Lipstick and Laptop

by Helen

Gestern schrieb Cloe davon, dass man sich selbst immer mitnimmt. Total richtig! Dieser Artikel trifft für mich gerade den Nagel auf den Kopf. Mein Jahr startete turbulent in vielerlei Hinsicht. Auch Job-mäßig standen etliche Veränderungen ins Haus. Mitten in dem ganzen Trubel, bekam ich von einem alten Vorgesetzten, der mittlerweile eine Top-Position inne hat, einen sehr interessanten Job angeboten. Ganz andere Aufgabe, viel mehr Verantwortung, Macht und Geld, aber auch Stress. Ich überlegte hin und her. Mein erster Impuls: Klar mache ich! Zum einen bekommt man so eine Chance nicht jeden Tag, zum anderen war ich durch die Veränderungen in meinem jetzigen Umfeld irgendwie demotiviert und fühlte mich irgendwie nicht so richtige gewertschätzt. Klar, dass es da verlockend wirkt, einfach irgendwo anders anzufangen.

Aber irgendwie spielte mein Bauchgefühl nicht mit (und ich höre mittlerweile immer mehr auf meinen Bauch). Irgendetwas störte mich an dem Gedanken, die neue Herausforderung anzunehmen. Ich kam aber erst nach einigen Wochen darauf, was es genau war. Irgendwie hatte und habe ich das Gefühlt „hier noch nicht fertig zu sein.“ Ich plädiere an dieser Stelle nicht dafür, es auf jeden Fall und in jeder Situation immer „durchziehen“ zu müssen. Dennoch finde ich es persönlich wesentlich besser, wenn ich gehe, wenn es gerade sehr gut läuft. An diesem abgeleierten Spruch „man soll gehen wenn´s am schönsten ist“ – ist für mich einfach etwas dran. Denn dass es nicht rund läuft, liegt oft auch an mir und wenn ich dann die Zelte einfach abbreche, vermeide ich unter Umständen eine wichtige Lektion für mich zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Außerdem nehme ich dieses latente Gefühl der Unzufriedenheit bzw. das fehlende Selbstbewusstsein, die Situation nicht „richtig“ gemeistert zu haben, mit. Und das ist unter Umständen nicht die Erfolgskombi, die man für eine neue Aufgabe bleibt.

Lange Rede – Kurzer Sinn: Helen bleibt im Konzern und gibt nochmal richtig Gas.

by Cloe

Also, ich ziehe mal ein Fazit, in dem, was mich grundsätzlich im Job weitergebracht hat, um die Diskrepanz im Verständnis für und miteinander zwischen Männern und Frauen zu optimieren. So habe ich mal allgemein gesprochen hohe Ziele erreicht und größere Erfolge sichern können. Auch beim Einfordern von Mitteln erhielt ich, was ich wollte – mit Hilfe von drei Regeln, die bestimmt nicht neu sind, zu wiederholen sich aber regelmäßig lohnen. :) Mit der Erfüllung dieser drei Regeln, behaupte ich für alle Beteiligte eine Orientierung gegeben zu haben, die klar und zielsicher ist sowie Verwirrung und Unsicherheit vermeidet. Und das ist es doch, was wir wollen. Immer dann, wenn ich alle drei Regeln womöglich zusammen – oder einzelne davon nicht beachtet habe, wenn es drauf ankam, ging es in die Hose. Nicht nur ich war dann immer irritiert, verunsichert und down – mein Gegenüber war es auch. Der Mensch ist stückweit Spiegel seines Gegenübers. Nun zu den Regeln:

  1. Das Beste ist gerade gut genug! Auch für uns Frauen. Greift nach den Sternen und seid versichert, dass ihr es verdient habt. Fordert klar, was ihr wollt und davon das Maximum in bester Qualität. Nur so geht Erfolg. Falsche Kompromisse zu Lasten der Qualität ist immer ein großer Reinfall.
  2. Selbstbewusstes auftreten! Auch wenn man sich manchmal nicht danach fühlt. Ausstrahlung hilft und baut Unsicherheiten ab. Auf beiden Seiten. Und wenn ihr nicht von euch überzeugt seid, dann ist es auch kein Anderer.
  3. Offen auf Männer zugehen! Männer haben auch Ängste, nehmt Ihnen diese. Mit einem Lächeln, einem offenen Ohr und konstruktiven Gesprächen ohne Vorurteile kommt man am schnellsten miteinander voran. Am besten persönlich immer mal auf einen Kaffee vorbeischauen. Hilft.

by Helen

In zwei Tagen habe ich ein Gespräch. Mit meinem Chef-Chef-Chef (oh ja wir haben hier viele Hierarchien im Konzern – man könnte fast meinen da drüber kann keiner mehr kommen – aber weit gefehlt…).

