Lipstick and Laptop

by Cloe

Im vorherigen Blog habe ich euch erzählt, dass ich mehr für mich, meine Seele, meine Gefühle und auch Handlungsmuster tun möchte, um ein besserer Mensch mit mir und meinem Umfeld zu werden. Und auch eine bessere Führungskraft. In Gedanken bin ich oft bei meinen 30 Mitarbeitern, für die ich eine Respektsperson bin. Eine Person, die über ihr Geld und Ansehen in der Firma kräftig mitbestimmt. Diese Machtposition macht sie abhängig von mir. Von mir und meinen Handlungen.

Das Seminar hat mich einmal von links nach rechts gekrempelt. Aber so richtig. Ich bin jetzt noch ganz von meinen Eindrücken geflashed und persönlich gespannt, wie ich das Erlernte anwenden werde. Seminare sind so etwas für sich. Wenn man sich auf die Inhalte nicht einlässt, dann bringt es auch nichts. Wenn man alles gleich wieder vergisst und im Alltag nicht benutzt, verblasst das Wissen schnell wieder. Ich habe mir vorgenommen letzteres diesmal unter allen Umständen zu vermeiden. Die fachliche Qualifizierung rutscht in meinem Leben eindeutig in den Hintergrund. An mir selber arbeiten hat nun Prio. So habe ich im Seminar all meine Konzentration und Offenheit genutzt, mich auf jede Übung einzulassen. Und das mit den Gefühlen ist wirklich keine so einfache Sache…

Was habe ich gelernt? Ehrlich? – Oh mein Gott, ich hätte nie gedacht, dass die Transparenz über das eigene Handeln so aufschlussreich sein kann. So schockierend aber auch so unglaublich erleichternd ist es die Dinge beim Namen nennen zu können. Der Weg in die eigene Kindheit und zurück – zu den antrainierten Handlungsstrategien aus einer jungen und verletzlichen Zeit, das war spannend. Es war keine “Musik von vorne”, keine nur Zuhören und Beschallt-werden Vorträge wie es so oft in schlechten Seminaren ist, es war vielmehr eine eigene erfahrungsorientierte Reise mit mir selbst. Die Wirkung ist unglaublich, es bleibt viel mehr hängen. Was mich noch verwundert hat: es war egal in welchem Job du arbeitest, wie dein familiäres Umfeld ist, es ging allein darum, dass deine emotionale Prägung aus der Kindheit dein heutiges Leben beeinflusst. Überall. Und damit auch meinen Job und meine Führung.

Was konkret? Ich habe z.B. gelernt, warum und vor allem wann ich Kontrolle ausübe. Ich glaube damit mehr Sicherheit zu erlangen, aber mein Umfeld unter Umständen damit einenge. Wie ich unbewusst zu viel Macht ausübe, die nicht nötig ist. Ich habe die Alternative dazu gelernt und sie ist viel befreiender und schöner. Auf der anderen Seite habe ich habe gelernt, dass ich mich schnell abgelehnt fühle, dass ich in diesem Zusammenhang glaube nur dazuzugehören, wenn ich viel leiste. Ich habe gelernt mich und meine Leistung viel mehr zu schätzen und vor allem mich selber zu akzeptieren. Ich habe zudem auch gelernt, dass exakt genauso wie ich niemand anders fühlt, dass jeder sein eignes Päckchen an Handlungsstrategien im Alltag mit sich herumträgt. Andere Ängste und Gefühle mit ein und den selben Dingen erlebt.

Daraus ergibt sich für mich ein neues Selbstbewusstsein mit mir und meinen Mitarbeitern umzugehen. Für mich heißt es daher in meiner allergrößten Erkenntnis zunächst: verspüre ich ungewöhnlich Druck, oder Verzweiflung, sollte ich meine Muster und Handlungen überdenken, warum dies so geschieht und ob es nicht ausschließlich nur mit mir und meinen Ängsten zu tun hat. Das kümmern um mich selbst die Lösung ist. Nicht unbedingt die Probleme und Schuld bei anderen zu suchen sind. Ich sehe meine Mitarbeiter in einem völlig anderen Licht, haben doch auch sie ihre eigenen Ängste und Handlungsmuster, die sie anwenden, um in einem vermeintlich sicheren Rahmen zu handeln. Das muss ich ihnen auch eingestehen und nicht dagegen ankämpfen. Kaum jemand meint die Dinge persönlich gegen jemand anderen, dienen die eigenen Handlungen doch immer nur dem Selbstschutz. So beeinflussen wir uns täglich gegenseitig mit viel Anstrengung.

