Lipstick and Laptop

by Helen

Meine Lieblings Ex-Ministerin Kristina Schröder meldet sich auch mal wieder aus der Versenkung des „einfachen Bundestagsabgeordeten“. Und das nur, um gleich mal wieder mit Doofheit aufzufallen. Sie habe „Deutschland vier Jahre lang vor der Frauenquote bewahrt.“ Schöner kann man sein eigenes Scheitern (Stichworte: Flexi-Quote und Sang- und Klangloser Abschied aus dem Ministerium) wohl nicht verpacken. Und ja ich rege mich hier über eine andere Frau in meinem Alter auf, weil mir meine Worte für alle ewig-gestrigen CSU Politiker und deren polemischer Quatsch zum Thema einfach zu schade sind. ;-)

by Helen

Jetzt ist sie also da die Frauenquote. Und mit ihr viel Geschrei. Meist kann ich darüber nur lachen. Zum Beispiel wenn nun argumentiert wird, dass die deutsche Wirtschaft durch die Frauenquote gefährdet würde. Ernsthaft? Glauben wir wirklich, dass 177 Frauen die gesamte deutsche Wirtschaft in den Abgrund stürzen können? Wenn dies so wäre, dann bräuchten wir die Frauenquote wahrscheinlich gar nicht…
Ich finde die Frauenquote natürlich selbst nicht „lupenrein“. Sie suggeriert, Frauen wären nicht kompetent genug, um aus eigener Kraft Führungspositionen zu erreichen. Und das wäre natürlich schlecht. Schlecht für die Unternehmen, weil dann nicht Kompetenz sondern Geschlecht über die Besetzung entscheiden würden. Schlecht für die Frauen, weil unterstellt wird, sie seien irgendwie förderungsbedürftig und daher nicht in der Lage, eine gewünschte Position aus eigenem Antrieb zu erreichen. Diese Argumentation springt allerdings viel zu kurz, denn diese Argumentation geht davon aus, dass heute Stellen in Unternehmen nach Kompetenz besetzt werden. Ich arbeite in einem Großkonzern. Und es gibt in meinem Umfeld nur genau eine Stelle, bei der ich das Gefühl habe, dass es tatsächlich darum geht, bei der Besetzung den besten Kandidaten auszuwählen. Und das ist die Einstiegsposition. Wenn man in meinem Großkonzern eingestellt werden will, wird man auf Herz und Nieren durchgeprüft, braucht bestimmte Notenabschlüsse und wird in einem Assessment von unabhängigen Beobachtern bewertet. Aber danach werden freie Stellen doch meist nicht nach objektiven Kriterien besetzt! Welche sollten das auch sein? In den wenigsten (akademischen) Berufen ist Leistung doch an klaren (quantitativen) Messgrößen bewertbar. Und selbst dort wo es quantitative Messgrößen gibt, unterliegt der Erfolg doch so großen Interdependenzen, dass man ihn sehr selten der Leistung von genau einer Person zuordnen könnte. Und damit verlässt man die Skala der Objektivität. Und Betritt eine gewisse Grauzone. Diese Grauzone ist bei manchen Besetzungen hellgrau und bei manchen dunkelgrau – aber ich erlebe es nie und bezweifele auch dass dies möglich ist – dass eine Stelle nach Kompetenz besetzt wird. Die Kompetenz ist ein Faktor, der sicherlich herangezogen wird. Niemand wird seinen Fußballkumpel besetzen, wenn dieser die Stelle nicht auch ausfüllen kann. Aber es ist ein absoluter Trugschluss zu glauben, dass gerade in Großkonzernen heute immer der beste Kandidat die Stelle bekommt. Und das führt mich zu meinem Lieblingsthema Statistik. Denn wenn dies so wäre – dann müsste sich die Geschlechterverteilung, die in einem Unternehmen vorhanden ist, ja irgendwann auf allen Führungsebenen einstellen. Denn statistisch betrachtet ist Kompetenz geschlechter-unabhängig verteilt. Was bedeutet, dass in einer Firma mit 30% Frauenanteil, auch 30% Frauen in Führungspositionen vertreten sein müssten, oder 28% oder 32% oder 27%… Aber so ist es nicht. In einem deutschen Großkonzern mit 30% Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft, gibt es gerade mal 14% Frauen in Führungspositionen. Eine statistische Unregelmäßigkeit? Wohl kaum, da die Situation in allen Firmen in diesem Punkt in etwa ähnlich ist. Die Frauenquote ist sicherlich kein Instrument dafür die Ursache zu bekämpfen, nämlich dass generell Stellen nicht nach Kompetenz besetzt werden. Das wäre eigentlich der wichtigere Stellhebel. Würde nach Kompetenz besetzt, würde sich das Geschlechtergleichgewicht automatisch einstellen. Und natürlich löst die Quote auch nicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die in Deutschland gravierend hinterher hinkt.

