Lipstick and Laptop

by Cloe

Ich habe euch die Emotionen in meinen letzten Blogs rund um meine Kündigung erläutert. Und meine Gedanken kreisen trotzdem: Affären, Kündigungen, Fehlverhalten, politische uncorrectness – der Flurfunk saugt alles in sich auf und trägt es weiter. Im Untergrund werden also die Emotionen behandelt. Nicht offiziell, die Meetings müssen mit viel perfekter Haltung abgehalten werden. Platzt mal diese Blase, kommen eher cholerische Wutausbrüche ans Tageslicht.

Ich fühle mich einfach komisch, habe ich mit meiner Kündigung vielleicht etwas nicht Alltägliches, aber doch Normales in meinem Leben vor. Neid, Ablehnung, Enttäuschung sind aber ständige Begleiter. Das ist im Leben wohl so. Gute Kollegen, die in Schritte involviert sind, sprechen mich die Tage schon „unauffällig auffällig“ an und wollen etwas von mir herausbekommen. Irgendwie komme ich mir so albern vor, ist es doch eigentlich keine große Sache. Aber in einem kleinen Kosmos ist so was eben doch eine. Ich versuche bei mir und meinen Gedanken, den nächsten Schritten zu bleiben. Was mein Schritt für andere bedeutet, kann ich nicht beeinflussen und muss ihn so respektieren wie er ist. Und wenn ich nun einfach nur auf der Tratschliste Top 1 im Flurfunk lande. Ist halt so.

by Helen

Ich habe mir ja selbst hier vor genau einem Monat eine kleine Challenge auferlegt.

Der Monat ist vorbei und natürlich will ich euch nicht verheimlichen, wie es gelaufen ist. Natürlich wurde ich positiv überrascht – aber das hatte ich auch ein Stück weit erwartet. Allerdings ist und bleibt es (für mich zumindest) eine Herausforderung nicht nur im “Robotermodus” irgendwelche Themen zu bearbeiten, sondern auch auf die kleinen und großen Zwischenmenschlichen Aktionen zu achten. Für bleibt das anstrengend und es ist eine Aufgabe, auf die ich mich ständig konzentrieren muss. Leider!

Trotzdem merke ich: Es fällt mir immer leichter. Ich traue mich mehr und ich merke auch, dass es wichtig ist. Daher werde ich die Anstrengung in dem Thema beibehalten. Und dafür weniger Energie in die Themen stecken, die mir sowieso leichtfallen.

Aber was ja eigentlich interessant ist, was waren meine Erfahrungen.

Ich hatte mir vorgenommen, jeden Tag jemandem ein ernstgemeintes Kompliment zu machen. Und natürlich ist das was Positives. Sprich es ist sympathisch und die allermeisten freuen sich daraüber. Aber witzig waren die Reaktionen, die ich von vielen Frauen bekommen habe: Ein beispiel eine Kollegin viel mir am Waschbecken mit einer total tollen Hose auf. Koralle! Powerfarbe! Ich zu Ihr: “Mensch, das ist ja mal echt eine tolle Hose!” Sie dreht sich um, deutet auf Ihren schwangeren Bauch und meint: “naja, mir passt ja sonst nix mehr.” Anderes Beispiel: Ich lobe das Kleid einer Kollegin. Sie antwortet: “Das war total billig, bei C&A”

Mädels, freut euch doch mal einfach über Komplimente ohne euch gleich selbst schlecht zu machen oder euch zu entschuldigen, dafür dass ihr ein schickes Kleid anhabt, dass eben nicht aussieht wie vom Discounter. “Danke!” und ein Lächeln reicht völlig ;-)

Das Thema Mittagessen, mit Leuten mit denen ich eigentlich nicht essen gehen will, war da schon schwieriger. Eine tolle Erfahrung habe ich gemacht. Ich war mit einem Zeitarbeitnehmer essen, der seit ettlichen Jahren für mein Team tätig ist. Er ging mir gelinde gesagt immer mit seinen ausschweifenden Erzählungen auf die Nerven. Allerdings geht er nun in Rente und ein Abschlussmittagessen war da nur höflich… Ich stellte mich auf eine Stunde anstrgenden Small Talk ein. Witzigerweise entwickelte sich ein sehr interessantes Gespräch über Reisen und er gab mir ziemlich viele Reisetipps. Und das noch nichg genug. Als ich am nächsten Tag an meinen Arbeitsplatz kam, hatte er mir für meine nächsten Ziele Karten ausgedruckt und Orte, Restaurants, Hotels, etc. markiert, die er empfehlen kann. Ich war begeistert.

