die ich mich ständig konzentrieren muss. Leider!

Trotzdem merke ich: Es fällt mir immer leichter. Ich traue mich mehr und ich merke auch, dass es wichtig ist. Daher werde ich die Anstrengung in dem Thema beibehalten. Und dafür weniger Energie in die Themen stecken, die mir sowieso leichtfallen.

Aber was ja eigentlich interessant ist, was waren meine Erfahrungen.

Ich hatte mir vorgenommen, jeden Tag jemandem ein ernstgemeintes Kompliment zu machen. Und natürlich ist das was Positives. Sprich es ist sympathisch und die allermeisten freuen sich daraüber. Aber witzig waren die Reaktionen, die ich von vielen Frauen bekommen habe: Ein beispiel eine Kollegin viel mir am Waschbecken mit einer total tollen Hose auf. Koralle! Powerfarbe! Ich zu Ihr: “Mensch, das ist ja mal echt eine tolle Hose!” Sie dreht sich um, deutet auf Ihren schwangeren Bauch und meint: “naja, mir passt ja sonst nix mehr.” Anderes Beispiel: Ich lobe das Kleid einer Kollegin. Sie antwortet: “Das war total billig, bei C&A”

Mädels, freut euch doch mal einfach über Komplimente ohne euch gleich selbst schlecht zu machen oder euch zu entschuldigen, dafür dass ihr ein schickes Kleid anhabt, dass eben nicht aussieht wie vom Discounter. “Danke!” und ein Lächeln reicht völlig ;-)

Das Thema Mittagessen, mit Leuten mit denen ich eigentlich nicht essen gehen will, war da schon schwieriger. Eine tolle Erfahrung habe ich gemacht. Ich war mit einem Zeitarbeitnehmer essen, der seit ettlichen Jahren für mein Team tätig ist. Er ging mir gelinde gesagt immer mit seinen ausschweifenden Erzählungen auf die Nerven. Allerdings geht er nun in Rente und ein Abschlussmittagessen war da nur höflich… Ich stellte mich auf eine Stunde anstrgenden Small Talk ein. Witzigerweise entwickelte sich ein sehr interessantes Gespräch über Reisen und er gab mir ziemlich viele Reisetipps. Und das noch nichg genug. Als ich am nächsten Tag an meinen Arbeitsplatz kam, hatte er mir für meine nächsten Ziele Karten ausgedruckt und Orte, Restaurants, Hotels, etc. markiert, die er empfehlen kann. Ich war begeistert.

Mein Fazit: An jedem gibt es etwas Positives zu entdecken, aber es kostet mich auch weiterhin Energie dies zu tun. ;-)

by Helen

Ok – jetzt kommt ein kontroverses Thema. Ich mag kein Job-Sharing bei Führungskräften. Damit meine ich, dass sich zwei Leute mit jeweils einer halben Stelle eine ganze Stelle teilen. Denn 1+1 ergibt meiner Meinung nach einfach nicht 2 – zumindest nicht in diesem Fall. Es mag vielleicht sein, dass sich bestimmte Tandems wunderbar ergänzen, immer einer Meinung sind und super gut darin sind sich abzustimmen. In der Realität erlebe ich aber viel zu oft, dass die eine Hand nicht weiss, was die andere tut und sowohl Mitarbeiter, Chefs als auch Schnittstellenabteilungen hinterher total konfus sind.

Leider sind diese Tandems bzw. Job-Sharing Partner ja meistens Frauen. Und noch schlimmer finde ich, wenn das Job-Sharing dann auch noch als Entschuldigung benutzt wird, uninformiert zu sein.

Beispiel von letzter Woche: Großes Abstimmungsmeeting. Alle haben Präsentationen dabei. Eine Kollegin kommt zu spät und ohne Präsentation. O-Ton: “Hallo zusammen, ich bin die Job-Sharing Partnerin von der Frau xy und sie hat alles bisher gemacht. Und daher weiss ich jetzt leider nicht genau worum es hier geht und kann auch sonst nicht viel dazu sagen”. Wenn man sich so vorstellt, dann stellt man doch auch gleich das ganze Modell des Job-Sharing in Frage. Hätte sie sich “ganz normal” vorgestellt als die Führungskraft, die sie schließlich ist und hätte die Verantwortung dafür übernommen, dass sie nicht vorbereitet ist, hätte ich das wesentlich souveräner gefunden.

by Cloe

Folgender Artikel aus Februar 2014 vom Manager Magazin – und ich halte viel vom Manager Magazin – zeigt eindrucksvoll die „Rolle rückwärts auf“. Platt gesagt, haben wir uns im Thema Frauenförderung in Bezug auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf trotz höchster Anstrengung in den letzten Jahren eher zurückentwickelt. Frauen sehen keine steigenden Chancen und besinnen sich zurück auf das Mama werden ohne Karriere. Laut Umfrage steht es also schlechter als zuvor, es gilt immer noch laut Artikel: „Wer als Frau Instrumente zur besseren Vereinbarkeit in Anspruch nimmt, muss “mit Karrierenachteilen rechnen”. Schwacher Trost: “Für Männer sei es noch schwieriger, sich familienorientiert zu geben.“

Und nun? Es wirkt so demotivierend, sieht es doch aus als wäre das ganze Thema ein persönlicher Anstrengungs-Kraft-Akt an dem alle Beteiligten nur verlieren. Unternehmen haben immer noch Angst nicht die ganze Leistung zu bekommen und fürchten Mutterschaft und deren Administration in die Praxiswelt nicht gewinnbringend unterzubringen zu können; Frauen zerreißen sich zwischen guter Mama werden und sich beruflich nicht zu viel nehmen zu lassen; Kinder schauen womöglich den Eltern unter Organisationsstress mit Sorge zu und Männer haben auch keine Lösung, würden sie “Hausmann und Kinder-Betreuung” voll umsetzen, erleiden doch auch sie Nachteile in Wirtschaft und Gesellschaft. Abgesehen davon muss im letzten Fall die finanzielle Absicherung durch die Frau auch voll abgeleistet werden können. Und das Thema gleiche Bezahlung, Quote und Frauenkarriere ist ja nun auch kein unbeschriebenes Blatt voller Harmonie.

Es wirkt so wahnsinnig schwer. Doch durchkämpfen auf Kosten der Gesundheit und Zufriedenheit? Im Artikel heißt es kämpferisch: “Wir müssen auf die veränderten Bedürfnisse der Frauen reagieren, sonst verlieren wir sie.” Warnend heißt es weiter: “Wir müssen aufpassen, uns nicht in eine Gesellschaft zu verwandeln, in der alles andere als Erwerbstätigkeit als störend empfunden wird.” Eindrucksvoll schließt der Artikel mit der Kurz-Debatte: „Frauenförderung bedeutet nicht gleich Mütterförderung“. Heißt, die Quote würde die Karriere von Frauen fördern, die sei statistisch aber in Kinder mit folgender Entwicklung belegt: Von den zwölf Damen, die derzeit in einem der Dax-30-Vorstände anzutreffen sind, sind sieben kinderlos.

Für mich gibt es gerade kein Empfehlungsfazit. Nur offene Fragen. Die Mächtigste davon ist: Und nun? Wie mach ich das jetzt mit der schwierigeren Karriere und den Kindern dazu?