Lipstick and Laptop

by Cloe

Die Freude aber auch die Verzweiflung im Job kann oft groß sein. Egal wie alt, auf welcher Hierarchie, welche Aufgaben oder welche Verantwortung. Menschen hören nie auf zu lernen, sind nicht einfach fertig. Es kommt nicht endgültig nach einer Zeit des Einlernens die große „Ich bin angekommen-Phase“ und Probleme oder negativen Emotionen tauchen nie wieder auf. Das hatte ich immer als Kind gedacht: dass es im Erwachsenenalter dann irgendwann alles geregelt ist und die Nummer easy läuft. Tut es nicht wirklich. Im Besten Fall werden die Ausschläge im Alter nicht ganz so hoch, ein Schutz vor Schicksale, kritisch emotionale Situationen oder Konflikte – das gibt es nicht. Dafür dreht sich die Welt weiter, neue und unbekannte Herausforderungen tauchen regelmäßig auf. Auch noch im Alter z.B. von 64.

Warum erzähle ich das? Ich war diese Woche berührt von einem guten Freund, der fast doppelt so alt ist wie ich. Er war ganz nachdenklich und berichtete mir, wie er sich nun kurz vor der Rente Gedanken machen würde, was er in seinem Bereich alles falsch gemacht hat und er in seinen letzten zwei Jahren nicht aufgeben werde, Mitarbeiter, Kunden, Vorgesetze und vor Allem sich selber besser zu verstehen, um das Business um ihn herum noch besser zu machen. Für mich hatte er alles richtig gemacht. Seine Ruhe, Weisheit und Würde, die er sichtbar vor sich her trug, gab für mich die Beruhigung – mit mehr Berufs- und Lebenserfahrung wird die eigene Selbstkritik, das Zweifeln über die Richtigkeit des eigenen Handelns geringer.

Seine Schilderungen zeigten mir, dass seine Themen vielleicht etwas andere sind als meine, die „Größe des Päckchens“ in seinem Rucksack aber die gleiche hatte. Er schilderte sogar, dass seine Zweifel im Laufe seines Berufslebens immer ähnlich blieben, waren sie doch an seine Person gebunden und nicht an Unternehmen, Stadt oder Team. Egal wo er hinging, er nahm sich immer mit. Vor Problemen weglaufen, das bringe gar nichts. Diese würden gebunden an die Person immer mitlaufen und sich schon rechtzeitig wieder melden. Ich bewundere ihn, nie aufzuhören, sich Gedanken zu machen über andere und insbesondere über sich selbst und habe mal wieder verstanden, dass sich die Dinge nicht einfach so in Wohlgefallen auflösen. Er riet mir, nicht nur fachliche Fortbildungen zu machen, sondern auch regelmäßig  auf mich zu achten: meine Seele, meine Ängste und meine Sorgen. Sie haben ein Recht gesehen zu werden und volle Beachtung zu finden. Erst dann kann man mit Ihnen umgehen. Und nur so kann man im Ganzen besser werden. Tür auf – hinsehen – Tür weiter aufmachen – durchgehen.

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