Lipstick and Laptop

by Cloe

Wie ich gestern in meinem Artikel geschrieben hatte, gab es einen herben Rückschlag für mich in meinem weiblichen Standing. Ich musste mit einer frauenfeindlichen Äußerungen, einem persönlichen Angriff umgehen, den ich so noch nie vorher erlebt hatte. Der Satz meines Kollegen: „Falls es mit deiner weiteren Karriere in der Firma mal nichts wird, kannst du ja auch in diesem Etablissement arbeiten gehen“, hatte mich persönlich tief getroffen. Noch frustrierender war, dass die drei anderen Kollegen, mitten im Streit verwickeltet, diesen Satz gar nicht richtig mitbekommen hatten, er hatte ihn leise in meine Richtung gezischt. Er drehte sich um und diskutierte einfach weiter. Da kam kein Blatt dazwischen. Ich drehte mich um, damit niemand meine Tränen sehen konnte, die mir in die Augen schossen und verlass den Stand. Soll doch das Firmenimage den Bach runter gehen, ich hatte jetzt größere Probleme. Manchmal denkt man, man hätte das gerade geträumt, doch ich hielt eine Werbekarte mit nackten Frauen in High-Heels eines Bordells in der Hand. Ich habe lange auf Toilette gebraucht, um mich wieder kundentauglich zu bekommen. Mein zweites Problem: Ich wusste nicht, wie ich jetzt damit professionell umgehen sollte. Meine weiblichen Instinkte sagten mir spontan: Bestrafe ihn lange mit Missachtung, damit er merkt, dass er richtig Mist gebaut hatte. Man, ist das albern. Ich kam mir vor wie im Kindergarten und wusste nicht, was hier professionelle Deeskalation ist, da ich das Opfer bin und jetzt dringend selber einen Mediator brauchte. Sonst hatte ich immer diese Rolle, um unter Mitarbeitern Streit zu schlichten. Ich lief zurück und beschloss mich einfach einem Kollegen anzuvertrauen, dem ich zutraute, dass es die Thematik in meinem Sinne, aber nicht mit irgendwelchen übertriebenen Aktionen, die alles nur noch schlimmer machten, löste.

Frustrierendes Bild am Stand: Alle Männer lachten, schlugen sich auf die Schulter und beschlossen gerade in Phase 4 des männlichen Verarbeitungsprozesses die Angelegenheit mit einem Bier zu bereinigen. Das machte mich noch mehr fertig. Sie strahlten mich an und sagten: „Hey Cloe, wo hast du so lange gesteckt, hier fragen schon alle nach dir?“ Keine Reaktion darauf und keine Erinnerung daran, was mir in deren Tumult passiert ist. Von keinem. Auch nicht von dem Kollegen, der mich beleidigt hatte. Ich dachte ich sei im falschen Film. Um mich auf dem Stand erstmal wieder in Normalstimmung zu bringen, sprach ich mit ein paar Kunden und wand mich in einer Pause an den besagten Kollegen, dem ich vertraute. Was nun passierte, hatte mich positiv beeindruckt. Mein Kollege löste es tatsächlich in meinem Sinne. Es war der letzte Messetag und er versprach mir mit dem Beweis der Karte unseren Kollegen drauf anzusprechen und ihm nahezulegen auf mich zuzugehen und sich bei mir zu entschuldigen. So konnten alle im Abstand darüber nachdenken und bedacht die nächsten Schritte gehen. Das hat er auch getan einen Tag später, als sich alle Gemüter beruhigt hatten. Weitere drei Tage später, als sich besagter Kollege dann selber aus seiner peinlichen Schockstarre gelöst hatte, nahm er den Mut zusammen, mich anzusprechen. Er war völlig geknickt, sprach von seiner Frau und seinen zwei kleinen Mädchen zu Hause und konnte sich nicht vorstellen, was in ihn gefahren ist. Die Entschuldigung kam aufrichtig. Ich habe es bis heute aber nicht vergessen.

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