Lipstick and Laptop

by Helen

Und mal wieder so ein Aha-Erlebnis. War mit einem Kollegen essen, mit dem ich bisher nichts bis wenig zu tun hatte. Er ist seit 30 Jahren (!) im Konzern und schon lange auf „meiner“ Führungsebene. Mit anderen Worten, der hat da wirklich schon viel erlebt. Zuletzt eine Besonderheit: Gleich zwei Chefinnen, die sich den Posten teilen. Sehr ungewöhnlich. Daher war ich natürlich entsprechend neugierig, wie er denn das ganze so findet. Und so lenkte ich das Gespräch in Richtung seiner ehemaligen Chefs (beide männlich und mir bekannt) und dem Chefinnen Duo.

Er war in Redelaune und meinte frei heraus: Ehrlich gesagt fand ich an meinen Chefs immer gut, dass sie mich hinterfragt haben und Details wissen wollten. Die sind aktiv mit mir in die Diskussion getreten über die Inhalte meiner Arbeit. Das machen die Chefinnen nicht. Die verlassen sich auf mich, hinterfragen wenig und kommen dann wieder zurück, wenn es Fragen von außerhalb des Bereichs zu meinen Themen gibt. Er fand diese Situation jetzt nicht dramatisch, gab mir aber deutlich zu verstehen, dass es für ihn toll war zu wissen: Meine Chefs haben alles mit mir „abgeklopft“ wir „challengen“ uns gegenseitig und verteidigen uns so indirekt gegen dumme Fragen von außen.

Als Frau war mir die Sache sofort klar: die Chefinnen machen das natürlich nicht. Denn ich persönlich finde es auch viel angenehmer, wenn mir in der Zusammenarbeit voll vertraut wird. Dazu gehört es natürlich auch, dass man mal eine Frage stellen kann – so als Chef. Aber im Großen und Ganzen wünsche ich mir eigentlich, dass meine Arbeit so angenommen wird wie sie ist – ich liefere schließlich Qualität, die nicht aufs kleinste Detail hinterfragt werden muss. Er hatte hier eine ganz andere Wahrnehmung: Im Disput mit meinen Chefs kann ich mich messen und sehe „im spielerischen Wettbewerb“ wie gut (oder schlecht) ich wirklich bin und wie gut vorbereitet ich dementsprechend in die „Welt da draußen“ gehe. Vielleicht sind die Chefinnen so gepolt wie ich: Sie denken, wenn sie ihre Mitarbeiter kritisieren oder hinterfragen, unterläuft dieses Verhalten das Vertrauen im Team.  Dabei geht es gar nicht um Vertrauen, sondern um das gute Gefühl an alles gedacht zu haben. Ich werde mal versuchen das bei mir zu beobachten. Doch lieber einmal mehr nachfragen und sehen wie es bei meinen Mitarbeitern so ankommt. Ein kleines Führungsexperiment sozusagen…

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