Mein Fazit: Achtsam mit mir selbst und meinen Mitarbeitern umgehen. Erkennen, ob es wirklich ein Problem gibt. Und final erkennen, ob es auch wirklich mein Problem ist. Die Methoden, die ich an die Hand bekommen habe, werde ich fleißig üben. Es entsteht eine entkrampfte Situation. Mehr innere Freiheit und weniger Zwänge. Und das kann ich auch auf meine Mitarbeiter übertragen.

by Cloe

Ich hatte schon furchtbare Chefs gehabt. Und tolle Chefs. Unter den Furchtbaren landen so einige: mal die Cholerischen, die Kalten „ich mag keine Menschen“ Chefs, die sozial völlig inkompetenten oder die, die mit Absicht Angst verbreiten. Aber auch die Lieben, eigentlich Netten, denen man leider dabei zuschauen muss, wie sie vor lauter „Ich beschütze meine Mitarbeiter und stehe vor ihnen“, in den eigenen Burnout laufen oder falsche Entscheidungen treffen, nur um es den Mitarbeitern vermeintlich Recht zu machen.

Als Führungskraft stelle ich mir immer die Frage: wozu gehöre ich eigentlich? Wie führe ich? Vertraue ich meinen Mitarbeitern das richtige Maß Verantwortung an oder überlasse ich Ihnen ihr Schicksal und tue womöglich zu wenig? Wo muss ich Sie beschützen und wo schränke ich Ihre Bewegungsfreiheit ein? Wo habe ich Verständnis und wo drücke ich Ihnen meine Meinung auf? Handele ich doch nach Gefühl und meiner eigenen Haltung zu Menschen, Überzeugungen und Werten. Ich möchte meinen Mitarbeitern einen Rahmen geben können, der sie glücklich und erfolgreich arbeiten lässt.

In der letzten Zeit habe ich mir viel über mich Gedanken gemacht. Und mir wurde plötzlich bewusst: ich führe auch nach meinen Ängsten. Nach meinen Befürchtungen. Nach meinen persönlichen Zielen. Nach erlebten Erfolgen und Misserfolgen meiner Vergangenheit. Nach meinem persönlich Erlernten und für richtig befundenen Handlungsmuster. Und nach meinem Wunsch Menschen zu helfen. Und nach meinem Selbstschutz nicht in den Burnout zu rutschen. Und nach meinem Wunsch über Leistung geliebt zu werden. Und nach meinem Wunsch, dass alles perfekt laufen muss. Und, und, und… Meine Erkenntnis ist hart: meine armen Mitarbeiter. Die sind mir und meinen Handlungen und Überzeugungen ein großes Stück ausgeliefert. Habe ich doch die Pflicht meine „Schutzbefohlenen“ positiv zu entwickeln. Meine 2. Erkenntnis: dafür muss ich mich selber sehr gut kennen und in Relation setzen können. Was ist allgemein gültig richtig und falsch und was erachte ich persönlich für richtig oder falsch im Umgang mit Menschen. Und weicht es voneinander ab?

Das letzte Jahr war hart, ich bin an so ziemlich viele Grenzen gekommen. Eher mit mir selbst. Keine fachlichen. „Everybody’s Darling is everybody’s Arschloch“ fiel mir in letzter Zeit immer wieder ein, besonders als Frau in einer konservativen Welt, umgeben von fast ausschließlich männlichen Führungskräften. Daher habe ich beschlossen ein Seminar zu besuchen, was mich tiefer in das Verständnis meiner eigenen Persönlichkeit bringt. Mir privat wie auch berufliche einige Fragen beantworten kann. Beruflich wären es Folgende: wie kann ich meine Mitarbeiter mit dem nötigen Abstand aber mit der gebrauchten Nähe führen, die zu mir und ihnen passt. Welche Handlungen sind korrekt, bei welchen tue ich unbewusst mir und meinen Mitarbeitern, Vorgesetzten und Kollegen Leid oder Begeisterung an? Und warum? Wo stelle ich mein Licht unter den Scheffel und begrenze mich selber? Warum fühle ich mich in bestimmten Situationen völlig hilflos und unter Druck gesetzt und meine Kollegin sieht in der selben Situation nicht annähernd ein kleines Problemchen? Ich habe das passende Seminar für mich gefunden und gebucht. Ich bin gespannt auf meine Erkenntnisse und halte euch auf dem Laufenden!

