Lipstick and Laptop

by Cloe

Ich hatte euch ja erzählt, das ich gekündigt habe, meine Promotion abschließe und sonst mein Leben einmal aufräume und loslasse, wo es nötig ist. Vor Allem mit mir und meinen anstrengenden Ticks und Muster. Mein nächster Job steht an und damit auch die grundsätzliche Frage: Will ich noch Führen? Meine Antwort: definitiv ja.  Und mir wird klar: am besten in meinem eigenen Unternehmen. Mich reizt die jetzige Führungspause – darüber nachzudenken, was ich eher krampfhaft beim Thema „Führen“ angepackt habe und was mir sehr leicht fiel. Die Freistellung tut mir hier gut. Wenn ich morgens aufwache, bin ich erstmal nur für mich selbst verantwortlich.

Ich denke viel über das Thema Selbständigkeit nach, zurück in die Industrie bereitet mir innerlich nicht so einen Freudentanz. Lieferanten, freie und mal eigene Mitarbeiter führen? Das wärs…

by Cloe

Ich habe gekündigt und bin monatelang freigestellt. Was nun? Wäre ich 25 und hätte nicht schon Verantwortung für Ehemann und lokale Verpflichtungen, ich würde meine Wohnung kündigen und einfach ein paar Monate nach Spanien ziehen. Nein, besser Australien. Oder eine neue Sprache in China lernen. Aber irgendwas hält mich zurück. Mein Change Prozess.  Ich war keine Praktikantin, die nach einem halben Jahr ging und das nächste Abenteuer während des Studiums aussucht. Ich war 10 Jahre in einem Karriere Rhythmus in dieser Gegend, in einer Branche. Einfach Zelte abreißen, hat sich nicht gut angefühlt.

Also den Alltag in der selben Umgebung eben anders meistern. Das ist meine große Challenge. Die Vorbereitung auf eine neue berufliche Herausforderung und der mentale Ausstieg aus dem bisherigen. Andere Ziele und Projekte in den Alltag reinbringen – lieber nicht, besser die Laufenden zuende bringen. Habe ich als mega Aktion-Dame mit vielen Interessen in der Vergangenheit ein paar mal zuviel “ja” gesagt, habe nun so einiges am Laufen. Promotion, Fachartikel und ein ganzes Buch liegen noch auf dem Schreibtisch. Trotzdem. Mein Vorsatz: aus Vollgas nicht wieder noch mehr Vollgas machen, aber auch kein Standgas. Denn Stillstand ist für mich Rückschritt. Ich spüre, dass sehr bewegende Wochen auf mich zukommen werden…

by Helen

Es war einmal ein Großkonzern, der hatte ganz ganz wenige weibliche Führungskräfte. Dieser Großkonzern operierte in einem Land namens Deutschland. Und weil die Regierung es sehr ungerecht fand, dass viele Frauen trotz gleicher Qualifikation immer noch zu wenig verdienen und weniger Karriereoptionen haben, drohte dieses Land den Großkonzernen damit, dass es ein Gesetz geben würde, dass sie zwingt Frauen zu fördern.

