Lipstick and Laptop

by Helen


Das Neue Jahr hat angefangen und ist auch nach drei Arbeitstagen für mich schon wieder voll im Gange. Und wie jedes Jahr am Jahresanfang stehen die Mitarbeitergespräche an. Hier im Großkonzern haben wir natürlich für alles Deckel. Deckel für Gehaltserhöhungen, Deckel für Schulungen, Deckel für Weiterentwicklungen. Und damit wird gefeilscht. Wir schlagen uns also die Köpfe ein, wer seinen Mitarbeiter auf eine Schulung schicken darf, wer Geld verteilen darf und wer einen Mitarbeiter eine Stufe „höher schalten“ darf auf der Treppe der Weiterentwicklung zur Führungskraft. Ein zentraler Bestandteil davon ist bei uns auf das konzerneigene Assessment Center geschickt zu werden. Oder eben nicht. Ohne AC keine Weiterentwicklung und wieder Warten für ein Jahr. In unserem Bereich haben wir viele junge, talentierte Mitarbeiter, die Potenzial haben in naher Zukunft gute Führungskräfte abzugeben. Umso mehr balgen sich meine Kollegen um die begehrten und gedeckelten Plätze für das AC. Und dabei ertappe ich meine (ausschließlich männlichen) Kollegen immer wieder bei folgender Argumentation. Wer möglichst klar, hart und verbindlich zeigt und verbal kommuniziert: „ich will jetzt aufs AC“ hat wesentlich bessere Chancen, als jemand der einfach hervorragend seinen Job macht, aber vielleicht nicht das Rückrad hat, dies ständig zu kommunizieren. Folglich fiel dieses Jahr eine Kollegin hinten runter mit dem Argument: „Sie hat doch gesagt, es wäre ok für sie noch ein Jahr zu warten“. Die Frau macht einen top Job, leitet ein Strategieprojekt, arbeitet bis mitten in die Nacht, zeigt Führungsqualitäten. Aber sie wird niemals hier über den Flur laufen und laut verkünden: „Ich will jetzt aufs AC“. Wie viele Frauen wartet sie wahrscheinlich drauf, dass sie gefragt wird, dass jemand kommt der ihr Talent entdeckt und belohnt. Nur so tickt das System einfach nicht. Ich habe versucht das meinen Kollegen deutlich zu machen, dass eine Frau eher nicht dazu tendiert zu sagen: „Ich will jetzt, sonst schmeiss ich euch hier den Laden hin.“ Ich habe sie gebeten zu verstehen, dass weibliche Kommunikationsmuster anderer seien. Daraufhin argumentierten meine Kollegen, dass sie es ja dann scheinbar nicht genug wollen kann, dass sie ja dann wohl nicht genug brennen würde eine Führungsaufgabe zu übernehmen. Sie vom Gegenteil zu überzeugen, fiel mir mehr als schwer und erwies sich an der ein oder anderen Stelle sogar als erfolglos. Also Mädels – nicht warten, bis ihr gefragt werdet. Eure Chefs sind froh um jedes Jahr, dass ihr ihnen mit eurer Bescheidenheit schenkt. Aber das Jahr gibt euch nachher keine zurück.

by Cloe

Das Manager Magazin bringt zum Thema Frauenquote eine auffallende Schlagzeile: “Führungspositionen machen Männer froh – und Frauen depressiv”. Ich muss zugeben, diese Überschrift hat mich etwas schockiert. In meinem Kopf prüfte ich all meine Gefühle rund um meinen Erfolg als Führungskraft ab – wie habe ich mich gefühlt, was waren meine Antreiber, wo habe ich mich nach Erfolg erschöpft oder als Heldin unendlich stark gefühlt. Ich muss zugeben, solch Schlagzeilen verwirren mich. Ich habe manchmal Angst selber die Realität nicht von “eingebildeten” Problemen unterscheiden zu können. Sowas hatte ich als Kind oder Jugendliche doch auch nicht? Ich bin instinktiv meinen Weg gegangen und dem gefolgt, was mich glücklich machte, was ich für richtig hielt. Im Artikel heißt es:

“Frauen in Führungspositionen zeigen häufiger depressive Symptome als Frauen in weniger einflussreichen Jobs – das ist das Ergebnis einer Studie zweier amerikanischer Wissenschaftlerinnen. Mehr noch: Im Job erfolgreiche Männer seien hingegen weniger häufig depressiv als ihre Geschlechtsgenossen weiter unten in der Firmenhierarchie.”

