Lipstick and Laptop

by Cloe

Manchmal muss man einfach seine Position akzeptieren und sein Verhalten der zugewiesenen Rolle anpassen. Solange es sein muss. Die, die nach oben wollen, sind ungeduldig. Man möchte mehr, kann auch mehr und bekommt weitgehend positives Feedback in den ersten jungen Berufsjahren. Soweit so gut. Hierarchien und Rollen sind für Menschen in Organisationen jedoch wichtig sich zu orientieren, damit nicht alle aus der Reihe tanzen und Chaos entsteht. Wie meine Oma immer sagte: „Kann ja nicht jeder machen was er will“. :)

Wenn man unten in der Managementhierarchie anfängt,  dann gibt es auch hier einen Bewegungsspielraum, der einen zugewiesen wird. Wenn man die ganz große Welt bewegen will, immer alles sagen will was man denkt, “muss man vielleicht sein eigenes Unternehmen aufmachen und es versuchen”, sagt ein Kollege oft. Ein bisschen hat er Recht. Ein mir wichtiger Kollege hat mich heute zum Lachen gebracht und mir eine Sichtweise präsentiert, die mir das Geduldig sein erleichtert, als es mal wieder nur darum ging vor dem ganz großen oberen Top-Management aufzutreten, Projektfortschritte zu berichten, Entscheidungen abzuholen und alle Ampeln auf grün zu präsentieren. Natürlich ganz kurz, gut gelaunt und in einer unterhaltsamen Weise. Kein großes Aufsehen, „only positiv impressions“.  Was man wirklich denkt, gerne länger Stolperfallen mit dem Management besprechen möchte oder doch mehr Budget bräuchte, ist hier kein Thema, wenn es politisch von Nachteil ist. Vor unserem „Einlass“ zu unserem Slot meinte er trocken: „So, ab in die Dogs-and-Pony-Show und danach wieder Weitermachen am Projekt.” Ich so: „Was?“ Er so: „Das ist die Show, die im Zirkuszelt dann gefahren wird, wenn alle Zuschauer reinkommen, Plätze suchen, Cola und Popcorn erst richtig versorgen müssen und Unruhe im Zelt herrscht. Diese Show ist nur für die gute Laune da und hat noch keine wichtige Relevanz. Lockere Unterhaltung also und alle freuen sich. Hunde und Ponys und poppige Musik mag jeder“. Seit dem liebe ich diese Auftritte. Eine Dogs-and-Pony-Show ist doch was Nettes und tolle Kollegen, die einem das Business versüßen, sind einfach wertvoll :) .

by Cloe

Ich möchte kurz etwas Hilfreiches loslassen, was mich bereits seit einigen Jahren in schwierigen Business-Situationen über die Runden bringt. In der Consulting-Branche ist vor allem folgender Rahmen gegeben: hier herrscht das Klima von hoch-bezahlten, hoch-intelligenten, hoch-effizienten und hoch-kompetenten Leistungsträgern. Das muss der Kunde bezahlen und dementsprechend auch erfahren können. Neben den Konzepten auf Papier, inhaltlich innovativen Lösungen und guten Präsentationen wird eine gewisse Haltung erwartet, die einem teuren und hochwertigen Service-Produkt gerecht wird. Hier lernt man schnell auch in unsicheren Situationen eine gute Figur abgeben zu müssen, welches folgender Satz, den mir mal ein sehr intelligenter Principal beigebracht hat, auf den Punkt bringt: „Shut up and look expensive“. Bevor man unsicher Quatsch von sich gibt, lieber Schweigen, intelligent und teuer schauen und im Nachhinein dann alles nachrecherchieren und nacharbeiten, wenn nötig. Oder wie ein anderer Mentor von mir immer sagt: „Hättest du geschwiegen, du wärst ein Philosoph geblieben…“. Sicher nicht das permanente Problem von allen, aber gerade Frauen können ganz gerne mal viel plappern und dabei Unsicherheiten preis geben. Hier lieber nichts sagen und schlechte Eindrücke vermeiden :) .

