Lipstick and Laptop

by Helen

Achtung. Disclaimer. Bevor ihr diesen Artikel lest, solltet Ihr dringend zur Kenntnis nehmen, dass ich mich privat derzeit in einer mehr als turbulenten Zeit befinde (nein, mehr wird nicht verraten). Jedenfalls wird mir daher derzeit einmal mehr bewusst, was eigentlich wichtig ist im Leben. Und plötzlich passieren mir Geschichten, wie die folgende:

Ein Kollege etwa in meinem Alter, wurde auf meine Ebene befördert. Im Konzern bedeutet das, dass er jahrelang an diesem Schritt arbeiten musste, bzw. warten musste bis er „an der Reihe“ war. Eine schier endlose Gedulds- und Willensprobe. Natürlich ist er im siebten Karrierehimmel (falls es sowas gibt). Seinen Vorgänger kenne ich auch – er ist ebenfalls etwa in unserem Alter. Ich gratulierte meinem Kollegen natürlich und nutzte die Chance auch gleich zu fragen, was sein Vorgänger eigentlich jetzt macht. Die überraschende Antwort: „Der geht nach Paris. Da wohnt seine Freundin.“ Aus dem Ton, in dem er antwortete konnte ich klar und deutlich seine Message raushören: So ein Vollidiot, hat eine super Stelle im super Konzern und kündigt. Wegen einer Frau! Klar – aus seiner Perspektive betrachtet – ist so ein Schritt natürlich nicht nachvollziehbar. Er musste jahrelang arbeiten um das zu erreichen, was der andere hatte – und der schmeisst es einfach weg.

Normalerweise hätte ich ihm wahrscheinlich zugestimmt. Hätte gesagt, dass die Karriere vorgeht bzw. dass das schon eine sehr, sehr schwierige Entscheidung wäre. Aber im Moment ist nichts normal bei mir. Ich merke dass das Privatleben die Achillesferse ist. Dass ohne das private Glück alles andere seinen vermeintlichen Glanz verliert. Und so sagte ich: „Wow Paris – toll für ihn. Lebensglück ohne eine Karriere ist möglich. Aber Lebensglück ohne ein glückliches Privatleben. Ich wüsste nicht wie das gehen soll.“

Das mag im Moment sehr drastisch daher kommen, aber ich glaube schon ein Stück weit daran. Denn das Private hat ja auch einen großen Abstrahleffekt. Ich glaube fest, dass Chefs und Kollegen merken, ob du daheim das Back-up bekommst, dass du brauchst. Sei es durch einen Partner, eine Familie oder Freunde. Denn privates Glück ist ja individuell. Genau darüber habe ich dann mit einem anderen Kollegen diese Woche beim Mittagessen gesprochen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Ich erzählte ihm ein bisschen von meinem aktuellen Chaos und er sagte: Klar, dass bei dir im Moment auch karrieremäßig sich wenig bewegt. Man muss es auch im privaten schaffen Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Denn wie will man überzeugend im Job den entscheidungsstarken Manager darstellen, wenn man privat noch auf dem Commitment-Level eines ungebundenen Studenten unterwegs ist.

Hart – aber nicht ganz unwahr. Von daher heute mein nachdenklicher Aufruf: Verliebt euch! Übernehmt Verantwortung für Menschen in eurem Umfeld! Bindet euch! Ja, dann bin ich nicht mehr so frei wie vor 10 Jahren, aber das Netz auf dem ich balanciere wird auch viel engmaschiger. Und das wirkt sich dann hoffentlich auch auf den Job aus.

by Helen

Insbesondere für meinen alten Job war ich ständig auf Achse. Zuerst hört sich das ja toll an. Wichtig! Ich! Geschäftsreise! Ist es auch. Man bereist Orte, die man ohne den Job vielleicht nie kennen gelernt hätte – und man muss noch nicht mal dafür zahlen.
Leider lernt man auch Orte kennen, die man vielleicht nie kennen lernen wollte (Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg) oder Orte, bei denen man länger unterwegs war, als dann vor Ort (Bangalore, Indien). Außerdem ernährt man sich schlecht (Meetingkekse!)…
Und man darf auch nicht vergessen Business Trips sind kein Urlaub. Oft hat man keine Zeit und hockt in einem dunklen Verlies – aka Meetingraum und kriegt nix mit von der Welt. Einmal war ich eine Woche in Paris und habe nichtmal den Eifelturm gesehen. Damit euch das nicht so geht motiviere ich euch hiermit euch Paris anzusehen. Bitte folgen…