Mein Fazit: An jedem gibt es etwas Positives zu entdecken, aber es kostet mich auch weiterhin Energie dies zu tun. ;-)

by Helen

Höher, schneller, weiter – Grenzen das gibt es doch nur für die Anderen. So oder so ähnlich lief mein (Berufs-)Leben bisher ab. Ob im Studium, später im Jobeinstieg, bei der ersten Führungsposition oder jetzt nach fünf Jahren als Führungskraft – keine Herausforderung war vor mir sicher. Egal, ob ich am Wochenende durcharbeite, weil ich an meiner Doktorarbeit bastle, einen Vortrag halte oder Workshops für Studenten veranstalte. Mal eben für ein halbes Jahr auf einen anderen Kontinent? Alles kein Problem für mich.

Genau wie Cloe gestern schrieb: Es muss aber von Herzen kommen und Spaß machen. Und in letzter Zeit beschleicht mich immer öfter der Gedanke, ob es mir die Einschränkung im Privatleben wert ist, die nächste große Herausforderung anzunehmen. Beispielsweise schlug mir eine sehr geschätzte Kollegin auf der nächst-höheren Ebene vor, an einen internationalen Standort zu gehen. Sehr attraktive Stelle. Sie kennt den Standortleiter. Leider passt das bei mir privat überhaupt nicht gerade. Und so schlug ich die Möglichkeit aus. Und erntete von ihr einen – wie ich interpretierte ;-) – mitleidigen Blick. Und wisst ihr was – genauso hätte ich auch reagiert, wenn mir eine jüngere Frau erklärt hätte, dass sie wegen dem Privatleben eben nicht ein Jahr nach Timbuktu geht. Aber gleichzeitig spüre ich gerade meine eigenen Grenzen und dass ich diese für mich mittlerweile klarer ziehe. Auch wenn das bedeutet, dass ich nicht mehr jeden Sprung sofort mitmache. Gleichzeitig gewinne ich auch Gelassenheit und verfolge meine Ziele strategischer. Über den Seitenblick geärgert habe ich mich trotzdem… aber ich stehe zu meinem Bauchgefühl.

by Helen

Und mal wieder so ein Aha-Erlebnis. War mit einem Kollegen essen, mit dem ich bisher nichts bis wenig zu tun hatte. Er ist seit 30 Jahren (!) im Konzern und schon lange auf „meiner“ Führungsebene. Mit anderen Worten, der hat da wirklich schon viel erlebt. Zuletzt eine Besonderheit: Gleich zwei Chefinnen, die sich den Posten teilen. Sehr ungewöhnlich. Daher war ich natürlich entsprechend neugierig, wie er denn das ganze so findet. Und so lenkte ich das Gespräch in Richtung seiner ehemaligen Chefs (beide männlich und mir bekannt) und dem Chefinnen Duo.

Er war in Redelaune und meinte frei heraus: Ehrlich gesagt fand ich an meinen Chefs immer gut, dass sie mich hinterfragt haben und Details wissen wollten. Die sind aktiv mit mir in die Diskussion getreten über die Inhalte meiner Arbeit. Das machen die Chefinnen nicht. Die verlassen sich auf mich, hinterfragen wenig und kommen dann wieder zurück, wenn es Fragen von außerhalb des Bereichs zu meinen Themen gibt. Er fand diese Situation jetzt nicht dramatisch, gab mir aber deutlich zu verstehen, dass es für ihn toll war zu wissen: Meine Chefs haben alles mit mir „abgeklopft“ wir „challengen“ uns gegenseitig und verteidigen uns so indirekt gegen dumme Fragen von außen.

