Lipstick and Laptop

by Helen


Das Neue Jahr hat angefangen und ist auch nach drei Arbeitstagen für mich schon wieder voll im Gange. Und wie jedes Jahr am Jahresanfang stehen die Mitarbeitergespräche an. Hier im Großkonzern haben wir natürlich für alles Deckel. Deckel für Gehaltserhöhungen, Deckel für Schulungen, Deckel für Weiterentwicklungen. Und damit wird gefeilscht. Wir schlagen uns also die Köpfe ein, wer seinen Mitarbeiter auf eine Schulung schicken darf, wer Geld verteilen darf und wer einen Mitarbeiter eine Stufe „höher schalten“ darf auf der Treppe der Weiterentwicklung zur Führungskraft. Ein zentraler Bestandteil davon ist bei uns auf das konzerneigene Assessment Center geschickt zu werden. Oder eben nicht. Ohne AC keine Weiterentwicklung und wieder Warten für ein Jahr. In unserem Bereich haben wir viele junge, talentierte Mitarbeiter, die Potenzial haben in naher Zukunft gute Führungskräfte abzugeben. Umso mehr balgen sich meine Kollegen um die begehrten und gedeckelten Plätze für das AC. Und dabei ertappe ich meine (ausschließlich männlichen) Kollegen immer wieder bei folgender Argumentation. Wer möglichst klar, hart und verbindlich zeigt und verbal kommuniziert: „ich will jetzt aufs AC“ hat wesentlich bessere Chancen, als jemand der einfach hervorragend seinen Job macht, aber vielleicht nicht das Rückrad hat, dies ständig zu kommunizieren. Folglich fiel dieses Jahr eine Kollegin hinten runter mit dem Argument: „Sie hat doch gesagt, es wäre ok für sie noch ein Jahr zu warten“. Die Frau macht einen top Job, leitet ein Strategieprojekt, arbeitet bis mitten in die Nacht, zeigt Führungsqualitäten. Aber sie wird niemals hier über den Flur laufen und laut verkünden: „Ich will jetzt aufs AC“. Wie viele Frauen wartet sie wahrscheinlich drauf, dass sie gefragt wird, dass jemand kommt der ihr Talent entdeckt und belohnt. Nur so tickt das System einfach nicht. Ich habe versucht das meinen Kollegen deutlich zu machen, dass eine Frau eher nicht dazu tendiert zu sagen: „Ich will jetzt, sonst schmeiss ich euch hier den Laden hin.“ Ich habe sie gebeten zu verstehen, dass weibliche Kommunikationsmuster anderer seien. Daraufhin argumentierten meine Kollegen, dass sie es ja dann scheinbar nicht genug wollen kann, dass sie ja dann wohl nicht genug brennen würde eine Führungsaufgabe zu übernehmen. Sie vom Gegenteil zu überzeugen, fiel mir mehr als schwer und erwies sich an der ein oder anderen Stelle sogar als erfolglos. Also Mädels – nicht warten, bis ihr gefragt werdet. Eure Chefs sind froh um jedes Jahr, dass ihr ihnen mit eurer Bescheidenheit schenkt. Aber das Jahr gibt euch nachher keine zurück.

by Helen

Es war einmal ein Großkonzern, der hatte ganz ganz wenige weibliche Führungskräfte. Dieser Großkonzern operierte in einem Land namens Deutschland. Und weil die Regierung es sehr ungerecht fand, dass viele Frauen trotz gleicher Qualifikation immer noch zu wenig verdienen und weniger Karriereoptionen haben, drohte dieses Land den Großkonzernen damit, dass es ein Gesetz geben würde, dass sie zwingt Frauen zu fördern.