Und weil der Großkonzern sehr viel Angst vor diesem Gesetz hatte, fing er also an Frauen zu fördern. Zum Beispiel in dem er jeden, der eine Stellen zu besetzen hatte zwang, nachzuweisen, dass er auch geprüft hatte, ob nicht eine Frau für die Position in Frage kommen würde. In diesem Konzern gab es nun einen Chef, der eine neue Stelle besetzen wollte. Sein bestern Kumpel aus dem Studium/ein Kollege aus dem Fußballverein/ein langjähriger Mitarbeiter, der mit dem Chef bereits bestens vertraut war, hatte Interesse an der Stelle bekundet. Natürlich war es für diesen Chef gesetzt, dass die Stelle mit diesem Kumpel/Kollegen/Mitarbeiter besetzt werden müsste. Dennoch musste er nun prüfen, dass es keine Frau in der ganzen Firma gibt, die diesen Job erfüllen könnte. Er hatte Glück keine Frau hatte sich auf die Stelle beworben (sie war ja auch nicht ausgeschrieben gewesen). Da tauchte plötzlich eine böse Fee auf und legte ihm eine Liste mit qualifizierten weiblichen Kandidatinnen vor, die er bitte prüfen sollte. Außerdem zwang die Fee ihn die Stelle auszuschreiben, damit sich jeder und jede, die sich bewerben wollte auch bewerben konnte. Der Chef stimmte widerwillig zu, er war sehr zerknirscht, denn nun musste er bei jedem Kandidaten der formal geeinget war begründen, warum der Kollege/Kumpel/Mitarbeiter viel, viel besser für die Stelle geeignet wäre. Aber der Chef war nicht dumm. Wenn er geeignete Kandidaten und Kandidatinnen davon abhalten könnte, sich überhaupt erst auf die Stelle zu bewerben, müsste er nicht begründen, dass er die Person nicht nimmt. Und so telefonierte er die Liste mit potenziellen Kandidaten ab und erklärte den Menschen auf dieser Liste nach fünf minütigen Gesprächen, dass er bereits in der Kürze der Zeit vollumfänglich verstanden hätte, was die Person als Qualifikationen mitbringt und dass diese Qualifikationen niemals ausreichen würden, um diese Stelle zu besetzen. Eine schriftliche Bewerbung wäre ganz und gar aussichtslos und geradezu abwegig. Und es funktionierte, keiner bewarb sich auf die besagte Stelle und der Chef konnte weiterhin den Kollegen/Kumpel/Mitarbeiter befördern, den er von Anfang an ausgewählt hatte.

Und die Moral von der Geschicht:

Gegen Geklüngel und Vetternwirtschaft hilft auch beste Absicht nicht.

by Helen

Liebe Cloe,

deine ganzen Artikel rund um die Kündigung lassen mich ganz unruhig werden. Ich bewundere ja wirklich deinen mutigen Schritt – nicht nur endlich “Tschüss” zu sagen, sondern auch wie du jetzt mit den ganzen Folgen umgehst. Du lässt es meistens leicht und lustig klingen und wie ich dich kenne ist es das sicher oft auch.
Aber mir juckt es in den Fingern – soll ich jetzt deinem Beispiel folgen oder doch noch auf die nächste Beförderung in meinem Großkonzern warten. Im Moment ist es zum Mäusemelken. Ich springe im Quadrat, habe zwei Riesenprojekte an den Backe und bin non-stop für meine Chefs im Einsatz. Konkrete Karriereweiterentwicklung mit verlässlichen nächsten Schritten oder Zwischenfeedbacks: Fehlanzeige. Man muss sich von Jahresgespräch zu Jahresgespräch hangeln und hoffen, dass man nach 12 Monaten “Invest” auch eine Auszahlung bekommt. Bald ist es wieder so weit, die große Jahresabrechnung naht. Und irgendwie stellt sich bei mir so langsam das Gefühl ein dass ich nicht nochmal 12 Monate auf ein Konto einbezahlen möchte, von dem ich unter Umständen nachher gar nichts abheben kann.

Denn da draußen lockt mich die große Welt, nicht nur aber auch durch deinen großen Schritt. Ich wünsche dir weiterhin viel Glück!

LG deine Helen (sehr nachdenklich heute…)

by Cloe

Ich habe meine Kündigung eingereicht. Erst per Papier in der Personalabteilung. Dann persönlich bei meinem Chef. Ich bin erleichtert: mein Boss reagierte souverän, wünschte mir alles erdenklich Gute und freut sich für mich, wenn es in meinem Leben nach meinen Vorstellungen weitergeht. Das hat mich gefreut.

