Lipstick and Laptop

by Cloe

Kennt ihr das auch? Irgendwie klappen die meisten Sachen nur unter Druck. Man fühlt sich tagelang schlecht, weil man schon längst hätte anfangen sollen. Im privaten wie beruflichen. Ob noch die letzte Urlaubsorganisation, lernen für eine Prüfung oder das Erstellen einer Präsentation – alles zu einer bestimmten Deadline. Doch wenn das Ding mal steht und fertig ist, ist auf die letzte Minute dann komischerweise doch eine brillante Leistung entstanden. Was habe ich mich nicht alles verrückt gemacht, bereue es doch immer wieder so knapp dran zu sein.

Bis ich festgestellt hatte, dass es in vielen Themen bei mir einfach nicht anders geht. Im Kopf laufen  viele Prozesse gleichzeitig ab und ich behaupte: ich kann einfach nicht vorher beginnen, bis mein Kopf, meine Seele und mein Gefühl sich nicht geeinigt haben, wohin in diesem Thema die Reise geht. Einfach so anfangen ist so ausgeschlossen. An alle, denen es auch so geht: Der Kopf arbeitet schon lange an Ideen und Konzepte und versucht einfach eine Vorstellung davon zu generieren, was er denn eigentlich tun soll. Eine Vision eben, die Größeres und Perfektes kreieren soll. Solange die nicht sitzt, ist „einfach Anfangen“ pure Zeitverschwendung. Je weniger man sich hier verrückt macht, umso besser, denn diese negativen Gefühle sind an dieser Stelle Zeitverschwendung. Oder wie stolz ein guter Freund die Angelegenheit voller Ehrfurcht letztens betitelte, als ich mal wieder nach einer doch klasse Leistung meinen kreativen und anstrengenden Prozess davor beweinen musste: „Cloe, auch bei dir werden Diamanten nur unter Druck gepresst.“ Er hat einfach nur Recht und diese Vorstellung ist doch viel besser als die Gedanken grundsätzlich etwas Falsch zu machen… :)

By Cloe

Ich habe oft viel zu schnell viel zu viele Projekte an der Backe, bin für so vieles zu begeistern und kann manchmal nicht Nein sagen, da die Vision schon vor meinen Augen schwebt. Beruflich wie privat. Danach habe ich dann aber die Arbeit und den einen oder anderen Monat verteufle ich mich für all meine Begeisterung. Falle dann ab und wann in ein tiefes Loch, weil ich das alles nicht mehr schaffe. Und nein, ich bin keine Mama, die nebenher noch so einen kleinen Fratz zu einem wundervollen Menschen groß zieht. Bekannte, eigentlich immer nur Männer, die ebenfalls soviel Themen an den Hacken haben, schauen mich irgendwie immer ganz relaxed an und verstehen gar nicht, dass ich typisch Frau mal kurz durchdrehen kann, gefühlt nix mehr auf die Reihe bekomme, auch mal alles hinschmeißen will und meinen nervösen Emotionen schlicht den Lauf lasse.