Und weil der Großkonzern sehr viel Angst vor diesem Gesetz hatte, fing er also an Frauen zu fördern. Zum Beispiel in dem er jeden, der eine Stellen zu besetzen hatte zwang, nachzuweisen, dass er auch geprüft hatte, ob nicht eine Frau für die Position in Frage kommen würde. In diesem Konzern gab es nun einen Chef, der eine neue Stelle besetzen wollte. Sein bestern Kumpel aus dem Studium/ein Kollege aus dem Fußballverein/ein langjähriger Mitarbeiter, der mit dem Chef bereits bestens vertraut war, hatte Interesse an der Stelle bekundet. Natürlich war es für diesen Chef gesetzt, dass die Stelle mit diesem Kumpel/Kollegen/Mitarbeiter besetzt werden müsste. Dennoch musste er nun prüfen, dass es keine Frau in der ganzen Firma gibt, die diesen Job erfüllen könnte. Er hatte Glück keine Frau hatte sich auf die Stelle beworben (sie war ja auch nicht ausgeschrieben gewesen). Da tauchte plötzlich eine böse Fee auf und legte ihm eine Liste mit qualifizierten weiblichen Kandidatinnen vor, die er bitte prüfen sollte. Außerdem zwang die Fee ihn die Stelle auszuschreiben, damit sich jeder und jede, die sich bewerben wollte auch bewerben konnte. Der Chef stimmte widerwillig zu, er war sehr zerknirscht, denn nun musste er bei jedem Kandidaten der formal geeinget war begründen, warum der Kollege/Kumpel/Mitarbeiter viel, viel besser für die Stelle geeignet wäre. Aber der Chef war nicht dumm. Wenn er geeignete Kandidaten und Kandidatinnen davon abhalten könnte, sich überhaupt erst auf die Stelle zu bewerben, müsste er nicht begründen, dass er die Person nicht nimmt. Und so telefonierte er die Liste mit potenziellen Kandidaten ab und erklärte den Menschen auf dieser Liste nach fünf minütigen Gesprächen, dass er bereits in der Kürze der Zeit vollumfänglich verstanden hätte, was die Person als Qualifikationen mitbringt und dass diese Qualifikationen niemals ausreichen würden, um diese Stelle zu besetzen. Eine schriftliche Bewerbung wäre ganz und gar aussichtslos und geradezu abwegig. Und es funktionierte, keiner bewarb sich auf die besagte Stelle und der Chef konnte weiterhin den Kollegen/Kumpel/Mitarbeiter befördern, den er von Anfang an ausgewählt hatte.

Und die Moral von der Geschicht:

Gegen Geklüngel und Vetternwirtschaft hilft auch beste Absicht nicht.

by Helen

Liebe Cloe,

deine ganzen Artikel rund um die Kündigung lassen mich ganz unruhig werden. Ich bewundere ja wirklich deinen mutigen Schritt – nicht nur endlich “Tschüss” zu sagen, sondern auch wie du jetzt mit den ganzen Folgen umgehst. Du lässt es meistens leicht und lustig klingen und wie ich dich kenne ist es das sicher oft auch.
Aber mir juckt es in den Fingern – soll ich jetzt deinem Beispiel folgen oder doch noch auf die nächste Beförderung in meinem Großkonzern warten. Im Moment ist es zum Mäusemelken. Ich springe im Quadrat, habe zwei Riesenprojekte an den Backe und bin non-stop für meine Chefs im Einsatz. Konkrete Karriereweiterentwicklung mit verlässlichen nächsten Schritten oder Zwischenfeedbacks: Fehlanzeige. Man muss sich von Jahresgespräch zu Jahresgespräch hangeln und hoffen, dass man nach 12 Monaten “Invest” auch eine Auszahlung bekommt. Bald ist es wieder so weit, die große Jahresabrechnung naht. Und irgendwie stellt sich bei mir so langsam das Gefühl ein dass ich nicht nochmal 12 Monate auf ein Konto einbezahlen möchte, von dem ich unter Umständen nachher gar nichts abheben kann.

Denn da draußen lockt mich die große Welt, nicht nur aber auch durch deinen großen Schritt. Ich wünsche dir weiterhin viel Glück!

LG deine Helen (sehr nachdenklich heute…)

by Cloe

Im vorherigen Blog habe ich euch erzählt, dass ich mehr für mich, meine Seele, meine Gefühle und auch Handlungsmuster tun möchte, um ein besserer Mensch mit mir und meinem Umfeld zu werden. Und auch eine bessere Führungskraft. In Gedanken bin ich oft bei meinen 30 Mitarbeitern, für die ich eine Respektsperson bin. Eine Person, die über ihr Geld und Ansehen in der Firma kräftig mitbestimmt. Diese Machtposition macht sie abhängig von mir. Von mir und meinen Handlungen.

