Lipstick and Laptop

by Cloe

Vorweg: wie in einem meiner Artikel bereits beschrieben, kommen jeden morgen viele unterschiedliche Menschen in die Firma, die ihre Prägungen, Muster, Denkhaltungen und ja ihre Verletzungen mitbringen, die sie verarbeiten müssen, damit leben müssen. Da treffen einen Haufen Emotionen aufeinander sowie eine was ist „Richtig-Falsch“ – Denke im Umgang miteinander, dazu unbewusste Legitimationen des eigenen Handelns, weil man es eben so kennt und immer schon so gemacht hat. Die Folgende Anekdote fällt NICHT in ein anerzogenes Denkmuster, welches auch nur in irgendeiner Art und Weise legitimiert werden kann. Es hat mich verletzt und das nicht zu knapp. Und es fällt mir auch nicht leicht, darüber zu schreiben. Wie ich in dem Artikel Sexuelle Belästigung – ein Tabu geschrieben habe, vertuschen Frauen ihre Erlebnisse, um mit diesen beruflich nicht primär in Verbindung gebracht zu werden. Man holt sich von offizieller Stelle keine Hilfe, um nicht mit solchen Konflikten in Erinnerung zu bleiben, sondern lieber mit der eigenen Kompetenz und erreichten Business Zielen.

Ich war mit meinen Kollegen auf dem eigenen Messstand der Firma auf einer großen Messe. Die Anspannung war groß, es gab viele Zusammenarbeitsmodell-Konflikte vor Ort, wie so oft ignorieren Manager und Vertriebler nicht die miteinander abgestimmten Vorgehensweisen. Jeder schnappt sich seine Kunden, auch wenn dieser doppelt angesprochen wird. Grob gesagt, ein Alpha-Tierchen Konflikt, wer bringt die meiste und beste Beute heim. So gab es mal wieder einen großen Streit. Die Leitung des ganzen Projektes und auch die Standleitung hatte ich inne und den lauten und offensichtlichen Streit unter Kollegen konnte und sollte sich die Firma im Außenbild auf dem Messestand nicht leisten. Ich ging dazwischen und wollte die männlichen Streithähne nach draußen verweisen, so würden sie nicht unter dem großen Firmenlogo die Kunden vergraulen. Ich war selber angespannt, solch eine Unprofessionalität hatte ich am letzten Messetag nicht auch noch erwartet und der Tag war schon mies genug. Die Situation eskalierte: Die Herren waren in ihrem „Kampf“ so vertieft und noch weit weg den Sieger zu küren, eine weibliche Deeskalation war noch nicht emotional verkraftbar für die Herren. Ich ging zu Ihnen, unterbrach alle und erwartete diplomatisch, aber bestimmt, dass sie den Stand verlassen sollten und draußen weiter streiten, die Kunden würden uns bereits meiden. Was auch immer einen meiner Kollegen hier geritten hatte, er drehte sich um und sagte voller Emotionen und Aufgebrachtheit zu mir: „Cloe, hier hast du nichts zu suchen – das machen wir unter uns aus“. Er Griff in seine Tasche und zog eine kleine Karte heraus, die ihm ein paar junge Mädels vorher unauffällig mit einem Augenzwinkern in die Jackentasche gesteckt hatten. Es war die Karte eines Bordells um die Ecke. Eine beliebte Werbeaktion auf Messen für Männer. Er drückte mir diese Karte in die Hand und sagte trocken: „Falls es mit deiner weiteren Karriere in der Firma mal nichts wird, kannst du ja auch in diesem Etablissement arbeiten gehen.“ Ich war total geschockt. Wie meine Reaktion auf diese Aktion weitergeht, lest ihr morgen…

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