Ihre Bemerkung dann: „Wieso, soviel hast du doch gar nicht, musst halt nacheinander alles in der Woche unter bekommen. Und was nicht klappt dann halt nächste Woche. Aber insgesamt bekommt man alles locker hin, bist ja noch jung.“ Na super, diese Sätze hasse ich. Wikipedia sagt die Effizienz steht für u.a. für „Wirtschaftlichkeit, eine optimale Verwendung von Produktionsfaktoren – siehe Pareto-Optimum, ein Maß für den Energieaufwand, das Verhältnis zwischen Nutzenergie und energetischem Aufwand, Wirkungsgrad.“ Ich glaube wir Frauen haben nicht immer den idealen Wirkungsgrad bei optimalem Energieaufwand (nicht alle, aber so allgemein). Wir haben hier einen viel zu sorgfältigen und strengen Ansatz an uns selbst. Ich habe festgestellt, dass Männer oft intuitiv besser delegieren können, eher davon ausgehen, dass Hilfe kommt und die großen Projekte natürlich nicht im Detail selbst ausarbeiten. Beruflich wie privat. Sie sehen alles lockerer und gehen dabei immer noch ein Bierchen trinken. Ja, manchmal wird es dann auch nicht so super, eine Feier organisiert von einem Mann hat dann eben nur den Kasten Bier, das Grillfleisch und Ketchup. Aber wer sagt denn, dass dies im Ergebnis keine tolle Party wird. Müssen nicht immer acht verschiedene Salate gemacht werden. Das wäre dann die berühmte 20/80 Regel. Mit 20% Aufwand 80% Output erreichen. Ein 100% Output erreichen würde ein 100% Aufwand bedeuten und damit im Verhältnis einen geringere Effizienz darstellen. Mein Empfinden: so sind aber eher Frauen unterwegs.

Das selbe bei Bewerbungen. Meine männlichen Freunde schauen sich eine Stellenbeschreibung an, bei der sie 20% schon mal gemacht haben, und 80% können sie sich super vorstellen. Dann wird sich beworben und mit vollem Selbstbewusstsein am ersten Tag den Job gemacht als ob schon immer drauf gehabt. Das weibliche Pendant liest eine Stellenbeschreibung, bei der sie schon zu 90% alles kann und zweifelt an ihrer Qualifikation weil ja noch 10% fehlen – und stellt beim Vorstellungsgespräch wahrscheinlich auch noch ihr Licht unter den Scheffel und plaudert ihre Zweifel aus.

Ich und viele weibliche Bekannte machen uns oft verrückt und wollen alles zu 150% machen. Hier einfach auch nochmal von Siegern lernen ;) egal, ob von Mann oder Frau – ruhig die großen Dinge stemmen, auch mal delegieren oder Hilfe holen und ein völlig ausreichendes Ergebnis wird kommen. Loslassen heißt hier die Devise und sich nicht im Detail verzetteln. Lebenszeit uneffizient einsetzen, muss man nicht.

by Cloe

Mein Kollege und ich haben eine konzeptionelle Niederlage hinnehmen müssen. Ja, einfach so müssen. Per Hierarchie-Kaskade. So sind nun mal die Spielregeln. Irgendwie stand sowieso alles unter einem schlechten Stern. Wir wussten, der CEO ist heute angespannt und maximal schlecht gelaunt. Welche Ursache ist unerheblich, ob er sich nun mit seiner Frau zuhause gestritten hat, das Business nicht so läuft oder persönlich einfach mal nicht mit sich oder der Welt zufrieden ist… Genau das haben wir abbekommen, glauben wir zumindest. Tagelang hatten wir uns vorbereitet, ein neues Kundenevent-Konzept erarbeitet.  Alle Management-Vorgaben umgesetzt: inklusive hochkarätige Gastredner, die perfekte Darstellung der Unternehmens-Expertise geplant und Roundtables, bei denen klassische Kundenprobleme in Ansätzen gelöst werden, vorbereitet. Kundenliste fertig, Budget minimal belastet. Doch es sollte nicht sein.

Schon beim Betreten des Meeting-Raumes zu unserem „Slot“ lag die gefühlte Wassertemperatur auf -1000 Grad. Der CEO sowie die Director und Principal-Ebene maximal angespannt. Auch mein gesamtes Portfolio an weiblichem Charme hat nix geholfen. Die Präsentation wurde zuende gehalten, der CEO hat währendessen und danach gar nichts gesagt (!), obwohl alles mit ihm abgesprochen und er es genauso wollte. Die Ebene der Director und Principale also maximal angestachelt, haben den Plan kurzerhand als zu teuer, zu aufwändig und inhaltlich schlecht ausgearbeitet bis unrealistisch umsetzbar abgestempelt. Völlig absurd und frustrierend für uns, denn das Konzept war keine Innovation, sondern Standard am Markt. Mein Tag war gelaufen. Heute rückblickend, kann ich sagen, dass dies eines der „Rettet-die-Schildkröten“-Tage war: denn eine Woche später war das selbe Konzept plötzlich hochgelobt, Best-Ever und wurde so mit leichten Adaptionen erfolgreich umgesetzt. Wie besprochen.