Das Seminar hat mich einmal von links nach rechts gekrempelt. Aber so richtig. Ich bin jetzt noch ganz von meinen Eindrücken geflashed und persönlich gespannt, wie ich das Erlernte anwenden werde. Seminare sind so etwas für sich. Wenn man sich auf die Inhalte nicht einlässt, dann bringt es auch nichts. Wenn man alles gleich wieder vergisst und im Alltag nicht benutzt, verblasst das Wissen schnell wieder. Ich habe mir vorgenommen letzteres diesmal unter allen Umständen zu vermeiden. Die fachliche Qualifizierung rutscht in meinem Leben eindeutig in den Hintergrund. An mir selber arbeiten hat nun Prio. So habe ich im Seminar all meine Konzentration und Offenheit genutzt, mich auf jede Übung einzulassen. Und das mit den Gefühlen ist wirklich keine so einfache Sache…

Was habe ich gelernt? Ehrlich? – Oh mein Gott, ich hätte nie gedacht, dass die Transparenz über das eigene Handeln so aufschlussreich sein kann. So schockierend aber auch so unglaublich erleichternd ist es die Dinge beim Namen nennen zu können. Der Weg in die eigene Kindheit und zurück – zu den antrainierten Handlungsstrategien aus einer jungen und verletzlichen Zeit, das war spannend. Es war keine “Musik von vorne”, keine nur Zuhören und Beschallt-werden Vorträge wie es so oft in schlechten Seminaren ist, es war vielmehr eine eigene erfahrungsorientierte Reise mit mir selbst. Die Wirkung ist unglaublich, es bleibt viel mehr hängen. Was mich noch verwundert hat: es war egal in welchem Job du arbeitest, wie dein familiäres Umfeld ist, es ging allein darum, dass deine emotionale Prägung aus der Kindheit dein heutiges Leben beeinflusst. Überall. Und damit auch meinen Job und meine Führung.

Was konkret? Ich habe z.B. gelernt, warum und vor allem wann ich Kontrolle ausübe. Ich glaube damit mehr Sicherheit zu erlangen, aber mein Umfeld unter Umständen damit einenge. Wie ich unbewusst zu viel Macht ausübe, die nicht nötig ist. Ich habe die Alternative dazu gelernt und sie ist viel befreiender und schöner. Auf der anderen Seite habe ich habe gelernt, dass ich mich schnell abgelehnt fühle, dass ich in diesem Zusammenhang glaube nur dazuzugehören, wenn ich viel leiste. Ich habe gelernt mich und meine Leistung viel mehr zu schätzen und vor allem mich selber zu akzeptieren. Ich habe zudem auch gelernt, dass exakt genauso wie ich niemand anders fühlt, dass jeder sein eignes Päckchen an Handlungsstrategien im Alltag mit sich herumträgt. Andere Ängste und Gefühle mit ein und den selben Dingen erlebt.

Daraus ergibt sich für mich ein neues Selbstbewusstsein mit mir und meinen Mitarbeitern umzugehen. Für mich heißt es daher in meiner allergrößten Erkenntnis zunächst: verspüre ich ungewöhnlich Druck, oder Verzweiflung, sollte ich meine Muster und Handlungen überdenken, warum dies so geschieht und ob es nicht ausschließlich nur mit mir und meinen Ängsten zu tun hat. Das kümmern um mich selbst die Lösung ist. Nicht unbedingt die Probleme und Schuld bei anderen zu suchen sind. Ich sehe meine Mitarbeiter in einem völlig anderen Licht, haben doch auch sie ihre eigenen Ängste und Handlungsmuster, die sie anwenden, um in einem vermeintlich sicheren Rahmen zu handeln. Das muss ich ihnen auch eingestehen und nicht dagegen ankämpfen. Kaum jemand meint die Dinge persönlich gegen jemand anderen, dienen die eigenen Handlungen doch immer nur dem Selbstschutz. So beeinflussen wir uns täglich gegenseitig mit viel Anstrengung.

