Lipstick and Laptop

by Helen

Übers Wochenende war ich ja im schönen Hamburg unterwegs. Auf dem Hin- und Rückweg hatte ich daher mal wieder Zeit ein paar Zeitschriften durchzuschmökern. Schon bei meinem letzten Trip habe ich mich hier und hier so richtig breit über eine Zeitschrift, bzw. deren Unfug Inhalt ausgelassen.
Meine Lieben, ich glaube, dass kann eine Tradition werden. Ich wollte dieses Mal alles besser machen. Auf dem Hinflug verschmähte ich also tapfer alle Arten von Frauenzeitschriften und Griff zu einem Journal namens “business lounge” (Magazin für Wirtschaft & Lifestyle). Ein Titel, von dem ich mir Qualitätsjournalismus mit einem Hauch Unterhaltung versprach. Ein Artikel widmete sich dem – derzeit sehr beliebten – Thema “Frauen in Top Management Positionen”. Konkret wurden dabei mehrere dieser Damen in Deutschland vorgestellt. unter anderem Claudia Nemat (Vorstandsmitglied & Europachefin der Telekom). Gleichzeitig ist die Telekom ja eines der ersten Unternehmen, dass sich eine Selbstverpflichtung für die Förderung weiblicher Führungskräfte auf die Fahne geschrieben hat. Soweit so gut.

Aber was machen jetzt unsere Damen und Herren Redakteure der “business lounge” daraus? Ich zitiere: “Dass Claudia Nemats neue Funktion nicht allein der selbst auferlegten Frauenquote bei der Telekom geschuldet ist, beweist ein Blick auf ihren bisherigen Lebenslauf.” Liebe business lounge, wie darf ich das jetzt verstehen? Klar, sie ist natürlich hauptsächlich dort wegen der Quote, aber sie kann auch ihren Namen richtig schreiben, oder was? Die Frau hat theorethische Physik studiert (wozu wahrscheinlich nur 1 % der Deutschen intellektuell überhaupt in der Lage wäre). Frau Nemat hat dieses Fach nicht nur studiert sondern auch an der Uni Köln gelehrt. Ach ja und dann hat sie auch noch 17 Jahre (!) bei McKinsey gearbeitet. Sie wurde im Jahr 2000 dort sogar Partnerin. Und das zu einer Zeit, in der noch niemand das Unwort Frauenquote überhaupt kannte. Und sie war damals 32 Jahre alt (ein Alter in dem die meisten anderen Akademiker grad mal die ersten unsicheren Schrittchen in ihrem ersten Job machen). Also liebe Damen und Herren Redakteure der “business lounge”: Glaubt ihr wirklich, dass diese Person, die in ihrer bisherigen Vita alles besser und schneller gemacht hat, als alle anderen, irgendwelche Almosen in Sachen Förderung nötig hat? Ich bin mir sehr sicher, dass Frau Nemat ihre neue Funktion nicht nur “nicht allein der selbst auferlegten Frauenquote” zu verdanken hat, wie ihr es nennt, sondern ich gehe soweit zu behaupten, dass sie ihre Positionen überhaupt nichts zu verdanken hat, außer ihrem außergewöhnlichen Lebenslauf und ihrem Talent.

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