Lipstick and Laptop

Tipps zum Lebenslauf
by Helen

Tipps zu Bewerbungsschreiben und Lebensläufen gibt es wie Sand am Meer. Auch hier gibt es kein “richtig” oder “falsch” (außer natürlich Rechtschreibfehler, die sind immer falsch). Es handelt sich hier um MEINE Meinung. In meiner alten Tätigkeit musste ich pro Tag etwa fünf bis zehn Bewerbungen sichten. Ich hatte wenig Zeit. Daher beziehen sich meine Tipps hauptsächlich darauf, dass deine Bewerbung unter Umständen nur wenige Minuten angeschaut wird und sich der Adressat der Bewerbung nicht die Mühe macht jedes Detail in der Unterlage “zusammen zu suchen”. Und es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass es deiner Bewerbungsunterlage nicht besser ergeht. Je attraktiver das Unternehmen und die Position, auf die man sich bewirbt, desto eher kann man davon ausgehen, dass man wahrscheinlich nicht der einzige Bewerber ist, der seine Unterlagen dorthin schickt. Man landet also auf einem verdammt großen Stapel von Bewerbungen. Daher findet ihr hier einige Tipps, die es dem potentiellen “Sichter” eurer Unterlage möglichst einfach macht, zu erkennen was für eine klasse Frau du für den Job bist!

1) Muss ich für jede Stelle eine individuelle Bewerbung schreiben oder reicht es einfach nur das Anschreiben anzupassen?
Du musst natürlich gar nichts ;-) . Ich kann allerdings nur empfehlen, jede Bewerbung individuell zu gestalten. Natürlich sollte man ein Grundgerüst für das Anschreiben und den Lebenslauf fertig “in der Schublade” liegen haben. Allerdings sollte man sich überlegen welche Tätigkeiten aus dem Lebenslauf den besten Bezug zu der Stelle haben und diese Tätigkeiten in den Vordergrund rücken, z.B. durch Erwähnung im Anschreiben sowie mehr Platz oder eine Position weiter vorne im Lebenslauf. Besonders bei Frauen ist das natürlich wichtig. Beispiel gefällig: Du bewirbst dich für eine Stelle im Controlling oder Marketing mit einem starken technischen Bezug. Nie würde es jemand zugeben, aber viele Männer werden denken, dass Du für diese Aufgabe nicht so gut geeignet bist, wie ein Mann, da Du von Technik weniger Ahnung hast und deshalb die Produkte nicht so gut verstehen wirst (auch wenn Du nicht in der Entwicklung arbeitest, ist es in vielen Positionen trotzdem notwendig zumindest im groben zu verstehen, was die Firma macht). Daher solltest Du in so einem Fall einen Bezug zur Technik herstellen (wenn Du noch nie in der Branche gearbeitet hast bietet sich wenigstens eine Ferienarbeit in der Produktion oder ein Praktikum an, wenn es das auch nicht gibt, hast du vielleicht zumindest ein Hobby, das zeigt, dass du keine zwei linken Hände hast).

2) Wie ausführlich sollte der Lebenslauf sein?
Ausführlich genug! Also: Ein Lebenslauf auch von einer Berufsanfängerin sollte nie nur aus einer Seite bestehen! Jede auch jemand, der bisher “nur” studiert hatte, sollte auf zwei Seiten über seine ersten 23-25 Jahre auf der Welt berichten können. (Und das ohne die Grundschule zu erwähnen! Was? Du erwähnst die Grundschule in deinem Lebenslauf? Dann husch, husch streich sie raus!). Um dem Leser Zeit zu sparen, sollte dein Lebenslauf ein umfassendes Bild davon vermitteln, was du bisher getrieben hast und was du kannst. Daher sollte zu jeder Tätigkeit zwei, drei oder vier stichpunktehafte Tätigkeiten stehen, was du gemacht hast. Schreibe nie “Praktikum im Marketing” oder “Teamleitung Marketing” ohne weitere Erklärung, sondern lasse noch ein paar Details folgen z.B. – Erstellen von Marketingkonzepten für den Messeauftritt, Entwicklung einer Markenstrategie für Produktgruppe XY, Führung von drei Mitarbeitern im Bereich Unternehmenskommunikation und PR, etc. Und das machst du dann für alle relevanten Tätigkeiten/Erfahrungen und schwups hast du mindestens zwei Seiten zusammen. (Orientierungshilfe: Berufsanfänger sollten bei einer “11er Schriftgröße” auf zwei-drei Seiten, ab 5 Jahren Berufserfahrung auf drei-vier Seiten kommen)