by Helen

Es war einmal ein Großkonzern, der hatte ganz ganz wenige weibliche Führungskräfte. Dieser Großkonzern operierte in einem Land namens Deutschland. Und weil die Regierung es sehr ungerecht fand, dass viele Frauen trotz gleicher Qualifikation immer noch zu wenig verdienen und weniger Karriereoptionen haben, drohte dieses Land den Großkonzernen damit, dass es ein Gesetz geben würde, dass sie zwingt Frauen zu fördern.

Und weil der Großkonzern sehr viel Angst vor diesem Gesetz hatte, fing er also an Frauen zu fördern. Zum Beispiel in dem er jeden, der eine Stellen zu besetzen hatte zwang, nachzuweisen, dass er auch geprüft hatte, ob nicht eine Frau für die Position in Frage kommen würde. In diesem Konzern gab es nun einen Chef, der eine neue Stelle besetzen wollte. Sein bestern Kumpel aus dem Studium/ein Kollege aus dem Fußballverein/ein langjähriger Mitarbeiter, der mit dem Chef bereits bestens vertraut war, hatte Interesse an der Stelle bekundet. Natürlich war es für diesen Chef gesetzt, dass die Stelle mit diesem Kumpel/Kollegen/Mitarbeiter besetzt werden müsste. Dennoch musste er nun prüfen, dass es keine Frau in der ganzen Firma gibt, die diesen Job erfüllen könnte. Er hatte Glück keine Frau hatte sich auf die Stelle beworben (sie war ja auch nicht ausgeschrieben gewesen). Da tauchte plötzlich eine böse Fee auf und legte ihm eine Liste mit qualifizierten weiblichen Kandidatinnen vor, die er bitte prüfen sollte. Außerdem zwang die Fee ihn die Stelle auszuschreiben, damit sich jeder und jede, die sich bewerben wollte auch bewerben konnte. Der Chef stimmte widerwillig zu, er war sehr zerknirscht, denn nun musste er bei jedem Kandidaten der formal geeinget war begründen, warum der Kollege/Kumpel/Mitarbeiter viel, viel besser für die Stelle geeignet wäre. Aber der Chef war nicht dumm. Wenn er geeignete Kandidaten und Kandidatinnen davon abhalten könnte, sich überhaupt erst auf die Stelle zu bewerben, müsste er nicht begründen, dass er die Person nicht nimmt. Und so telefonierte er die Liste mit potenziellen Kandidaten ab und erklärte den Menschen auf dieser Liste nach fünf minütigen Gesprächen, dass er bereits in der Kürze der Zeit vollumfänglich verstanden hätte, was die Person als Qualifikationen mitbringt und dass diese Qualifikationen niemals ausreichen würden, um diese Stelle zu besetzen. Eine schriftliche Bewerbung wäre ganz und gar aussichtslos und geradezu abwegig. Und es funktionierte, keiner bewarb sich auf die besagte Stelle und der Chef konnte weiterhin den Kollegen/Kumpel/Mitarbeiter befördern, den er von Anfang an ausgewählt hatte.

Und die Moral von der Geschicht:

Gegen Geklüngel und Vetternwirtschaft hilft auch beste Absicht nicht.

by Cloe

Ich habe euch die Emotionen in meinen letzten Blogs rund um meine Kündigung erläutert. Und meine Gedanken kreisen trotzdem: Affären, Kündigungen, Fehlverhalten, politische uncorrectness – der Flurfunk saugt alles in sich auf und trägt es weiter. Im Untergrund werden also die Emotionen behandelt. Nicht offiziell, die Meetings müssen mit viel perfekter Haltung abgehalten werden. Platzt mal diese Blase, kommen eher cholerische Wutausbrüche ans Tageslicht.