Der Bezug zur Frauenquote und dass es weitere Instrumente der Förderung bedarf, wird am Ende zu kurz betrachtet und lässt mich mit dieser Schlagzeile mit schlechten Gefühlen zurück. In welche Richtung ich mein Leben und mein Engagement leiten soll, weiss ich jetzt nicht. Am Ende heisst es nur:

“Andere Studien und Eindrücke aus der Wirtschaft zeigten allerdings, dass Frauen in vielen Jobs nach wie vor benachteiligt würden. Entsprechend dürften strukturelle Maßnahmen – wie etwa die neue Frauenquote – nicht die einzigen Instrumente zur Stärkung weiblicher Top-Arbeitskräfte bleiben.”

Der konkrete Vorschlag von Idealansätze im Miteinander gibt es wohl immernoch nicht. Das große “Aha-Erlebnis” noch weit entfernt. Gut aber, die Diskussion weiter am Leben zu erhalten, ist die Gesellschaft in dieser hohen Entwicklungs-Geschwindigkeit doch mitten im Umbrunch und braucht neue Orientierung – für Frau und Mann.


by Helen

“Love what you do – do what you love!” Das hört sich schön an. Und positiv und erfüllend. Aber ich frage mich im Moment immer wieder, ob das eine realistische Perspektive ist. Klar man sollte seinen Job nicht hassen. Oder jeden Morgen mit Bauchweh hingehen. Aber “lieben”? Nicht mal in meiner Freizeit “liebe” ich alles, was mir so tagtäglich über den Weg läuft. Geschweigedenn auf der Arbeit.

Im Moment beschäftige ich mich mit dieser Frage ein wenig intensiver. Zum einen macht Cloe ja jetzt den Schritt in eine neue Richtung. Zum anderen bekomme ich gerad eine Riesenmöhre vor die Nase gehängt, die mir den Ausstieg aus meinem Job im Moment schwieirig macht. Obwohl und das muss ich zugeben: Ich meinen Job nicht liebe. Ich leide nicht unter meinem Job, aber hätte ich einen Lottogewinn in der Tasche, ich würde nicht in meinem Job weiterarbeiten ;-) .

Und das ist, finde ich, ein spannendes Thema: Ist das ok so? Muss ich meinen Job lieben? Oder werde ich irgendwann auf mein Leben zurück blicken und mich fragen, warum ich Jahre lang etwas getan habe, dass ich eben nicht liebe? Und kann ich überhaupt für immer authentisch und mit sehr hoher Qualität etwas tun, dass ich nicht liebe? Eine Antwort habe ich nicht…

Und dann kommt gleich die nächste Frage: Viele meiner FreundINNEN setzen sich mit ähnlichen Fragen auseinander. Überlegen zu wechseln, umzuschulen, selbstständig zu machen, etc. Die meisten Männer hingegen stellen sich meiner Meinung nach diese Fragen nicht so oft und nicht so intensiv. Irgendwie hab ich da meist das Gefühl, Frauen denken in sechs Monats-Rhythmen. Männer eher in fünf Jahres-Rhythmen. Irgendwie scheinen Männer viel gelassener und ruhiger. Nach dem Motto: Einfach mal machen, weniger Hadern. Woran liegt das eigentlich? (Mein Verdacht dazu: Männer sind so auf die Rolle als “Brotverdiener” gepolt, dass sie den Job gar nicht so sehe als “Selbstverwirklichungs-Vehikel” sehen, wie Frauen und rechnen daher von Vorneherein stärker damit, dass es im Job auch mal Durststrecken zu überbrücken gibt.)

