Lipstick and Laptop

by Liz

In meinem Job bin ich erfolgreich. Mein Weg bisher war weder leicht noch bin ich besonders privilegiert. Harte Arbeit, Fleiß, Durchhaltevermögen und der starke Wille, einmal besser dazustehen, als die eigenen Eltern – das ist es, was mich stets angetrieben hat.
Während dem Studium, der zahleichen Praktika und Auslandsaufenthalten, hatte ich stets die Unterstützung meiner Familie und Freunde. Das änderte sich langsam und zunächst fast unmerklich mit dem ersten festen Job. Lange Arbeitstage, weniger Zeit für Freunde und Familie – das stieß auf Unverständnis, wurde langfristig aber so hingenommen, man arrangiert sich eben, passt sich an.

Dann bin ich die Karriereleiter eine Stufe empor gestiegen – nicht weit hinauf, einfach nur auf die nächste Stufe, Teamleitung mit Personalverantwortung. Und plötzlich wurde das eigene, engste, persönliche Umfeld zur Krabbenkorb-Nummer. Zweifel, Ängste, Sorgen prägten die Konversationen mit meinen Freunden und meiner Familie: „Hast du dich nicht überschätzt?“, „bist du sicher, du packst das?“, „ist das nicht eine Nummer zu groß für dich?“.
Und diese Fragen, ja diese ganz offenkundigen Zweifel wurden nicht von „neidischen Kollegen“ ausgesprochen, sondern von Freunden und von der eigenen Familie. Das hat mich erst einmal umgehauen. Zugegeben habe ich das niemals! Nach außen war ich immer selbstbewusst und habe mich nicht irritieren lassen, bin meinen Weg gerade und mit starken Schritten voran gegangen. Aber abends, alleine im Bett liegend, sind mir diese Worte wieder durch den Kopf gegangen. Wieder und wieder… Sollte ich die Zweifel und Bedenken ernst nehmen? War da was dran? Meine Familie kennt mich am besten, sie wollen immer nur mein Bestes! Sollte ich ihre Sorgen ernst nehmen? Übertreibe ich es vielleicht? Überschätze ich mich? Gedanken über Gedanken in meinem stillen Kämmerlein… Gedanken, von denen keiner etwas wusste, von denen keiner wissen sollte.

Eigentlich war ich doch stolz, ich hatte mein erstes Etappenziel erreicht, ich war die Führungskraft geworden, die ich immer werden wollte. Klar, die ersten Monate waren kein Kinderspiel. Das weiß jeder! Neue Strukturen, neue Vorgesetzte, neue Kollegen, andere Prozesse, andere Unternehmenskultur… So vieles, auf das man sich einstellen muss. Dazu kommt der Druck, den man sich selber macht, denn immerhin will man beweisen, dass man verdienterweise diesen Job bekommen hat, dass man „die Richtige“ ist. Klar gab es da viele Tage, an denen ich abends vollkommen fix und fertig einfach nur regungslos auf der Couch lag. Was sage ich da, Tage!?? Eher Wochen und Monate…

Um zum eigentlichen Punkt zurück zu kommen: Hier ging die Krabbenkorb-Nummer erst richtig los. Meine Familie hat mich besorgt angesehen, „Liz, Du hast dich verändert. Der Job ist zu viel für dich, du hast dich doch überschätzt. Das mit der Führungsposition war vielleicht doch nicht das Richtige!?“. Der Sog zurück in den Krabbenkorb wurde stärker und ich versuchte mit Mühe und Not, mich oben am Korb-Rand zu halten, mich nicht hinunter ziehen zu lassen.

Wie kommt man aus dieser massiven Krabbenkorb-Nummer raus? Diese Frage habe ich mir wieder und wieder gestellt, fast verzweifelt bin ich daran… Letztendlich habe ich mich verstärkt mit den Freunden getroffen und ausgetauscht, die die gleichen Ambitionen und das gleiche Potential hatten wir ich. Wir haben uns regelmäßig getroffen, ausgetauscht, um Rat gebeten und uns auch einfach mal nur ausgekotzt. Das war’s! Mehr brauchte es nicht!

Stark, selbstbewusst und zielgerichtet war ich schon immer. Was gefehlt hatte, waren Menschen an meiner Seite, die meine Ziele und Ambitionen nachvollziehen und verstehen konnten, die diesen Weg teilten und ihn selber gehen wollten. Sie haben mich in meinem Weg bestätigt, haben mich bekräftigt und haben mir Mut gemacht, diesen Weg weiter zu gehen. Wir haben festgestellt, dass wir alle die gleichen oder ähnlichen „Probleme“ hatten, – auch mit meiner Familien-Krabbenkorb-Nummer stand ich nicht alleine da! Sie haben mir gezeigt, dass ich nicht alleine bin und dass ich alles schaffen kann, wenn ich es nur wirklich will.

Danke Helen und Cloe – ihr beide gehört genau zu diesem Kreis. Ohne Euch, hätte ich zwischendurch vielleicht aufgegeben. Now up to the next level!!! :)