Mein Fazit: Achtsam mit mir selbst und meinen Mitarbeitern umgehen. Erkennen, ob es wirklich ein Problem gibt. Und final erkennen, ob es auch wirklich mein Problem ist. Die Methoden, die ich an die Hand bekommen habe, werde ich fleißig üben. Es entsteht eine entkrampfte Situation. Mehr innere Freiheit und weniger Zwänge. Und das kann ich auch auf meine Mitarbeiter übertragen.

by Cloe

Ich hatte schon furchtbare Chefs gehabt. Und tolle Chefs. Unter den Furchtbaren landen so einige: mal die Cholerischen, die Kalten „ich mag keine Menschen“ Chefs, die sozial völlig inkompetenten oder die, die mit Absicht Angst verbreiten. Aber auch die Lieben, eigentlich Netten, denen man leider dabei zuschauen muss, wie sie vor lauter „Ich beschütze meine Mitarbeiter und stehe vor ihnen“, in den eigenen Burnout laufen oder falsche Entscheidungen treffen, nur um es den Mitarbeitern vermeintlich Recht zu machen.

Als Führungskraft stelle ich mir immer die Frage: wozu gehöre ich eigentlich? Wie führe ich? Vertraue ich meinen Mitarbeitern das richtige Maß Verantwortung an oder überlasse ich Ihnen ihr Schicksal und tue womöglich zu wenig? Wo muss ich Sie beschützen und wo schränke ich Ihre Bewegungsfreiheit ein? Wo habe ich Verständnis und wo drücke ich Ihnen meine Meinung auf? Handele ich doch nach Gefühl und meiner eigenen Haltung zu Menschen, Überzeugungen und Werten. Ich möchte meinen Mitarbeitern einen Rahmen geben können, der sie glücklich und erfolgreich arbeiten lässt.

In der letzten Zeit habe ich mir viel über mich Gedanken gemacht. Und mir wurde plötzlich bewusst: ich führe auch nach meinen Ängsten. Nach meinen Befürchtungen. Nach meinen persönlichen Zielen. Nach erlebten Erfolgen und Misserfolgen meiner Vergangenheit. Nach meinem persönlich Erlernten und für richtig befundenen Handlungsmuster. Und nach meinem Wunsch Menschen zu helfen. Und nach meinem Selbstschutz nicht in den Burnout zu rutschen. Und nach meinem Wunsch über Leistung geliebt zu werden. Und nach meinem Wunsch, dass alles perfekt laufen muss. Und, und, und… Meine Erkenntnis ist hart: meine armen Mitarbeiter. Die sind mir und meinen Handlungen und Überzeugungen ein großes Stück ausgeliefert. Habe ich doch die Pflicht meine „Schutzbefohlenen“ positiv zu entwickeln. Meine 2. Erkenntnis: dafür muss ich mich selber sehr gut kennen und in Relation setzen können. Was ist allgemein gültig richtig und falsch und was erachte ich persönlich für richtig oder falsch im Umgang mit Menschen. Und weicht es voneinander ab?

Das letzte Jahr war hart, ich bin an so ziemlich viele Grenzen gekommen. Eher mit mir selbst. Keine fachlichen. „Everybody’s Darling is everybody’s Arschloch“ fiel mir in letzter Zeit immer wieder ein, besonders als Frau in einer konservativen Welt, umgeben von fast ausschließlich männlichen Führungskräften. Daher habe ich beschlossen ein Seminar zu besuchen, was mich tiefer in das Verständnis meiner eigenen Persönlichkeit bringt. Mir privat wie auch berufliche einige Fragen beantworten kann. Beruflich wären es Folgende: wie kann ich meine Mitarbeiter mit dem nötigen Abstand aber mit der gebrauchten Nähe führen, die zu mir und ihnen passt. Welche Handlungen sind korrekt, bei welchen tue ich unbewusst mir und meinen Mitarbeitern, Vorgesetzten und Kollegen Leid oder Begeisterung an? Und warum? Wo stelle ich mein Licht unter den Scheffel und begrenze mich selber? Warum fühle ich mich in bestimmten Situationen völlig hilflos und unter Druck gesetzt und meine Kollegin sieht in der selben Situation nicht annähernd ein kleines Problemchen? Ich habe das passende Seminar für mich gefunden und gebucht. Ich bin gespannt auf meine Erkenntnisse und halte euch auf dem Laufenden!

by Liz

Ich frage mich schon manchmal, wie ich als Führungskraft auf mein Team oder andere Kollegen im Haus wirke. Nur finde ich es schwierig, diese Frage offen zu stellen – vor allem wann, zu welchem Anlass macht man das? In der Regel versuche ich das im Personalgespräch ein wenig heraus zu finden. Da geht es um Stärken, Schwächen, Dinge die gut laufen und weniger gut. In diesem Zusammenhang gebe ich Feedback und fordere zum Feedback auf – das klappt an sich ganz gut.

