Lipstick and Laptop

by Cloe

Als Führungskraft fahre ich einen Dienstwagen. Wahnsinnig bequeme Sache, die Verwaltungs- und Versicherungsangelegenheiten werden einem abgenommen, eine Tankkarte befreit den Geldbeutel und die Einstellung zu Ausflügen lockert sich maßgeblich. Mit der Versteuerung keine ganz billige Sache für einen selbst, aber die Vorteile überwiegen einfach. Früher habe ich mir nie Gedanken um die Bedeutung eines Autos gemacht, habe lange kein Auto gehabt und danach auch meinen ersten Peugeot geliebt bis er ganz alt und kaputt war. Kosten vermeiden war mein Ziel, von A nach B kommen und ich habe die Bedeutung eines Autos insgesamt als eher gering eingeschätzt. Vielleicht auch ein bisschen die Einstellung von vielen Frauen … und so wichtig ist es im Grunde wirklich nicht.

Als Manager muss man sich jedoch so einigen Gesetzen der Macht beugen, um mitspielen zu können. Und dazu gehören so einige Statussymbole, die für jeden Außenstehenden zur Orientierung tatsächlich wichtige Determinanten zur Einklassifizierung sind. Eine Top-Leistung gepaart jedoch mit schlechter Kleidung, schlechten Manieren, das letzte Abstellraum-Zimmer als Büro, mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen – ja es kann Mitarbeiter verwirren und zur Akzeptanz als Boss nicht gerade viel beitragen. Je nach Branche und Unternehmenskultur versteht sich. Eines der klassischen Statussymbole ist jedoch nun mal das Auto, ob man will oder nicht. Mädels, ja – das Auto fällt auf und dient der Orientierung. Beweist auch hier Klasse und Stil innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen. Hier nicht unter Wert verkaufen. Alà Kollege fährt die C-Klasse und mir reicht auch eine A-Klasse (um in der Mercedes-Welt zu bleiben), bedeutet einfach: er wichtiger weil C-Klasse größer als A-Klasse.

Und nun mein eigenes praktisches Erlebnis, wie man ratz-fatz auch beim Thema Auto in einer interessanten Schublade landen kann: Mir ist leider mein Dienstwagen Mercedes GLK 350er in einer Großstadt wegen falsch parken abgeschleppt worden – ich weiss, keine Heldentat, konnte ich aber nicht mehr ändern. Mit Bahn und Bus außerhalb der Stadt zu Polizeitstelle KFZ Aufbewahrung gedackelt – über Feld und Flur mit Shopping-Tüten, Kleidchen, High-Heels und Sonnenbrille gestockelt – ich weiss, auch hier ein witziges Bild abgegeben – dann im Office der Polizei gelandet. Ich ergebe mich schließlich schnell meiner bösen Tat und will wissen, was es mich kosten. Der Herr Polizist mit einem süffisanten Lächeln: „Naja, der dicke GLK da draußen ist ja nicht gerade billig, wenn ihr Vater dementsprechend einen wichtigen Managerposten hat, dann wird es wohl kein Problem sein, die Kosten von ihm bezahlt zu bekommen.“ Ich war so perplex und hab ihn darauf hingewiesen, dass mein Vater bereits seit vielen vielen Jahren keinen Cent mehr für mich bezahlt und mich für diese Aktion eher auslachen würde. Seine Antwort drauf: „Dann zahlt eben ihr Ehemann, oder wem gehört denn jetzt das Auto?“ Jetzt hatte ich es dann auch begriffen, dass die Schublade, in der ich gelandet war, hieß: Frau-die-mit-dem-dicken-Auto-von-Papa-oder-Ehemann-unterwegs-ist-weit-weg-von-der-Vorstellung-die-Frau- kann-ebenfalls einen-guten-Job-haben-und-mit-dem-eigenen-Mercedes-GLK-fahren. Als ich ihn darauf hingewiesen habe, dass ich selber einen guten Job habe und mein eigenes gutes Geld verdiene und dementsprechend mein EIGENES AUTO auch aus meiner EIGENEN KASSE auslösen kann, war wirklich hilflose Funkstille angesagt. Mein Gegenüber versuchte verzweifelt mich aus der warmen und bereits fest geschlossenen Schublade wieder rauszuziehen…. Es war eines seiner größten Kraftakte. Ob er es geschafft, hat – ich weiss es nicht ;) . Auch hier tief durchatmen, lächeln und als Lebensanekdote verbuchen…

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