Lipstick and Laptop

by Helen

Liebe Cloe,

deine ganzen Artikel rund um die Kündigung lassen mich ganz unruhig werden. Ich bewundere ja wirklich deinen mutigen Schritt – nicht nur endlich “Tschüss” zu sagen, sondern auch wie du jetzt mit den ganzen Folgen umgehst. Du lässt es meistens leicht und lustig klingen und wie ich dich kenne ist es das sicher oft auch.
Aber mir juckt es in den Fingern – soll ich jetzt deinem Beispiel folgen oder doch noch auf die nächste Beförderung in meinem Großkonzern warten. Im Moment ist es zum Mäusemelken. Ich springe im Quadrat, habe zwei Riesenprojekte an den Backe und bin non-stop für meine Chefs im Einsatz. Konkrete Karriereweiterentwicklung mit verlässlichen nächsten Schritten oder Zwischenfeedbacks: Fehlanzeige. Man muss sich von Jahresgespräch zu Jahresgespräch hangeln und hoffen, dass man nach 12 Monaten “Invest” auch eine Auszahlung bekommt. Bald ist es wieder so weit, die große Jahresabrechnung naht. Und irgendwie stellt sich bei mir so langsam das Gefühl ein dass ich nicht nochmal 12 Monate auf ein Konto einbezahlen möchte, von dem ich unter Umständen nachher gar nichts abheben kann.

Denn da draußen lockt mich die große Welt, nicht nur aber auch durch deinen großen Schritt. Ich wünsche dir weiterhin viel Glück!

LG deine Helen (sehr nachdenklich heute…)

by Cloe

Ich habe meine Kündigung eingereicht. Erst per Papier in der Personalabteilung. Dann persönlich bei meinem Chef. Ich bin erleichtert: mein Boss reagierte souverän, wünschte mir alles erdenklich Gute und freut sich für mich, wenn es in meinem Leben nach meinen Vorstellungen weitergeht. Das hat mich gefreut.

Die ausländischen neuen Shareholder waren nicht so amused, so liegt es doch in der deutschen Kultur damit etwas souveräner umzugehen, in anderen Kulturen hinterlässt man leicht Enttäuschung und das Gefühl zu verraten, illoyal zu sein. Das ist jetzt meine Lernkurve, die auch ich mitnehmen muss und sie eigentlich bedauere. Aber ist es mein Problem? Jetzt der Veränderung seinen Lauf lassen…

by Helen

Was macht einen Job für mich attraktiv? Da ist es wahrscheinlich wie bei vielen kontroversen Themen: Fragst du fünf Leute bekommst du sechs Meinungen. Jobzufriedenheit und Jobattraktivität, das ist was sehr individuelles. Im Moment wird in meinem Umfeld fleissig nach Jobs geforstet. Und da hab ich immer wieder liebe Menschen an der Strippe, die sich mit Entscheidungen „rumquälen“. Lieber der unattraktive Job in der Traumstadt. Oder lieber pendeln? Lieber auf Geld verzichten, um in der Wunschbranche zu arbeiten, etc. Diese oder ähnliche Entscheidungen quälen doch jeden früher oder später Mal. Ich bin der Meinung, man sollte insbesondere bei der dritten oder noch weiteren Station sehr stark auf seinen Bauch hören. Während der erste Job einfach als Einstieg zu sehen ist, um überhaupt im Berufsleben Tritt zu fassen, muss – je weiter man vorankommt – einfach viel mehr passen. Daher empfehle ich immer zu prüfen, ob es in der Konstellation irgendwelche faulen Kompromisse gibt. Denn das geht schief…

Wenn der Bauch so gar nichts sagen will, hilft mir das, was ich mittlerweile das „magische Job Dreieck“ nenne:

-          Location (Wo ist der Job? Stimmt hier mein persönliche Umfeld (Familie/Freunde)? Ist die Stadt für mich attraktiv? Etc.)

-          Geld (Verdiene ich gut? Genug, um auch dort gleichen oder besseren Lebensstandard zu finanzieren?)

-          Inhalt (Begeistert mich die Position? Bekomme ich etwas, was ich mir sehr wünsche? Darf ich mich selbst verwirklichen (was
das für den Einzelnen bedeutet muss jeder selbst entscheiden)?)

