Lipstick and Laptop

by Helen

Hier, wie gestern angekündigt, der erste Teil meiner Serie über die Frauenquote.

Die unbequeme Wahrheit

Frauen wollen oft nicht. Es ist für mich selbst schwer nachvollziehbar. Seit Kindesbeinen wollte ich das “Full-Package”: Geld, Macht, einen wichtigen Job, “was zu sagen haben”. Meine Freundinnen aus Grundschulzeiten hingegen (alles Einser Kandidatinnen wohl gemerkt), wollen das alle nicht. Einen Job ja, etwas tun, dass sie interessiert auch. Aber Karriere mit allen Vor- aber auch Nachteilen? Das wollen die wenigsten. Ich bezweifele, dass auch nur eine meiner ehemaligen Klassenkameradinnen mit mir tauschen wollen würde. Und ich glaube das geht vielen Frauen so. Macht und Geld, die wie Drogen auf (manche) Männer wirken, haben für Frauen nicht diese unwiderstehliche Anziehungskraft. Das kann man jetzt auf die Biologie schieben (Mann wird attraktiv als Versorger, Frau wird attraktiv, wenn sie schön ist) oder auf die Psyche (Männer spielen mit der Macht, wollen andere besiegen, Frauen wollen lieber kommunizieren und Harmonie). Sind wir ehrlich: sich hartnäckig und beharrlich gegen andere durchzusetzen und den Preis dafür zu zahlen, ist nicht die Stärke, der meisten Frauen. Die Angst sich unbeliebt zu machen, sitzt bei Frauen sehr tief, Frauen wollen gelobt werden, sie wollen diese Anerkennung oft nicht erkämpfen oder einfordern. Fakt ist, weniger Frauen als Männer streben ernsthaft eine Karriere an, bzw. sind bereit, die Nachteile einer Karriere in Kauf zu nehmen. Allerdings auch, weil die Regeln „wie Karriere funktioniert“ von Männern gemacht werden. Als Frau muss man sich wohl oder über in den meisten Branchen der männlichen Übermacht unterordnen. Es ist bequem zu sagen Frauen, wollen oft keine Karriere machen, aber es bleibt auch immer noch die Frage, ob sich daran etwas ändern würde, wenn die Bedingungen unter denen Karriere gemacht wird den weiblichen Stärken mehr entgegen kommen würde. Diese Frage werden wir wohl erst in zwanzig oder dreißig Jahren klären können, wenn so viele Frauen in Unternehmen verankert sind, dass sie die Regeln mitbestimmen können.

Die wenigen Frauen die dennoch mit dem Ziel „Karriere“ ihr Berufsleben beginnen, sind natürlich auch mit gewissen Faktoren konfrontiert, die sich Männern so in dieser Form nicht stellen dürften. Es gibt hier tatsächlich Faktoren, die Frauen in ihrem Weiterkommen benachteiligen. Ob ich das jetzt als gläserne Decke bezeichnen würde, weiß ich nicht.

Mehr zu diesen Faktoren gibt es morgen.

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