Als Frau war mir die Sache sofort klar: die Chefinnen machen das natürlich nicht. Denn ich persönlich finde es auch viel angenehmer, wenn mir in der Zusammenarbeit voll vertraut wird. Dazu gehört es natürlich auch, dass man mal eine Frage stellen kann – so als Chef. Aber im Großen und Ganzen wünsche ich mir eigentlich, dass meine Arbeit so angenommen wird wie sie ist – ich liefere schließlich Qualität, die nicht aufs kleinste Detail hinterfragt werden muss. Er hatte hier eine ganz andere Wahrnehmung: Im Disput mit meinen Chefs kann ich mich messen und sehe „im spielerischen Wettbewerb“ wie gut (oder schlecht) ich wirklich bin und wie gut vorbereitet ich dementsprechend in die „Welt da draußen“ gehe. Vielleicht sind die Chefinnen so gepolt wie ich: Sie denken, wenn sie ihre Mitarbeiter kritisieren oder hinterfragen, unterläuft dieses Verhalten das Vertrauen im Team.  Dabei geht es gar nicht um Vertrauen, sondern um das gute Gefühl an alles gedacht zu haben. Ich werde mal versuchen das bei mir zu beobachten. Doch lieber einmal mehr nachfragen und sehen wie es bei meinen Mitarbeitern so ankommt. Ein kleines Führungsexperiment sozusagen…

by Helen

Achtung. Disclaimer. Bevor ihr diesen Artikel lest, solltet Ihr dringend zur Kenntnis nehmen, dass ich mich privat derzeit in einer mehr als turbulenten Zeit befinde (nein, mehr wird nicht verraten). Jedenfalls wird mir daher derzeit einmal mehr bewusst, was eigentlich wichtig ist im Leben. Und plötzlich passieren mir Geschichten, wie die folgende:

Ein Kollege etwa in meinem Alter, wurde auf meine Ebene befördert. Im Konzern bedeutet das, dass er jahrelang an diesem Schritt arbeiten musste, bzw. warten musste bis er „an der Reihe“ war. Eine schier endlose Gedulds- und Willensprobe. Natürlich ist er im siebten Karrierehimmel (falls es sowas gibt). Seinen Vorgänger kenne ich auch – er ist ebenfalls etwa in unserem Alter. Ich gratulierte meinem Kollegen natürlich und nutzte die Chance auch gleich zu fragen, was sein Vorgänger eigentlich jetzt macht. Die überraschende Antwort: „Der geht nach Paris. Da wohnt seine Freundin.“ Aus dem Ton, in dem er antwortete konnte ich klar und deutlich seine Message raushören: So ein Vollidiot, hat eine super Stelle im super Konzern und kündigt. Wegen einer Frau! Klar – aus seiner Perspektive betrachtet – ist so ein Schritt natürlich nicht nachvollziehbar. Er musste jahrelang arbeiten um das zu erreichen, was der andere hatte – und der schmeisst es einfach weg.

Normalerweise hätte ich ihm wahrscheinlich zugestimmt. Hätte gesagt, dass die Karriere vorgeht bzw. dass das schon eine sehr, sehr schwierige Entscheidung wäre. Aber im Moment ist nichts normal bei mir. Ich merke dass das Privatleben die Achillesferse ist. Dass ohne das private Glück alles andere seinen vermeintlichen Glanz verliert. Und so sagte ich: „Wow Paris – toll für ihn. Lebensglück ohne eine Karriere ist möglich. Aber Lebensglück ohne ein glückliches Privatleben. Ich wüsste nicht wie das gehen soll.“

Das mag im Moment sehr drastisch daher kommen, aber ich glaube schon ein Stück weit daran. Denn das Private hat ja auch einen großen Abstrahleffekt. Ich glaube fest, dass Chefs und Kollegen merken, ob du daheim das Back-up bekommst, dass du brauchst. Sei es durch einen Partner, eine Familie oder Freunde. Denn privates Glück ist ja individuell. Genau darüber habe ich dann mit einem anderen Kollegen diese Woche beim Mittagessen gesprochen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Ich erzählte ihm ein bisschen von meinem aktuellen Chaos und er sagte: Klar, dass bei dir im Moment auch karrieremäßig sich wenig bewegt. Man muss es auch im privaten schaffen Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Denn wie will man überzeugend im Job den entscheidungsstarken Manager darstellen, wenn man privat noch auf dem Commitment-Level eines ungebundenen Studenten unterwegs ist.