by Helen

“Love what you do – do what you love!” Das hört sich schön an. Und positiv und erfüllend. Aber ich frage mich im Moment immer wieder, ob das eine realistische Perspektive ist. Klar man sollte seinen Job nicht hassen. Oder jeden Morgen mit Bauchweh hingehen. Aber “lieben”? Nicht mal in meiner Freizeit “liebe” ich alles, was mir so tagtäglich über den Weg läuft. Geschweigedenn auf der Arbeit.

Im Moment beschäftige ich mich mit dieser Frage ein wenig intensiver. Zum einen macht Cloe ja jetzt den Schritt in eine neue Richtung. Zum anderen bekomme ich gerad eine Riesenmöhre vor die Nase gehängt, die mir den Ausstieg aus meinem Job im Moment schwieirig macht. Obwohl und das muss ich zugeben: Ich meinen Job nicht liebe. Ich leide nicht unter meinem Job, aber hätte ich einen Lottogewinn in der Tasche, ich würde nicht in meinem Job weiterarbeiten ;-) .

Und das ist, finde ich, ein spannendes Thema: Ist das ok so? Muss ich meinen Job lieben? Oder werde ich irgendwann auf mein Leben zurück blicken und mich fragen, warum ich Jahre lang etwas getan habe, dass ich eben nicht liebe? Und kann ich überhaupt für immer authentisch und mit sehr hoher Qualität etwas tun, dass ich nicht liebe? Eine Antwort habe ich nicht…

Und dann kommt gleich die nächste Frage: Viele meiner FreundINNEN setzen sich mit ähnlichen Fragen auseinander. Überlegen zu wechseln, umzuschulen, selbstständig zu machen, etc. Die meisten Männer hingegen stellen sich meiner Meinung nach diese Fragen nicht so oft und nicht so intensiv. Irgendwie hab ich da meist das Gefühl, Frauen denken in sechs Monats-Rhythmen. Männer eher in fünf Jahres-Rhythmen. Irgendwie scheinen Männer viel gelassener und ruhiger. Nach dem Motto: Einfach mal machen, weniger Hadern. Woran liegt das eigentlich? (Mein Verdacht dazu: Männer sind so auf die Rolle als “Brotverdiener” gepolt, dass sie den Job gar nicht so sehe als “Selbstverwirklichungs-Vehikel” sehen, wie Frauen und rechnen daher von Vorneherein stärker damit, dass es im Job auch mal Durststrecken zu überbrücken gibt.)

by Helen

Ich hatte letzte Woche einen schönen „Da-ist-was-wahres-dran-Moment“. Und zwar habe ich ein tolles Zitat der US-amerikanischen Autorin/Schauspielerin/Moderatoren Tina Fey gelesen. „My unsolicited advice to women in the workplace is this. When faced with sexism, or ageism, or lookism, or even really aggressive Buddhism, ask yourself the following question: “Is this person in between me and what I want to do?” If the answer is no, ignore it and move on. Your energy is better used doing your work and outpacing people that way. Then, when you’re in charge, don’t hire the people who were jerky to you.”
Als Frau und Führungskraft kommt man meiner Meinung nach irgendwie gar nicht an dem ganzen Mann-Frau-Emanzipations-Themenwirrwarr vorbei. Leider führt dies dazu, dass man sehr oft diejenige ist, die versucht in Diskussionen oder Meetings einen differenzierteren Standpunkt zu dem Thema rüberzubringen. Weil man einfach so Aussagen wie „Die ist im Mutterschutz“ (= die Kollegin macht gerade Elternzeit) oder „die macht ja nur Teilzeit“ (= arbeitet aber trotzdem genauso viel „weg“ wie ihr Kollege in Vollzeit) einfach nicht unkommentiert stehen lassen will. Aber bringt das was? Kann man auch noch den letzten Vollidioten überzeugen, dass wir immer noch nicht in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben? Muss ich immer diejenige sein, die diese Fahne hochhält? Nein sicher nicht. Ich bin jetzt selektiver und halte es mit dem Zitat oben!

