Lipstick and Laptop

by Cloe

Einer der stressigsten Moment in meinem Managementleben war tatsächlich eine Kündigung von einer Mitarbeiterin, die nach nur 10 Tagen, nachdem ich das Team übernommen hatte, kündigte. Es war einfach so früh und ich verstand den Grund nicht. Sie war völlig aufgelöst, selber noch sehr jung, ihr erster Job, ihre erste Kündigung. Sie war so voller Misstrauen und hatte sehr viel Angst, ich würde ihr jetzt den Kopf abreißen und das Leben zur Hölle machen die letzten Monate vor dem Ausstand. Ich musste mir in den folgenden vielen Tagen hart ihr Vertrauen erarbeiten und ihr zeigen, dass ich sie wie jeden Mitarbeiter sehr schätzte, es bedauere, dass sie gekündigt hat und ihr nur das Allerbeste wünsche. Ich behandelte Sie mit vollem Respekt, wie es meinen Werten eben auch entspricht und zog sie in den letzten Wochen noch für spannende Aufgaben heran und brachte ihr viel bei, was Sie noch nicht wusste.

Fast bedauerte Sie dann ihre Kündigung als sie sich mir öffnete, warum es so sei. Leider ist dies immer noch ein hartes Tabu-Thema in Firmen und ich möchte hiermit in dem Blog darauf aufmerksam machen. Mein Vorgänger hatte ihr Selbstbewusstsein systematisch abgebaut, sie grundsätzlich kritisiert und dabei zu allem Überfluss auch noch massiv sexuell belästigt. Ich war schockiert. Das nannte ich mal systematische Erniedrigung einer jungen Seele, die damit nicht umgehen kann. Sie hatte in all der Zeit keine Kraft sich jemanden anzuvertrauen, noch einfach zu gehen. Als er weg war und ich kam, nutzte sie die „Erholungspause“, um mit Familie und Freunden zu sprechen, die ihr dann sofort nahelegten, zu kündigen und diese schlimme Firma endlich zu verlassen. Auch ohne neuen Job. Ich konnte Sie nicht überzeugen zu bleiben, so schlimm waren ihre Erfahrungen an ihrem ersten Job, sie wollte einfach nur weg. Ein Betriebsratsbesuch kam für sie nicht in Frage, wollte sie doch ihre berufliche Laufbahn nicht schon in Konflikt gegen das Unternehmen beginnen. So traurig es auch ist, das passiert oft. Kaum eine Frau sucht Hilfe, fürchtet sie doch dann mit dieser Verwicklung ihre eigene Karriere in den Sand gesetzt zu haben. Meine Aufgabe war es ihr bis zum Schluss das Selbstbewusstsein wieder zu geben, ein wunderbarer junger Mensch zu sein, der leider schon im ersten Job eine so schlechte Erfahrung gemacht hat, dies aber kein Abbruch für ihren weiteren Weg sein sollte. Der Beruf sollte sie stärken, nicht brechen. Ich bemühte mich ihr ein guter Coach zu sein, sie für gute Leistung zu loben und sie vor dem zu schützen, was ihr in ihrer Entwicklung nicht gut tut. Dies ist meine Aufgabe. Nicht umsonst gibt es den Begriff als Führungskraft seinen Mitarbeitern gegenüber einen „Schutzbefohlenen-Auftrag“ zu haben. Dies hatte mein Vorgänger wohl noch nicht verstanden. Mit ihrem Beispiel kamen auch meine Erinnerungen hoch, auch mir ist sexuelle Belästigung in Firmen als Frau passiert. Ein anderes Mal mehr hierzu.