Hart – aber nicht ganz unwahr. Von daher heute mein nachdenklicher Aufruf: Verliebt euch! Übernehmt Verantwortung für Menschen in eurem Umfeld! Bindet euch! Ja, dann bin ich nicht mehr so frei wie vor 10 Jahren, aber das Netz auf dem ich balanciere wird auch viel engmaschiger. Und das wirkt sich dann hoffentlich auch auf den Job aus.

by Helen

Ich traute meinen Augen nicht als er vor meiner Tür stand – ausgerechnet mein ach so schwieriger Teamleiterkollege, der mir im Joballtag das Leben mit fiesen Sprüchen und Intrigen schwer macht, steht vor mir. Ich hatte ihn nicht eingeladen, aber meine liebe Kollegin hat ihn kurzfristig als spontane Begleitung mitgebracht. Völlig unerwartet drückt er mir ein sehr persönliches Geschenk zu meiner Party in die Hand. Kennt ihr diese Geschenke, mit denen man nicht rechnet, die aber völlig durchdacht und berührend persönlich sind? Als ob wir schon ewig die besten Freunde wären. Sind wir aber nicht! Und ich frage mich, wie kriegt er das hin? Wochenlang einen strategischen Grabenkrieg mit mir führen, auf meine Kosten bei den Chefs glänzen wollen und jetzt privat einen auf „Best Buddy“ machen. Und für ihn ist das scheinbar völlig normal.

Eigentlich mag ich ihn ja. Aber in letzter Zeit waren wir fachlich einfach total unterschiedlich unterwegs. Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns einfach mal zusammen setzen und die fachlichen Differenzen ausräumen. Wir sitzen in Nachbarbüros – also der Weg wäre nicht zu weit gewesen. Statt dessen spielte er die “Hierarchie-Karte” und bastelte unabgestimmt mit mir Folien für seinen Chef, der diese wiederrum meinem Chef zuschickte, woraufhin ich dann die “Antwortfolien” basteln musste usw. Und so führten wir eine Diskussion über die Schreibtische unserer Chefs, die wir wahrscheinlich in einem Gespräch hätten ausräumen können. Noch schlimmer wurde es, als die Gespräche anfingen unsachlich zu werden und ich mitbekam, dass er gegenüber seinem Chef den ein oder anderen negativen Kommentar über mich fallen lies….

Mit anderen Worten: Er ist im Moment der letzte von dem ich ein Geschenk erwartet hätte – oder ein Geschenk gewollt hätte.

Und mal wieder frage ich mich: Warum schaffen Männer das. Teilweise mit härtesten Bandagen kämpfen, obwohl sie persönlich gar nichts gegen dich haben. Ich als Frau differenziere da schon – wenn ich jemanden nicht leiden kann, packe ich auch die harten Bandagen aus, aber wenn es um gute Kollegen geht, hätte ich schon irgendwie Hemmungen, diese Person in die Pfanne zu hauen! Oder habe ich da jetzt einfach ein zu dünnes Fell?

by Cloe

Manchmal muss man einfach seine Position akzeptieren und sein Verhalten der zugewiesenen Rolle anpassen. Solange es sein muss. Die, die nach oben wollen, sind ungeduldig. Man möchte mehr, kann auch mehr und bekommt weitgehend positives Feedback in den ersten jungen Berufsjahren. Soweit so gut. Hierarchien und Rollen sind für Menschen in Organisationen jedoch wichtig sich zu orientieren, damit nicht alle aus der Reihe tanzen und Chaos entsteht. Wie meine Oma immer sagte: „Kann ja nicht jeder machen was er will“. :)

Wenn man unten in der Managementhierarchie anfängt,  dann gibt es auch hier einen Bewegungsspielraum, der einen zugewiesen wird. Wenn man die ganz große Welt bewegen will, immer alles sagen will was man denkt, “muss man vielleicht sein eigenes Unternehmen aufmachen und es versuchen”, sagt ein Kollege oft. Ein bisschen hat er Recht. Ein mir wichtiger Kollege hat mich heute zum Lachen gebracht und mir eine Sichtweise präsentiert, die mir das Geduldig sein erleichtert, als es mal wieder nur darum ging vor dem ganz großen oberen Top-Management aufzutreten, Projektfortschritte zu berichten, Entscheidungen abzuholen und alle Ampeln auf grün zu präsentieren. Natürlich ganz kurz, gut gelaunt und in einer unterhaltsamen Weise. Kein großes Aufsehen, „only positiv impressions“.  Was man wirklich denkt, gerne länger Stolperfallen mit dem Management besprechen möchte oder doch mehr Budget bräuchte, ist hier kein Thema, wenn es politisch von Nachteil ist. Vor unserem „Einlass“ zu unserem Slot meinte er trocken: „So, ab in die Dogs-and-Pony-Show und danach wieder Weitermachen am Projekt.” Ich so: „Was?“ Er so: „Das ist die Show, die im Zirkuszelt dann gefahren wird, wenn alle Zuschauer reinkommen, Plätze suchen, Cola und Popcorn erst richtig versorgen müssen und Unruhe im Zelt herrscht. Diese Show ist nur für die gute Laune da und hat noch keine wichtige Relevanz. Lockere Unterhaltung also und alle freuen sich. Hunde und Ponys und poppige Musik mag jeder“. Seit dem liebe ich diese Auftritte. Eine Dogs-and-Pony-Show ist doch was Nettes und tolle Kollegen, die einem das Business versüßen, sind einfach wertvoll :) .