Viel interessanter finde ich aber die spontanen, unüberlegten Reaktionen. Das ist viel authentischer und kommt direkt aus dem Bauch herausgeschossen. So auch letztens bei einem Abendevent. Nachdem das Geschäftliche besprochen war, wurden die Themen weicher und privater. Ich war dann so frei und habe in die Runde gefragt, ob jemand Erfahrungen mit weiblichen Führungskräften oder Vorgesetzten gemacht hat und wenn ja, wie sie es empfunden haben. Ein Herr meinte sofort „Oh ja ich. Sowas von Stutenbissig, zickig und launisch – das war ganz schlimm. Bei der Frau wusste man nie woran man ist. Zudem war sie total „bossy“.“ Ganz ähnlich war die Reaktion bei den zwei anderen Männern in der Runde. Vor allem launisch seien die Damen gewesen und so gar nicht weiblich. Natürlich fragte ich da etwas näher nach, was denn mit „nicht weiblich“ gemeint war. Sie seien so verkrampft gewesen und hätten sich oft wie Männer verhalten – das habe einfach nicht authentisch gewirkt.

Wird Frau so, weil sie sich ständig gegen Männer behaupten muss? Ist das vielleicht das Ergebnis eines nicht sichtbaren Machtkampfs? Ich denke, gerade Frauen in „Machtpositionen“ haben eine riesige Chance, etwas zu bewegen und zu verändern. Eben weil wir Frauen sind! Wir haben die emotionale Intelligenz praktisch gepachtet. Wir können mit unserem Charme und Feingefühl jedes Thema und jede Krise meistern. Allerdings sollte sich keiner dabei verstellen müssen. Sobald man in eine Rolle schlüpft, läuft irgendwas falsch. Authentisch sein, Stil und Klasse zeigen, wertschätzend miteinander umgehen, aber durchaus hart in der Sache sein – ich glaube das ist der richtige Mix und führt zum Erfolg. Was meint ihr?

by Helen

Ich habe einen neuen Chef. Und das schon seit vier Wochen. Also offiziell und so weiter bin ich ab ersten April bei ihm, aber inoffiziell wissen alle Beteiligten schon seit Wochen über die neue Organisation bescheid. Und mal wieder klafft Wunsch und Wirklichkeit maßgeblich auseinander. Denn ich gehe mal wieder von mir aus. Wenn ich mehr oder weniger wie die Jungfrau zum Kind zu sieben neuen Mitarbeitern (von deren Unterbau ganz zu schweigen – in Summe fast 60 Mitarbeiter) gekommen wäre, würde ich mich anders verhalten. Ich würde mich mal vorstellen und wenigstens Hallo sagen. Oder ein informelles Mittagessen abhalten – einfach schon mal die Zehen ins Wasser halten, wer da so auf mich zu kommt. Und was für Erwartungen da vielleicht rumschwirren oder auch Widerstand. Aber der Neue ist bisher ein Phantom. Bin sehr gespannt, denn in zwei Wochen steht der offizielle Wechsel bevor. Ob sich bis dahin noch was tut? Bin ich das jetzt pingelig, dass ich das unhöflich finde? Oder brauche ich als Frau zu viel Aufmerksamkeit? Fragen über Fragen!