Jedenfalls ist das ein schwieriges Gespräch für mich. Denn ich weiss nicht, was ich ihm rüberbringen will. Normalerweise ist das ja ganz einfach. Man überlegt sich was sein eigenes Ziel für so ein Gespräch ist, überlegt sich was das Ziel des anderen ist. Dann überlegt man sich wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen und wie man das verkaspern könnte. So, dass es für beide passt oder zumindest so, dass ein vernünftiger Kompromiss herauskommt. Aber ich drehe das Thema jetzt seit sechs Wochen im Kopf herum und mir fällt nicht ein, was ich tun könnte. Zumal ich auch seine  Position nicht 100% einschätzen kann.

Tatsache ist, dass er mir gerne einen neuen Job verpassen würde (meinen jetzigen mache ich seit zwei einhalb Jahren). Es wäre eine Rotation auf gleichem Level, ein Vorstellungsgespräch hatte ich bereits. Tatsache ist allerdings auch, dass ich diesen Job nicht will. Ich habe versucht es mir schön zu reden, habe über mein Netzwerk versucht mehr Infos über die Stelle zu bekommen, um ihr vielleicht doch noch was Positives abzugewinnen… Aber es nutzt nix – I mog net! Leider ist aus Perspektive meines Chef-Chef-Chefs diese Stelle allerdings die wichtigste und tollste Stelle überhaupt (Vor ca. 100 Jahren hat er die Stelle selbst mal gemacht). Wie bringe ich ihm also rüber, dass ich das nicht so sehe? Ohne undankbar zu wirken? Oder bin ich vielleicht undankbar? Sollte ich nicht vielleicht doch die Arschbacken zusammenkneifen und den Job, den er mir angedeihen lassen will machen? Runiniere ich nicht meine Karriere, wenn ich jetzt nein sage? Bzw. wie und mit welchen Argumenten kann ich “nein” sagen, so dass es wenigstens halbwegs positiv bei ihm ankommt.

Ich nehme an “Ich habe einfach keine Lust” ist nicht das richtige Argument ;-) – Aber irgendwie bin ich mittlerweile an einem Punkt, wo ich auch mal an mich denken will. Ob das richtig ist, weiss ich nicht, aber jeden Mist einfach hinnehmen, das kanns ja auch nicht sein. Zumal ich dann auch noch mindestens zwei Jahre durchhalten müsste. Zwei Jahre meines Lebens – sie ist mir so kostbar geworden meine Zeit, dass ich sie sinnvoll nutzen will. Und ich bin so selbstbewusst geworden, zu sagen, dass nur ich den Sinn bestimmen kann und darf.

Und jetzt muss ich das irgendwie gut verpackt bekommen ;-) ! Hilfe!

by Cloe

Mein Kollege und ich haben eine konzeptionelle Niederlage hinnehmen müssen. Ja, einfach so müssen. Per Hierarchie-Kaskade. So sind nun mal die Spielregeln. Irgendwie stand sowieso alles unter einem schlechten Stern. Wir wussten, der CEO ist heute angespannt und maximal schlecht gelaunt. Welche Ursache ist unerheblich, ob er sich nun mit seiner Frau zuhause gestritten hat, das Business nicht so läuft oder persönlich einfach mal nicht mit sich oder der Welt zufrieden ist… Genau das haben wir abbekommen, glauben wir zumindest. Tagelang hatten wir uns vorbereitet, ein neues Kundenevent-Konzept erarbeitet.  Alle Management-Vorgaben umgesetzt: inklusive hochkarätige Gastredner, die perfekte Darstellung der Unternehmens-Expertise geplant und Roundtables, bei denen klassische Kundenprobleme in Ansätzen gelöst werden, vorbereitet. Kundenliste fertig, Budget minimal belastet. Doch es sollte nicht sein.