Ich fühle mich einfach komisch, habe ich mit meiner Kündigung vielleicht etwas nicht Alltägliches, aber doch Normales in meinem Leben vor. Neid, Ablehnung, Enttäuschung sind aber ständige Begleiter. Das ist im Leben wohl so. Gute Kollegen, die in Schritte involviert sind, sprechen mich die Tage schon „unauffällig auffällig“ an und wollen etwas von mir herausbekommen. Irgendwie komme ich mir so albern vor, ist es doch eigentlich keine große Sache. Aber in einem kleinen Kosmos ist so was eben doch eine. Ich versuche bei mir und meinen Gedanken, den nächsten Schritten zu bleiben. Was mein Schritt für andere bedeutet, kann ich nicht beeinflussen und muss ihn so respektieren wie er ist. Und wenn ich nun einfach nur auf der Tratschliste Top 1 im Flurfunk lande. Ist halt so.

by Cloe

Es ist merkwürdig. Das Thema Wettbewerber ist eine ganz heiße Sache hier in meinem Unternehmen. Natürlich lande auch ich beim Wettbewerber wie fast jeder, der geht. Das ist der Grund für die hohe Fluktuation in dieser Branche – gut ausgebildeten Mitarbeitern, die sich weiterentwickeln wollen, bekommen hier und da eben Angebote, die das Bedürfnis der Weiterentwicklung befriedigen und als Unternehmen selber wachsen wollen. Irgendwie ist es doch eine emotionale Sache geworden bei allen Beteiligten, zumindest spüre ich das. Doch wie oder warum man kündigt, es geht das Unternehmen doch eigentlich nichts an? Doch darum geht es wahrscheinlich nicht wirklich, es sind oberflächlich vorgeschobene Argumente.

Denn: ich höre wie in der die IT und Personalabteilung gearbeitet wird. Gerüchte werden an mich herangetragen mich freizustellen. Das macht mich nervös, da ich damit nicht rechne, für meine Position eher unüblich. Meinen Mitarbeitern gegenüber wollte ich noch nichts sagen, muss den Schritt selber erst mal verkraften. Zu viele Fragen würden aufkommen und es sind noch einige Fragen ungeklärt, wann z.B. mein letzter Arbeitstag sein würde. Hört sich alles ziemlich wild an. Ist es gefühlt auch. Unternehmen sind manchmal schrecklich. Und ich wahrscheinlich im Umgang auch, mache mir einen zu großen Kopf. Wir sind eben ein ganz großer Krabbenkorb. Und im Krabbenkorb geht jetzt einer, das ist für alle Beteiligten betreffend und bewegend.

So rational und sachlich sich im Unternehmen verhalten wird, hier findet eine Trennung statt und das bewegt nun mal. In manchen Momenten fühlt es sich wie ein Staatsverbrechen an und in manch anderen Momenten muss ich an die gleichgültigen Worte eines alten Chefs von mir denken, der trocken dazu nur zu sagen hatte:  „Reisende sollte man nicht aufhalten“.

by Helen

Liebe Cloe,

deine ganzen Artikel rund um die Kündigung lassen mich ganz unruhig werden. Ich bewundere ja wirklich deinen mutigen Schritt – nicht nur endlich “Tschüss” zu sagen, sondern auch wie du jetzt mit den ganzen Folgen umgehst. Du lässt es meistens leicht und lustig klingen und wie ich dich kenne ist es das sicher oft auch.
Aber mir juckt es in den Fingern – soll ich jetzt deinem Beispiel folgen oder doch noch auf die nächste Beförderung in meinem Großkonzern warten. Im Moment ist es zum Mäusemelken. Ich springe im Quadrat, habe zwei Riesenprojekte an den Backe und bin non-stop für meine Chefs im Einsatz. Konkrete Karriereweiterentwicklung mit verlässlichen nächsten Schritten oder Zwischenfeedbacks: Fehlanzeige. Man muss sich von Jahresgespräch zu Jahresgespräch hangeln und hoffen, dass man nach 12 Monaten “Invest” auch eine Auszahlung bekommt. Bald ist es wieder so weit, die große Jahresabrechnung naht. Und irgendwie stellt sich bei mir so langsam das Gefühl ein dass ich nicht nochmal 12 Monate auf ein Konto einbezahlen möchte, von dem ich unter Umständen nachher gar nichts abheben kann.