Die ausländischen neuen Shareholder waren nicht so amused, so liegt es doch in der deutschen Kultur damit etwas souveräner umzugehen, in anderen Kulturen hinterlässt man leicht Enttäuschung und das Gefühl zu verraten, illoyal zu sein. Das ist jetzt meine Lernkurve, die auch ich mitnehmen muss und sie eigentlich bedauere. Aber ist es mein Problem? Jetzt der Veränderung seinen Lauf lassen…

by Cloe

Kündigen ist nicht unbedingt schön. Irgendwie hängen doch Emotionen dran. 7 Jahre in einem Unternehmen mit viel Engagement und tollen Kollegen, mit denen man Leid und Freud geteilt hat, gehen nicht einfach spurlos an einem vorbei. Mein Papier ist geschrieben und meine Haltung und Message zu meinem Boss, Kollegen und Mitarbeiter klar: positive Trennung, keine Vorwürfe, ich gehe nicht im Schlechtem. Ja, es ist das typische weinende und lachende Auge. Trotzdem bin ich aufgeregt. Das Unternehmen dreht sich sehr schnell zur Zeit, mein Boss ist selber neu und gefühlt ist mehr Chaos als Stabilität im Unternehmen. Viele Menschen sind nervös, schwanken zwischen Loyalität und der Frage „whats in for me“ in der neuen veränderten Welt oder eben dem Absprung. Es kündigen viele, jeden Monat werden die Namen im Flurfunkt diskutiert, die andere Wege gehen wollen. Die High professional Service Industrie – Consulting, IT und Engineering Beraterbranche hat eine höhere Fluktuation, es ist normal.

Ich mache mir aber meine Gedanken. Wird meine Kündigung genauso respektvoll aufgenommen? Gewährt man mir einen früheren Ausstieg und bis dahin eine positive Zusammenarbeit? Egal wie alt man ist, bei einer Kündigung hat man Wunsch und Hoffnung das Ganze positiv „über die Bühne zu bringen“. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Bereuen sollte man auch nichts und alle positiven Entwicklungsschritte in guter Erinnerung behalten. So geht es mir auch und das ist gut so. Ein neuer Schritt kann kommen…

by Cloe

Im vorherigen Blog habe ich euch erzählt, dass ich mehr für mich, meine Seele, meine Gefühle und auch Handlungsmuster tun möchte, um ein besserer Mensch mit mir und meinem Umfeld zu werden. Und auch eine bessere Führungskraft. In Gedanken bin ich oft bei meinen 30 Mitarbeitern, für die ich eine Respektsperson bin. Eine Person, die über ihr Geld und Ansehen in der Firma kräftig mitbestimmt. Diese Machtposition macht sie abhängig von mir. Von mir und meinen Handlungen.

Das Seminar hat mich einmal von links nach rechts gekrempelt. Aber so richtig. Ich bin jetzt noch ganz von meinen Eindrücken geflashed und persönlich gespannt, wie ich das Erlernte anwenden werde. Seminare sind so etwas für sich. Wenn man sich auf die Inhalte nicht einlässt, dann bringt es auch nichts. Wenn man alles gleich wieder vergisst und im Alltag nicht benutzt, verblasst das Wissen schnell wieder. Ich habe mir vorgenommen letzteres diesmal unter allen Umständen zu vermeiden. Die fachliche Qualifizierung rutscht in meinem Leben eindeutig in den Hintergrund. An mir selber arbeiten hat nun Prio. So habe ich im Seminar all meine Konzentration und Offenheit genutzt, mich auf jede Übung einzulassen. Und das mit den Gefühlen ist wirklich keine so einfache Sache…

Was habe ich gelernt? Ehrlich? – Oh mein Gott, ich hätte nie gedacht, dass die Transparenz über das eigene Handeln so aufschlussreich sein kann. So schockierend aber auch so unglaublich erleichternd ist es die Dinge beim Namen nennen zu können. Der Weg in die eigene Kindheit und zurück – zu den antrainierten Handlungsstrategien aus einer jungen und verletzlichen Zeit, das war spannend. Es war keine “Musik von vorne”, keine nur Zuhören und Beschallt-werden Vorträge wie es so oft in schlechten Seminaren ist, es war vielmehr eine eigene erfahrungsorientierte Reise mit mir selbst. Die Wirkung ist unglaublich, es bleibt viel mehr hängen. Was mich noch verwundert hat: es war egal in welchem Job du arbeitest, wie dein familiäres Umfeld ist, es ging allein darum, dass deine emotionale Prägung aus der Kindheit dein heutiges Leben beeinflusst. Überall. Und damit auch meinen Job und meine Führung.