by Helen

Letzte Woche war ich ja auf Klausur. Für die Nichteingeweihten: Das bedeutet, wenn sich mind. zwei bis drei Mitarbeiter vom normalen Tagesgeschäft ausklinken, um sich mit besonderer Intensität einem oder mehreren Themen zu widmen. Meist an einem anderen Ort, als dem normalen Arbeitsort. Und meist widmet man sich anderen Themen, als dem normalen operativen Geschäft.
Irgendwie hatte ich gehofft, dass etwas total außergewöhnliches auf dieser Klausur passiert. Über das ich dann heute hier hätte schreiben können. Aber so wars leider nicht, es war einfach wie immer. Wie auf den gefühlt 263 Klausuren, auf denen ich vorher schon war. Aber das kann auch etwas Gutes sein. Denn die Klausuren, auf denen ich war, lassen sich in vier verschiedene Kategorien einteilen. Und manche davon sind richtig unangenehm.

Klausurtyp 1: Die Assessment Center-mäßige Klausur
Normalerweise werden hier neue Mitarbeiter oder Führungskräfte zusammen gepfercht, um zu schauen, wie sie so miteinander umgehen – so Softskill-mäßig. Wenn sie also in einem abgelegenen Hotel eine Reihe von stolpernden Mittdreissigern sehen, die mit verbundenen Augen durch die Gegend stolpern oder die versuchen zu fünft auf einem zusammengefallteten Stück Tageszeitung zu balancieren, dann sind diese Leute nicht verrückt, sondern High Potentials. Ich habe solche Veranstaltungen je nach Gruppenzusammensetzung bisher auf einer Skala von schrecklich nervtötend bis ganz unterhaltsam erlebt.

Klausurtyp 2: Die Arbeitsklausur
Die selben Deppen sitzen zu den selben Themen zusammen und diskutieren den selben Mist mit den ewig selben Argumenten. Aber sie sind in einem Hotel am Starnberger See und es gibt Kuchen in den Kaffeepausen. Ungefähr genauso wie normal arbeiten, nur das man hinterher ein Kilo mehr wiegt.

Klausurtyp 3: Die “Wir-haben-schon-so-lange-nicht-mehr-richtig-Zusammengesessen” Klausur
Die selben Deppen sitzen zusammen, obwohl die üblichen Themen und üblichen Diskussionen derzeit nicht für eine tagesfüllende Klausur ausreichen. Trotzdem rottet sich das Management in einem Hotel am Starnberger See zusammen. Die Kaffeepausen dauern länger, ab 16 Uhr werden You-Tube Videos am Beamer gezeigt. Langweilig bis Unterhaltsam und am Ende hat man 2 Kilo zugenommen.

Klausurtyp 4: Die Change Management Klausur
Diese Klausur wird einberufen, wenn eine große Veränderung ansteht. Zum Beispiel ein Merger oder eine große Umstrukturierung. Ich finde diese Klausuren immer zu tiefst unangenehm und das aus zwei Gründen: zum einen habe ich schon miterlebt, wie neben mir Existenzen zerstört wurden und das ohne jede Vorankündigung. So nach dem Motto: “Aber auf dem Organigramm bin ich ja gar nicht drauf.” So etwas vor der versammelten Mannschaft zu erfahren ist äusserst unangenhm. Und zum zweiten finde ich es wiederlich mit anzusehen, wie sich die Kollegen vor dem potentiellen neuen Chef wie Hunde auf den Rücken werfen. Pfui!

by Helen
Erstmal: Ich bin keine “Frühstücks-Person”. Ihr wisst schon, diese Meschen (ja, auch Frühstücks-Personen sind Menschen), die so Sätze sagen wie:
“Wenn ich aufstehe, fühl ich mich ganz schwach und brauch erstmal was zu Essen.”
oder
“Frühstück? Das ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.”
oder
“Frühstücke wie ein König…bla bla bla”
Brezel und Latte Macchiato

Erstmal frühstücken...