by Cloe

Ich hatte euch im letzten Blog von dem Fussball Beispiel und dem Rolleneinsatz Frau berichtet. Die Unsicherheit auf beiden Seiten was nun richtig ist und was nicht, bedeutet doch die Sehnsucht nach Etikette, Regeln und Rollenbilder, die von allen einigermaßen gleich verstanden werden und das positiv Maximum für alle rausholt. An dieser Stelle etwas aus der Vergangenheit, jüngere mögen es vielleicht nicht kennen:

Gab es doch schon in den 50er und 60er Jahren tatsächlich ein Buch, was der Frau beschrieb, wie sie sich zu verhalten habe gegenüber ihrem Mann. Ein Rollenverständnis, was zweifelsohne klare Orientierung gibt. Ein Auszug aus der Zeitschrift „Housekeeping Monthly“ in der Ausgabe vom 13. Mai 1955 stellt die Regeln zusammen. Daraus zitiere ich die Top Punkte, die mich als 1980 Geborene nur ins Staunen versetzt. Mit offenem Mund. Und diesem „Ich bin Baff Blick“. Und dem „Das gab es wirklich?“ Gedanken im Kopf. Ein skurriles Sittenbild. Ich bitte um Entschuldigung, es sind etwas viele Punkte geworden, aber ich konnte nicht mehr kürzen, so unglaublich die doch alle sind… :

  • Halten Sie das Abendessen bereit. Planen Sie vorausschauend, evtl. schon am Vorabend, damit die köstliche Mahlzeit rechtzeitig fertig ist, wenn er nach Hause kommt. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen. Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit (besonders auf seine Leibspeise) gehört zu einem herzlichen Empfang, so wie man ihn braucht.
  • Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen.
  • Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag und es gehört zu Ihren Pflichten, dafür zu sorgen.
  • Machen Sie die Kinder schick. Nehmen Sie sich ein paar Minuten, um ihre Hände und Gesichter zu waschen (wenn sie noch klein sind). Kämmen Sie ihr Haar und wechseln Sie ggf. ihre Kleidung. Die Kinder sind ihre “kleinen Schätze” und so möchte er sie auch erleben. Vermeiden Sie jeden Lärm.
  • Seien Sie glücklich, ihn zu sehen.
  • Begrüßen Sie ihn mit einem warmen Lächeln und zeigen Sie ihm, wie aufrichtig Sie sich wünschen, ihm eine Freude zu bereiten.
  • Hören Sie ihm zu. Sie mögen ein Dutzend wichtiger Dinge auf dem Herzen haben, aber wenn er heimkommt, ist nicht der geeignete Augenblick, darüber zu sprechen. Lassen Sie ihn zuerst erzählen – und vergessen Sie nicht, dass seine Gesprächsthemen wichtiger sind als Ihre.
  • Der Abend gehört ihm. Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder ohne Sie zum Abendessen oder irgendeiner Veranstaltung ausgeht. Versuchen Sie stattdessen, seine Welt voll Druck und Belastungen zu verstehen. Er braucht es wirklich, sich zu Hause zu erholen.
  • Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder selbst wenn er die ganze Nacht ausbleibt. Nehmen Sie dies als kleineres Übel, verglichen mit dem, was er vermutlich tagsüber durchgemacht hat.
  • Schieben Sie ihm sein Kissen zurecht und bieten Sie ihm an, seine Schuhe auszuziehen. Sprechen Sie mit leiser, sanfter und freundlicher Stimme.
  • Fragen Sie ihn nicht darüber aus, was er tagsüber gemacht hat. Zweifeln Sie nicht an seinem Urteilsvermögen oder seiner Rechtschaffenheit. Denken Sie daran: Er ist der Hausherr und als dieser wird er seinen Willen stets mit Fairness und Aufrichtigkeit durchsetzen. Sie haben kein Recht, ihn in Frage zu stellen.