by Liz

Zwei meiner Mitarbeiterinnen haben diversen Kolleginnen und Kollegen Spitznamen vergeben – am Rande bekomme ich das manchmal mit. Sie sind lustig und wirklich charakteristisch muss ich sagen. Neulich musste ich ganz schön schlucken, als einer der beiden mein Spitzname versehentlich rausrutschte: Mutti.

Mutti?????? Ich???? Oh nein!!! Möchte ich als Führungskraft das Image und den Ruf einer Mutti haben??? Wohl eher nicht!!

Oh mann, warum gerade dieser Spitzname habe ich mir gedacht. Nach einigem Nachdenken irgendwie naheliegend: ich kümmere mich immer um mein Team, frage wie es ihnen geht, gebe Ratschläge, setze mich für sie ein, verteidige sie. Wenn ich mitbekomme, dass sich Kollegen untereinander nicht verstehen und es Ärger gibt, spreche ich mit beiden und versuche zu vermitteln. Vielleicht mache ich das ein bisschen zu häufig!? Sollte ich mehr Distanz aufbauen, zwischen mir und meinen Mitarbeitern? Ist es von Vorteil oder eher nachteilig, wenn man sich auch persönlich gut versteht, wenn man Privates voneinander weiß und eine gewisse Nähe zulässt?

Eines steht fest, wenn ich den Job wechsle und Führungsgraft eines neuen Teams bin, werde ich darauf achten, ein klein wenig mehr Chef-Mitarbeiter-Distanz zu wahren. Ich glaube das ist durchaus gesund und schadet auch nicht einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Ich werde immer einfühlsam sein und ein Gespür dafür haben, ob es jemandem gut geht oder nicht – so bin ich nun mal. Meine Sensibilität und Emotionalität sind letztendlich auch meine Stärken. Aber ich denke ich muss lernen, diese Stärken in einer kleineren Dosis im Arbeitsleben einzusetzen, oder gezielter. Mal sehen, wie schnell ich das umsetzen werde. :-)

by Cloe

Karriere-Frau und oberwichtiger Job hin oder her: Eine Freundin hat es mit einer reinkommenden SMS ihrer Tochter bei einem Glas Prosecco in einer Bar nach Feierabend auf den Punkt gebracht: „Mama, Monti hat auf den Teppich gekotzt“. Tag so far: Im Kostüm wichtige Sitzungen geschmissen, harte Entscheidungen durchgefochten, Mitarbeitergespräche geführt, Kundenwünsche erfüllt und in der Mittagspause ein kurzes und leichtes Business Essen eingenommen – diesmal waren die schicken “ Berater-Pommes“ (Sushi) dran. Monti ist der Hund der Familie und nach dieser SMS bedeutet dies natürlich bei Heimkehr Arbeit, welche aber sowas von fernab des Karriere-Frauen-Image ist, weiter weg geht’s gar nicht. Ich selber habe keinen Hund, auch keine Kinder (ich bewundere hier meine Freundin, wie sie das alles schmeisst) - trotzdem fiel mir persönlich prompt ein, dass auch auf mich Dinge zu Hause warten. Dinge, die einfach nicht zum Alltag einer Business Woman auf den ersten Blick passen und schon gar nicht in den Medien diskutiert werden.