Denn da draußen lockt mich die große Welt, nicht nur aber auch durch deinen großen Schritt. Ich wünsche dir weiterhin viel Glück!

LG deine Helen (sehr nachdenklich heute…)

by Helen

Im Moment arbeite ich sehr, sehr viel. Jammer, Heul, Mecker….

Was aber mein Leben gerade so richtig nervig macht ist der unberechenbare “Großstadt” Verkehr. Jeden Morgen und jeden Abend noch dieser Willkür-Faktor namens Stau. Kann das mal jemand abschalten? Dann noch Bahnstreik -  da wird es dann richtig lustig,  jeder steigt dann auf die Straße um. Und die ist noch voller als sonst. Da bleibt nur eines: ich verlagere morgens schon mein Badezimmer ins Auto und fahre regelmäßig mit der Schminktasche auf dem Beifahrersitz. An der ersten Ampel kommt dann der Puder drauf, an der zweiten der Lidschatten und an der dritten Mascara. (Übersetzung für unsere männlichen Leser: Jup, das kommt alles ins Gesicht)

Und Abends nutze ich den Stau, um mal wieder mit allen lieben Leuten zu telefonieren, die ich länger nicht gesprochen habe. Damit mein Sozialleben wenigstens nicht komplett unter der momentanen Arbeitslast zusammenkracht.

In diesem Sinne: Wochenende!!!!!

by Cloe

Ich habe meine Kündigung eingereicht. Erst per Papier in der Personalabteilung. Dann persönlich bei meinem Chef. Ich bin erleichtert: mein Boss reagierte souverän, wünschte mir alles erdenklich Gute und freut sich für mich, wenn es in meinem Leben nach meinen Vorstellungen weitergeht. Das hat mich gefreut.

Die ausländischen neuen Shareholder waren nicht so amused, so liegt es doch in der deutschen Kultur damit etwas souveräner umzugehen, in anderen Kulturen hinterlässt man leicht Enttäuschung und das Gefühl zu verraten, illoyal zu sein. Das ist jetzt meine Lernkurve, die auch ich mitnehmen muss und sie eigentlich bedauere. Aber ist es mein Problem? Jetzt der Veränderung seinen Lauf lassen…

by Cloe

Kündigen ist nicht unbedingt schön. Irgendwie hängen doch Emotionen dran. 7 Jahre in einem Unternehmen mit viel Engagement und tollen Kollegen, mit denen man Leid und Freud geteilt hat, gehen nicht einfach spurlos an einem vorbei. Mein Papier ist geschrieben und meine Haltung und Message zu meinem Boss, Kollegen und Mitarbeiter klar: positive Trennung, keine Vorwürfe, ich gehe nicht im Schlechtem. Ja, es ist das typische weinende und lachende Auge. Trotzdem bin ich aufgeregt. Das Unternehmen dreht sich sehr schnell zur Zeit, mein Boss ist selber neu und gefühlt ist mehr Chaos als Stabilität im Unternehmen. Viele Menschen sind nervös, schwanken zwischen Loyalität und der Frage „whats in for me“ in der neuen veränderten Welt oder eben dem Absprung. Es kündigen viele, jeden Monat werden die Namen im Flurfunkt diskutiert, die andere Wege gehen wollen. Die High professional Service Industrie – Consulting, IT und Engineering Beraterbranche hat eine höhere Fluktuation, es ist normal.

Ich mache mir aber meine Gedanken. Wird meine Kündigung genauso respektvoll aufgenommen? Gewährt man mir einen früheren Ausstieg und bis dahin eine positive Zusammenarbeit? Egal wie alt man ist, bei einer Kündigung hat man Wunsch und Hoffnung das Ganze positiv „über die Bühne zu bringen“. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Bereuen sollte man auch nichts und alle positiven Entwicklungsschritte in guter Erinnerung behalten. So geht es mir auch und das ist gut so. Ein neuer Schritt kann kommen…