Lipstick and Laptop

by Cloe

Wie versprochen die Anekdoten: Klein-Cloe vertieft an wichtigen Aufgaben in der Rolle der Assistenz der Geschäftsführung inmitten einer süddeutschen Ortschaft, inmitten einer männerdominierten Branche und inmitten einer privat eher mit konservativen Werten geführten gesellschaftlichen Struktur. Ein vielbeschäftigter Projektleiter, der selten am Standort war, legte mir hektisch ein Paket voller Kuchenstücke auf den Tisch, sagte kurz seinen Namen, in welchem Raum er die Kuchenstücke mit Kaffee für 15 Personen bräuchte und verschwand. Ich hatte diesen Menschen vielleicht 2 Mal gesehen, mehr jedoch nicht und wusste auch nicht, wer er war. Ich bin mir an dieser Stelle bestimmt nicht zu schade Kaffee für Kunden zu machen – im Gegenteil – in mir fließt absolutes Unternehmertum-Blut und dies bedeutet auch, den besten Kaffee den Kunden servieren zu können – egal in welcher Position. Mir schoss nur folgendes durch den Kopf: Er kennt mich nicht, es sitzen in diesem Raum noch weitere 10 männliche Kollegen und die Dinger landen doch tatsächlich auf meinem Tisch… Es fehlte ja sogar die konkrete Bitte um Hilfe und die kurze Anerkennung, dass dies sicher nicht mein Job sei, er sich jedoch über Unterstützung freuen würde. Total verdattert unterstütze ich den Herren, versuchte ihm  jedoch irgendwie klar zu machen, dass mein Chef wichtige aufbereitete Finanzdaten von mir derzeit erwarte und dass es für solche Unterstützung gewiss Regelungen in seinem Bereich gäbe. Mir fehlte schlicht die Zeit und mir dämmerte es, dass  er mich als Pauschal-Sekretärin für sämtliche Kaffeedienste in Zukunft in Anspruch nehmen wollte. Das machte er auch sehr deutlich und der Stress war vorprogrammiert. Sich zu erklären war nicht schön, aber wir beide mussten den Tatsachen dann ins Auge sehen. Irgendwie sprach sich die ganze Sache wohl rum und plötzlich stand der eine oder andere Familienvater und Ingenieur ganz ungläubig vor meinem Tisch mit direkter Frage: “Sag mal, bist du jetzt so etwas wie eine “Karriere-Frau” und was sind hier so deine Aufgaben?” Es war wie die Begegnung mit der dritten Art, in meinem Bereich gab es scheinbar nur das Modell Männer mit Kindern und ihren Hausfrauen zuhause. Die Aufklärungsarbeit war mühevoll und gefühlt habe ich mich selber mehr als verwirrt, ich war mir selber nicht mal sicher was überhaupt eine Karriere-Frau ist, ich wollte nur meinen Job gut machen. Der Abgleich meiner Erziehung und meiner studentischen Erfolge weltweit bisher, passte jedoch einfach nicht zum „Welcome“ meiner Kollegen… aber mit Geduld und gegenseitigem Verständnis ging auch dies zu klären… :)

Ein weiteres Mal  und in einer anderen Firma, ebenso einen wichtigen Schritt auf der Karriereleiter weiter höher mit eigenem verantwortungsvollen Aufgabengebiet als Managerin, kam ein etwas älterer männlicher Kunde in mein Büro, welches ich mir mit dem Vertriebsleiter und seiner Sekretärin teile. Hier herrschte grundsätzlich Taubenschlag, ich schaute also höflich von meinem Computer hoch und nickte zur Begrüßung, ich wollte nicht mit jedem Small-talk starten, sonst würde ich mit meiner Arbeit nie fertig werden. Mein Kollege begrüßte den Herrn und sagte, dass seine Sekretärin gerade krank sei – sie müssten sich einen Kaffee selber schnell aus der Küche holen und in das Meeting gehen, das sei hoffentlich kein Problem. Der etwas ältere Herr hatte dann wirklich Schnappatmung bekommen, ist rot angelaufen und hat mit einem MEGA-strengen Blick in meine Richtung geschaut und diesen Satz ausgesprochen, den ich nie vergessen werde: „Sie als Sekretärin können hierbei noch ruhig sitzen bleiben und mich meinen Kaffee selber holen lassen?“ Er war wirklich entsetzt. Mein Kollege hat suverän die Situation geklärt, dass ich eben nicht seine Sekretärin sei uns einander vorgestellt. Hat geholfen. Die Krönung: Beide haben dann mir einen Kaffee mitgebracht :) .

Es zeigt mir: Die Steinzeit lauert auch heute noch überall, gegen unsere einprogrammierten Stereotypen ist einfach spontan kein Kraut gewachsen… Also locker bleiben und miteinander reden, reden und reden. Am Besten beim Kaffee :)

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