by Helen


Erstmal vorweg: Wir von Lipstick & Laptop sind alle im „Lean In“ Fieber. Es ist mir ja peinlich es zuzugeben. Wir sind erst ein Jahr nachdem das Buch von Facebook Chefin Sheryl Sandberg (hauptsächlich in den USA) total gehypt wurde, auf den Trichter gekommen es auch mal zu lesen. Aber jetzt haben wir es endlich alle im Bücherregal und tauschen uns bei jeden Treffen eifrig zu unseren Erkenntnissen zu den einzelnen Kapiteln aus. Sicher werden hier über die nächsten Wochen noch die ein oder andere Idee rund um Lean In auftauchen.
Das Buch ist einfach eine sehr gute Zusammenfassung davon, was ich sowieso schon immer wusste ;-) . Aber es gab auch etliche „Aha-Momente“. Einer davon war für mich das Thema Mentorenschaft. Dabei beschreibt Sheryl Sandberg, dass jungen Frauen oft eingetrichtert wird, sie bräuchten unbedingt einen Mentor, um in der Karriere weiterzukommen. Das ist ja sicher auch zunächst einmal nicht falsch, führt aber dazu, dass viele sich hektisch auf die Suche nach einem solchen begeben. Und wie so oft im Leben sind Beziehungen nun einmal eine zweiseitige Angelegenheit und einfach blindlinks durch die Gegend zu springen und nach einem Mentor zu suchen, bringt daher eher wenig. Statt dessen sollte man seinen Blick dafür schärfen, ob man vielleicht bereits Mentoren hat, ohne es zu merken. Denn nur weil man vielleicht an eine (Business-) Beziehung nicht das Label „Mentor“ geklebt hat, kann es ja dennoch sein, dass es dennoch Mentoren gibt. Außerdem ist es ratsam darauf zu warten, ob sich solche Beziehungen „natürlich“ entwickeln. Über gemeinsame Projekte oder ähnliche Interessen und nicht über die laut ausgesprochene Frage: „Wollen Sie mein Mentor sein?“. Auch offizielle Programme, die Unternehmen gerne in Ihren mittleren Führungsebenen haben, taugen da manchmal wenig. Denn auch hier wird ja eine „Zwangspaarung“ vorgenommen – die meist nicht aus Gemeinsamkeiten, Sympathie oder Interesse entstanden ist.
Dieses Kapitel hat mir besonders aus dem Herzen gesprochen, da ich nie einen „richtigen“ Mentor hatte und auch Vorstöße in die Richtung mir immer sehr erzwungen vorkamen. Gleichzeitig ist jetzt aber wie aus den „Nichts“ eine erfahrenere und deutlich höher stehende Kollegin für mich massiv in die Bresche gesprungen und hat mir riesig weitergeholfen. Und das obwohl wir nur ein gemeinsames Mittagessen und eine handvoll Meetings zusammen hatten. Hätte ich diese Dame deshalb bisher als meine Mentorin bezeichnet? Sicher nicht. Aber sie hat sich mir gegenüber genauso verhalten, wie ich das von einem Mentor erwartet hätte. Ein guter Ratschlag beim Essen und ein wohlwollendes Wort für mich auf der richtigen Ebene. Durch Lean In habe ich jetzt gemerkt: Auch wenn etwas nicht das Label „Mentor“ trägt, gibt es viele solcher Beziehungen auch in meinem Umfeld. Ich muss nur genauer hinschauen…



by Cloe

Ach herrje. In all meinen Gedanken um meinen nächsten beruflichen Step gibt es scheinbar nur Eines: Zu früh oder schon zu spät für mich. Ich bin zu jung oder zu alt. Gibt es eigentlich nichts dazwischen? Wo ist eigentlich diese mega tolle Phase wo man alles gelernt hat was notwendig ist, man selber passend in der Zeit angekommen und auf der Welle „Genau richtig“ surft? Das gibt es nicht. Ich bin 34 Jahre alt. Spreche ich mit einem über 50 jährigen Geschäftsführer oder aus dem Top Management, kommen diese bei meinem Alter immer ins Schwärmen über die eigene Jugend und vermittelt mir das Gefühl im oberen Club noch lange nicht angekommen zu sein, weil viel zu unerfahren. Also zu grün hinter den Ohren. Mit diesem Blick: “oh oh, da übernehmen Sie sich aber”. Spreche ich mit einem 25 jährigen, fertig studierten jung dynamischem Talent, komme ich mir irgendwie latent verbraucht und alt vor. Habe ich im Vergleich dann das Gefühl meine sprudelnden Ideen sind gar nicht mehr so sprudelig wie früher und mein Level an Energie, Vertrauen in die Welt und Enthusiasmus in die Projekte der Organisation sind auf einigen Levelstufen runtergerutscht. Oder ist es doch die Reife, die ich jetzt verspüre? Eine Reife und Gesetztheit, die beim 25 Jährigen Bewunderung auslöst und beim 50 Jährigen tatsächlich noch als jung und naiv durchgeht?