Schon beim Betreten des Meeting-Raumes zu unserem „Slot“ lag die gefühlte Wassertemperatur auf -1000 Grad. Der CEO sowie die Director und Principal-Ebene maximal angespannt. Auch mein gesamtes Portfolio an weiblichem Charme hat nix geholfen. Die Präsentation wurde zuende gehalten, der CEO hat währendessen und danach gar nichts gesagt (!), obwohl alles mit ihm abgesprochen und er es genauso wollte. Die Ebene der Director und Principale also maximal angestachelt, haben den Plan kurzerhand als zu teuer, zu aufwändig und inhaltlich schlecht ausgearbeitet bis unrealistisch umsetzbar abgestempelt. Völlig absurd und frustrierend für uns, denn das Konzept war keine Innovation, sondern Standard am Markt. Mein Tag war gelaufen. Heute rückblickend, kann ich sagen, dass dies eines der „Rettet-die-Schildkröten“-Tage war: denn eine Woche später war das selbe Konzept plötzlich hochgelobt, Best-Ever und wurde so mit leichten Adaptionen erfolgreich umgesetzt. Wie besprochen.

Warum wollen mein Kollege und ich nach solchen Tagen grundsätzlich aussteigen und eine Schildkröten-Farm aufmachen? Ganz einfach: Der oberste Boss ist schlecht gelaunt, gibt seine Laune mit dementsprechenden unfairen Verhaltensweisen an die Hierarchie darunter weiter, diese Manager/Innen quälen den nächsten Mitarbeiter, der Mitarbeiter geht nach Hause, lässt seinen Frust an seiner Ehefrau/ Ehemann aus, diese/r nervt die Kinder und die Kinder töten die Schildkröte. Deshalb arbeiten wir an solchen „Stress-Weitergabe-Tagen-per-Hierarchie“ an unserem Businessplan Schildkröten-Farm.

by Liz

Ist es Euch auch schon einmal so ergangen, dass ein männlicher, äußerst ambitionierter Kollege neu ins Team kommt und direkt in den ersten Tagen meint, die Dinge in die Hand nehmen zu müssen. Plötzlich korrigiert und kontrolliert er in Deinem Aufgabenfeld herum und meint Dir sagen zu müssen, wie Du Deinen Job zu machen hast! Ständig kommt er Dir in die Quere, seine Fragen und Anregungen provozieren Dich und der Blutdruck steigt von Tag zu Tag. Die Alarmglocken klingeln: Profilierung auf meine Kosten? Ganz sicher nicht! Aber was tun? Den Hahnenkampf erst einmal weiter beobachten und abwarten? Auf volle Konfrontation gehen und ihm sagen wo es lang geht? Oder sich doch lieber fügen?

Meine Strategie: Konfrontation! Aber nicht mit der Türe ins Haus fallen, sondern mit vollem Einsatz meines weiblichen Einfühlvermögens, denn immerhin haben wir Frauen die emotionale Intelligenz gepachtet!
Also habe ich den Kollegen zu einem Termin eingeladen, um unsere Zusammenarbeit zu besprechen und ihm die Schnittstellen unserer Aufgabenbereiche näher zu erläutern. Er hat sofort angenommen und mir zunächst Honig um den Mund geschmiert, ich sei doch schon länger dabei und könne ihm sicherlich einige hilfreiche Tipps bezüglich der internen Prozesse geben. Ich total impulsiv, die Röte ins Gesicht steigend, hab mir nur gedacht: Tipps geben? Ich?? Neee nee…. so war das nicht gedacht. Ich werde dir erst einmal zeigen wo es lang geht! Immerhin habe ich mal gelesen, dass derjenige, der zuerst reagiert, die Oberhand hat. Also los!

Ganz ehrlich – hier habe ich eine Gefahr gesehen wo es überhaupt keine gab. Nicht jeder männliche Kollege will sich auf Deine Kosten profilieren, nicht jeder stellt sofort und gleich Deine Kompetenz in Frage, nur weil er versucht sich zu positionieren, seine Rolle im Team zu finden.
Das Gespräch verlief unerwarteterweise wirklich kollegial und wertschätzend. Wie sich heraus gestellt hat, schwamm der neue Kollege in der Tat völlig im Dunkeln, weil er weder eine Einarbeitung noch Übergabe erfahren hatte. Er war um jeden Rat dankbar. Am Ende des Gesprächs stand der Schulterschluss im Mittelpunkt.

Oh mann, fast hätte ich mir selbst einen mega „Zicken-Stempel“ auf die Stirn gesetzt. Von wegen emotionale Intelligenz und so. Manchmal ist weniger mehr! Aber ist ja nochmal gut gegangen…. :)