by Helen

Manche Dinge kann man nur mit Humor nehmen. Ich arbeite ja seit letztem Jahr in einem Rationalisierungsprojekt. Alles lief sehr gut. Mein Chef, der der offizielle Vertreter war, lies mir vollkommen freie Hand. Solange ich Ihn einmal alle zwei Wochen in einem kurzen Briefing abholte, war alles bestens. Mitte letzten Jahres, änderte sich dies dann. Wir bekamen einen „Neuen“ in den Bereich. Da er ohne Team und Aufgaben „plötzlich“ auftauchte, war klar – er kriegt die Sonderprojekte um den Hals. Und so bekam ich – neben meinem Linienvorgesetzten – noch einen Projekt-Chef. Natürlich wollte ich gut mit ihm zusammenarbeiten. Aber lange Rede kurzer Sinn – es stellte sich sehr schnell heraus, dass er eine ungesunde Mischung aus Kontrollsucht und Inkompetenz darstellte, die mich (und auch alle anderen drum herum) sehr schnell in den Wahnsinn trieb. Mittlerweile kam auch heraus, dass er nicht „plötzlich“ aufgetaucht war, sondern aus seiner letzten Aufgaben hinausgeflogen war. Ich brauche nicht viel Phantasie um mir vorzustellen warum. Ein halbes Jahr lang quälte er mich mit unnötigen ad hoc Aufträgen, Anzweifeln meiner Kompetenz bei gleichzeitigem verkaufen meiner Arbeitsergebnisse als seine eigenen, etc., etc. Daneben ist er so ein unangenehmer Typ, dass die Zusammenarbeit wirklich eine Qual ist. Und das schlimmste – er merkt es nicht mal. Feedback gegenüber ist er völlig resistent und die Schuld liegt immer bei den anderen.

Ich habe es mit Aussprachen und Neustarts versucht. Das einzige was wirklich fruchtete war eine Reko einzustellen. Das hat zwar meinen Fluchtinstinkten widersprochen, hat aber irgendwie wenigstens die gröbsten Ad Hoc Termine eingedämmt. Gut wurde die Zusammenarbeit trotzdem nicht. Heute war es wieder soweit und er wollte mal wieder einen komplett unnötigen Termin mit mir. Gott sei Dank hatte ich bereits einen vollen Kalender – allerdings mit einer freien halben Stunde nach dem Mittagessen. Trotzdem lehnte ich seinen Termin ab. Ich saß also nach dem Essen an meinem Platz, als ich ihn aus dem Augenwinkel an mir vorbeilaufen sah. Ich wusste er würde binnen Sekunden meine Ablehnung sehen und zurückkommen. Manchmal hilft halt nur noch Flucht. Hektisch warf ich Laptop und Co. In meine Tasche und hetzten zu den entgegengesetzten Aufzügen. Ich kam mir richtig Actionheldin-mäßig vor. Und konnte nur noch über die Situation lachen. Ging dann über Umwege zu meinem nächsten Meeting und richtete mich dort in der Kaffeeküche eines fremden Bereiches gemütlich ein – alles besser, als beim Terminschwänzen ertappt zu werden. Er versuchte dann noch über unterdrückte Nummer zu erreichen – aber das ist ja ein Anfängerfehler ;-) . Wow – mal wieder ein Problem, das ist total erwachsen und souverän gelöst habe….

by Cloe

Gross werden ist schwer… Man sagt, die steilste Lernkurve erleben wir innerhalb der ersten 3 Lebensjahre: die Eltern und Umgebung erkennen können, krabbeln, laufen lernen, vernünftig sprechen lernen, fehlerfrei wichtige Abläufe auf die Reihe bekommen und nebenher körperlich wachsen. Das und vieles andere ist innerhalb der ersten Jahre eine absolute Höchstleistung. Eltern können das bestätigen, ihr Kind lernt schnell, aber eben auch in Begleitung mit den damit verbundendenden Emotionen des Frusts, Scheiterns – seine Begrenztheit spüren – aber auch Erfolgserlebnisse erleben und Fortschritte erkennen. Kleinkinder stehen jeden Tag vor enormen Herausforderungen. „Try and Error“ ist an der Tagesordnung und man hat keine Gebrauchsanweisung an der Hand. Das muss über eine gute Beobachtungsgabe und schnelle Erfahrungsverarbeitung laufen und natürlich mit Hilfe einer guten Begleitung der Eltern.