Heute war einfach wieder so ein Tag des „Feedbacks“. Irgendwie habe ich von allen Seiten Feedback erhalten, ob ich wollte oder nicht. Und die Feedbacks passen miteinander einfach nicht zusammen. Seitdem ich in meinem privaten Bekanntenkreis meine berufliche Veränderung diskutiere, sind alle möglichen Wege auf den Tisch gekommen. Weitere Karriere nach oben mit einer ausgebauten Abteilungsleitung eines Großkonzerns, die operative Gesamtverantwortung eines Mittelständlers, das Gründen einer eigenen Firma oder der Wechsel in eine ganz andere Branche oder Expertenstufe. Da ist alles drin mit jeder Begründung der persönlichen Weiterentwicklung. Und bei jeder Variante bekomme ich eben diese Feedbacks: Zu alt, zu jung, zu unerfahren, nicht mehr im Fachdetail drin, zu tief im Fachlichen, zu naiv, zu kreativ, zu verbohrt… Ich bin dankbar um Feedback, das möchte ich an dieser Stelle mal betonen. Nur einfach heute suche ich dieses „genau richtig“ Feedback, was einfach nicht auf den Tisch will. Also läuft der Findungsprozess weiter…

by Cloe

Ich hatte euch im letzten Blog von dem Fussball Beispiel und dem Rolleneinsatz Frau berichtet. Die Unsicherheit auf beiden Seiten was nun richtig ist und was nicht, bedeutet doch die Sehnsucht nach Etikette, Regeln und Rollenbilder, die von allen einigermaßen gleich verstanden werden und das positiv Maximum für alle rausholt. An dieser Stelle etwas aus der Vergangenheit, jüngere mögen es vielleicht nicht kennen:

Gab es doch schon in den 50er und 60er Jahren tatsächlich ein Buch, was der Frau beschrieb, wie sie sich zu verhalten habe gegenüber ihrem Mann. Ein Rollenverständnis, was zweifelsohne klare Orientierung gibt. Ein Auszug aus der Zeitschrift „Housekeeping Monthly“ in der Ausgabe vom 13. Mai 1955 stellt die Regeln zusammen. Daraus zitiere ich die Top Punkte, die mich als 1980 Geborene nur ins Staunen versetzt. Mit offenem Mund. Und diesem „Ich bin Baff Blick“. Und dem „Das gab es wirklich?“ Gedanken im Kopf. Ein skurriles Sittenbild. Ich bitte um Entschuldigung, es sind etwas viele Punkte geworden, aber ich konnte nicht mehr kürzen, so unglaublich die doch alle sind… :

  • Halten Sie das Abendessen bereit. Planen Sie vorausschauend, evtl. schon am Vorabend, damit die köstliche Mahlzeit rechtzeitig fertig ist, wenn er nach Hause kommt. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen. Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit (besonders auf seine Leibspeise) gehört zu einem herzlichen Empfang, so wie man ihn braucht.
  • Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen.
  • Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag und es gehört zu Ihren Pflichten, dafür zu sorgen.
  • Machen Sie die Kinder schick. Nehmen Sie sich ein paar Minuten, um ihre Hände und Gesichter zu waschen (wenn sie noch klein sind). Kämmen Sie ihr Haar und wechseln Sie ggf. ihre Kleidung. Die Kinder sind ihre “kleinen Schätze” und so möchte er sie auch erleben. Vermeiden Sie jeden Lärm.
  • Seien Sie glücklich, ihn zu sehen.
  • Begrüßen Sie ihn mit einem warmen Lächeln und zeigen Sie ihm, wie aufrichtig Sie sich wünschen, ihm eine Freude zu bereiten.
  • Hören Sie ihm zu. Sie mögen ein Dutzend wichtiger Dinge auf dem Herzen haben, aber wenn er heimkommt, ist nicht der geeignete Augenblick, darüber zu sprechen. Lassen Sie ihn zuerst erzählen – und vergessen Sie nicht, dass seine Gesprächsthemen wichtiger sind als Ihre.
  • Der Abend gehört ihm. Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder ohne Sie zum Abendessen oder irgendeiner Veranstaltung ausgeht. Versuchen Sie stattdessen, seine Welt voll Druck und Belastungen zu verstehen. Er braucht es wirklich, sich zu Hause zu erholen.
  • Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder selbst wenn er die ganze Nacht ausbleibt. Nehmen Sie dies als kleineres Übel, verglichen mit dem, was er vermutlich tagsüber durchgemacht hat.
  • Schieben Sie ihm sein Kissen zurecht und bieten Sie ihm an, seine Schuhe auszuziehen. Sprechen Sie mit leiser, sanfter und freundlicher Stimme.
  • Fragen Sie ihn nicht darüber aus, was er tagsüber gemacht hat. Zweifeln Sie nicht an seinem Urteilsvermögen oder seiner Rechtschaffenheit. Denken Sie daran: Er ist der Hausherr und als dieser wird er seinen Willen stets mit Fairness und Aufrichtigkeit durchsetzen. Sie haben kein Recht, ihn in Frage zu stellen.

