Lipstick and Laptop

by Helen

Gestern berichtete ich ja, dass ich bei einem Jugend-Roboter-Wettbewerb in der Jury sass. Übrigens als Jurorin für Technik – einfach damit die Kids mal eine Frau sehen, die sich für sowas begeistern kann (man ist ja auch Vorbild!).

Viele würden mich für verrückt erklären einen freien Tag für so eine freiwillige und unbezahlten Tätigkeit zu opfern und natürlich habe ich nicht gerade Hura geschrieen, als Sonntags morgens der Wecker geklingelt hat. Dennoch hatte ich selten so einen unterhaltsamen und lehrreichen Tag. Unterhaltsam, weil es einfach mal schön war sich mit etwas ganz anderem zu beschäftigen und Kinder auch einfach witzig sind. Lehrreich, weil der ganze Tag zu einer regelrechten Sozialstudie wurde. Es gab Jungs-Gruppen, es gab Jungs-Gruppen mit einem Mädel und es gab gleichmäßig gemischte Gruppen. Und es war absolut faszinierend, dass die Regeln die im Business gelten auch bei den Kids schon so krass ausgeprägt sind.

Ich saß also an meinem kleinen Jury Tischlein und lies mir einen Roboter nach dem nächsten präsentieren und hatte reichlich Zeit, die Gruppendynmik zu beobachten:

Bei den Jungs Gruppen war Radau und Tumult und Durcheinander. Dann nach ca. 2-3 Minuten bildeten sich zwei Sprecher heraus, diese stellten den Roboter und seine Eigenschaften vor und beantworteten die Fragen. Die anderen standen hippelig und nervös drum herum und nickten die beiden “Chefs” an. Die Präsentationen liefen gut – danach war wieder Radau, Tumult und Durcheinander. Am schlimmsten zu beobachten waren mit Abstand die Gruppen mit einem Mädel. Alles lief nach obigem Schema, nur dass das Mädel offensichtlich nie verstand wann sie schweigen mussten. Sie versuchte dann aufgeregt und quietschig ihre Statements zwischenrein zu werfen und die Chefs zu unterbrechen. Oft waren die Sachen, die sie sagte richtig und wichtig – und man merkte immer, dass es ihr nur um das Gelingen der Aktion und den Roboter ging. Dennoch empfand ich es als Aussenstehende als extrem stressig und merkte dass die Gruppe nicht harmonierte – dass sie zum Störfaktor wurde – trotz der Tatsache, dass sie bester Absichten war. Die gemischten Gruppen, mit gleich vielen Jungs und Mädels, hingegen waren meist gut organisiert und hatten eine relativ gleich verteilte Redezeit und eine respektvollen Umgang untereinander.

Ich fand es extrem spannend, dass bereits in diesem Alter die Mechanismen greifen, die auch im im Business Leben beobachte. Und schaudernd wurde mir bewusst, wie oft ich im letzten Jahr, dieses atemlose Mädchen gegeben habe, dass irgendwie versucht hat sich Gehör zu verschaffen und wie die Fremdwahrnehmung auf mich in diesen Fällen vielleicht ausgesehen hat…

Als einzelne Frau in Männergruppen – ich glaube da führt kein Weg an der Anpassung vorbei. Langfristig muss der Weg aber ein anderer sein: die beiden gemischten Gruppen haben nämlich die beiden ersten Plätze abgesahnt ;-) .

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