Ich versuche mich immer an diesen drei Punkten entlang zu hangeln. Und mein Credo ist: Alle drei Punkte passen in den allermeisten Fällen nicht. Bzw. die Leute, bei denen alle drei Punkte stimmen, die wissen genau wie sie sich entscheiden müssen. Aber ich bin der Meinung, dass man sehr ehrlich zu sich selbst sein muss und überprüfen muss, ob wirklich zwei der drei kritischen Punkte stimmen. Wenn das der Fall ist, kann man zugreifen. Wenn nur einer oder gar keiner der drei Punkte stimmt – Finger weg! Denn dann kommt man nur vom Regen in die Traufe und Veränderung nur um der Veränderung willen bringt dann auch nichts…

by Cloe

… ist eine einfache Voraussetzung für eine gute Führungskraft. Alle Ratgeber hin oder her, Instrumente der Menschenführung und Strategien, um seine Mitarbeiter und seinen Bereich unter „Kontrolle“ zu bringen – die bringen gar nichts, wenn man seine eigene Mitarbeiter nicht als Menschen betrachten kann. Mit Gefühlen und Herz. Menschen zu mögen, ist im Grundsatz der Skill, der meiner Meinung nach in jedem Vorstellungsgespräch oder Assessment Center geprüft werden sollte. Es gibt immer noch viele Führungskräfte – und ja, davon hatte ich auch schon einige – die tatsächlich Angst vor ihren Mitarbeiter haben, Nähe von Ihnen nicht ertragen konnten und das Miteinander von Menschen ablehnten. Informationen, die Bedürfnisse oder Ängste widerspiegeln, abgelehnt hatten, weil sie keinen blassen Schimmer haben wie damit umgehen. Wer sind meine Mitarbeiter, was wollen sie? Das darf keine Bedrohung sein, sondern eigenes Interesse. Jeder Einzelne ist individuell, hat andere Stärken und Schwierigkeiten, die man als Führungskraft in einem gewissen Rahmen kennen sollte. Und bitte nicht missverstehen, es geht nicht um große psychische Sozialstudien oder Aushörtaktiken. Einfach Menschen mögen und sich für die Person dahinter interessieren. Das ist alles.

by Cloe

Die Bildzeitung vom 18. Februar lässt Fakten sprechen und erstellt einen interessanten Artikel mit Frau Claudia Kimich – Verhandlungsexpertin und Autorin. Schon im Berufsstart sind es ca. 22% Gehalt mehr, die Männer im Durchschnitt verdienen als Frauen und das zieht sich dann immer weiter bis zur Rente hin, noch größere Unterschiede nicht ausgeschlossen. Zwei Bespiele des Mann/ Frau Vergleichs rausgepickt aus dem BILD-Artikel – ein Überblick über die Jahreseinkommen in den verschiedenen Altersklassen: Mit 25 Jahren verdient eine männliche Führungskraft 61.142 Euro und eine weibliche 50.206 Euro. Die Fachkraft männlich in dem Alter 37.205 Euro und weiblich 30.427 Euro. Mit 40 Jahren verdient eine männliche Führungskraft 104.442 Euro, die weibliche 86.268 Euro. Die Fachkraft in dem Alter verdient als Mann 54.561 Euro, als Frau 40.014 Euro. Der Supergau: mit 60 Jahren verdient eine männliche Führungskraft 124.728 Euro und ich bin fast vom Stuhl gefallen, in diesem Alter verdient die weibliche Führungskraft mit 83.649 Euro weniger als mit 40 Jahren, während es für Männer stetig nach oben ging mit dem Alter.

Lange Rede, kurzer, aber intensiver Sinn: das ist frustrierend. Woher sollen Frauen die Motivation aufbringen genauso viel oder oft mehr zu leisten als die Männer und dann dementsprechend signifikant weniger zu verdienen? Wir sprechen hier nicht von einer Handtasche im Monat, sondern von mehreren! Das Problem sei unter anderem, dass Frauen in der Karriere oft einen Schritt zurück treten als sich aufreiben zu wollen und auch den Job- und Ortswechsel weniger als die Männer durchziehen. All das kostet Gehalt. Die Selbsteinschätzung des Könnens wird von Frauen viel kritischer gesehen als bei Männern und in der Selbstdarstellung stapeln Frauen tiefer als die Männer. Und dass der Wohlfühlfaktor und „geliebt zu werden“ für Frauen wichtiger ist, unterstützt auch nicht gerade die hohen Gehälter.