Krass oder? Eines muss ich anerkennend zugestehen. Die Regeln sind klar und geben Orientierung. Hält sich jeder dran, gibt es kein Durcheinander. Aber Fakt ist, dass das obige natürlich absurd ist und sich daher auch aufgelöst hat. Was können wir also in heutigen Zeiten tun, um die Orientierung für Frauen UND Männer wieder hinzubekommen. Transparenz und das Erzeugen eines gleichen Verständnis ist hier sicher der Schlüssel zum Erfolg. Es wird noch ein längerer Weg für uns Frauen und Männer werden. Aber das bekommen wir schon irgendwie hin. Und bis dahin gehen wir jetzt erst mal alle auf Oktoberfest. Die Mädels im Dirndl und die Jungs in ihrer Lederhosen. Das steht schon mal fest.

by Cloe

Die Fußballweltmeisterschaft. Schön war es. Und darüber haben wir bei einem Business-Mittagessen, zwei Herren, ich die Dame, gesprochen. Die Stimmung, das Mitfiebern und der tolle Sieg eines Teams, was gezeigt hat, gemeinsam zum Ziel zu kommen. Mit viel Leidenschaft und Zusammenhalt. Dann der Spruch am Mittagstisch: „Sagt mal und was sollten dann am Ende eigentlich die Spielerfrauen da auf dem Feld? Die passen da doch gar nicht hin, schon gar nicht in der tussigen Aufmachung“ (empörtes männliches ernst gemeintes Gesicht schaut mich an). „Die Kinder von Klose waren ja ok, aber die Tussis haben da doch echt nix zu suchen. Das ist doch ein Männerspiel und der Sieg ist mit seinen Fans und dem Trainer zu feiern“.

Ja wo haben denn die Frauen nun etwas zu suchen? Wer sagt denn jetzt, dass Frauen von Spielern im Anschluss und vor den Fernsehkameras nichts zu suchen haben? Gibt es da ein TV Etikette Handbuch, was die Ladies hätten vorher berücksichtigen sollen? Nein, deren Erscheinen war 100% mit Jogi, dem Verein und den Medien abgesprochen. Das wollte man doch so. Ein Bruch mit dem Selbstbild des Fußballs? Schwule Fußballer und nun auch noch Frauen auf dem grünen Rasen Minuten nach dem Sieg? Klingt ein bisschen wie nach etwas unglaublich Verruchtes. Ich muss ja schon etwas schmunzeln. Das mit dem Rollenbild ist doch überhaupt fürchterlich durcheinander gekommen. Und was meine Diskussion heute Mittag angeht, zeigt es doch, dass die Männer auch nicht mehr durchsteigen. Frauen wissen nicht, wie sie sich in den Männerdomänen behaupten sollen und Männer wissen in ihren Männer-Domänen nicht, wie sie die Frauen integrieren sollen, ohne gerade die spaßigen Dinge, die ihnen wichtig sind, aufgeben zu müssen. Nach den armen benachteiligten Frauen, kommen jetzt also die armen Männer, die man die letzten 50 Jahre irgendwie nicht mitgenommen hat in der Entwicklung der Frauen. Morgen muss ich dazu noch was spannendes aus den 50er und 60er Jahren berichten…

by Helen

Wir mache im Moment ein Projekt mit einer Strategieberatung – nein, ich nenne keine Namen.

Und ich muss sagen, es macht mir richtig Spaß. Früher wäre ich genervt gewesen und hätte mich gefragt: wofür brauche ich das überhaupt – ist sowieso nur Geldverschwendung. Heute denke ich: mal gucken was ich mir so abgucken kann. Und das ist eine ganze Menge. Die Kollegen takten unsere Führungsmannschaft richtig durch. Alle 12 Stunden werden Statusberichtet verschickt und Templates erstellt. Und das ganze Medien wirksam über den großen Verteiler gejagt. So verbreitet man eine Stimmung der Geschäftigkeit.