Warum wollen mein Kollege und ich nach solchen Tagen grundsätzlich aussteigen und eine Schildkröten-Farm aufmachen? Ganz einfach: Der oberste Boss ist schlecht gelaunt, gibt seine Laune mit dementsprechenden unfairen Verhaltensweisen an die Hierarchie darunter weiter, diese Manager/Innen quälen den nächsten Mitarbeiter, der Mitarbeiter geht nach Hause, lässt seinen Frust an seiner Ehefrau/ Ehemann aus, diese/r nervt die Kinder und die Kinder töten die Schildkröte. Deshalb arbeiten wir an solchen „Stress-Weitergabe-Tagen-per-Hierarchie“ an unserem Businessplan Schildkröten-Farm.

…wir haben ein immens schlechtes Gewissen.

Irgendwie stecken wir alle tief im Stress-Sumpf der da heisst “Job”. Daher schläft unser Blog Projekt gerade etwas vor sich hin. Wir hoffen es wird bald besser… ;-)

LG in die Welt da draußen,

Helen, Cloe und Liz

by Cloe

Manchmal hetzen wir durchs Leben. Auch im Beruf. Immer neue Restrukturierungen, ständige Anpassungen an den immer schneller werdenden Wettbewerb. Pläne sind schon alt, wenn sie umgesetzt werden und Manager werden daran gemessen wie schnell sie ihre Mitarbeiter an neue Organisationsformen, Prozesse, Systeme und Kundenanforderungen gewöhnen können. Wir stecken im ewigen Change Management und manchmal ist es einfach zu viel. Das große Ende, der Burnout soll schließlich nicht kommen!? Auch in meinem Business Life stehen derzeit zahlreiche Veränderungen an, alle gleichzeitig und das schon seit Monaten. Die Erwartungen sind hoch und man kann sich dem nicht entziehen. An dieser Stelle wieder der Hinweis, regelmäßig Pause zu machen, sich unter Kollegen auszutauschen oder einen Mentor zu fragen, um die Lage richtig einzuschätzen; zu reflektieren und größere Crashs zu vermeiden. Die Verantwortung als Führungskraft lastet manchmal schwer. Gerade in der Sandwich-Position von oben Vorgaben zu bekommen, diese aber mit den Mitarbeitern auf der operativen Ebene auch realistisch und effektiv umsetzen zu müssen. Meine Sorge daher an meinen Mentor heute: „Es kommen nicht alle Mitarbeiter mit, es ist zu schnell und das Ergebnis wird schlecht.” Wieder ein tolle Antwort, die mir nach meiner letzten schlaflosen Nacht wirklich geholfen hat:

Er erzählte von einer Geschichte mit einem Indianer, „der mit einem Bus gereist ist und mehrere Male darum bat, aussteigen zu dürfen. Dann setzte er sich an den Wegesrand und stand erst nach einer Weile wieder auf um einzusteigen. Beim zweiten oder auch dritten Mal fragte ihn der Busfahrer, was er denn tue. „Ich warte auf meine Seele.“ war seine Antwort. „Sie ist nicht so schnell wie der Bus.“

Dies ist ein leicht verständlicher Vergleich – nicht schneller zu leben als der Geist es vermag, ist die Message. Veränderungen durch das Unternehmen zu hetzen, wenn es am Ende nicht bei allen gleichmäßig ankommt und mehr Verwirrung stiftet als Nutzen – was bringt dies? Hier steckt viel dahinter, doch so schwer umzusetzen…