Lipstick and Laptop

by Cloe

Ja, es gibt diese Mitarbeiter, die man einfach nicht versteht. Ich gebe dies hiermit zu. Als Mitarbeiter selber hat man grundsätzlich die Erwartung, dass der Chef einen kennt, Bedürfnisse und Erwartungen ideal im Blick hat und die berufliche Entwicklung in einem bestmöglichem Tempo gepaart mit persönlicher Weiterbildung auf dem Schirm hat. Soweit so gut. Es gibt die Zielvereinbarung, Weiterentwicklungspläne inklusive Schulungspläne, „Standortbestimmungen“ bei Soft- und Hardskills sowie die eigentlich wichtigen persönlichen Gespräche, in denen man herausfindet, was der Mitarbeiter eigentlich will. Idealtypisch stimmt das Level der gewünschten beruflichen Herausforderung des Mitarbeiters mit den verteilten Aufgaben überein. Wenn man halbwegs sozial intelligent ist und etwas Empathie in die Waagschale wirft, kann man soviel gar nicht viel falsch machen, da der Zielrahmen des Unternehmens sowieso gesetzt ist. Dachte ich immer. Aber es gibt auch solche Mitarbeiter, die irgendwie nicht greifbar sind, es vielleicht auch nicht wollen.

Unser Start war schon holprig, er Mann, ich Frau (tut ggf. gar nichts zur Sache). Er bräuchte gar keine Chefin und würde seinen Job autark alleine hinbekommen, wenn er mal einen Sparings-Partner bräuchte, dann würde er auf mich zukommen. „Wie bitte?“ Mutig, dachte ich. Ich fand heraus, dass er eigentlich meine Stelle wollte, aber irgendwie auch nicht. Ein „Hidden-Oponent“ dachte ich und hätte ihn bei der ersten Weiterentwicklungsmaßnahme aus meinem Team entwickelt, um ihm nicht im Wege zu stehen und besonders er mir nicht. Wollte er aber nicht. Er wollte bei mir bleiben. Aber warum zum Teufel? Wir rüttelten uns irgendwie ein. Aber über die Jahre auch nicht wirklich. Der Respekt wuchs, aber das ultimative Verständnis füreinander irgendwie doch nicht. Ich wusste nie, wie ich ihn motivieren konnte, was ihn bewegt oder welche Aufgabe perfekt passen würde. Ich beschreibe ihn mal als „unführbar und einzelgängerisch“. Die gibt es auch. Ich konnte in Erfahrung bringen, dass schon so einige Vorgesetzte ihm übel mitgespielt hatten und er scheinbar das Vertrauen endgültig verloren hatte. Seine Ergebnisse stimmten in der Qualität irgendwie grob, aber angenehm war es nie. Er machte immer nur die Aufgaben, die er wollte. Alle anderen konnte er erfolgreich wegdiskutieren. Letzte Woche ist er durch Restrukturierung in ein anderes Team gewechselt. Ich werde nicht schlau aus ihm. Muss ich vielleicht auch nicht. Ich glaube er hat sich tatsächlich in dem Maximum was geht, bei mir wohlgefühlt. Auch eine Erkenntnis. Das musste jetzt mal raus.

Leave a Reply