3) Ich habe wirklich noch gar keine Arbeitserfahrungen. Was mache ich jetzt nur?
Glaub mir, jeder hat irgendwelche Erfahrungen. Es kommt – wie so oft im Leben – auf die richtige Verpackung an. Du hast also etwas studiert oder eine Ausbildung gemacht? Das ist doch schon Mal gut! Jede Ausbildung oder jedes Studium hat Schwerpunkte, die je nach Betrieb/Uni/FH unterschiedlich gelegt werden, d.h. diese Schwerpunkte sind bereits zwei oder drei Unterpunkte wert. Beispiel: Du hast Industriekauffrau “gelernt”. Jetzt kannst du entweder schreiben “Ausbildung zur Industriekauffrau” und es der Phantasie des Lesers überlassen, was er sich denkt oder du kannst ihm eine Idee geben (einfach für den Fall, dass er wenig Phantasie hat ;-) ): Nehmen wir an dein Betrieb war in der Lebensmittelbranche tätig: z.B. Organisation von Logistiktransporten mit lückenlosen Kühlketten und kritischen Transportzeiten, Vorbereiten von Vertragsverhandlungen mit Handelsketten und Großhandelsorganisationen, etc. Merke: Gehe niemals davon aus, dass der andere irgendetwas über dich weiss, denn das tut er nicht, er kennt dich bis jetzt nicht. Gerade wie Mädels neigen hier zum Tiefstapeln: Wenn du für etwas verantwortlich warst schreibe nicht “Unterstützung”, sondern zeige durch die Formulierung die Tragweiter deiner Verantwortung auch wenn du nicht in jeder Position “Chef” warst.
Weitere Themen, die du nicht unter den Tisch fallen lassen solltest, wenn du bisher keine oder wenig “richtige” Berufserfahrung hast: Auslandsschuljahre, Studienprojekte (d.h. Kurse im Studium, die projekthaft gestaltet waren und bei denen ein konkretes Endergebnis mehr oder weniger in Eigenregie entwickelt werden musste), Arbeit auf Messen oder Ferienjobs, außerschulisch Aktivitäten wie Engagement in Vereinen oder Verbänden, Mitarbeit im Asta, studentische Unternehmensberatungen, etc. Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, hast du wenigstens ein interessantes Hobby? Finde wenigstens drei Dinge, die du ausführlich mit Unterpunkten darstellen kannst. Das schafft jede ;-) !

4) Wie schreibe ich ein gutes Anschreiben?
Egal wie schwer es auch ist, lasse die Finger von vorformulierten Anschreiben. Das will wirklich keiner lesen. Versuche beim Schreiben authentisch zu sein, ohne übertrieben aufzufallen (ui das klingt jetzt total generisch). D.h. wenn du die Stelle bei Monster im Internet gefunden hast schreibe nicht: Bezugnehmend auf Ihre Stellenanzeige auf www.monster.de vom soundsovielten, möchte ich mich heute bewerben. Sondern schreibe etwas das knackiger formuliert ist und deine Motivation ausdrückt: Während meiner Stellensuche ist mir Ihre Stelle auf www.monster.de sofort positiv ins Auge gefallen: Sie suchen nach einer Mischung aus Kreativität und unternehmerischen Handeln und ich würde mich sehr freuen, diese beiden Eigenschaften in Ihr Unternehmen einzubringen. Gleiches gilt für die Argumentation warum du auf die Stelle passt. Sei individuell und drücke deine Meinung aus: Trotz des starken Controlling Hintergrunds, den ich mitbringe, habe ich mich für technische Themen aus dem Bereich Elektrotechnik interessiert, so dass ich in meinem Praktikum xxx auch in der Produktionsvorbereitung tätig war, wo ich die Bestückung von Leiterplattten vorbereitete. Der Trick dabei ist allerdings, dass man sich – wenn es zum Vorstellungsgespräch kommt – dann auch inhaltlich auf diese Themen vorbereiten muss. Denn die Authenzität ist futsch, wenn man etwas schreibt, danach aber nichts dazu sagen kann.

5) Gehaltswunsch: Reinschreiben oder nicht?
Der Gehaltswunsch ist immer ein kritisches Thema. Wieviel Gehalt du verlangen kannst, hängt ja nicht nur von dir ab, bzw. was du “wert” bist, sondern auch davon wieviel Verantwortung, die Stelle mich sich bringt, welche Pflichten man hat, etc. Das heisst man muss auch ein Gefühl dafür bekommen, was die Stelle als solches dem potentiellen Arbeitgeber “wert” ist. Man kann “Leiterin Marketing” ohne Mitarbeiterverantwortung sein und einem kleinen Budget, um externe Grafiker zu beauftragen. Man kann “Leiterin Marketing” sein, mit 30 Mitarbeitern und einem Millionenbudget um Werbe- und Kommunikationsagenturen, Messebauer und andere zu beauftragen. Daher sollte man keinen Gehaltswunsch angeben, wenn man die Tragweite der Stelle noch nicht erfasst hat. Und normalerweise kann man die Tragweite der Stelle erst erfassen, wenn man schon mindestens ein persönliches Gespräch mit der Firma geführt hat (in diesem Gespräch sollte man selbstverständlich all das nachfragen, wenn es nicht sowieso erwähnt wird). Die einzige Ausnahme ist, wenn explizit verlangt wird, dass man seine Gehaltsvorstellung angeben soll. Dann sollte man aus einer Kombination seines aktuellen Gehalts plus der abgeschätzten Verantwortung für die Stelle einen Wert ermitteln. Und liebe Mädels: Bitte lieber ein bisschen mehr als zu wenig! (Statistiken zeigen wir Frauen sind sowieso zumeist bescheidener als unsere männlichen Kollegen – “Bescheidenheit ist eine Zier doch es geht auch ohne ihr…..”) Runterhandeln lassen ist leichter als mehr verlangen. Selbiges gilt für Bonbos wie Firmenwagen, Geld für Umzüge, teure Weiterbildungen, etc. (also all das was zu einem Mangerinnen Gehaltspaket dazugehört!

Du hast es ins Vorstellungsgespräch geschafft? Dann lies hier weiter!