Was konkret? Ich habe z.B. gelernt, warum und vor allem wann ich Kontrolle ausübe. Ich glaube damit mehr Sicherheit zu erlangen, aber mein Umfeld unter Umständen damit einenge. Wie ich unbewusst zu viel Macht ausübe, die nicht nötig ist. Ich habe die Alternative dazu gelernt und sie ist viel befreiender und schöner. Auf der anderen Seite habe ich habe gelernt, dass ich mich schnell abgelehnt fühle, dass ich in diesem Zusammenhang glaube nur dazuzugehören, wenn ich viel leiste. Ich habe gelernt mich und meine Leistung viel mehr zu schätzen und vor allem mich selber zu akzeptieren. Ich habe zudem auch gelernt, dass exakt genauso wie ich niemand anders fühlt, dass jeder sein eignes Päckchen an Handlungsstrategien im Alltag mit sich herumträgt. Andere Ängste und Gefühle mit ein und den selben Dingen erlebt.

Daraus ergibt sich für mich ein neues Selbstbewusstsein mit mir und meinen Mitarbeitern umzugehen. Für mich heißt es daher in meiner allergrößten Erkenntnis zunächst: verspüre ich ungewöhnlich Druck, oder Verzweiflung, sollte ich meine Muster und Handlungen überdenken, warum dies so geschieht und ob es nicht ausschließlich nur mit mir und meinen Ängsten zu tun hat. Das kümmern um mich selbst die Lösung ist. Nicht unbedingt die Probleme und Schuld bei anderen zu suchen sind. Ich sehe meine Mitarbeiter in einem völlig anderen Licht, haben doch auch sie ihre eigenen Ängste und Handlungsmuster, die sie anwenden, um in einem vermeintlich sicheren Rahmen zu handeln. Das muss ich ihnen auch eingestehen und nicht dagegen ankämpfen. Kaum jemand meint die Dinge persönlich gegen jemand anderen, dienen die eigenen Handlungen doch immer nur dem Selbstschutz. So beeinflussen wir uns täglich gegenseitig mit viel Anstrengung.

Mein Fazit: Achtsam mit mir selbst und meinen Mitarbeitern umgehen. Erkennen, ob es wirklich ein Problem gibt. Und final erkennen, ob es auch wirklich mein Problem ist. Die Methoden, die ich an die Hand bekommen habe, werde ich fleißig üben. Es entsteht eine entkrampfte Situation. Mehr innere Freiheit und weniger Zwänge. Und das kann ich auch auf meine Mitarbeiter übertragen.

by Cloe

Ich hatte schon furchtbare Chefs gehabt. Und tolle Chefs. Unter den Furchtbaren landen so einige: mal die Cholerischen, die Kalten „ich mag keine Menschen“ Chefs, die sozial völlig inkompetenten oder die, die mit Absicht Angst verbreiten. Aber auch die Lieben, eigentlich Netten, denen man leider dabei zuschauen muss, wie sie vor lauter „Ich beschütze meine Mitarbeiter und stehe vor ihnen“, in den eigenen Burnout laufen oder falsche Entscheidungen treffen, nur um es den Mitarbeitern vermeintlich Recht zu machen.

Als Führungskraft stelle ich mir immer die Frage: wozu gehöre ich eigentlich? Wie führe ich? Vertraue ich meinen Mitarbeitern das richtige Maß Verantwortung an oder überlasse ich Ihnen ihr Schicksal und tue womöglich zu wenig? Wo muss ich Sie beschützen und wo schränke ich Ihre Bewegungsfreiheit ein? Wo habe ich Verständnis und wo drücke ich Ihnen meine Meinung auf? Handele ich doch nach Gefühl und meiner eigenen Haltung zu Menschen, Überzeugungen und Werten. Ich möchte meinen Mitarbeitern einen Rahmen geben können, der sie glücklich und erfolgreich arbeiten lässt.

