Lipstick and Laptop

by Cloe

Karriere-Frau und oberwichtiger Job hin oder her: Eine Freundin hat es mit einer reinkommenden SMS ihrer Tochter bei einem Glas Prosecco in einer Bar nach Feierabend auf den Punkt gebracht: „Mama, Monti hat auf den Teppich gekotzt“. Tag so far: Im Kostüm wichtige Sitzungen geschmissen, harte Entscheidungen durchgefochten, Mitarbeitergespräche geführt, Kundenwünsche erfüllt und in der Mittagspause ein kurzes und leichtes Business Essen eingenommen – diesmal waren die schicken “ Berater-Pommes“ (Sushi) dran. Monti ist der Hund der Familie und nach dieser SMS bedeutet dies natürlich bei Heimkehr Arbeit, welche aber sowas von fernab des Karriere-Frauen-Image ist, weiter weg geht’s gar nicht. Ich selber habe keinen Hund, auch keine Kinder (ich bewundere hier meine Freundin, wie sie das alles schmeisst) - trotzdem fiel mir persönlich prompt ein, dass auch auf mich Dinge zu Hause warten. Dinge, die einfach nicht zum Alltag einer Business Woman auf den ersten Blick passen und schon gar nicht in den Medien diskutiert werden.

Das im Folgenden nun so hübsch beschrieben, läuft einfach NICHT regelmäßig nach Feierabend ab: Prosecco-Abende, Glamour-Shopping Touren, Fitness-Studio Besuche und Hot-Iron-Kurse sowie die perfekten Dinner mit Lebenspartner oder Freunden (Essensgespräch ob wir den Barcelona-Trip am Wochenende machen sollen oder nicht inklusive). Zu Hause warten einfach oft ganz andere Dinge (neben den gesellschaftlich eh schon akzeptierten Bedürfnissen wie putzen, essen und schlafen) – die die kleinen Heinzelmännchen nachts einfach nicht mit erledigen, Business Woman hin oder her. Mir fiel also ein, dass mein Duschvorhang gerissen ist, meine Bettwäsche dringend mal wieder gewechselt werden muss, ich eine fette Schramme in mein Auto gefahren habe, die repariert werden muss, meine Steuererklärung sehnsüchtig auf mich wartet, meine Absätze in den hohen Pumps abgebrochen sind, eine kleine unangenehme Familienangelegenheit zu klären ist und sich ein undefinierter Schimmel draußen im Garten an der Hauswand breit gemacht hat. Und ich habe Streit mit meinen Nachbarn, weil mein Auto nicht perfekt in der Tiefgarage parkt. All die Dinge, die keiner in sein Leben wirklich einplant. Also Mädels, genug Puffer für solche Aktivitäten einplanen, akzeptieren und im Leben willkommen heißen. Stellt überings auch eine gewisse Ablenkung zum Wahnsinn in einer Firma dar, wobei an dieser Stelle gesagt werden muss, dass der Gang zum Auto reparieren als Frau hier sicher eine eigene Story wert ist… ;)

by Helen

Vorstellungsgespräche mit Bewerbern zu führen, ist auch eines dieser Managment-Mythos-Themen. Das sind für mich solche Dinge, die sich super toll anhören und man sich unendlich wichtig vorkommt, wenn man es zum ersten Mal machen darf. Dann stellt sich ganz schnell heraus, dass es oft eigentilch nicht wirklich super toll ist. Andere Management-Mythos-Themen sind für mich “als Standbetreuer auf Messen fahren”, “für ein einziges lächerliches Meeting mit dem Flugzeug für einen Tag wohin fliegen”, “an Strategieworkshops des Management teilnehmen”, etc. (Das ist zu einem Drittel mein Blog, daher darf ich auf hohem Niveau jammern so lange ich will ;-)

Zurück zum Thema Vorstellungsgespräch: Manche sind interessant, da auf der anderen Seite jemand sitzt, der interessante Dinge zu erzählen hat, aber oft sind die Bewerber (verständlicherweise) hypernervös und erzählen von ihrem BWL/Maschinenbaustudium und sorry das ist unter uns gesprochen nicht so prickelnd.
Am Tag des Sushi Vorfall hatte ich mal wieder ein oder zwei Bewerbungsgespräch zu führen. Unter anderem mit DEM Bewerber. Er war nett, kam gut rüber, hatte relevante Erfahrungen zu der Stelle vorzuweisen. Ergo ein gutes Erstgespräch mit Potential auf ein zweites. Als das Gespräch vorbei war, stand ich auf, um den Bewerber noch zur Tür zu begleiten, da fing er an, in seiner Tasche, die neben ihm auf dem Stuhl lag, herumzukramen. Ich war leicht irritiert, wartete aber ab, ob er sich bequemen würde aufzustehen, wenn er was immer er suchte gefunden hätte. Schließlich zog er ein Päckchen heraus, das in eine Plastiktüte eingewickelt war. Es entpuppte sich als gefüllte Sushi-Box. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich in jenem Jahr wahrscheinlich schon an die einhundert Bewerbungsgespräch geführt. Ich dachte ich hätte alles erlebt, aber in diesem Moment war ich einfach nur perplex.

Er erklärte mir, dass seine Frau Japanerin wäre und als er gelesen hätte (auf einem Online Portal Profil), dass ich Sushi mag, hätte Sie sich erboten eine Box für mich zu machen. Ich war so verdattert, dass ich mich einfach nur bedankte und versuchte den Bewerber halbwegs anständig zu verabschieden, bevor ich völlig irritiert meine Bürokollegen zusammentrommelte, um Beweisstück A (die Sushi-Box) zur Schau zu stellen. Bis heute bin ich mir nicht schlüssig ob ich das ganze total aufmerksam oder total psycho-stalking-mäßig finden soll…