Wenn ich frühstücke dann kann das nur zwei Gründe haben:

1) Es ist 11 Uhr, ich bin gerade gejoggt und eine Runde im Pool geschwommen und komme an einen herrlich-gedeckten Frühstückstisch mit frischen eisgekühlten vollreifen Pfirsischen (oder Kirschen oder Mangos oder….) und frisches Brot und….ok ich hör auf. Mit anderen Worten: ich bin im Urlaub!

2) Ich bin auf einer zwei tägigen Klausur und gönne mir fünf Minuten mit Butterbreze und Latte, bevor es losgeht (und mit “es” meine ich den Wahnsinn, der auf Klausuren so überlicherweise stattfindet)

Und nun dürft ihr raten: Urlaub oder Wahnsinn?

Die gute Nachricht ist: ihr bekommt den brühwarmen Wahnsinn demnächst hier zu lesen ;-) !

by Helen

Mein Job im Konzern fühlt sich im Moment an wie eine Sinuskurve. An einem Tag bin ich völlig entnervt von all der Politik und der Langsamkeit und dem Ignorieren von Notwendigkeiten und dem ewig, alten, gleichen Trott und dem “das-haben-wir-immer-schon-so-gemacht” und….. (oh je – alleine das drüber Schreiben nervt mich).
Und dann kommen doch wieder Lichtblicke. Gestern war ich echt entnervt. Mal wieder so eine Aktion, die einen auf die Palme bringt. Irgendeiner meinte, meinem Chef Zahlen zeigen zu müssen, die mein Team betreffen aber nicht mit mir abgestimmt waren. So dass ich in Folge dessen wieder meinen Tag damit verbringen durfte meinem Chef zu erklären, wieso die Zahlen nicht stimmen. (Der schlechte Geschmack im Mund, warum sich der Kollege nicht mit mir abgestimmt hat, bleibt aber trotzdem). Am Nachmittag des selben Tages dann die nächste “Freude”. Das Facility Management will mehr Platz für neue Büros gewinnen und wir sollen Büroflächen räumen bzw. verkleinern. Wir “säßen ja eh wie in einem Tanzsaal”.
Darauf resultierte dann die nächste tolle Aufgabe des Tages: Beweisen, dass wir den Platz brauchen. Zeigen, wieviele Mitarbeiter dauerhaft oder in Teilzeit wie, wo und wann sitzen. Und damit wieder die ewig bohrende Fragen: Was hat das mit meinem Job zu tun?

Die Wendung:
Mein Kollege schickte mir per mail eine Einladung zu einem Meeting mit dem besagten Facility Management.
Kollege: “Mit der Bitte um Ihre Teilnahme an der Abstimmung zwecks Flächenbedarf.”
Ich (konnte ich mir nicht verkneifen): “Nehme gerne teil. Mit oder ohne Tanzschuhe?”
Heute morgen im e-mail Eingang las ich die Antwort und lachte mich echt kaputt.
Kollege (sehr trocken): “Bitte mit Ballettschuhen – in Sachen Zukunftsorientierung !!! Ballettänzer brauchen weniger Platz…”

by Helen

Insbesondere für meinen alten Job war ich ständig auf Achse. Zuerst hört sich das ja toll an. Wichtig! Ich! Geschäftsreise! Ist es auch. Man bereist Orte, die man ohne den Job vielleicht nie kennen gelernt hätte – und man muss noch nicht mal dafür zahlen.
Leider lernt man auch Orte kennen, die man vielleicht nie kennen lernen wollte (Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg) oder Orte, bei denen man länger unterwegs war, als dann vor Ort (Bangalore, Indien). Außerdem ernährt man sich schlecht (Meetingkekse!)…
Und man darf auch nicht vergessen Business Trips sind kein Urlaub. Oft hat man keine Zeit und hockt in einem dunklen Verlies – aka Meetingraum und kriegt nix mit von der Welt. Einmal war ich eine Woche in Paris und habe nichtmal den Eifelturm gesehen. Damit euch das nicht so geht motiviere ich euch hiermit euch Paris anzusehen. Bitte folgen…