Das im Folgenden nun so hübsch beschrieben, läuft einfach NICHT regelmäßig nach Feierabend ab: Prosecco-Abende, Glamour-Shopping Touren, Fitness-Studio Besuche und Hot-Iron-Kurse sowie die perfekten Dinner mit Lebenspartner oder Freunden (Essensgespräch ob wir den Barcelona-Trip am Wochenende machen sollen oder nicht inklusive). Zu Hause warten einfach oft ganz andere Dinge (neben den gesellschaftlich eh schon akzeptierten Bedürfnissen wie putzen, essen und schlafen) – die die kleinen Heinzelmännchen nachts einfach nicht mit erledigen, Business Woman hin oder her. Mir fiel also ein, dass mein Duschvorhang gerissen ist, meine Bettwäsche dringend mal wieder gewechselt werden muss, ich eine fette Schramme in mein Auto gefahren habe, die repariert werden muss, meine Steuererklärung sehnsüchtig auf mich wartet, meine Absätze in den hohen Pumps abgebrochen sind, eine kleine unangenehme Familienangelegenheit zu klären ist und sich ein undefinierter Schimmel draußen im Garten an der Hauswand breit gemacht hat. Und ich habe Streit mit meinen Nachbarn, weil mein Auto nicht perfekt in der Tiefgarage parkt. All die Dinge, die keiner in sein Leben wirklich einplant. Also Mädels, genug Puffer für solche Aktivitäten einplanen, akzeptieren und im Leben willkommen heißen. Stellt überings auch eine gewisse Ablenkung zum Wahnsinn in einer Firma dar, wobei an dieser Stelle gesagt werden muss, dass der Gang zum Auto reparieren als Frau hier sicher eine eigene Story wert ist… ;)

by Helen

Letzte Woche war ich ja auf Klausur. Für die Nichteingeweihten: Das bedeutet, wenn sich mind. zwei bis drei Mitarbeiter vom normalen Tagesgeschäft ausklinken, um sich mit besonderer Intensität einem oder mehreren Themen zu widmen. Meist an einem anderen Ort, als dem normalen Arbeitsort. Und meist widmet man sich anderen Themen, als dem normalen operativen Geschäft.
Irgendwie hatte ich gehofft, dass etwas total außergewöhnliches auf dieser Klausur passiert. Über das ich dann heute hier hätte schreiben können. Aber so wars leider nicht, es war einfach wie immer. Wie auf den gefühlt 263 Klausuren, auf denen ich vorher schon war. Aber das kann auch etwas Gutes sein. Denn die Klausuren, auf denen ich war, lassen sich in vier verschiedene Kategorien einteilen. Und manche davon sind richtig unangenehm.

Klausurtyp 1: Die Assessment Center-mäßige Klausur
Normalerweise werden hier neue Mitarbeiter oder Führungskräfte zusammen gepfercht, um zu schauen, wie sie so miteinander umgehen – so Softskill-mäßig. Wenn sie also in einem abgelegenen Hotel eine Reihe von stolpernden Mittdreissigern sehen, die mit verbundenen Augen durch die Gegend stolpern oder die versuchen zu fünft auf einem zusammengefallteten Stück Tageszeitung zu balancieren, dann sind diese Leute nicht verrückt, sondern High Potentials. Ich habe solche Veranstaltungen je nach Gruppenzusammensetzung bisher auf einer Skala von schrecklich nervtötend bis ganz unterhaltsam erlebt.

Klausurtyp 2: Die Arbeitsklausur
Die selben Deppen sitzen zu den selben Themen zusammen und diskutieren den selben Mist mit den ewig selben Argumenten. Aber sie sind in einem Hotel am Starnberger See und es gibt Kuchen in den Kaffeepausen. Ungefähr genauso wie normal arbeiten, nur das man hinterher ein Kilo mehr wiegt.

Klausurtyp 3: Die “Wir-haben-schon-so-lange-nicht-mehr-richtig-Zusammengesessen” Klausur
Die selben Deppen sitzen zusammen, obwohl die üblichen Themen und üblichen Diskussionen derzeit nicht für eine tagesfüllende Klausur ausreichen. Trotzdem rottet sich das Management in einem Hotel am Starnberger See zusammen. Die Kaffeepausen dauern länger, ab 16 Uhr werden You-Tube Videos am Beamer gezeigt. Langweilig bis Unterhaltsam und am Ende hat man 2 Kilo zugenommen.

Klausurtyp 4: Die Change Management Klausur
Diese Klausur wird einberufen, wenn eine große Veränderung ansteht. Zum Beispiel ein Merger oder eine große Umstrukturierung. Ich finde diese Klausuren immer zu tiefst unangenehm und das aus zwei Gründen: zum einen habe ich schon miterlebt, wie neben mir Existenzen zerstört wurden und das ohne jede Vorankündigung. So nach dem Motto: “Aber auf dem Organigramm bin ich ja gar nicht drauf.” So etwas vor der versammelten Mannschaft zu erfahren ist äusserst unangenhm. Und zum zweiten finde ich es wiederlich mit anzusehen, wie sich die Kollegen vor dem potentiellen neuen Chef wie Hunde auf den Rücken werfen. Pfui!