Was ich aber wirklich geschickt finde, ist das Thema „ Es wurde schon alles gesagt – aber noch nicht von jedem“. In Meetings schafft es der Projektleiter der Strategieberatung immer gute Äusserung von Kollegen aufzugreifen, neu zu formulieren und damit zu glänzen. Rechthaben durch Wiederholen – und keiner durchschaut die Masche. Das probier ich jetzt auch mal…

by Cloe

In der ganzen Diskussion im Miteinander von Frauen und Männern, ob Führungskraft oder nicht, wird es oft schnell persönlich. In kleineren Firmen fast noch schneller als in größeren Konzernen. Codes of Ethics, Codes of Conduct, Business Manners und sonstige Verhaltensregeln haben mal durch die Kultur oder schriftlich verfasste Vorschriften Einzug gehalten. Je größer das Unternehmen, je mehr Vorschriften auch hierzu. Mal mega streng, mal oberflächlich beschrieben oder gar missverständlich eingeführt. Manch Kampagnen wie der großen Compliance oder der Diversity Debatte haben oft mehr Unsicherheiten und falschen Umgang geschürt, als geholfen. Oft herrscht viel Verwirrung was im Miteinander nun konform ist, was sind gar menschenfeindliche oder geschäftsschädigende Verhaltensmuster, wo sich Menschen eigene Regeln und  Gesetzte auf die Fahne schreiben. Minderheiten können dadurch benachteiligt oder gar geschädigt werden.

Ok, die Büchse der Pandora habe ich nun ganz groß aufgemacht und möchte sie an dieser Stelle auch ganz schnell wieder zu machen. Es geht in der Firma nicht um einen Überlebenskampf zwischen Personen, sondern grundsätzlich mal um ein wirtschaftliches Ziel, das idealerweise bei den Mitarbeitern positive Betroffenheit und Sinnstiftung auslösen soll, zum Mitmachen animiert und alle für das Gemeine sowie Individuelle Interesse an einem Strang ziehen. Im Miteinander zählt für mich Respekt, Wertschätzung und dem anderen die eigene Würde lassen, also nicht das Gesicht zu verlieren. Das kann doch eigentlich nicht so kompliziert sein. Ist es aber oft, wie man im Alltag feststellen kann. Hier mein Aufruf an die Männer: „Gentlemen at work“-Einstellung wird all dies unterstützen – und Frauen lieben Gentlemen ;) – und mein Tipp an die Frauen: Die Dame im Schachbrett genießt ebenfalls bei eigener damenhafter Haltung viel Anerkennung und Respekt und man behandelt sie dementsprechend auch wie Eine: Go the Lady-Way :)

by Cloe

Ich hatte letztens mit meinen lieben Freundinnen und ein paar aufgeschlossenen Herren eine anregende Diskussion rund um das Thema Frauen und Männer im Business, wie wir ticken, wie wir uns sehen und was für Herausforderungen wir doch alle miteinander haben. Bei einem Bier und Prosecco am Abend. Ganz locker, frei, ohne Zwang. Ohne direkte Arbeitskollegen zu sein, ohne Ziel und Zweck. Das Thema lief sehr spannend, anregend, manchmal lustig und hier und da auch etwas holprig. Wir konnten uns alle auf die Schippe nehmen und ich freute mich über einen unterhaltsamen Umgang mit dem Thema.

Ich musste aber auch zusätzlich zwischen den Zeilen feststellen, dass Frau an dem Abend sehr genau wusste, was alles doof ist, oft klare Forderung stellte und mit der einen oder anderen überflüssigen Emotion fast zickig und enttäuscht wirkte. So erlebe ich es auch oft im Alltag. Der Frust, nicht verstanden zu werden in einer Welt, die Frau am liebsten bereichern möchte, auch einen Platz haben will. Auf der anderen Seite die Männer an diesem Abend, offen, neugierig mehr zu verstehen – den Platz unter den „Frauenversteher“ zu ergattern. Und auch hier wieder Muster aus dem Alltag, die ich nur allzugut kenne: Mann ging die Diskussion analytisch, fast strategisch an und diskutierte „Mehrwerte“, „Einsatzorte“ und Unique Selling Positions (USPs) der Frau durch. Irgendwie kam mir das alles sehr „technisch“ vor, der menschliche, verständnisvolle Teil ging mir abhanden und wurde göttlich von einem Mann gekrönt: „Also ich finde abschließend, dass der Produktionsfaktor Frau seine Berechtigung findet, in Return on Investment (ROI) Berechnungen aufgenommen zu werden“. Wir brachen alle in lautes Gelächter aus und damit war das Eis gebrochen für eine wirklich spannende Diskussion. Im Business Alltag sollten wir viel öfter den Punkt erreichen, wo der Knoten der Oberflächlichkeit und politischen Spielchen platzt und eine wirklich menschliche Diskussion im Miteinander erreicht werden kann. Diese bringt nämlich den wirklichen, ja auch finanziellen Erfolg des Unternehmens.