In der letzten Zeit habe ich mir viel über mich Gedanken gemacht. Und mir wurde plötzlich bewusst: ich führe auch nach meinen Ängsten. Nach meinen Befürchtungen. Nach meinen persönlichen Zielen. Nach erlebten Erfolgen und Misserfolgen meiner Vergangenheit. Nach meinem persönlich Erlernten und für richtig befundenen Handlungsmuster. Und nach meinem Wunsch Menschen zu helfen. Und nach meinem Selbstschutz nicht in den Burnout zu rutschen. Und nach meinem Wunsch über Leistung geliebt zu werden. Und nach meinem Wunsch, dass alles perfekt laufen muss. Und, und, und… Meine Erkenntnis ist hart: meine armen Mitarbeiter. Die sind mir und meinen Handlungen und Überzeugungen ein großes Stück ausgeliefert. Habe ich doch die Pflicht meine „Schutzbefohlenen“ positiv zu entwickeln. Meine 2. Erkenntnis: dafür muss ich mich selber sehr gut kennen und in Relation setzen können. Was ist allgemein gültig richtig und falsch und was erachte ich persönlich für richtig oder falsch im Umgang mit Menschen. Und weicht es voneinander ab?

Das letzte Jahr war hart, ich bin an so ziemlich viele Grenzen gekommen. Eher mit mir selbst. Keine fachlichen. „Everybody’s Darling is everybody’s Arschloch“ fiel mir in letzter Zeit immer wieder ein, besonders als Frau in einer konservativen Welt, umgeben von fast ausschließlich männlichen Führungskräften. Daher habe ich beschlossen ein Seminar zu besuchen, was mich tiefer in das Verständnis meiner eigenen Persönlichkeit bringt. Mir privat wie auch berufliche einige Fragen beantworten kann. Beruflich wären es Folgende: wie kann ich meine Mitarbeiter mit dem nötigen Abstand aber mit der gebrauchten Nähe führen, die zu mir und ihnen passt. Welche Handlungen sind korrekt, bei welchen tue ich unbewusst mir und meinen Mitarbeitern, Vorgesetzten und Kollegen Leid oder Begeisterung an? Und warum? Wo stelle ich mein Licht unter den Scheffel und begrenze mich selber? Warum fühle ich mich in bestimmten Situationen völlig hilflos und unter Druck gesetzt und meine Kollegin sieht in der selben Situation nicht annähernd ein kleines Problemchen? Ich habe das passende Seminar für mich gefunden und gebucht. Ich bin gespannt auf meine Erkenntnisse und halte euch auf dem Laufenden!

by Cloe

Ach herrje. In all meinen Gedanken um meinen nächsten beruflichen Step gibt es scheinbar nur Eines: Zu früh oder schon zu spät für mich. Ich bin zu jung oder zu alt. Gibt es eigentlich nichts dazwischen? Wo ist eigentlich diese mega tolle Phase wo man alles gelernt hat was notwendig ist, man selber passend in der Zeit angekommen und auf der Welle „Genau richtig“ surft? Das gibt es nicht. Ich bin 34 Jahre alt. Spreche ich mit einem über 50 jährigen Geschäftsführer oder aus dem Top Management, kommen diese bei meinem Alter immer ins Schwärmen über die eigene Jugend und vermittelt mir das Gefühl im oberen Club noch lange nicht angekommen zu sein, weil viel zu unerfahren. Also zu grün hinter den Ohren. Mit diesem Blick: “oh oh, da übernehmen Sie sich aber”. Spreche ich mit einem 25 jährigen, fertig studierten jung dynamischem Talent, komme ich mir irgendwie latent verbraucht und alt vor. Habe ich im Vergleich dann das Gefühl meine sprudelnden Ideen sind gar nicht mehr so sprudelig wie früher und mein Level an Energie, Vertrauen in die Welt und Enthusiasmus in die Projekte der Organisation sind auf einigen Levelstufen runtergerutscht. Oder ist es doch die Reife, die ich jetzt verspüre? Eine Reife und Gesetztheit, die beim 25 Jährigen Bewunderung auslöst und beim 50 Jährigen tatsächlich noch als jung und naiv durchgeht?

