Lipstick and Laptop

by Helen

Hier kommt – wie versprochen – der nächste Faktor, der Frauen unter Umständen an einer reibungslose Karriere hindert.

Faktor Förderer:
Diejenigen, die bisher über mein berufliches Weiterkommen “bestimmen” konnten waren Männer zwischen Anfang 40 und Mitte/Ende 50. Oder was man auch gerne als die Nachkriegsgeneration bezeichnet. Diese Menschen sind in den 60ger und 70ger Jahren aufgewachsen (also zu einer Zeit, in der Frau noch die schriftliche Genehmigung ihres Ehemanns brauchte, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Es gab noch die berühmt berüchtigten “ehelichen Pflichten”. Emanzipatorisch war das zwar nicht mehr die frühe Kreidezeit aber doch immer noch das dunkle Mittelalter.) Natürlich gibt es auch unter diesen Männern solche, die die Zusammenarbeit mit Frauen schätzen. Viele von Ihnen haben ja schließlich auch Töchter, denen sie einen guten Job wünschen. Aber im Großen und Ganzen ist es für eine Frau wesentlich schwerer, zu solchen Männern ein berufliches Verhältnis aufzubauen. Selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass der Mann seine tradierten, gesellschaftlich geprägten Verhaltensmuster verlässt und der Mann hellauf begeistert von der jungen Frau wäre, sie für überaus kompetent halten würde und sich zu gern bei einem Mittagessen zu zweit über fachliche Themen austauschen würde, selbst dann würde er es wahrscheinlich nicht so leicht tun, wie mit einem männlichen Kollegen. Das liegt zum einen am sicheren thematischen Terrain: Fußball, Formel 1, etc. Aber auch an einem weiteren brisanten Faktor: Wegen dem Gerede, wegen seiner Ehefrau, wegen solchen Banalitäten. Denn dieser Fall ist heute noch so ungewöhnlich, dass er nicht als “normal” angesehen würde. (Von dem berühmten Bier an der Bar mal ganz abgesehen!) Ein Essen unter gleichaltrigen und gleichgestellten Kollegen unterschiedlichen Geschlechts – ja das geht, kein Problem. Das ist die logische Verlängerung davon, zusammen zur Schule gegangen zu sein oder zusammen studiert zu haben. Nur diese gleichaltrigen Kollegen sind na nicht die für eine Karriere zwingend notwendigen Förderer. Ein älterer Mann und eine jüngere Frau – das führt oft zu Tratsch und Getuschel und welcher seniore Manager geht dieses Risiko ein? Das bedeutet allerdings, dass jungen Frauen oft der Weg zu solchen äußerst wichtigen Netzwerkgesprächen versperrt bleibt.

One Response to “13.September – Frauenquote (Teil3)”

  • Ralph Says:

    Hallo,
    hier muss ich mal einhaken. Ich bin in der angegebenen Altersgruppe männlicher Führungskräfte und für die Be- und auch Förderung von Mitarbeitern beiderlei Geschlechts zuständig. Ich muß hier wiedersprechen, Nachkriegsgedöns (Bewusst abwertend) greift hier nicht mehr. Eher freie Liebe, Drogen und Woodstock. Und die Hürde sich mit jüngeren Mitarbeiterinnen sehen zu lassen ist eher beiderseits, wie von Männerseite aus. Ein Abendessen mit jüngerer Mitarbeiterin kann durchaus mit einer dritten Person entspannt werden. Am Besten mit Zwei Chefs. Ich nehm auch gerne die männlichen Nachwuchskollegen zu zweit in die Zange. Mein Aufruf: Mehr Mut

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