Die Lösung liegt in einer besseren Vorbereitung bei Gehaltsverhandlungen, um nicht all den Stolperfallen auf den Leim zu gehen. Vorbereitung ist alles. Genauso das Nennen von konkreten Gehaltsvorstellungen und den eigenen Nutzen dazu. Mütter sollten ihre Kinder als Vorteil sehen und ihr Organisationstalent, den Überblick behalten zu können und mehrere Bedürfnisse gleichzeitig befriedigen zu können, positionieren. Und nicht vergessen und im Gespräch betonen: Frauen sind erwiesen gut für Unternehmen. Hier das volle Zitat aus dem Artikel, dem nichts mehr hinzuzufügen ist: „Sie (die Frauen) arbeiten nachhaltiger, sind wechselwillig und verbessern das Betriebsklima. Ein gelöster Konflikt, ein gewonnener Geschäftspartner und ein von der Kündigung abgehaltener Kollege sind für einen Chef unbezahlbar!“

by Helen

Vor ein paar Tagen habe ich ja darüber berichtet, dass ich nicht so recht weiß, ob ich eine Stelle annehmen soll, die mir angeboten wird. Einfach weil mich die Tätigkeit und die Rahmenbedingungen überhaupt nicht locken. (Das entscheidende Gespräch wurde übrigens nochmal um eine Woche verschoben – Gott sei Dank ;-) !)

Ich versuche mich im Moment ein bisschen genauer zu hinterfragen, was eigentlich hinter meinen Entscheidungen steckt. Warum stört es mich so eine Stelle anzunehmen, die mich zwar nicht sehr interessiert, die aber für meine Karriere sicherlich förderlich wäre. Auch habe ich mir über den Jahreswechsel viele Gedanken gemacht, welche Dinge in meinem Leben welche Priorität bekommen. Auch ich bin nicht immun gegen den “Jahreswechsel-gute-Vorsätze-usw.-Virus”. Und ich habe überlegt, welche Dinge mich glücklich machen. (Passend hierzu habe ich auch ein empfehlenswertes Buch gelesen: „Handbuch zum Glück“) Zum Glück habe ich festgestellt, dass gemessen an meinen eigenen Glücksmaßstäben viele Dinge in meinem Leben bereits im Lot sind. Ich habe seit ein paar Jahren eine gute Balance gefunden, schaffe es mich selbst nicht zu vernachlässigen und ziehe positive Energie aus meinen persönlichen Beziehungen. Ich kenne die kleinen Glücksmomente, die ich in jedem Tag finden kann und ich suche diese bewusst (zum Beispiel mein morgendlicher perfekter Cappuccino –da kommt mir keiner in die Quere). Trotzdem gibt es natürlich auch bei mir Phasen der Unzufriedenheit, in denen ich mich nicht gut fühle, frustriert bin oder in denen ich mich leer fühle. Teilweise war mir schon selbst klar, woran das liegt, teilweise bin ich auch durch Abschalten und Buchlektüre in meinem Urlaub darauf gestoßen. Ich glaube mir fehlt stellenweise der „Sinn“, in dem, was ich tue. Denn klar ist auch: 50% meiner Tätigkeit im Konzern sind Dinge, die mit Unternehmenspolitik, Prozesskram, etc. zu tun haben. Die weder mir selbst noch dem Unternehmen einen direkten Nutzen bringen – geschweige denn, dass es der Menschheit irgendetwas bringt.