Heute war einfach wieder so ein Tag des „Feedbacks“. Irgendwie habe ich von allen Seiten Feedback erhalten, ob ich wollte oder nicht. Und die Feedbacks passen miteinander einfach nicht zusammen. Seitdem ich in meinem privaten Bekanntenkreis meine berufliche Veränderung diskutiere, sind alle möglichen Wege auf den Tisch gekommen. Weitere Karriere nach oben mit einer ausgebauten Abteilungsleitung eines Großkonzerns, die operative Gesamtverantwortung eines Mittelständlers, das Gründen einer eigenen Firma oder der Wechsel in eine ganz andere Branche oder Expertenstufe. Da ist alles drin mit jeder Begründung der persönlichen Weiterentwicklung. Und bei jeder Variante bekomme ich eben diese Feedbacks: Zu alt, zu jung, zu unerfahren, nicht mehr im Fachdetail drin, zu tief im Fachlichen, zu naiv, zu kreativ, zu verbohrt… Ich bin dankbar um Feedback, das möchte ich an dieser Stelle mal betonen. Nur einfach heute suche ich dieses „genau richtig“ Feedback, was einfach nicht auf den Tisch will. Also läuft der Findungsprozess weiter…

by Cloe

Es ist es einfach nicht mehr. Ein guter Coach hat mir mal gesagt, dass Beziehungen einem Prozess unterliegen. Man steigt ein, lässt sich darauf ein, geht gemeinsame Wege und wenn es nicht mehr sein soll, startet ein Prozess des Ausstiegs. Oder es gibt nie einen Ausstieg, man bleibt für immer dabei. Wenn nicht, startet ein Hin und Her der Überlegungen, ist es noch das Richtige? Vielleicht ein Mensch im Leben, der Job oder die Hobbies. Immer das Gleiche. Ich bin durch diesen Prozess nun 7 Jahre durch als Führungskraft und Angestellte in meinem Unternehmen (das verflixte 7. Jahr?) und habe einen Entschluss gefasst: ich steige aus. In den vorherigen Blogs habe ich schon davon geschrieben wie nun eine Übernahme eines ausländischen Unternehmens wieder Veränderung ins Unternehmen bringt, wirtschaftlich schwere Zeiten auf uns zukommen, neue Aufgaben, Chefs, neue Mitarbeiter, sich wieder beweisen, Umstrukturierungen, … die Liste ist lang. Und sie ist nicht neu. Sie kennen wir alle und haben sie schon oft mitgemacht.

Trotzdem bin ich diese Woche mit einem wichtigen Gefühl aufgewacht – den neuen Weg der Firma in der ich arbeite, möchte ich nicht mehr mitgehen. Und es fühlt sich gut an. Ich bereue nichts, habe in all den Jahren viel gelernt und mitgenommen, aber die Zeit für meinen Ausstieg ist gekommen andere Wege zu gehen. Headhunter, alte Chefs, Angebote liegen immer wieder vor. Doch zunächst will ich wirklich wissen wer ich bin, was ich wirklich möchte. Und noch etwas Zuende bringen: meine Dissertation, die kurz vor Abschluss ist. Nein, ich schmeiße nicht die Kündigung hin und wandere dann zum Perlentauchen in die Südsee aus. Aber es ist gefühlt von selber Tragweite. Diesen Prozess möchte ich mit euch teilen und die wichtigen Schritte hier dokumentieren. Also der Entschluss ist schon mal gefasst. Ich habe eine sehr lange Kündigungsfrist, die mich noch Monate an das Unternehmen bindet, solange mache ich noch einen besten Job und orientiere mich um. Das wird meine Challenge sein – ich nenne sie mal die Cloe Change Challenge. Denn ich glaube, diesmal wird sie größer. Ich stelle alles in Frage. Auch meinen Wohnort.