by Cloe

Gestern hat Liz so einiges auf den Punkt gebracht. In Ihrem Artikel “Achtung Stutenbissig” hat sie das Thema zu was oder wem einige Frauen werden können, nur nicht zu einem authentischen weiblichen ICH thematisiert. Werden viele leitende Frauen wirklich zu schlechten Männer? Oder machen sogar Männer die Frauen zu einem schlechten Abgleich ihrer selbst? Hier ein Hinweis auf die “Ban Bossy” – “Verbannt Bossy” Kampagne von Sheryl Sandberg, CEO von Facebook, die sich hier mit Beyoncé, Condoleezza Rice und Victoria Beckham zusammengetan hat. Sie möchte verhindern, dass das Image des Begriffs „Bossy“ an Frauen haftet und ihnen schadet. Bossy steht für herrisch, rechthaberisch und barsch. Schon kleinen Mädchen, die Stärke zeigen, mehr im Mittelpunkt stehen und die Dinge in die Hand nehmen, werden in den USA und auch im Rest der Welt – ja auch in Deutschland – schnell mal der Begriff „bossy“ um die Ohren gehauen, der eine klare Abwertung und Frauenfeindlichkeit aufzeigt.

Schon im Kindesalter lernen kleine Mädchen, die nicht als herrisch, barsch oder rechthaberisch gelten wollen – und wer will das schon – sich daher zurückzunehmen. Sollten sie doch weiblich weich wirken. Missverständlicherweise hören laut Sandberg Mädchen diesen Begriff als „Negativ-Prädikat“ vier Mal soviel wie Jungs. Jungs werden in der Regel für Dominanz und Durchsetzungsstärke belohnt. Das ist aber nicht Sinn der Sache. Männer zeigen im Business häufig noch die Sorge bei einer Chefin, dass diese sich zu bossy aufführen könnte.

Ich bewundere Mrs. Sandberg, dass sie über den Kampf gegen diesen Begriff in Bezug auf junge Mädchen eine ganze Diskussion über Frauen und Männer im Business am Leben hält. Sie zieht eine Aufmerksamkeit auf sich über einen einfachen Aufsatz ihres erlebten Kindheits-Traumatas. Sie kämpft für den Schutz von kleinen Mädchen UND Jungs, die über diesen Begriff ihre Prägungen erhalten, die beiden im Berufsleben später mal wieder im Wege stehen werden.

by Helen

Finde es toll mal einen Artikel zu lesen, der genau das bestätigt, was ich denke. Es gibt in Deutschland zwei Seiten zum Thema Frauen in Führungspositionen. Die eine Seite ist die „Pflästerchen“ Seite. Da werden Frauenparkplätze geschaffen, Girls Days veranstaltet und Quoten eingeführt. Meiner Meinung nach geht das aber am „wirklichen“ Problem vorbei. Nämlich, dass sich durch solche Maßnahmen, die Firmenkulturen, in denen immer noch männlicher Konkurrenzkampf und Seilschaften herrschen, nicht ändern. Im Gegenteil. Meiner Meinung nach reagieren diese Firmenkulturen durch die Maßnahmen eher noch ablehnender auf das Thema Frauen in Führungspositionen und entwickeln bis Weilen sogar Abwehrmechanismen.

Auch erfrischend finde ich es, so etwas mal aus der männlichen Perspektive zu lesen, wie in diesem Fall von Robert Franken, der vormals als CEO von chefkoch.de tätig war.