Das ist natürlich nicht immer so – durch meine (kleine aber feine) Machtposition kann ich Dinge bewegen. Zum Beispiel konnte ich in den letzten Wochen für drei Herzensmenschen Empfehlungen aussprechen – vielleicht führt das für diese Menschen zu großen, tollen beruflichen Chancen. So etwas beflügelt mich. Dennoch brauche ich auch in meinem täglichen Arbeiten einen gewissen Sinn. Und diesen Sinn will ich finden und vergrößern. Vielleicht auch außerhalb des Jobs – wenn da nur der Zeitfaktor nicht wäre, denn klar ist auch die meiste Zeit meines Tages opfere ich für die Arbeit und das drumherum. Daher muss ich an den Job auch heran, wenn ich mein Leben mit mehr Sinn anreichern will – und ein Job, der mich nicht lockt oder irgendwie reizt wird meine Balance eher ins umgekehrte ausschlagen lassen. Daher bin ich egoistisch und bleibe dabei ich will etwas Sinnvolles tun – und zwar in meinen eigenen Augen und nach meinen eigenen Maßstäben.

Ja, ja ein bisschen philosophisch bin ich schon geworden. Ich hoffe ihr Lieben konntet mir folgen… ;-)

by Cloe

Gross werden ist schwer… Man sagt, die steilste Lernkurve erleben wir innerhalb der ersten 3 Lebensjahre: die Eltern und Umgebung erkennen können, krabbeln, laufen lernen, vernünftig sprechen lernen, fehlerfrei wichtige Abläufe auf die Reihe bekommen und nebenher körperlich wachsen. Das und vieles andere ist innerhalb der ersten Jahre eine absolute Höchstleistung. Eltern können das bestätigen, ihr Kind lernt schnell, aber eben auch in Begleitung mit den damit verbundendenden Emotionen des Frusts, Scheiterns – seine Begrenztheit spüren – aber auch Erfolgserlebnisse erleben und Fortschritte erkennen. Kleinkinder stehen jeden Tag vor enormen Herausforderungen. „Try and Error“ ist an der Tagesordnung und man hat keine Gebrauchsanweisung an der Hand. Das muss über eine gute Beobachtungsgabe und schnelle Erfahrungsverarbeitung laufen und natürlich mit Hilfe einer guten Begleitung der Eltern.

Klingt komisch, aber so ähnlich habe ich mich in meinem ersten Jahr als Führungskraft gefühlt. Ein verwirrender Vergleich, aber genauso war es, ich war regelmäßig verwirrt und schwer damit beschäftigt meine Eindrücke zu verarbeiten. Es war nicht immer leicht, so emotional. Man hat jahrelang eine super Leistung als Fachkraft hingelegt und wechselt die Rolle nun vollständig. Man fängt irgendwie von vorne an und es stehen keine „Eltern“ hinter einem. Im optimalen Fall hat man einen Chef, der sich noch an sein erstes Jahr als Führungskraft erinnert und Hilfestellung leistet. Oder auch nicht. Meiner hat mir leider das Leben eher schwer gemacht, naja, ich will ja nicht jammern ;) . Die Mitarbeiter schmeißen einen aus ihren „Reihen“ – man gehört nicht mehr dazu. So wie man es ja auch gewollt hat. Die Seiten sind gewechselt. Vom Kollege zum Vorgesetzten bedeutet eine völlig neue Rolle annehmen, die man kaum erlernen kann, auch wenn man ein Ratgeberbuch liest. Hier hat man es mit Menschen zu tun, die Erfahrung muss man machen. Wie führt man und wie kann man die Bedürfnisse der Mitarbeiter mit den Zielen der Unternehmung und den eigenen Wünschen Matchen? Ich habe mich gefühlt wie auf einem Hochseildraht, ohne Netz und Boden. Doch wenn das erste Jahr mal überstanden ist, dann wiederholt sich alles und es wird leichter. Eine gute Beobachtungsgabe und eine schnelle Erfahrungsverarbeitung hilft – es fängt an sich zu lohnen und Spaß zu machen. Mein Rat: Dranbleiben und nicht aufgeben! Und ein paar Fettnäpfchen sind auch als Führungskraft erlaubt… ;)

…wir haben ein immens schlechtes Gewissen.

Irgendwie stecken wir alle tief im Stress-Sumpf der da heisst “Job”. Daher schläft unser Blog Projekt gerade etwas vor sich hin. Wir hoffen es wird bald besser… ;-)

LG in die Welt da draußen,

Helen, Cloe und Liz