Krass oder? Eines muss ich anerkennend zugestehen. Die Regeln sind klar und geben Orientierung. Hält sich jeder dran, gibt es kein Durcheinander. Aber Fakt ist, dass das obige natürlich absurd ist und sich daher auch aufgelöst hat. Was können wir also in heutigen Zeiten tun, um die Orientierung für Frauen UND Männer wieder hinzubekommen. Transparenz und das Erzeugen eines gleichen Verständnis ist hier sicher der Schlüssel zum Erfolg. Es wird noch ein längerer Weg für uns Frauen und Männer werden. Aber das bekommen wir schon irgendwie hin. Und bis dahin gehen wir jetzt erst mal alle auf Oktoberfest. Die Mädels im Dirndl und die Jungs in ihrer Lederhosen. Das steht schon mal fest.

by Cloe

Die Fußballweltmeisterschaft. Schön war es. Und darüber haben wir bei einem Business-Mittagessen, zwei Herren, ich die Dame, gesprochen. Die Stimmung, das Mitfiebern und der tolle Sieg eines Teams, was gezeigt hat, gemeinsam zum Ziel zu kommen. Mit viel Leidenschaft und Zusammenhalt. Dann der Spruch am Mittagstisch: „Sagt mal und was sollten dann am Ende eigentlich die Spielerfrauen da auf dem Feld? Die passen da doch gar nicht hin, schon gar nicht in der tussigen Aufmachung“ (empörtes männliches ernst gemeintes Gesicht schaut mich an). „Die Kinder von Klose waren ja ok, aber die Tussis haben da doch echt nix zu suchen. Das ist doch ein Männerspiel und der Sieg ist mit seinen Fans und dem Trainer zu feiern“.

Ja wo haben denn die Frauen nun etwas zu suchen? Wer sagt denn jetzt, dass Frauen von Spielern im Anschluss und vor den Fernsehkameras nichts zu suchen haben? Gibt es da ein TV Etikette Handbuch, was die Ladies hätten vorher berücksichtigen sollen? Nein, deren Erscheinen war 100% mit Jogi, dem Verein und den Medien abgesprochen. Das wollte man doch so. Ein Bruch mit dem Selbstbild des Fußballs? Schwule Fußballer und nun auch noch Frauen auf dem grünen Rasen Minuten nach dem Sieg? Klingt ein bisschen wie nach etwas unglaublich Verruchtes. Ich muss ja schon etwas schmunzeln. Das mit dem Rollenbild ist doch überhaupt fürchterlich durcheinander gekommen. Und was meine Diskussion heute Mittag angeht, zeigt es doch, dass die Männer auch nicht mehr durchsteigen. Frauen wissen nicht, wie sie sich in den Männerdomänen behaupten sollen und Männer wissen in ihren Männer-Domänen nicht, wie sie die Frauen integrieren sollen, ohne gerade die spaßigen Dinge, die ihnen wichtig sind, aufgeben zu müssen. Nach den armen benachteiligten Frauen, kommen jetzt also die armen Männer, die man die letzten 50 Jahre irgendwie nicht mitgenommen hat in der Entwicklung der Frauen. Morgen muss ich dazu noch was spannendes aus den 50er und 60er Jahren berichten…