Lipstick and Laptop

by Cloe

Frauen sind in manchen Bereichen, Branchen und Unternehmen einfach noch zu rar gesät, in Management Positionen und auch anderen Jobarten. Und genau aus diesem Grund muss ich für einige Männer einfach mal eine Lanze brechen: Wie zum Teufel sollen sie mit Frauen in Management-Positionen klar kommen, wenn sie bis dato dort noch kaum eine gesehen haben, geschweige denn eine Mehrheit? Das bedeutet z.T. schlicht Überforderung. Auch Männer begreifen schnell, dass Frauen nach den gängigen Spielregeln der Macht einfach nicht immer mitspielen möchten und können und z.T. anderen Idealen, Werten und Leistungszielen nachgehen, auch mal anders handeln. Männer reagieren oft je nach Erscheinungsbild, Alter und Persönlichkeit der Dame wiederum in unterschiedlichster Art und Weise. Sie handeln nach Mustern, die sie kennen (So wie Frauen überings auch ;) ), um ihre Unsichereheit zu überspielen. Ältere leben zum Teil Vaterinstinkte aus, viele lassen einen aus der ewigen „sexuellen-Check-Schleife“ (ja, es gibt sie wirklich) nicht raus, andere meiden einen wie die Pest und wiederum andere finden das alles wahnsinnig interessant und witzig. Für alle Parteien irgendwie nervig.
Hier ist irgendwie Chaos vorprogrammiert und leider keine stringente Vorgehensweise empfehlenswert. Toleranz, Toleranz und Toleranz würde ich gefolgt von „Cool-Bleiben“ in Schritt 1 für beide Seiten erst einmal empfehlen. Frustrierend und deprimierend ist jedoch der sog. Charly-Brown-Effekt (den hat sich die Redaktion nicht ausgedacht, den gibt es schon in der Literatur in vielen Ausprägungen…), der sich nur schlecht einordnen lässt und mit Toleranz auch schwer zu begegnen ist. Dieser ist mir selber passiert, als ich zu einer mit bis dahin unbekannter Person Projektergebnisse vorstellen sollte, wobei mir aber auch nicht bekannt war mit welchem Ziel und warum diese Person hier jetzt auch noch was zu sagen hat. Dies ist natürlich ein klassischer Projektmanagement-Fehler, das Ziel eines Meetings nicht zu kennen – ich dachte jedoch, dass ein Treffen zwischen nur zwei Menschen kein wirkliches Meeting sei und sich im 4-Augen-Gespräch alles ganz locker klären lässt. Bis zum Eintritt in dieses Büro des hochrangigen Top-Managers war ich noch entspannt, aber die aufkommende Spannung im Raum machte mir plötzlich Sorgen – etwas mit dem Projekt, mir oder irgendwas anderem läuft hier gerade gewaltig schief. Mein Gegenüber starrte mich an, Höflichkeiten wie Hand-geben war gerade noch drin, dann erfolgte nach einer langen Pause des Schweigens (die Stimmung war so gar nicht nach Small-Talk und lustigem Kennenlernen) sofort ein knallharter Schlagabtausch über Ergebnisse, Ressourcen, Budget und Zeitrestriktionen des Projektes. Gefühlt lebte ich ausschließlich in einer Rechtfertigungshaltung und mein Gegenüber zerriss mich buchstäblich in der Luft. Warum, weiß ich bis heute nicht. Ich ging eher verwirrt aus dem Raum. Nach ein paar Wochen zum gleichen Thema eine weitere Begegnung voller inhaltlichem Konsens, Harmonie und gemeinsam-an-einem-Strang-ziehen-Mentalität, begleitet mit dem Interesse mich Kennenzulernen, was mich umso mehr verwunderte.
Nun zum Charly-Brown-Effekt, der mir als Begründung recht plausibel erscheint (ich hoffe es zumindest ;) : Bei den Peanuts gibt es den kleinen Linus, der samt seiner Schnuffel-Decke in den Kindergarten kommt und dort auf ein Mädchen trifft, welches er wahnsinnig interessant durch ihre Andersartigkeit findet. Es verschlägt ihm aber die Sprache, er weiß einfach nicht wie er mit ihr umgehen soll. Er geht zu ihr und weiß einfach nicht, was er sagen soll und sie weiß auch nicht, was sie sagen soll – und „da hat er ihr dann einfach eine reingehaun“.

Auch das kann dann manchmal im Business passieren. Wissenschaften haben bewiesen, dass Intuitionen aus der Kindheit – auch mal das zu zerstören, was man augenscheinlich nicht haben und verstehen kann, in der Erwachsenenwelt durchaus vorzufinden ist. Mein Rat hier: Cool-Bleiben, die wenigsten Menschen haben die Absicht andere böswillig zu verletzen  – auch nicht im Business.

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