Klingt komisch, aber so ähnlich habe ich mich in meinem ersten Jahr als Führungskraft gefühlt. Ein verwirrender Vergleich, aber genauso war es, ich war regelmäßig verwirrt und schwer damit beschäftigt meine Eindrücke zu verarbeiten. Es war nicht immer leicht, so emotional. Man hat jahrelang eine super Leistung als Fachkraft hingelegt und wechselt die Rolle nun vollständig. Man fängt irgendwie von vorne an und es stehen keine „Eltern“ hinter einem. Im optimalen Fall hat man einen Chef, der sich noch an sein erstes Jahr als Führungskraft erinnert und Hilfestellung leistet. Oder auch nicht. Meiner hat mir leider das Leben eher schwer gemacht, naja, ich will ja nicht jammern ;) . Die Mitarbeiter schmeißen einen aus ihren „Reihen“ – man gehört nicht mehr dazu. So wie man es ja auch gewollt hat. Die Seiten sind gewechselt. Vom Kollege zum Vorgesetzten bedeutet eine völlig neue Rolle annehmen, die man kaum erlernen kann, auch wenn man ein Ratgeberbuch liest. Hier hat man es mit Menschen zu tun, die Erfahrung muss man machen. Wie führt man und wie kann man die Bedürfnisse der Mitarbeiter mit den Zielen der Unternehmung und den eigenen Wünschen Matchen? Ich habe mich gefühlt wie auf einem Hochseildraht, ohne Netz und Boden. Doch wenn das erste Jahr mal überstanden ist, dann wiederholt sich alles und es wird leichter. Eine gute Beobachtungsgabe und eine schnelle Erfahrungsverarbeitung hilft – es fängt an sich zu lohnen und Spaß zu machen. Mein Rat: Dranbleiben und nicht aufgeben! Und ein paar Fettnäpfchen sind auch als Führungskraft erlaubt… ;)

by Cloe

Ja, es gibt diese Mitarbeiter, die man einfach nicht versteht. Ich gebe dies hiermit zu. Als Mitarbeiter selber hat man grundsätzlich die Erwartung, dass der Chef einen kennt, Bedürfnisse und Erwartungen ideal im Blick hat und die berufliche Entwicklung in einem bestmöglichem Tempo gepaart mit persönlicher Weiterbildung auf dem Schirm hat. Soweit so gut. Es gibt die Zielvereinbarung, Weiterentwicklungspläne inklusive Schulungspläne, „Standortbestimmungen“ bei Soft- und Hardskills sowie die eigentlich wichtigen persönlichen Gespräche, in denen man herausfindet, was der Mitarbeiter eigentlich will. Idealtypisch stimmt das Level der gewünschten beruflichen Herausforderung des Mitarbeiters mit den verteilten Aufgaben überein. Wenn man halbwegs sozial intelligent ist und etwas Empathie in die Waagschale wirft, kann man soviel gar nicht viel falsch machen, da der Zielrahmen des Unternehmens sowieso gesetzt ist. Dachte ich immer. Aber es gibt auch solche Mitarbeiter, die irgendwie nicht greifbar sind, es vielleicht auch nicht wollen.

Unser Start war schon holprig, er Mann, ich Frau (tut ggf. gar nichts zur Sache). Er bräuchte gar keine Chefin und würde seinen Job autark alleine hinbekommen, wenn er mal einen Sparings-Partner bräuchte, dann würde er auf mich zukommen. „Wie bitte?“ Mutig, dachte ich. Ich fand heraus, dass er eigentlich meine Stelle wollte, aber irgendwie auch nicht. Ein „Hidden-Oponent“ dachte ich und hätte ihn bei der ersten Weiterentwicklungsmaßnahme aus meinem Team entwickelt, um ihm nicht im Wege zu stehen und besonders er mir nicht. Wollte er aber nicht. Er wollte bei mir bleiben. Aber warum zum Teufel? Wir rüttelten uns irgendwie ein. Aber über die Jahre auch nicht wirklich. Der Respekt wuchs, aber das ultimative Verständnis füreinander irgendwie doch nicht. Ich wusste nie, wie ich ihn motivieren konnte, was ihn bewegt oder welche Aufgabe perfekt passen würde. Ich beschreibe ihn mal als „unführbar und einzelgängerisch“. Die gibt es auch. Ich konnte in Erfahrung bringen, dass schon so einige Vorgesetzte ihm übel mitgespielt hatten und er scheinbar das Vertrauen endgültig verloren hatte. Seine Ergebnisse stimmten in der Qualität irgendwie grob, aber angenehm war es nie. Er machte immer nur die Aufgaben, die er wollte. Alle anderen konnte er erfolgreich wegdiskutieren. Letzte Woche ist er durch Restrukturierung in ein anderes Team gewechselt. Ich werde nicht schlau aus ihm. Muss ich vielleicht auch nicht. Ich glaube er hat sich tatsächlich in dem Maximum was geht, bei mir wohlgefühlt. Auch eine Erkenntnis. Das musste jetzt mal raus.